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Montag, 20. Juli 2020

Streifzug durch Bratislava - und eine Rückschau, die eine Vorschau ist...


Servus, Ihr Lieben, ...


... es ist mal wieder an der Zeit für ein rostrosiges Lebenszeichen, findet ihr nicht auch? Mein letzter Blogbeitrag, in dem ich euch über einen traumhaften Ausflug zu einem Naturreservat und drei Marchfeldschlössern erzählt und euch viele Fotos der Störche und Wildpferde von Marchegg gezeigt habe, ist immerhin schon rund drei Wochen alt! Ganz herzlichen Dank für die zahlreichen tollen Kommentare, die ihr mir dazu hinterlassen habt! 😊💙

Am 15. Juli 2020 unternahmen wir den nächsten Tagesausflug mit Brigitte und Peter. Der Trip führte uns zwar fast in dieselbe Gegend wie der Ausflug vom 23. Juni, aber dennoch in ein anderes Land. Denn im Juni hatten wir uns auf der österreichischen Uferseite der March herumgetrieben und vom Schloss Hof auf die slowakische Seite hinübergeschaut - diesmal machten wir es umgekehrt... und besuchten endlich die Hauptstadt der Slowakei -


Es ist schon erstaunlich, dass wir so lange gebraucht haben, dieser Stadt einen Besuch abzustatten - überhaupt, wenn man bedenkt, dass Bratislava nur 55 km von Wien entfernt liegt und dass Edi und ich schon seit Jahren davon sprechen, eine Schifffahrt auf der Donau von Wien in die so genannte "Zwillingsstadt" zu unternehmen. Immer kam etwas dazwischen. Und ausgerechnet jetzt, als aufgrund der Corona-Krise keine Ausflugsschiffe nach Pressburg fuhren *), schafften wir es endlich über die slowakische Grenze!

*) Laut dieser Seite wird der Twin City Liner jedoch ab 1. August 2020 wieder die beiden Hauptstädte miteinander verbinden.)


[Dieser Beitrag kann Werbung enthalten - durch Links zu externen Seiten, desweiteren durch Fotos, Orts-,
Firmen-, Lokal- und Produktnennungen... - die ohne Sponsoring, ohne Auftrag und ohne Bezahlung erfolgt.]



Wie schon der vorige Ausflug, war auch dieser einer mit mehreren "Programmpunkten". Doch diesmal will ich euch in zwei Beiträgen darüber erzählen. Heute bekommt ihr die Fotos von unserem Spaziergang durch die Altstadt Bratislavas zu sehen, der eigentlich der Abschluss unseres slowakischen Tages war. Ich zäume das Pferd also (aus bestimmten Gründen, die sich gegen Ende meines Beitrags erklären werden) von hinten auf 😉😁.

Beim nächsten Mal werde ich euch über eine sehenswerte Burgruine in herrlich-grüner Umgebung und über ein wunderbares Naturerlebnis erzählen. Wenn ihr euch in der folgenden Collage die Himmelsbilder  anschaut, bekommt ihr einen winzigkleinen Vorgeschmack auf das erwähnte Naturerlebnis. Im nächsten Post werdet ihr die Vögel allerdings deutlich größer sehen können.

Außerdem zeigt sich, dass der Himmel an diesem Tag recht unterschiedliche Ansichten bot. Teilweise fast wolkenlos, teilweise ziemlich bewölkt. Aber an diesem Tag fiel immerhin kein Regen. Und das war schon ein beachtlicher Vorteil, den der 15. Juli 2020 im Vergleich zu den Tagen davor und danach zu bieten hatte. Denn der Juli hierzulande ist bisher ziemlich verregnet oder (im besten Fall) so unbeständig, wie es davor auch schon der Mai und der Juni gewesen sind... *)

*) Doch ich will nicht klagen, dass alles ist im Vergleich zu Sibirien, wo aufgrund der großen Trockenheit und Rekordtemperaturen derzeit wieder verheerende Waldbrände wüten, immer noch die Wetterlage, mit der die Natur besser umgehen kann...


Zurück zu unserem Ausflug: Die Architektur Bratislavas erinnert an die Wiens, was mit der gemeinsamen Geschichte zu tun hat. Das Riesenrad von Bratislava ist allerdings um einiges kleiner als das in Wien 😉. 


Interessiert flanierten wir durch schmale Gasserln und breite Straßen in Bratislava und betrachteten viele der sehenswerten Gebäude. Das bedeutet aber nicht, dass deswegen der Genuss zu kurz kommen musste: Weil's an diesem Tag so schön warm war, gönnten wir uns unterwegs ein Eis-Stanitzel. *)

*) Brigitte meinte, das Foto, auf dem ich gleich zwei Tüten halte, wäre ihr Lieblingsfoto des Tages. Ihr Untertitel dazu lautete "Soll ich dem Edi auch eines geben oder alle zwei essen?" 😉 Aber wie ihr auf dem Beweisfoto in der Reihe darunter seht, habe ich die zweite Waffel freundlicherweise an meinen lieben Mann abgegeben 😊


In der unteren Collage seht ihr das 1886 errichtete Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters, auch als Opernhaus von Bratislava bekannt. (Mittlerweile gibt es ein neues Haus des Theaters am Donauufer, das 2007 eingeweiht wurde. Das alte Theater am Hviezdoslav-Platz wird aber parallel dazu weiterhin bespielt - es werden hier sowohl Opern und Ballett als auch Schauspiele geboten.)

Ganz in der Nähe befindet sich die Reduta - errichtet in den Jahren 1913 bis 1919 *) Unten seht ihr Details dieses Gebäudes, das durch aufwendige Fassadenverzierungen besticht. Es ist Hauptveranstaltungsort und Sitz der Slowakischen Philharmonie.

*) Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1913, verzögerten sich aber wegen des Ersten Weltkrieges und wurden daher erst 1919 beendet.



Das Eisentor der Reduta könnte mein T in die neue Woche sein - aber vielleicht ist es auch der Torbogen in der folgenden Collage? Die Entscheidung liegt bei Nova, schließlich ist es ihr Linkup 😉 Vorerst macht sie zwar eine Blogpause, wie ich gerade gelesen habe, aber wir können unsere derzeitigen Posts nachträglich verlinken.


Das werde ich auch mit den zahlreichen Glockentürmen tun, die ich in Bratislava für Nova "gesammelt" habe:


Auf den folgenden Aufnahmen seht ihr den Martinsdom von Bratislava. Der Dom hatte von 1893 bis 1969 einen Nachbarn - einen sehr nahen Nachbarn sogar, wenn man sich die historische Fotografie ansieht, die auf einem Schild beim Holocaust-Denkmal neben der Kirche gezeigt wird: An die Kirche grenzte in jenen Jahren die Neologe Synagoge. *)

*) Unter dem Vorwand, Platz für die Neue Brücke und die Zufahrtsstraßen zu schaffen, wurde die Synagoge 1969 abgerissen, obwohl sie nicht auf der Trasse lag (Vermutungen zufolge aus antijüdischen Gründen der kommunistischen Regierung). Ihr könnt euch hier virtuelle Rekonstruktionen ansehen, die zeigen, wie schön dieses Gebäude war. Wir fanden es allesamt traurig, dass man so lieblos mit diesem Kulturschatz umgegangen war, der den Martinsdom optisch wunderbar ergänzt hatte.


Die beiden Schilder in der oberen Collage könnte ich bei Artis Schilderwald verlinken - es wird in diesem Posting jedoch noch weitere Schilder geben. Mal sehen, für welches ich mich letztendlich entscheide und ob ich nächste Woche rechtzeitig daran denke. Das Schild rechts jedenfalls weist auf die Öffnungszeiten des Pharmazeutischen Museums *) hin. Leider waren wir für einen Besuch an diesem Nachmittag schon zu spät dran, aber wir haben fest vor, Bratislava wieder zu besuchen und uns dann auch dieses Museum anzusehen. (Brigitte konnte einen kurzen Blick hinein erhaschen und meinte, das wirke sehr interessant.)

*) Es befindet sich in der ehemaligen Apotheke „Zum Roten Krebs“ im Erdgeschoss eines barocken Bürgerhauses. Die Ausstattung ist größtenteils im Originalzustand erhalten und wird durch Steingut-, Holz-, Porzellan- und Glasbecher für die Lagerung von Medikamenten und Fachliteratur des 16. – 20. Jahrhunderts ergänzt.



Zu unserer Überraschung entdeckten wir in der Altstadt von Bratislava auch eine großformatige Werbung für das 


(siehe oben rechts). Und damit bekomme ich eine wunderbare Überleitung zu meinem zweiten heutigen Thema geliefert. Denn erfreulicherweise kann das Fotofestival auch im Corona-Jahr 2020 (mit leichter Verspätung) wieder stattfinden - und zwar von 14. Juli bis 26. Oktober! Und weil mich dieses Festival so begeistert, möchte ich dafür hier gern ein bisserl Gratis-Werbung machen: Solltet ihr in die Nähe von Baden bei Wien kommen, dann nützt die Gelegenheit und seht euch zumindest einen Teil der Ausstellung an. (Die Aufsehen erregendsten Werke werden zumeist im Doblhoffpark gezeigt.)

Einige von euch werden sich vermutlich noch an meine Berichte über dieses beeindruckende Outdoor-Fotofestival erinnern können: Ich habe es mir in den Jahren 2018 und 2019 jeweils "in Raten" angesehen und euch in mehreren Blogbeiträgen darüber erzählt. 

Aufnahmen von 2019 in der Nähe des Beethovenhauses, das wir heuer im Februar besucht haben


Einen Fotofestival-Bericht aus dem Vorjahr bin ich euch jedoch schuldig geblieben, und zwar einfach, weil es zu viel anderes gab, über das ich schreiben wollte. Ich habe ihn verschoben und verschoben, und irgendwann passte er nicht mehr. Oder vielleicht habe ich auch einfach darauf vergessen. Vor kurzem gestaltete ich allerdings meine zwei Foto-Jahrbücher für das Jahr 2019 - und dabei kamen mir auch jene Fotos unter, die ihr noch nicht kennt. 

Witzigerweise stammen diese Fotos vom 15. Juli 2019 - ich habe sie also auf den Tag genau ein Jahr vor unserem Besuch in Bratislava aufgenommen. Wenn das kein Zeichen ist 😊! Und so bekommt ihr sie also heute zu sehen. Zunächst ein paar der fantasievollen, teilweise auch märchenhaft anmutenden Bilder, die in der Nähe des Grünen Marktes hingen:


Aufgrund unserer Reisen habe ich einen besonderen Bezug zu Afrika. Vielleicht haben mich die folgenden Bilder verschiedener Fotografen vor allem deshalb so sehr berührt. Vielleicht aber auch, weil sie einen Themenkreis behandeln, der mich schon lange beschäftigt: die Zerstörung von Natur - Lebensraum für Mensch und Tier - und Kultur aus Profitgier... bzw. zur Befriedigung des "Habenwollens" in den reichen Nationen der Erde.

So z.B. die Aufnahmen des italienischen Fotojournalisten Fausto Podavini, der sechs Jahre lang die Auswirkungen eines Staudammprojektes im Süden Äthiopiens dokumentierte. Seine Fotoserie heißt nicht umsonst "Das Ende einer Welt": Das Tal der Omo gehört seit 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe - doch durch den Bau des Staudammes Gilgel Gibe III wurde dieses Heiligtum der Natur nachhaltig gestört! Nach Fertigstellung des Dammes hat die Äthiopische Regierung das Land, das ehemals in Stammesbesitz war, an private Gesellschaften verpachtet, die dort Zucker- und Baumwollplantagen errichteten. Die Stämme wurden umgesiedelt. Über 100.000 Menschen sind direkt vom Bau des Staudamms betroffen.


Nur ein Teil des Stromes, der durch das neue Kraftwerk erzeugt wird, wird in Äthiopien verbraucht. Den Rest hat die Äthiopische Regierung zuvor schon an Nachbarländer verkauft.


Die Umgebung von Addis Abeba ist mit Baustellen übersät, an denen riesige Schilder prangen, die die chinesisch-äthiopische Partnerschaft feiern. Die Umwelt leidet unter dieser Entwicklung jedoch sehr. Und mit ihr auch die dort lebenden Menschen: Fisch beispielsweise, der für die am Turkana-See lebenden Stämme zu den Hauptnahrungsmitteln zählt, wird durch die rasante wirtschaftliche Entwicklung und den Klimawandel immer rarer, der See selbst droht zu verschwinden. Aus Armut und Perspektivelosigkeit werden die Menschen in Alkoholismus und Prostitution gedrängt.


Der Fotograf Brent Stirton zeigt in seiner Fotoserie "Die Wiedergeburt des Waldes" jedoch auch Bilder der Hoffnung. Denn in der Bevölkerung regt sich der Widerstand. Und mit Unterstützung von Green Ethiopia und der Fondation Yves Rocher betreiben sie die Aufforstung der Hügel und Berge des Landes. Seit 2009 wurden fast 20 Millionen neue Bäume gepflanzt, nachdem das Land in den 50 Jahren zuvor einen Großteil seiner Wälder verloren hat. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Wiederbelebung der Ökosysteme!


Stéphane Couturier fotogafierte im Lauf mehrerer Jahre in Algier die gewaltige Wohnanlage Climat de France. Sie sollte ursprünglich dazu beitragen, in dem vom Algerienkrieg zerrütteten Land Frieden zu schaffen. Im Lauf der Jahrzehnte jedoch hat sich die Anlage in ein übervölkertes Ghetto verwandelt. Ursprünglich war sie für 30.000 Bewohner konzipiert, heute drägen sich hier doppelt so viele Bewohner zusammen. Der Bau wurde von den Bewohnern auch verändert, neue Fensterlöcher wurden in die Wände geschlagen, die Polizei lässt sich hier kaum blicken, hier gelten eigene Regeln. Der Fotograf stellte aus Dutzenden Einzelaufnahmen ein einziges großes Bild der Aussenfassade zusammen:



Im Gutenbrunner Park war 2019 die Ausstellung "Amazonasklage" der brasilianischen Fotografin Claudia Andujar zu sehen. Anfang der 1980er-Jahre begleitete sie ein Ärzteteam, das das Volk der Yanomami untersuchte, impfte und Gesundheitspässe ausstellte. So kam sie mit diesen brasilianischen Ureinwohnern in Kontakt und konnte über einen Zeitraum von fast 30 Jahren deren Dasein dokumentieren. Auf den Schildern, die einige der Fotografien untermalten, erfuhr man auch als Betrachter etwas vom Leben und den Problemen in dieser fernen und uns unbekannten Welt.


Allein deshalb schon ist das Fotofestival La Gacilly-Baden einen Besuch wert - man wird mit Menschenschicksalen und -geschichten konfrontiert, die so anders sind als die unseren - der eigene Horizont erweitert sich und im besten Fall vergrößert sich auch das Verständnis und Mitgefühl.


Der Gutenbrunner Park ist aber auch aus einem anderen Grund ein besuchenswerter Ort: Hier gibt es nämlich einen öffentlichen essbaren Garten und eine Wiese, die die natürliche Vielfalt fördert:


Die Bilder, die ich am Ende meines Rundgangs durch die Freiluft-Ausstellung auf dem Weg zu meinem Wagen aufnahm, zeigen euch noch ein Stückerl der hübschen Stadt Baden. So viel also zu meiner Rückschau auf La Gacilly-Baden 2019, die zugleich eine Vorankündigung für künftige Beiträge zur 2020er Fotoausstellung ist. Und damit bin ich am Ende meines heutigen Beitrags angekommen.



Ich hoffe, es war abermals interessant für euch, mich zu begleiten - einerseits durch einen Teil der vorjährigen Ausstellungen im Rahmen des Festivals La Gacilly - Baden Photo, andererseits durch die Altstadt von Bratislava. Wie oben schon erwähnt, werde ich euch in meinem nächsten Blogbeitrag abermals nach Bratislava entführen,  dann allerdings nicht in den städtischen Bereich, sondern ins grüne Land rund um den Zusammenfluss von Donau und March. Ich hoffe, ihr werdet auch da wieder mit von der Partie sein!


Ganz herzliche rostrosige Grüße,
eure Traude



Gerne verlinke ich passende Beiträge bei: 
Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche,
Artis Schilderwald-Linkup, Heidis Aktion Himmelsblick
My week in colours von Maren - Farbwunder Style, Style Splash von Emma,

Samstag, 16. Mai 2020

#Corona Extra 5: Think positive - so viele sind wieder gesund!


Servus ihr Lieben!


Vielen Dank für all eure Kommentare zu meinem Beitrag über einen Ausflug im März und unser erstes Freundestreffen nach den Kontaktsperren 😘! Heute geht es mal wieder weiter mit einem "Corona-Extra"-Beitrag.

Auch wenn manche von euch vermutlich nichts mehr über SARS-CoV-2 hören möchten, haben die heutigen Zahlen und Hintergründe doch etwas so Positives an sich, dass ich sie euch nicht unterschlagen will. Denn heute geht es u.a. um die Menschen, die schon wieder gesund geworden sind. Zu meinen vorangegangenen Beiträgen zum Thema Corona kommt ihr hier:

#Corona Extra 4: SARS-CoV-2 und die Umwelt


Fotos von einem Spaziergang entlang von Feldern Anfang Mai


Auf einem guten Weg:
In meinem vorigen Beitrag habe ich erwähnt, dass wir in Österreich auf einem guten Weg sind - auf dem Weg "in die Freiheit" quasi. Ich möchte damit nicht behaupten, dass die Regierenden und die Exekutive in unserem Land im Zusammenhang mit der "Corona-Krise" alles vorbildlich machen und gemacht haben - da gab's schon Aktionen, die mich erschüttert haben - aber ich fühle mich bisher nicht um meine Bürgerrechte betrogen. Hierbei handelt es sich um eine rein subjektive Aussage und um meine rein persönliche Sichtweise. Und damit sind wir auch schon bei einem entscheidenden Punkt: Ich darf nach wie vor meine Meinung sagen - und in Ländern, in welchen die Demokratie ausgehebelt wurde, ist es mit diesem Privileg oder Bürgerrecht vorbei. 

Ich weiß, dass es Menschen gibt, deren Existenz durch den Lockdown bedroht ist, und die werden diesen Punkt vermutlich anders betrachten. Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, denen die Lockerungen jetzt zu schnell kommen und deren Angst vor einer Ansteckung nach wie vor groß ist. Vielleicht hilft den zuletzt Genannten mein heutiger Beitrag, der fast durchgehend aus öffentlich verfügbaren und sehr optimistisch stimmenden Zahlen besteht.

Ich bewerte es übrigens sehr positiv, dass von den offiziellen Stellen transparent und für alle Bürger einsehbar mit den Entwicklungen umgegangen wird. Wer sich informieren will, kann sich diese Infos ganz einfach beschaffen:
 

  • Auf einer weiteren Seite desselben Ministeriums befindet sich das amtliche Dashbord mit den öffentlich zugänglichen Informationen und Übersichtsgrafiken zum Thema COVID 19. Das ist die von mir am häufigsten besuchte Seite. Von Mitte März bis Mitte April habe ich so gut wie täglich die Entwicklungen beobachtet. Dieses Beobachten gab mir ein gutes, sicheres Gefühl, denn ich sah, dass wir selbst zu den Spitzenzeiten weit, weit weg von überlaufenen Krankenhäusern, katastrophalen Zuständen in Intensivstationen oder sonstigen apokalyptischen Verhältnissen waren. Mittlerweile schaue ich nur noch alle drei bis fünf Tage, wie die Dinge laufen. Auf der Einstiegsseite bietet sich dort heute folgender Überblick:
Diagramm vom 15.5.2020

Diagramm vom 15.5.2020


  • Auch in Deutschland gibt es offizielle Informationsseiten - wie z.B. diese hier - aber da ich in Österreich lebe, habe ich mich naturgemäß mehr mit den Entwicklungen in unserem Land befasst. Ich denke jedoch, die von mir gesammelten Darstellungen können auch für jene interessant sein, die in anderen Ländern leben.

Anstatt der Todesfälle vermelde ich euch die milden Verläufe:

Am 30. März 2020 sagte der österreichische Kanzler Kurz in einem Interview: „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist". Ich will mal in Erwägung ziehen, dass er es nicht besser wusste. Aber aus heutiger Sicht denke ich, diese Prophezeiung trifft nur dann zu, wenn eine Berühmtheit stirbt, die wir alle kennen. Bisher jedenfalls kenne ich eine einzige Person persönlich, die einen positiven Corona-Test gemacht hat. (Es handelt sich dabei um unsere liebe Vis-a-Vis-Nachbarin, die sich während unserer Abwesenheiten immer um unsere Katzen kümmert.) Und dieser Person geht es inzwischen wieder gut, obwohl die Erkrankung COVID-19 bei ihr ausgebrochen ist.

Man kann sagen, COVID-19 hat mich freiwillig zur Beschäftigung mit Zahlen und Tabellen und sogar zum Rechnen gebracht (ja, ausgerechnet mich, die ich sonst nur ungern mit Ziffern zu tun habe - fragt meinen Mann! 😁) Und zwar einfach deshalb, weil ich der allgemeinen Panikmache für mich selbst etwas entgegensetzen wollte.

Ich beobachte die Entwicklungen schon seit Mitte März. Mich interessierten jedoch nicht die Todeszahlen, die ohnehin aus allen Kanälen über uns ausgeworfen wurden - sondern  von Anfang an war das Gegenteil für mich interessant: Ich wollte wissen, wie viele Menschen sich von einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 wieder erholt haben. Und ich wollte auch den Medien-Bildern der Intensivpatienten etwas entgegensetzen. Daher fragte ich mich, wie viele Menschen durch das Virus nicht schwer krank geworden sind, sondern einen milden Krankheitsverlauf hatten.

Ursprünglich gab es auf der Seite Amtliches Dashboard COVID19 zwar eine Information über die Zahl der "Erkrankungen" in Österreich und wie viele davon mild verlaufen, aber noch keine Angabe von Genesenen. An der ursprünglichen Darstellung  war aber immerhin sehr gut zu erkennen, wie das Verhältnis der milden Verläufe im Vergleich zu den Patienten in Spitalsbehandlung und zu jenen in der Intensivstation war. Hier die Zahlen vom 22. März 2020:




Einige Tage später, am 28. März, hieß es statt "Erkrankungen" bereits "Gesamtzahl aller positiv getesteter Personen" (siehe unten). Und um die Zahl der Hospitalisierten und der Personen in der Intensivstation zu erfahren, musste man nun auf die unterlegten Links klicken. Außerdem musste man die "milden Verläufe" nun selber errechnen. Es waren an diesem Tag übrigens 7.116 von insgesamt 7.995 positiv getesteten Personen - und somit laut meiner Berechnung rund 89 Prozent).

Das passt auch weitgehend zu dem im medizinischen Journal The bmj veröffentlichten Artikel, nach dem 50% bis 80% der testpositiven Personen symptomlos bleiben, zum Beitrag des japanischen National Institute of Infectious Diseases (NIID), nach dem selbst unter den 70 bis 79 Jahre alten Personen rund 60% symptomlos bleiben und zu einer Isländischen Studie, nach der rund 95% aller Personen höchstens milde Symptome zeigen.



Der Begriff "Erkrankungen" wurde also ausgetauscht. Denn in Wahrheit handelte es sich nicht um erkrankte Personen, sondern um Personen, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden - unabhängig davon, ob sie Symptome hatten oder nicht.

Es ist wichtig, zu differenzieren, ob jemand an Covid-19 erkrankt ist oder nur das Virus SARS-CoV-2 in sich trägt.*) Dadurch ergibt sich nämlich auch die häufig erwähnte "Dunkelziffer" - die Zahl jener Menschen, die das Virus in sich tragen, ohne es zu wissen und ohne erfasst zu werden. Leider wird mit diesem Unterschied aber sehr schluderig und in verschiedenen Ländern auch abweichend umgegangen, weshalb es schier unmöglich ist, zu brauchbaren Vergleichszahlen zu kommen.

*) Als Erklär-Beispiel für den Unterschied von "erkrankt" und "infiziert" kann man AIDS hernehmen: Da gibt es auch die Virusinfektion mit HIV, mit der man jahrelang symptomfrei leben kann (aber potentiell ansteckend ist). Erst wenn die Erkrankung ausbricht, also wenn man Symptome bekommt, spricht man von AIDS. Es gibt Menschen, bei denen AIDS niemals ausgebrochen ist, obwohl sie das HI-Virus in sich tragen. Sie gelten von Rechts wegen als infiziert, aber nicht als erkrankt. 
Es gibt weitere Infektionen, die niemals ausbrechen müssen - z.B. wenn man mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert wurde: Manche infizierte Menschen bekommen über kurz oder lang Hepatitis B, andere nicht. Wenn man ein Hepatitis-Virus in sich trägt, ist zwar das Antigen im Blut nachweisbar, aber wenn man dann an einem Herzinfarkt oder an Altersschwäche stirbt, war das Virus nicht die Todesursache.

Bei der Zählung der "SARS-CoV-2-Todesopfer“ wird anders damit umgegangen - siehe auch die Fußnote (1) auf dieser Seite des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Jede verstorbene Person, die zuvor COVID-positiv getestet wurde, wird in der Statistik als „COVID-Tote/r“ geführt, unabhängig davon, ob sie direkt an den Folgen der Viruserkrankung selbst oder „mit dem Virus“ (an einer potentiell anderen Todesursache) verstorben ist.



Genesene:
Wie bereits erwähnt, wollte ich von Anfang an wissen, wie viele Menschen sich von einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 wieder erholt haben.

Hier habe ich die verlautbarten weltweiten Zahlen von zwei hintereinanderliegenden Tagen - vom 27. und vom 28. März 2020. Ich wollte wissen, wie viele Menschen weltweit von einem Tag zum nächsten wieder gesund geworden sind (Diese Zahlen stützen sich auf öffentlich verfügbare Daten aus mehreren Quellen):

International, Stand 27.03.2020, 15:00 Uhr: Weltweit haben sich bereits 127.564 Menschen von COVID-19 wieder erholt.
International, Stand 28.03.2020, 08:00 Uhr: Weltweit haben sich bereits 131.712 Menschen von COVID-19 wieder erholt.

Das heißt, binnen weniger Stunden hatten sich weltweit 4.148 Menschen erholt.



Mittlerweile sind die guten und die nicht ganz so guten Zahlen weiterhin kontinuierlich angestiegen. In der unteren Bildschirmkopie der entsprechenden Seite des Österreichischen Gesundheitsministeriums seht ihr die Zahlen vom 14. April 2020 - an diesem Tag hatten sich weltweit 484.398 Menschen von Covid-19 wieder erholt:


Rund einen Monat später vermeldet diese Seite folgendes:

Stand 15.05.2020, 15:00 Uhr

Weltweit wurden bisher insgesamt 4.444.670 bestätigte Fälle bekannt gegeben.
Weltweit haben sich bereits 1.588.858 Menschen von COVID-19 wieder erholt.


Ich find's toll, dass so viele Menschen schon wieder gesund geworden sind! Und sie sind jetzt (zumindest für eine Weile) immun!


Weitere Entwicklungen:
Weiter oben habe ich euch gezeigt, welcher Überblick sich aktuell auf der Einstiegsseite des amtlichen Dashbords bietet.
Man sieht jetzt als erstes eine Epidemiologische Kurve, die besagt, dass der Zuwachs an positiv getesteten Personen bereits stark nachlässt. Das ist zumindest schon mal ein beruhigender Einstieg. Und man kann sich am oberen Rand durch verschiedene Datenblätter durchklicken.

Am Datenblatt mit dem Titel Epidemiologische Daten sieht man die Zahl der "aktuell Erkrankten" und die "jemals positiv Getesteten".

Diagramm vom 15.5.2020

Das heißt, in ganz Österreich sind jetzt - Mitte Mai - gerade mal um die 1.000 Menschen offiziell mit dem Virus infiziert bzw. an COVID-19 erkrankt. Ob bei den "aktuell Erkrankten" auch wieder die symptomlosen Infizierten dabei sind oder nur diejenigen, die nach obiger Beschreibung tatsächlich als "erkrankt" gelten dürften, ist leider nicht klar zu erkennen.

Ich gehe allerdings davon aus, dass in Österreich mittlerweile nicht mehr viele Personen ohne Symptome getestet werden. In der Anfangsphase wurden diese Testungen vor allem bei Heimkehrern aus Hotspots wie China, Italien oder Tirol durchgeführt, und dabei ergaben sich eben häufig positive Testergebnisse bei symptomlosen Personen.*)

*) Später wurden, wie ich zumindest aus der Erfahrung unserer Vis-a-Vis-Nachbarin schließe, nur noch Tests bei Personen mit Symptomen durchgeführt. Diese Nachbarin nämlich bekam Anfang April auffallende Symptome und wurde daraufhin positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Wie sich die COVID-19-Erkrankung bei ihr auswirkte, werde ich euch ein andermal beschreiben. Ihr Mann jedenfalls wurde nicht getestet. Er war die ganze Zeit bei seiner Frau zu Hause (was es unwahrscheinlich erscheinen lässt, dass er nicht angesteckt wurde), und hat bis jetzt keine Symptome bekommen. Das bedeutet vermutlich, dass er die Infektion symptomlos überstanden hat.

Zum Vergleich, vor einem Monat (am 15.4.2020) sahen die Epidemiologischen Daten noch so aus. Es gab um  4.835 mehr "aktuell Erkrankte" als heute:

Diagramm vom 15.4.2020


Man sieht auf dieser Seite auch eine Reihung nach Altersgruppe bei den positiv Getesteten. Abgesehen von Kindern und Jugendlichen bis 14 J. ist die Altersgruppe der Über-84-Jährigen diejenige, die am wenigsten häufig positive Testergebnisse erbrachte. (Dennoch ist das die Gruppe mit den meisten Todesfällen, siehe weiter unten.)

Beim Datenblatt Genesene und Todesfälle werden die Österreichischen Gesamtzahlen einander gegenüber gestellt. In Österreich sind zwar zum Stichtag 15. April (also vor einem Monat) 345 Personen an oder mit SARS-CoV-2 verstorben, andererseits sind bereits 8.098 Personen wieder gesund geworden.

Diagramm vom 15.4.2020



Von den bis zum 15. April verstorbenen 345 Personen waren 133 Personen 84 Jahre alt oder älter; 132 Personen waren 75-84 Jahre alt; in der Altersgruppe der 65-74jährigen sind bis zum Stichtag 62 Personen verstorben, in der Altersgruppe der 55-64jährigen waren es 13, unter den 45-54jährigen vier Personen und unter den 24-34jährigen eine Person. Ob die Verstorbenen unter Vorerkrankungen gelitten haben, ist leider aus diesem Datenblatt nicht ersichtlich.

Einen Monat später sieht die Tabelle etwas komplizierter aus, weil es nun differierende Todeszahlen aus zwei verschiedenen Quellen gibt. Laut Mitteilung des Sozialministeriums ist "keine der beiden Zahlen falsch". Die Differenz soll zum einen darauf zurückgehen, dass das Innenministerium die Daten aus morgendlichen Videokonferenzen mit den Sanitätsdirektionen erhält und früher in die eigene Datenbank einpflegen kann. Zum anderen soll die niedrigere Zahl des BMSGPK nur jene Personen umfassen, die tatsächlich an den direkten Folgen von Covid-19 verstorben sind; die höhere Zahl des BMI hingegen schließe auch Personen ein, die an einer anderen Ursache verstorben sind und positiv getestet wurden, also mit und nicht an dem Virus starben. (Quelle: KLICK)


Aber beachtet bitte auch hier vor allem die hohe Zahl der bereits Genesenen: 14.471 klingt doch nicht schlecht!

Diagramm vom 15.5.2020
Auf Vienna.at ist HIER über eine Analyse vom Zentrum für Medizinische Statistik der MedUni Wien u.a. folgendes zu lesen: "Wie viele Lebensjahre man (im Mittel) durch eine Covid-19 Infektion verliert, ist unbekannt. Da aber viele Schwerkranke mit bereits verkürzter Lebenserwartung betroffen sind, scheint es naheliegend, dass der zusätzliche Effekt auf die allgemeine Lebenserwartung geringer ausfallen wird, als es aus den Mortalitätsraten alleine ableitbar wäre."

Laut dieser Seite liegt das Medianalter der Verstorbenen in den meisten Ländern bei über 80 Jahren und nur circa 1% der Verstorbenen hatte keine ernsthaften Vorerkrankungen.

Diagramm vom 15.5.2020

So viele Krankenhaus- und Intensivbetten stehen zur Verfügung:

Am Datenblatt Hospitalisierungen sieht man eine meiner Meinung nach ganz besonders interessante Gegenüberstellung: 
  • Wie viele Normalbetten im Krankenhaus wären verfügbar (am 15. April 18.393; am 15. Mai: 12.918), wieviele sind tatsächlich von an Covid-19 erkrankten Patienten belegt (April: 769; Mai: 165). 
  • Wie viele  Intensivbetten sind verfügbar (April: 930; Mai: 966), wie viele Intensivbetten sind tatsächlich mit Covid-19-Patienten belegt (April: 232; Mai: 47).
  • Wie viele bestätigte Covid-19-Fälle gibt es aktuell, die nicht hospitalisiert sind (April: 4.843; Mai: 797). Letztere sind offenbar diejenigen, die zu Beginn als "milder Verlauf" registriert wurden.

Diagramm vom 15.5.2020
Diagramm vom 15.4.2020
Und hier könnt ihr euch eine aktuelle Gegenüberstellung der Belegung und Auslastung von Normalbetten und Intensivbetten in Prozent ansehen. Der blaue Balken bedeutet jeweils "Auslastung", während grün und orange "FREI!" signalisieren.

Diagramm vom 15.5.2020


Fest steht also, Spitalsbetten und auch Intensivbetten wären noch reichlich vorhanden, die befürchtete oder angekündigte Katastrophe ist ausgeblieben. 

Für Befürworter der Shut-Down-Maßnahmen bedeutet das, dass die Maßnahmen gut gegriffen haben, für Kritiker hingegen heißt es, dass die Ausgangsbeschränkungen, Geschäftsschließungen etc.  übertrieben waren. Wer hat nun recht?

Frau Rostrose rechnet:
Man sieht ja immer die unterschiedlich hohen Ansteckungs- und Sterberaten hier und dort, aber manche Länder haben einfach viel mehr Einwohner als andere. Es wäre also kein Wunder, wenn dort auch mehr Menschen an der Krankheit sterben. Eine übersichtliche Aufschlüsselung nach Einwohnerzahlen habe ich vorläufig allerdings noch nicht finden können.

Und so habe ich mich an die verhassten Prozentrechnungsstunden meiner Schulzeit erinnert und  versucht, mir selbst ein Bild zu machen, wie viele Menschen in einigen ausgesuchten Ländern an oder mit COVID-19 verstorben sind. Die Sterbezahlen habe ich dieser Seite entnommen, sie stammen vom 16. Mai 2020. Die Einwohnerzahlen und die Prozentzahlen habe ich gerundet.

(Da ich kein Zahlengenie bin, rechnet aber lieber nach 😉)

 
Man darf bei diesen Ergebnissen allerdings nicht außer Acht lassen, dass die Verstorbenen in den verschiedenen Ländern auf unterschiedliche Weise erfasst werden - und dass in manchen Ländern die Zahlen weiterhin nach oben klettern (UK, Schweden, USA), während Kurve in anderen Ländern abflacht (Spanien, Italien, Schweiz, Deutschland, Österreich). Diese Länder-Kurven könnt ihr euch z.B. ebenfalls HIER ansehen.

So gesehen sind Österreich und Deutschland mit ihren relativ frühen und relativ harten Lockdown-Maßnahmen vermutlich einen besseren Weg gefahren als andere Länder. Allerdings hängt immer noch die gefürchtete "zweite Welle" als Damoklesschwert über den Ländern mit einer derzeit noch relativ niedrigen "Durchseuchungsrate".

Nachdem die "erste Welle" unsere Intensivkapazitäten jedoch nicht einmal annähernd gefordert hat, sehe ich ehrlich gesagt auch keinen Grund, sich vor einer zweiten Welle wie das Kaninchen vor der Schlange zu fürchten. [Österreich hat übrigens pro 100.000 Einwohnern 28,9 Intensivbetten; an der Spitze liegt Deutschland mit 33,3 Intensivbetten pro 100.000 Einwohnern. Dann folgen die USA (25,8) und Frankreich (16,3). Schlusslichter sind Italien (8,6), Dänemark (7,8) und Irland (5,0).] Quelle: KLICK

Ich bin - übrigens so wie die meisten "Experten", die über Corona sprechen oder schreiben, und wie die meisten Politiker, die während der Krisenzeiten Entscheidungen gefällt haben - keine Virologin, ich beobachte nur. Und selbst Virologen sind sich, wie man in den vergangenen Wochen zu lesen, sehen und hören bekommen hat, ziemlich uneinig, wie gefährlich oder ungefährlich SARS-CoV-2 nun wirklich ist.

Dennoch geht der Trend, den ich beobachte, am ehesten in die folgende Richtung: Ein fitter, gesunder Mensch wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch in höherem Alter eine Ansteckung mit diesem Virus ähnlich überstehen wie eine Grippeinfektion oder eine Bronchitis. Soll heißen, manche fühlen sich ziemlich krank und elend, manche stecken das besser weg, aber Lebensgefahr besteht für diese fitten, gesunden Menschen nicht. Für weniger fitte, weniger gesunde Menschen kann das Virus gefährlicher sein, muss aber nicht.

Es kann jedenfalls nicht schaden, das Immunsystem zu stärken, zu versuchen, sich gesund zu ernähren, Bewegung zu machen und möglichst viel an die frische Luft zu gehen - das führt auch in "normalen" Zeiten seltener zu schweren Erkrankungen wie Herz- Kreislaufversagen, Krebs, Diabetes & Co.

Wie ansteckend und tödlich ist SARS-CoV-2?
Um sich darüber ein genaueres Bild machen zu können, ist es vielleicht interessant, das Corona-Virus im direkten Vergleich mit anderen Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps, Keuchhusten, Grippe oder Ebola zu sehen.

In einem Online-Artikel der Zeitung Der Standard hat mein Mann eine Skala entdeckt, die sich genau mit dieser Frage befasst. Nun handelt es sich hierbei allerdings um eine logarithmische Skala, bei der die Krankheiten weiter oben vielfach tödlicher als unten und in der Mitte sind und Krankheiten weiter rechts vielfach ansteckender als links und in der Mitte. Es mag ja Menschen geben, die sich solche Skalen ansehen und absolut im Bilde sind. Ich zähle nicht dazu - mich verwirren solche Darstellungen heillos! 


 


Um mir eine Vorstellung machen zu können, musste ich selbst ein Diagramm anfertigen, das nicht logarithmisch ist. Jaaa, Corona bringt mich nicht nur zum Rechnen, sondern auch zum Tabellen zeichnen! Hier unten seht ihr also die "natürlichen" Abstände. Daran ist deutlich erkennbar, dass MERS, die Vogelgrippe und Ebola um ein vielfaches tödlicher sind als COVID-19 (das durch ein rotes Viereck dargestellt wird), und dass die Masern zumindest um einiges ansteckender sind. [AR bedeutet Ansteckungsrate, SR bedeutet Sterberate.]



Aber das größte "Gewusel" findet in dem Kästchen statt, in dem die Bereiche zwischen 0 und 10 % gezeigt werden. Um das genauer darzustellen und für mich verständlich zu machen, musste ich noch eine Tabelle zeichnen.

Daran erkennt man auch, dass der häufig herangezogene Vergleich zwischen Corona und der saisonalen Grippe nicht ganz korrekt ist - die Ansteckungsrate bei der Grippe liegt bei 1 %, die Sterblichkeitsrate bei 0,2 %. Die Zahlen von Covid-19 sind aufgrund der Dunkelziffer noch nicht so genau bekannt, pendeln sich jedoch sowohl bei der Ansteckungsrate als auch bei der Sterblichkeitsrate zwischen weniger als 0,5 % und 3 % ein. Wie bei der logarithmischen Skala angeführt wird, gab es am 23. März ein Update: "Der graue Bereich, in dem sich Covid-19 befindet, wurde bei der Sterblichkeit nach unten angepasst, da manche Virologen mittlerweile von einer Letalität unter 0,5 Prozent ausgehen."

Krankheiten wie SARS 2012, Diphterie, Keuchhusten und auch Pocken sind jedenfalls deutlich ansteckender und teilweise auch um vieles tödlicher als Covid-19 - und Mumps ist zumindest um vieles ansteckender.




Ihr Lieben, damit will ich für heute zum Ende kommen. Ich hoffe, das Thema hat euch auch diesmal wieder interessiert! Eine Frage, die ich in einem Forum gelesen habe und die ich ziemlich interessant fand, hätte ich allerdings noch an euch: Falls es bald eine Coronaimpfung gäbe, würdet ihr euch sofort impfen lassen oder abwarten? 


Fotos von einem Spaziergang entlang von Feldern Anfang Mai - verlinkt bei Heidis Himmelsblick


Ich selbst habe mich beispielsweise noch nie gegen Influenza impfen lassen, nachdem meine Mutter vor Jahren ausgeprägte Nebenwirkungen hatte (sie hat sich ein Jahr lang krank gefühlt und danach nie wieder impfen lassen). Die Grippeimpfung wirkte sich in diesem Fall schlimmer aus als es die Erkrankung gekonnt hätte. Und ich denke, ich würde auch bei einem vorhandenen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 erst mal allen anderen den Vortritt lassen...




Auf bald und alles Liebe,
eure Traude


Gerne verlinke ich passende Beiträge bei: 
Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche,
Artis Schilderwald-Linkup, Heidis Aktion Himmelsblick
My week in colours von Maren - Farbwunder Style, Style Splash von Emma,


Mittwoch, 29. April 2020

Auf den Spuren des "Ludwig van" in Baden und Wien

Die Kunst? Was ich ohne sie wäre? 
Ich weiß es nicht. Doch mir graut - 
seh ich doch 
was ohne sie 
Hundert' und Tausende sind!

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)
Quelle: Beethoven, An die Muse



Servus, ihr Lieben!


Ich danke euch sehr für all eure Kommentare zu meinem vorigen Beitrag #Corona Extra 4: SARS-CoV-2 und die Umwelt. Nun möchte ich aber mal wieder eine kleine Pause vom Corona-Thema machen. Ich bin euch als Ergänzung zu meinem "Tagebuch" vom Februar 2020 (!) schließlich noch ein paar "kulturelle Schilderungen" schuldig. Nachdem die Museen zur Zeit immer noch wegen Corona geschlossen haben, kommt ihr so wenigstens zu virtuellen Museumsbesuchen 😉 (und meine Outfits der "Museumstage" gibt's dazu auch zu sehen)...

Das Jahr 2020 ist ein #Beethovenjahr, denn heuer jährt sich der Geburtstag des in Bonn geborenen und in Wien verstorbenen Komponisten zum 250. Mal. Ich bin noch dazu von Beethovenstädten "umzingelt": Wien war ab dem Jahr 1792 Ludwig van Beethovens Heimat, meine Bezirkshauptstadt Baden war einer jener Kurorte, die der Künstler wegen seiner vielfältigen Leiden viele Jahre lang aufsuchte, um Heilbäder zu nehmen und die Natur zu genießen. (Und nach Wiener Neustadt ist Herr #Beethoven zumindest mal stundenlang zu Fuß gelatscht... aber davon weiter unten mehr 😉) Kein Wunder also, dass sich in Wien und Baden einige Ausstellungen mit dem Musikgenie beschäftigen, die manche Details aus seinem Leben näher bringen. Zum Glück haben wir uns diese angesehen, als es noch möglich war!

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Drei Ausstellungen mit dem Thema Beethoven in Baden und Wien

Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich eine große Klassik-Kennerin bin, aber ich mag Musik, die in der Lage ist, mir Geschichten zu erzählen - und von Beethoven gefallen mir viele Melodien richtig gut. Mein Mann hat weit mehr mit Musik zu tun als ich - seine Hauptmusikrichtung ist Prog-Rock, der vom Aufbau her mit klassischer Musik durchaus artverwandt ist. Edi sagt von sich selbst, dass Musik seine erste große Liebe war, aber ich bin auf diese Liebe nicht eifersüchtig, ich kann sie verstehen. Mir geht es mit Farben ähnlich wie Edi mit Klängen: Ohne sie wäre das Leben nicht so schön. Seinen Kindheitstraum, ein Instrument zu spielen, konnte sich Edi erst im Erwachsenenalter erfüllen, er nahm Klavierunterricht und er lernte auch, ein bisschen zu komponieren. In seiner "Balzphase" spielte er mir unter anderem Beethovens Für Elise auf dem Klavier vor 😍. Leider kam das Üben und Komponieren in den vergangenen Jahren zu kurz, der Beruf fraß zu viel Zeit, aber die große Liebe zur Musik, die ist geblieben. 

Wir waren jedenfalls alle zwei sehr neugierig, was uns die Ausstellungen über Beethoven erzählen würden. Da wir beide seit dem Jahresanfang eine Niederösterreich-Card besitzen, waren erfreulicherweise auch alle drei Ausstellungen, über die ich euch heute berichte, für uns gratis. (Leider haben wir seither die NÖ-Card nicht mehr nützen können - doch wie es aussieht, ist es bald wieder so weit...)

xxxxxxxxxMuseumsbesuch Nummer 1xxxxxxxxx


Mi., 5. Februar:
Mythos Ludwig Van im Kaiserhaus Baden
Die erste Schau, die wir besuchten, geht ziemlich unkonventionell und mit einem Schmunzeln an den Mythos Beethoven heran. In der Beschreibung der Ausstellung könnt ihr nachlesen: 
Sie wendet sich an diejenigen, die ihn lieben, aber auch an jene, die in hassen - und sogar an jene, die Beethoven bislang lediglich für einen Hund gehalten haben. 

Auch an der Wand gibt es eine "Ein-Hund-namens-Beethoven"-Tapete zu sehen: 😉



    
Blicke in die schöne Natur
und beruhige dein Gemüt über das Müssende.
Ludwig van Beethoven

Neben dem Prunkstück der Ausstellung - dem historischen Hammer-Klavier, das anlässlich des Beethovenjahres frisch renoviert wurde - gibt es dort seine Totenmaske und eine seiner Haarlocken zu betrachten (Es war damals offenbar üblich, solche Erinnerungsstücke vom Totenbett mitzunehmen). Grafiken, Malereien und auch Comic-Hefte zeigen den Komponisten so, wie er zu den unterschiedlichsten Zeiten gesehen wurde - denn Beethoven wurde zu jeder Zeit anders dargestellt, mit anderen Augen betrachtet und zum Teil auch für andere Zwecke benützt: der Naturfreund, der Unbeugsame, der sich jedem Sturm entgegenstellt, der musikalische Revolutionär, der coole Ludwig Van in der Pop art, der politische Beethoven.

In dem Artikel Heilige Klänge und Foltermusik: Beethoven in «Clockwork Orange» heißt es unter anderem:
Beethoven war im bürgerlichen Kunstverständnis der 1970er-Jahre ein Säulenheiliger. Dies zusammenzuführen mit der Gewalt einer Jugendgang wie aber auch einer staatlichen Institution hat wohl noch heute Sprengpotenzial.

Man kann Kubricks Einsatz der «Neunten» daneben auch als kritischen Beitrag lesen zur wechselvollen Rezeptionsgeschichte dieser Sinfonie. Einer Musik, die je nach politischer Lage mal als Propaganda verwendet wurde für die Nationalsozialisten, mal als Hymne für ein vereinigtes Europa – was sie übrigens bis heute ist.

Es gibt sogar eine Badeente, die dem Künstler nachempfunden wurde (links dritte Reihe), 
und eine Beethoven-Actionfigur (letzte Reihe Mitte, neben der grantig dreinschauenden Beethoven-Puppe) ...

An der Ausstellung gefiel uns vor allem das Spielerische: Mit Hilfe eines "Mythomaten" konnten wir ein eigenes Beethovenbild erstellen (das man sich dann selber aufs Handy schickte). Edis Beethoven wurde in Marmor gekleidet, ich selbst habe den Naturliebhaber hervorgehoben, indem ich ihm ein Blätterkleid verlieh.*) Und auch die Möglichkeit, selbst eine von Beethovens Kompositionen zu "sampeln" machte uns großen Spaß.

*) Leider schaffe ich es nicht, diese Bilder hier einzufügen.

Besonders gut gefielen mir außerdem die runden "Rückzugskammern" mit unterschiedlichen Hörbeispielen des einfachsten, schwierigsten, meistgesungenen oder z.B. kürzesten Musikstücks. (Hier erfuhren wir u.a., dass die Müllabfuhr von Taiwan die Melodie von Für Elise als Signal verwendet, weil diese so eingängig ist... Herr Beethoven kann sich dagegen ja nicht mehr wehren...)


xxxxxxxxxMuseumsbesuch Nummer 2xxxxxxxxx

Musik ist höhere Offenbarung 
als alle Weisheit und Philosophie.
LvB

Mo., 10. Februar:
Haus der Musik in Wien
An diesem Tag verbanden wir einen Pflegeheimbesuch bei meiner Mutter mit dem Besuch im Haus der Musik, einem Klangmuseum im Palais Erzherzog Carl an der Seilerstätte. Hier hatte einst der Begründer der Wiener Philharmoniker - der Komponist und Dirigent Otto Nicolai (1810–1849) - seine Wohnung. Und so geht es in diesem Museum natürlich längst nicht nur um Beethoven allein - auf 5.000 m² wird man auf innovative Weise in die Welt der Musik eingeführt – von den Anfängen der menschlichen Klangerzeugung bis zur Musik der Gegenwart.

Die Fotos dieser Collage stammen von HIER

Im glasüberdachten Innenhof finden (normalerweise) das ganze Jahr über Veranstaltungen statt. Die Feststiege des historischen Palais, die in den ersten Stock hinauf führt, hat sich in ein interaktives Piano verwandelt - die bewegungssensitiven Stufen funktionieren als Tasten, und so kann man spielerisch Noten lernen, Schritt für Schritt. (Ihr könnt euch das in der viertnächsten Collage ansehen.)

Die erste Etage ist das Museum der Wiener Philharmoniker mit zahlreichen Erinnerungsstücken, Filmausschnitten aus dem Neujahrskonzert und dem Sommernachtskonzert, Dirigierstäben berühmter Dirigenten etc. Mithilfe eines interaktiven Walzerwürfelspiels kann man selbst ein Stück im 3/4-Takt komponieren - ich wusste vorher gar nicht, wie einfach komponieren ist 😜. (Aus acht zufälligen Melodie-Würfen formt sich ein persönlicher Wiener Walzer. Insgesamt stehen hier mehr als anderhalb Millionen Möglichkeiten zur Verfügung!)



Auf der zweiten Etage - der sogenannten Sonosphere -  können Besucher z.B. an verschiedenen Terminals mit Klängen und Musik experimentieren und es wird versucht, ein individuelles Hör-Bewusstsein zu schaffen (z.B. wie hört ein Mensch im Vergleich zu einer Katze, einer Eule, einer Schildkröte, einem Karpfen?). 



In der dritten Etage findet man dann endlich die großen Meister  - es werden mehrere der einst in Wien wirkenden Komponisten vorgestellt, und jeder von ihnen hat hier seinen eigenen Raum: unter anderem Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Johann Strauss (Sohn), Gustav Mahler und eben Ludwig van Beethoven. Hier kann man sich z.B. mit Beethovens Taubheit auseinander setzen, indem man durch ein Hörrohr selbst erfährt, was der Komponist in den verschiedenen Phasen seines Lebens noch hören oder eben nicht mehr hören konnte. 



Für die vierte Etage haben sich die Museumsgestalter wieder etwas sehr Spannendes einfallen lassen: Der Virtuelle Dirigent bietet die Gelegenheit, ein Orchester zu dirigieren - und zwar nicht irgendeines, sondern das berühmte Orchester der Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins!
Man stellt sich vor die Videoprojektion des Orchesters, greift sich den elektronischen Taktstock, wählt ein Musikstück und beginnt zu dirigieren. Das Orchester folgt tatsächlich den Bewegungen und auch dem Tempo des Dirigenten. Je schneller man dirigiert, umso schneller spielt das Orchester! Davon lässt man sich natürlich zu Spielereien und Blödeleien hinreißen. Aber auweia: Die Geduld des virtuellen Orchesters ist begrenzt. Wer den Takt nicht hält, wird von Maestro Zubin Mehta persönlich ausgeschimpft! 😝😅

Mehr über das Haus der Musik könnt ihr HIER erfahren.


xxxxxxxxxMuseumsbesuch Nummer 3xxxxxxxxx


Alle meine Noten bringen mich nicht aus den Nöten,
und ich schreibe Noten überhaupt nur aus Nöten.
LvB

Mi., 12. Februar:
Beethovenhaus in Baden bei Wien
Ludwig van Beethoven verbrachte 15 Jahre lang seine Sommer in "unserer" Bezirkshauptstadt Baden und bewohnte dort verschiedene Quartiere. In den Sommern der Jahre 1821, 1822 und 1823 stieg Beethoven im Haus Rathausgasse 10 zur Kur ab. In dieser Zeit (in der er sein Gehör bereits weitestgehend verloren hatte) schrieb er wesentliche Teile der Neunten Symphonie, weshalb das Beethovenhaus in Baden auch „Haus der Neunten“ genannt wird.

Bereits seit den 1960er Jahren wird das Haus als Beethoven-Gedenkstätte genutzt. Nach einer grundlegenden Sanierung wurde das neue Beethovenhaus Baden im Herbst 2014 eröffnet. Das Museum beherbergt nun eine zeitgemäße Präsentation, die den Menschen Ludwig van Beethoven ebenso erlebbar macht wie seine Musik.


Wir verbanden einen von Edis Badener Akupunkturterminen mit dem Besuch dieses Museums. Und wie ihr seht, habe ich mich outfitmäßig an die Farben des Beethovenhauses angepasst 😊


Als der Komponist dieses Haus im Jahr 1821 erstmals betrat, war er 51 Jahre alt, ein angesehener Komponist - und ein Mann mit zahlreichen Leiden. Sein Arzt hatte ihm geraten, in Baden Heilbäder zu nehmen; unter anderem plagten ihn seit Jahren Schmerzen in der Bauchgegend, Gicht und Rheuma. Das warme Wasser aus Badens Schwefelquellen brachte tatsächlich Linderung: "Mit meinem Unterleibe geht's besser; besonders wenn ich einige Tage das warme Bad brauche, befinde ich mich acht, auch zehn Tage ziemlich wohl; (...)"

    Das Tagtägliche erschöpft mich!
    Quelle: Beethoven, Briefe.
     An seinen Neffen Karl van Beethoven,
     am 23. August 1823

Manche seiner gesundheitlichen Probleme werden heute der Tatsache zugeschrieben, dass Beethoven dem Alkohol und deftigen Fleischspeisen gar zu sehr zusprach. Sein Alkoholmißbrauch führte (laut Autopsiebericht) zu einer Leberzirrhose, weiters zu Wassersucht und außerdem zu Vergiftungen (da es damals üblich war, Wein mit Bleizucker zu süßen!) 




Den Auszügen aus Beethovens Briefwechseln ist zu entnehmen, dass der Komponist durch seine zunehmende Schwerhörigkeit und andere Leiden zuweilen ziemlich niedergeschlagen war. Bereits im Juni 1801 schrieb er in einem Brief an seinen Freund Amenda: “…denn Dein Beethoven lebt sehr unglücklich; wisse, dass mir der edelste Teil mein Gehör sehr abgenommen hat…nun ist es immer ärger geworden; ob es wird wieder können geheilt werden, das steht noch zu erwarten.”

Ab dem Jahr 1818 folgte die völlige Taubheit rechts, es bestand damals noch eine Resthörigkeit links, die sich jedoch zunehmend verschlechterte. Dennoch wollte der Komponist sich nicht unterkriegen lassen.
Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen,
ganz niederbeugen soll es mich gewiß nicht.

Die von den Ärzten verordnete Ruhe fand er in der Kurstadt nicht so ganz, denn er konnte das Komponieren nicht lassen. In Baden entstanden wichtige Teile der Eroica, der Pastorale, der Missa Solemnis und (wie schon erwähnt) der Neunten Symphonie, außerdem verfasste er Kanons und musikalische Scherze für Freunde. Dennoch schrieb Beethoven aus Baden an einen Freund: "Ich hätte mein Leben nicht geglaubt, dass ich so faul sein könnte, wie ich hier bin."




O ihr Menschen, die ihr mich für feindselig 
und misanthropisch haltet und erkläret, 
wie unrecht thut ihr mir...
LvB

Der Künstler wird oft als schwieriger, streitbarer Mensch beschrieben, und ganz gewiss ist der Umgang mit ihm nicht ganz leicht gewesen. (Erst recht nicht, wenn man seine Haushälterin oder ein Dienstmädchen war - ihnen mißtraute er nämlich zuweilen.) Aufgrund erhaltener Berichte und Briefe von Freunden und Vertrauten steht aber fest, dass Beethoven zugleich ein treuer, liebevoller und geselliger Mensch war. Durch seine zunehmende Schwerhörigkeit schränkten sich seine Sozialkontakte zwar immer mehr ein, doch gerade deshalb bemühte sich Beethoven um seine schriftlichen Kontakte.

Wir Endliche mit dem unendlichen Geist
sind nur zu Leiden und Freuden geboren,
und beinahe könnte man sagen,
die Ausgezeichneten erhalten durch Leiden Freude.

1808, in einem Brief
an die gelähmte Gräfin Maria von Erdödy

In Baden nützte einige Male die Gelegenheit, Freunde, Verwandte, Musikerkollegen, Schüler, Lehrer und Verleger zu treffen oder als Gäste zu empfangen. Auch im Beethovenhaus in der Rathausstraße wurde nachweislich das eine oder andere Mahl für Beethoven und seine Freunde aufgetischt. Der gedeckte Tisch im "Speisezimmer" des Museums stellt einige seiner Gäste durch Bilder und Symbole genauer vor.




Froh bin ich wieder einmal in Gebüschen, Wäldern, 
unter Bäumen, Kräutern, Felsen wandeln zu können, 
kein Mensch kann das Land so lieben wie ich. 
Geben doch Wälder, Bäume, Felsen 
den Widerhall, den der Mensch wünscht.

In der Natur fand Beethoven Ruhe, Inspiration und Trost für seine Leiden. Das Helenental in Baden, das dem Ideal einer romantischen Landschaft entspricht, würdigte Beethoven beispielsweise mit den Worten:  
Ist es doch, als ob jeder Baum zu mir spräche auf dem Lande: Heilig, heilig! – Im Walde Entzücken! Wer kann alles ausdrücken! – Süsse Stille des Waldes!
Sommer 1806, in Baden

Neben dem Gemälde des Wiener Neustädter Kanals, das anlässlich des 100. Todestages von Beethoven entstand, hängt eine Tafel, auf der eine Anekdote über den Künstler erzählt wird. Eines Tages sei er nämlich völlig selbstvergessen entlang des Kanals gewandert, heißt es da. 

Und weiter: 
"Bei Einbruch der Dunkelheit fand er sich in Wiener Neustadt wieder, rund 30 km von Baden entfernt. Da er nicht wusste, wo er war, schaute er in die Fenster einiger Wohnhäuser. Die Leute hielten ihn für einen Bettler, weil er ohne Hut und in einem alten Mantel unterwegs war. Die Polizei verhaftete ihn. Er hörte aber nicht auf zu beteuern, er sei Beethoven, und schließlich rief man den Musikdirektor der Stadt, der ihn identifizierte. Der Bürgermeister entschuldigte sich und man brachte den Komponisten mit dem Wagen nach Baden zurück."




Wer weiß, worüber Beethoven bei seiner selbstvergessenen 30-Kilometer-Wanderung nachdachte? Womöglich ließ er sich ja wieder einmal die Vollendung seiner 9. Symphonie durch den Kopf gehen. Denn man kann wohl sagen, diese Symphonie ist sein Opus Magnum, das ihn während des Großteils seines Lebens beschäftigt hat. Schon bald nach dem Erscheinen von Schillers Gedicht An die Freude (1786) spielte Beethoven mit dem Gedanken einer Vertonung. Der Bonner Jurist Bartholomäus Fischenich, der sowohl mit Schiller als auch mit Beethoven befreundet war, schrieb im Jahr 1793 (als der Komponist gerade erst im 23. Lebensjahr stand) an Charlotte von Schiller über ein Gespräch mit Beethoven: „Er wird auch Schiller’s Freude und zwar jede Strophe bearbeiten. Ich erwarte etwas vollkommenes, denn so viel ich ihn kenne, ist er ganz für das Große und Erhabene.“

So viel Erhabenheit benötigt allerdings manchmal Jahre. Beethovens erste Skizzen zur 9. Sinfonie entstanden erst 1815. Die in Baden verbrachten Sommer 1821, 1822 und 1823 nützte Beethoven wie gesagt ebenfalls, um dort wesentliche Teile der 9. Symphonie zu schreiben. Die Vollendung der Komposition zog sich jedoch noch bis in das Jahr 1824 hin. Der vierte und letzte Satz wurde übrigens ganz in der Nähe von dort, wo ich früher gelebt habe, fertiggestellt - in Beethovens Wohnung in der Ungargasse 5 im heutigen Wiener Bezirk Landstraße.

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum!
Deine Zauber binden wieder
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Textauszug vom vierten Satz der Neunten Symphonie
nach Friedrich Schillers Ode
An die Freude 
 
Meine Lieblingsstelle der Ode An die Freude ist übrigens seit meiner Kindheit die, bei der alle Menschen Brüder werden. Wobei es mich wundert, dass sie noch nicht "gegendert" wurde 😁. (Achtung, das war ein Scherz! Natürlich nahm die feministische Linguistik an der angeblichen Frauenfeindlichkeit des Liedes bereits Anstoß. Dass es keinen Sohn aus Elysium gibt, war hingegen offenbar egal. Mir gehen solche Diskussionen auf den Sender, weil sie Frauen in die Position von "I-Tüpfel-Reitern" (und -Reiterinnen klarerweise 😜) manövrieren und von wirklich wichtigen Themen ablenken. Ich fand es auch unnötig und nervig, die Österreichische Bundeshymne zu "gendern". Viel, viel wichtiger fände ich gleiche Entlohnung bei gleicher Leistung. Darum kämpfen Frauen schon seit einer halben Ewigkeit - und werden stattdessen mit holprig umgewandelten Liedtexten abgespeist. Wenn alle Menschen sich miteinander vertragen könnten, egal ob Schwestern oder Brüder, und wenn sie die Erde mit all ihrer wunderbaren Natur als schützenswert betrachteten, wäre mir das auch um Klassen wichtiger als jede Textanpassung.) Der Österreichische Kabarettist Kurt Sowinetz löste das Textproblem auf seine unvergleichliche Weise: Alle Menschen san ma zwider - KLICK zum Lied, gesungen zu Beethovens Neunter, und KLICK zum Text (zu Deutsch: Alle Menschen sind mir zuwider - HIER geht's zum gesamten Liedertext in Hochdeutsch)

Die Bilder dieser Collage stammen von HIER

 
Aber zurück zu Beethoven: Er war ein Perfektionist und hielt sein großes Werk jahrelang vor der Öffentlichkeit zurück. Erst als 30 Wiener Musiker und Musikliebhaber zur Jahreswende 1823/24 schriftlich an Beethoven appellierten, seine neuesten Kompositionen nicht länger unter Verschluss zu halten, sondern sie in Wien aufzuführen, ließ Beethoven sich überzeugen. Die Uraufführung seiner Neunten Symphonie im Mai 1824, bei der Beethoven schon völlig taub war, sollte gleichzeitig sein letztes Konzert (und ein großer Erfolg) sein.

Im Erdgeschoß des Beethovenhauses in Baden geht es darum, den Besuchern die Neunte Symphonie auf unterschiedliche Weise zu vermitteln. Ein eigener Ausstellungsraum ist dem berühmten vierten Satz dieser Symphonie gewidmet, der Grundlage der Europahymne. Man kann sich hier u.a. die Videoprojektion einer Aufführung dieses Satzes ansehen und anhören. Was Edi und mir daran besonders gefiel, ist dass die Musik bzw. die Intention des Künstlers durch Untertitel "erklärt" wird - erst jetzt weiß ich also, dass hier zum Teil quasi "Diskussionen" zwischen den einzelnen Stimmen und Instrumenten stattfinden. Das Freude-Thema muss sich zuerst einen Weg bahnen durch die Wut, Schmerzen und Verzweiflung, die die vorhergehenden Sätze widerspiegeln. Hier könnt ihr euch in die Musik "reinhören":

https://www.youtube.com/watch?v=FzWbHpV0xjg
https://www.youtube.com/watch?v=FzWbHpV0xjg


Außerdem gibt es einen Raum, in dem die Geheimnisse des Hörens von Musik thematisiert werden. Auch hier wird wieder digital auf den Hörverlust Beethovens eingegangen und man kann mittels eines Schiebers feststellen, wie viel oder wenig er in seinen Lebensphasen zu hören vermochte. Selbst wenn man zuvor längst wusste, dass Beethoven viele Jahre seines Lebens taub war, ist es sehr berührend, so hautnah zu erfahren, wie schlimm es schon lange um sein Gehör bestellt war und welch großartige Werke er dennoch geschaffen hat.

Ihr Lieben, das war's wieder für heute! Ich hoffe, es hat euch gefallen, mich virtuell durch die drei Ausstellungen zu begleiten. Wie es aussieht, kann es relativ bald wieder möglich sein, selbst in ein Museum zu gehen - ab Mitte Mai beginnen in Österreich die ersten Ausstellungsorte wieder ihre Pforten zu öffnen. Für genauere Informationen besucht bitte die jeweiligen Websites der Museen.


Ich wünsche euch ein angenehmes April-Ende
🌿🌸🌼 und einen wunderbaren Start in den Mai! 🌿🌸🌼
 Alles Liebe, eure Traude


Gerne verlinke ich passende Beiträge bei: 
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Artis Schilderwald-Linkup,
My week in colours von Maren - Farbwunder Style, Style Splash von Emma,