Servus ihr Lieben,
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...es geht weiter mit einem neuen Salzkammergut-Urlaubsbericht. Beim letzten Mal nahm ich euch mit zu einer Wanderung auf dem Seenplateau der Tauplitzalm. Wollt ihr mich heute in eine Ortschaft begleiten, die aussieht, als würde sie aus einem Bilderbuch gesprungen sein und die gleichzeitig von großer historischer Bedeutung ist? Dann kommt mit mir nach Hallstatt!
Als Edi und ich im Jahr 2018 erstmals in Bad Mitterndorf Urlaub machten, riet uns unser Wanderführer Hermann nebenbei zu einigen Ausflügen in andere Ortschaften des Salzkammerguts, z.B. zum Grundlsee, nach Bad Aussee oder nach Bad Ischl. Über Hallstatt hingegen sagte er: "Da braucht's gar nicht hinfahren - außer ihr wollt's Chinesen sehn." Nachsatz: "Vor lauter Chinesen sieht man dort nämlich sonst nix..."
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Himmelsblick am 10. Oktober: Vor dem Frühstück sah man gerade mal bis zur gegenüberliegenden Straßenseite; nach dem Frühstück begann sich der Nebel aufzulösen. |
Tatsächlich erfreut sich Hallstatt im Asiatischen Raum großer Beliebtheit. In China führte diese Beliebtheit sogar dazu, dass man 2011 in der südchinesischen Provinz Guangdong (zwei Autostunden nördlich von Hongkong) den Ortskern von Hallstatt als Wohnsiedlung nachzubauen begann - und zwar 1:1, inklusive (viel kleinerem) See - allerdings seitenverkehrt... und natürlich ohne das wundervolle Bergpanorama ringsum. Das ausführende chinesische Immobilienunternehmen hat bereits mehrere Kopien westlicher Gebäude oder Stadtteile im deutschen, spanischen, britischen und italienischen Stil errichtet - diese gelten als lebenswerter als die üblichen, von anonymer Einheitsarchitektur geprägten Großstädte, und dafür geben wohlhabende Chinesen gerne Geld aus. Im Juni 2012 wurde die Siedlung eröffnet.
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Hallstatt in China - Bild von Hanno Böck - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0 - KLICK |
Manche Chinesen begnügen sich damit, den Klon zu besuchen, doch wer es sich leisten kann, möchte das Original mit eigenen Augen gesehen haben. Verständlich - denn das Flair eines jahrhundertelang gewachsenen Alpendorfes kann man nicht imitieren. Und so stieg die 750-Seelen-Gemeinde Hallstatt während der letzten Jahre zu einem der beliebtesten Touristenziele Österreichs auf.
Das brachte die Kasse im kürzlich noch verschuldeten Hallstatt zum Klingeln, schadete aber zugleich dem Idyll. Denn im Jahr 2018 kam annähernd eine Million Touristen in den kleinen Ort, manche von ihnen wussten nicht einmal, dass Hallstatt "echt" ist und kein Schaudorf - hatten keine Ahnung, dass hier Menschen leben und diese nur wenig Begeisterung dafür aufbringen, wenn in ihrem Garten fotografierende Chinesen stehen oder Drohnen über ihrem Haus fliegen. HIER könnt ihr einen interessanten SPIEGEL-Bericht zum Thema lesen.
Durch Covid19 veränderte sich die Lage. Die asiatischen Touristenströme blieben aus - des einen Freud, des anderen Leid, denn allein schon durch die Gebühr für die öffentlichen Toiletten hatte die Gemeinde 150.000 Euro im Jahr erwirtschaftet. Die Fremdenverkehrsindustrie begann nach Ende des ersten Lockdowns jedenfalls mit dem Slogan "Hallstatt - wenn nicht jetzt, wann dann?" um Besucher aus dem Inland bzw. dem nahe gelegeneren Ausland zu werben - siehe unten. Rechts daneben seht ihr Instruktionen in verschiedenen asiatischen Schriftzeichen, die nach wie vor auf den öffentlichen Toiletten von Hallstatt aufgehängt sind. Denn die nächste asiatische Touristenwelle wird mit großer Wahrscheinlichkeit kommen. Spätestens, wenn der Impfstoff Wirkung zeigt.
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5. Tag - 10. Oktober 2020 - Hallstatt
"Wenn nicht jetzt, wann dann?" - das dachten auch wir uns. Und nachdem der Wetterbericht verkündete, dass Samstag, der 10.10. der letzte (weitestgehend) trockene Tag unseres Urlaubs sein würde, wählten wir diesen Tag für unseren Ausflug. Eine gute Wahl, denn obwohl Wochenende war, hielt sich der Besucher-Zustrom in angenehmen Grenzen. Wir fanden sofort einen (gebührenpflichtigen) Parkplatz, mussten bei den Toiletten nicht in der Schlange stehen und wir hatten freie Sicht auf den Hallstätter See und die bezaubernde Silhouette von Hallstatt:
Das Ortsbild wird von zwei Kirchen geprägt, deren Glockentürme ich euch in der folgenden Collage näher zeige - links seht ihr die katholische Kirche, rechts die evangelische. Diese Türme schicke ich zu Nova für ihre Glockenturm-Sammlung. (Wie die Kirchen im Inneren aussehen, zeige ich euch weiter unten.) Ich habe auch noch ein drittes Türmchen hinzugefügt, von dem ich glaube, dass es eine Glocke beherbergt - allerdings handelt es sich bei diesem hölzernen Turm nicht um eine Kirchturmspitze, denn gekrönt wird sie von Schlägel und Eisen, dem international gebräuchlichen Symbol für den Bergbau.

Dem reizvollen Anblick der Ortschaft und dem Blick über den See kann man sich tatsächlich nur schwer entziehen. Seht ihr in der nächsten Collage das Schloss gegenüber dem Holzsteg? Ich habe es mit dem 83-fach-Zoom meiner Nikon Coolpix P900 so nah wie möglich herangeholt (kleines Foto rechts). Es handelt sich dabei um das Schloss Grub am Ostufer des Hallstätter Sees in der Nähe von Obertraun. Das Schloss steht unter Denkmalschutz und befindet sich in Privatbesitz eines Fleisch-Großproduzenten.
Bei den Zillen, die auf dem Hallstätter See ihre Kreise ziehen, handelt es sich um Nachbauten historischer Arbeitsschiffe. Im Salzkammergut nennt man sie Plätte oder Fuhre („Fua“). Wie so vieles in Hallstatt, haben auch diese Boote ursprünglich mit dem Salzabbau zu tun, der auf dem Hallstätter Salzberg seit Jahrtausenden betrieben wird. Diese Fuhren wurden schon vor 500 Jahren verwendet, um das Weiße Gold über den See und den Fluss Traun in die Welt hinaus zu transportieren. Heute werden sie als Touristenausflugsboote oder z.B. für Hochzeitsshootings verwendet.
Auch bei einem Spaziergang durch den Ort gibt es sehr viel Ansprechendes zu sehen. Die Häuser, die sich teilweise eng an den Berghang schmiegen, sind gut erhalten und zumeist liebevoll geschmückt - einige von ihnen stehen unter Denkmalschutz - und natürlich gibt es an jeder Ecke verlockende Läden mit lokalen Spezialitäten oder hübschen Mitbringseln. Kommt, wir flanieren ein wenig durch Hallstatt:

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Solch ein geschnitzer Pfeifenraucher macht sich gut auf der Bank neben der Haustür... und das herbstlich gefärbte Weinlaub ist ein wundervoller Wandschmuck. |
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Unten seht ihr Edi vor einem schmucken gelben Haus in einem Korb stöbern - es handelt sich dabei um einen Laden namens "Salzkontor", in dem u.a. verschiedenste Salz-Gewürzmischungen, aber auch handgemachte Seifen, Cremes und verschiedene Dekorationsgegenstände angeboten werden. Wir haben hier ein "Wüdarasalz" (Wildgewürz) für uns und auch noch ein paar Würzmischungen und (palmöl-freie) Seifen als Mitbringsel für Freunde und Familienmitglieder gekauft.
Unten links bekommt ihr einen kleinen Einblick in den Laden. Der wohlgenährte Kater auf dem Foto in der Mitte ließ sich von mir streicheln (siehe übernächste Collage). Auf unserem Rückweg sahen wir ihn dann leider mit einem Vogel im Maul über die Straße rennen... 🙀 (
Update: Heidi hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass "der wohlgenährte Kater" sehr wahrscheinlich weiblich ist,
"denn nur
ganzganzganzganz wenige dreifarbige Katzen sind männlicher Natur". Wieder etwas dazu gelernt - und nun kann ich euch auch noch diesen informativen Artikel zum Thema bieten:
KLICK)
Das wunderschöne handbemalte Keramikgeschirr in der nächsten Collage hätte es mir total angetan. Allerdings gibt es in unserem Geschirrschränken kein Fitzelchen Platz mehr, also habe ich mich damit begnügt, es zu fotografieren.
In einem Laden könnte man Schilder für Küche, Keller, Garten erstehen, doch auch hier habe ich bloß ein Foto davon angefertigt. Zusammen mit den anderen Schildern verlinke ich diese Collage bei Artis "Schilderwald".
Auf dem großen Foto in der folgenden Collage seht ihr den pittoresken Marktplatz von Hallstatt mit der Pest-/Dreifaltigkeitssäule aus dem Jahre 1744. Leider stand auf dem Platz die ganze Zeit ein nicht sehr malerischer Lieferwagen herum... und somit gibt's nur wenige Fotos von dort.

Nicht weit vom Marktplatz entfernt kommt man zur
Evangelischen Pfarrkirche von Hallstatt. Diese wurde zwischen 1859 und 1863 im neugotischen Stil errichtet. 26 % der Hallstätter Bevölkerung bekennen sich zur evangelischen Kirche. Dazu ein interessanter Auszug aus
Wikipedia:
"Wie in vielen Bergbaugemeinden Österreichs waren auch in Hallstatt die lutherischen Lehren auf fruchtbaren Boden gefallen. Erst die Truppen des Salzburger Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau verhalfen zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Gegenreformation zum Sieg. Noch Mitte des 18. Jahrhunderts wurden hunderte Protestanten aus Hallstatt ausgewiesen und nach Siebenbürgen verschleppt [siehe: Landler: Als Landler oder Siebenbürger Landler bezeichnet man die Protestanten, die unter Karl VI. und Maria Theresia in der Zeit von 1734 bis 1756, u. a. aus dem österreichischen Kernland in das einzige Gebiet der Habsburgermonarchie, in dem der Protestantismus geduldet wurde, nach Siebenbürgen in die Nähe der Stadt Hermannstadt deportiert wurden.] Erst durch das Toleranzpatent Josephs II. von 1781 wurde den Protestanten rund um den Dachstein ihre Religionsausübung wieder teilweise ermöglicht." Und weiter von hier:
"Während der Bauzeit der Kirche erließ Kaiser Franz Joseph I. das Protestantenpatent von 1861, das eine weitgehende Gleichstellung der Evangelischen mit den Katholiken ermöglichte."
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Der Altar ist aus Eichenholz. Das farbige Altarbild stammt von einem akademischen Maler. Die bereits 1810 von der katholischen Kirche Ebensee angekaufte Schleifladenorgel, die bereits im Bethaus ihren Dienst versah, wurde auch in der Kirche wieder aufgestellt. Quelle: KLICK |
Ein Gedanke, der vielleicht eine Anregung für die Adventszeit sein könnte: Der Religionsfriede, der hierzulande (zumindest unter Christen) herrscht, ist also keineswegs alt. [Das sollte man sich auch vor Augen halten, sofern man scheel auf Vertreter anderer Religionsgemeinschaften blickt... Und es legt die Frage nahe, warum eigentlich immer wieder Unfrieden herrschen muss zwischen Menschen, die ja genau genommen alle irgendwelchen göttlichen Friedens- und Nächstenliebe-Geboten unterstehen...]
Wie auch immer: 63 % der Bevölkerung von Hallstatt bekennen sich zur katholischen Kirche. Die
römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, auch
Maria am Berg genannt, befindet sich im Vergleich zur evanglischen in erhöhter, hochwassersicherer Position. (Doch wie es heißt, ist die evangelische Kirche durch ihre hohe Spitze dem Himmel „ebenso nahe“ 😉.) Der mächtige
Turm ist der
einzig erhaltene Teil einer Vorgängerkirche aus dem Jahr 1320. Anno 1505 wurde der Bau dieser Kirche im Stil der Spätgotik fertiggestellt. Mehr über die Baugeschichte könnt ihr
HIER lesen.
Beim Betreten des Innenraums sieht man im Doppelchor
zwei Flügelaltäre. Der
Hallstätter Marienaltar (entstanden um 1510–20) zählt zu den bedeutendsten
und aufwendigsten spätgotischen Wandelaltären Oberösterreichs.
HIER könnt ihr mehr darüber erfahren und euch den Altar auch mit geschlossenen Flügeln ansehen.
Der neugotische Kreuzaltar im nördlichen Bereich des Doppelchores entstand im Rahmen der Restaurierung und Regotisierung der Kirche in den Jahren 1888 bis 1895.
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Das Portal mit Fresken ist mein T in die neue Woche für Nova
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Der sehenswerte alte Friedhof an der Nordseite der Kirche dient sowohl den evangelischen als auch den katholischen Christen als letzte Ruhestätte. Im Friedhof befindet sich auch eine als Beinhaus genutzte Kapelle.
Leider haben wir es verabsäumt, diesen Karner zu besuchen. Wir haben nämlich erst bei unserem
zweiten Teil des Ausfluges - oben auf dem Salzberg - erfahren, dass das Hallstätter Beinhaus auf der Welt einzigartig ist: Hier werden seit ca. 1600 die Gebeine ganzer Generationen vollständig aufbewahrt - und zwar in speziell verzierter Form.
Mehr darüber könnt ihr
HIER lesen - oder ihr wartet einfach
auf den zweiten Teil meines Hallstatt-Berichtes. Da unternehmen wir nämliche eine Zeitreise in mehreren Etappen: Wir fahren zunächst mit der Salzbergbahn gemeinsam zum
Hallstätter Hochtal, genießen von dort den sogenannten
"Welterbeblick", spazieren einen informativen Salzwelten-Pfad entlang und besuchen anschließend auch noch das
Museum Hallstatt, das (neben dem Naturhistorischen Museum Wien) die zweite umfangreiche Sammlung von
Fundstücken der Hallstattzeit in Österreich besitzt. Ich hoffe, unser heutiger Spaziergang durch Hallstatt hat euch Spaß gemacht und ihr wollt auch beim nächsten Mal wieder dabei sein!
Bedanken möchte ich mich bei euch noch für eure lieben Kommentare und Gratulationen zu meinem Post
Novemberlicht, Ausflüge und etwas "andere" Geburtstagsfeiern. Schön, dass ihr mitgewandert seid und mitgefeiert habt! Und zu guter Letzt will ich euch noch erinnern, dass ihr weiterhin eure Beiträge zum Themenkreis Nachhaltigkeit im Alltag / grünes Leben / DIY / urbane Selbstversorgung / zero waste / Plastikreduktion / Naturkosmetik usw. unter meinem Gastbeitrag im Blog
einfach. nachhaltig. besser. leben. verlinken könnt. Vielen Dank an alle, die es schon getan haben!
Ich wünsche euch einen guten Start in den Advent!
Ganz herzliche Rostrosengrüße,