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Samstag, 12. Februar 2022

Ausflug an den Neusiedler See und ein paar weitere schöne Unternehmungen

Servus ihr Lieben!

 

Vielen Dank für eure tollen Kommentare zu meinen letzten beiden Blogbeiträgen Ein Tag in Florenz sowie Mütze, Schal, Handschuhe, neue Küchenschränke und ein paar Ausflüge. Und danke auch sehr an alle, die mir in diesem zuletzt genannten Post gewünscht haben, dass der Lärm der nachbarlichen Bautätigkeit bald zu Ende geht. Nun, er ist noch nicht ganz zu Ende - heute wurde mal wieder ab und zu gebohrt und offenbar das Dach des neuen Anbaus gedeckt - doch wir konnten in den vergangenen beiden Wochen mehrmals "fliehen" und hatten zwischendurch sogar mal vier Tage am Stück richtig herrliche Ruhe! 😌

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In meiner Blog-Warteschlange lungern noch ein paar Beiträge herum, die ich euch im vorigen Jahr schuldig geblieben bin. Heute werde ich einen dieser alten Beiträge herauspicken  - und euch außerdem ein paar Schilderungen von aktuelleren Erlebnissen bieten.

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Im vergangenen November zeigte ich euch HIER unter anderem einige wenige Fotos von einem Ausflug in den Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel mit unseren Freunden Brigitte und Peter und versprach euch, bei Gelegenheit mehr darüber zu erzählen. Nun denn - los geht's! 😊

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November-Ausflug an den Neusiedlersee:
Brigitte hatte eruiert, dass in der Umgebung des Sees einmal jährlich zwischen Ende Oktober und Anfang November Tausende Kraniche eine mehrtägige Pause einlegen, bevor sie weiter gen Süden fliegen. Diesen Zwischenlandeplatz haben die Vögel erst vor wenigen Jahren entdeckt, früher lag ihre Flugroute weiter östlich, in Ungarn. (Warum sie ihre Flugroute geändert haben, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.) Der Kranich-Zug ist demnach für Österreicher ein ungewöhnliches, ganz besonderes Naturschauspiel, das auch wir gerne erleben wollten. Und so fuhren wir am 5. November 2021 wieder einmal zu viert ins Burgenland.
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Wir verbanden den Ausflug mit einem Fotostop bei der letzten Windmühle von Podersdorf - und hatten das Glück, dass dort gerade die Besitzerin anwesend war, die die Mühle für den nächsten Tag der offenen Tür vorbereitete. Sie lud uns ein, die gut erhaltene Windmühle zu besichtigen - und das war sehr interessant. Was die Kraniche betraf, meinte die Mühlen-Besitzerin allerdings, dass diese zum Großteil schon weiter gezogen wären. Es war also äußerst fraglich, ob wir von den großen, eleganten Vögeln überhaupt noch welche zu sehen bekommen würden...

 
Unser nächster Halt fand bei einem Gehege mit  Kamerunschafen statt. Wie sich herausstellte, waren diese Tiere äußerst liebesbedürftig: Ein Schaf nach dem anderen trabte zu mir, um sich kraulen zu lassen, und sie machten das auf wirklich sehr charmante und genießerische Art und Weise. Ich hätte weit mehr Hände benötigt 🥰! Hach, waren diese Schafe entzückend!

Es war ein herrlich sonniger Nachmittag im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel. Kraniche entdeckten wir zunächst aber keine. Doch es gab neuerlich Graugänse zu sehen, wie schon bei unserem vorangegangenen Besuch am 4. Februar 2021.


Wir hatten auf eine unserer Nikons wieder das Sigma 150-600 aufgeschraubt - somit konnten wir zumindest einige der Graugänse halbwegs nah heranzoomen.

Auch einige andere Gänse und Enten - wie z.B. diese interessanten Löffelenten - entdeckte wir auf dem Wasser - jedoch waren sie selbst mit dem großen Tele ziemlich weit weg... und viele von ihnen hatten (wie es in dem Kinderlied heißt) ihr Köpfchen die meiste Zeit unter Wasser...


Nachdem die Sonne sich allmählich senkte, fuhren wir zu einem bestimmten Aussichtsturm (beim Graurinderstall), von dem aus die Kraniche besonders gut zu sehen sein sollten. Dort hatten sich schon einige andere Naturliebhaber mit ihren Ferngläsern sowie Kameras mit Stativen und Teleobjektiven eingefunden. Wir erhaschten aber noch einen guten Platz auf dem Turm. Ein Naturführer, den Brigitte kannte, war ebenfalls anwesend. Er bestätigte, dass der Großteil der Kraniche bereits weitergezogen war, wusste aber, dass es noch einige Vögel für uns zu sehen geben würde.

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Gespannt sahen alle in die Richtung, aus der die Kraniche kommen sollten. Um uns die Zeit zu vertreiben, fotografierten wir die Graurinder und Wasserbüffel, die als "natürliche Rasenmäher" im Nationalpark Landschaftspflege betreiben. 

Und dann kam eine gewisse Aufregung in die Beobachtergruppe: Ganz, ganz weit entfernt am Horizont tat sich etwas. Mit freiem Auge war kaum mehr als ein Schatten zu erkennen; mit dem Zoom oder einem guten Fernglas sah man auch nur ein bisschen mehr. Doch die Spezialisten erklärten, das man an ihren langen Hälsen und ihrer Flugformation eindeutig erkannte, dass es sich um Kraniche handelt. Und man hörte auch ihr typisches Geschrei. (Kraniche können ziemlich laut sein 😉.) Auch in einer weit entfernten Wasserstelle konnten sie Kraniche ausnehmen (siehe nächste Collage unten mittig).


Mit dem "Monsterobjektiv" konnte ich gerade mal ein paar winzige Vögel fotografieren. Für eine weitere Vergrößerung am Computer waren sie leider nicht scharf genug...

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Einerseits war diese Vogelbeobachtung also ziemlich aufregend - andererseits war ich trotzdem ein bisschen enttäuscht, dass die Kraniche sooo weit entfernt gewesen sind. Aber der Sonnenuntergang war immerhin traumhaft schön!

Die etwas besser erkennbaren Vögel rechts unten sind wieder Graugänse ...

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Kehren wir jetzt ins Jahr 2022 zurück. Am 4. Februar gab es abermals eine interessante Unternehmung zusammen mit unseren Freunden. Es ging ...

...zur Ausstellung „Dali – Freud. Eine Obsession“:
Edi und ich sind von Salvador Dalis Bildern fasziniert, haben u.a. vor vielen Jahren das beeindruckende Dali-Museum in Saint Petersburg, Florida besucht, und hatten uns beide auch schon mit Sigmund Freud beschäftigt, Bücher über ihn gelesen etc. Als wir erfuhren, dass diese Ausstellung bis 29. Mai in Wien im Unteren Belvedere stattfindet, beschlossen wir uns anzusehen, was uns die Schau über den Bezug der beiden zueinander erzählen würde. Um dem Baulärm zu entfliehen, wollten wir das möglichst rasch machen. Brigitte und Peter waren ebenfalls interessiert, und so gestalteten wir mal wieder einen schönen gemeinsamen Tag daraus.

 

Wir parkten unser Auto bei den beiden, weil wir nach dem Museumsbesuch noch bei ihnen zum Spielen und Essen eingeladen waren; dann fuhren wir mit Öffis über die Donau in den zentraleren Bereich von Wien. Die schönen Donau- und Himmelsbilder oben hat Gitty aus der U-Bahn mit ihrem Handy aufgenommen. Die anderen Aufnahmen zeigen Details des Belvedere-Schlossparks. (Dorthin habe ich euch auch schon mehrmals virtuell mitgenommen - klickt z.B. HIER.)
 
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Über die Ausstellung will ich euch gar nicht zu viel erzählen - HIER gibt es einen aussagekräftigen Artikel zu den Hintergründen; HIER könnt ihr euch ebenfalls informieren und durch die Gemälde durchklicken. In kurzen Worten geht es darum, dass Sigmund Freuds Schriften über die Traumdeutung Dali überhaupt erst zu dem Maler gemacht haben, der er war... dass Dali jahrelang versuchte, Freud zu treffen ... und dass es nur eine einzige tatsächliche Begegnung kurz vor Sigmund Freuds Tod gab.

Fotos von HIER

Eigene Fotos aus der Schau und aus dem Schlosscafè 😋 - rechts unten „Das düstere Spiel“, Detail in der Mitte

Leider gibt es wochentags keine Führungen und es sind auch keine Audioführungen verfügbar, wir mussten uns also durch die Schautafeln durchlesen. Dennoch waren wir verhältnismäßig schnell durch die Ausstellung durch - es ist nur ein einziger Raum und es sind nicht sehr viele Originalwerke Dalis zu bewundern. Jene Bilder, die es zu sehen gibt, bieten aber reichlichen Schauwert: Allein schon das Gemälde „Das düstere Spiel“ (1929) hat soo viel zu bieten. Seht euch nur mal das Ohr der Person in der Mitte an - es ist zugleich ein Vogelkopf, eine Ziege und ein Hasenkopf!

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Unten seht ihr noch Fotos, die wir in den Belvedere-Sälen aufnahmen, außerdem die Sisi-Torte aus dem Schlosscafé inklusive Sisi-Gemälde, und ein paar Aufnahmen aus dem ans Belvedere angrenzenden Botanischen Garten von Wien. Hier waren die Wiesen übersät von Winterlingen (Eranthis), und der Duftende Schneeball (Viburnum) blühte auch bereits.

Wieder ein Lila-Look:
Neulich hatte ich euch schon ein paar Outfits gezeigt, die von der neuen Pantone-Farbe Very Peri "influenzed" waren. Auch heute kann ich dazu wieder etwas bieten - diesmal Lila mit Grün.

Im Museum hatte ich beide Jacken in einem Schließfach untergebracht, im Botanischen Garten trug ich über meiner lila Cordjacke noch die currygelbe Steppjacke - hier unten zeige ich euch nun, wie der Lila-mit-Grün-Look ohne gelbe Jacke drüber aussah:

🐱🌸🐱🌺🐱🌸🐱
 
Robuster Blumenschmuck und Katze Nina:
Für alle, die gern Nina-Fotos sehen, habe ich hier drei Exemplare von Nina-beim Rasten-und-Ruhen. Sie ist eben keine Action-Katze mehr: Wenn unser blindes Mädchen nicht gerade bei (nahezu) jedem Wetter zu unseren Nachbarn spaziert, liegt sie meistens bei uns auf dem Badezimmerteppich - oder bei den Nachbarn auf dem Sofa. 
🐱🌸🐱🌺🐱🌸🐱
 
Farblich untermalt werden die Katzenbilder von einem Zierkohl und mehreren Violen. Diese Pflanzen habe ich im vergangenen Herbst in zwei Pflanzgefäße in unserem Vorhaus gesetzt. Die ebenfalls dazu gepflanzten Chrysanthemen sind schon lange verblüht, aber sowohl Zierkohl als auch Violen haben den Winter überdauert und sehen immer noch gut aus. Daraus lerne ich: In Zukunft werde ich mehr von den entzückenden Violen einsetzen - und im Herbst auch wieder hübsche Kohlköpfe! 😊


Erste Schneeglöckchen ...
... habe ich auf unserem Blühhügel auch schon entdeckt! In den Blogs aus Deutschland sehe ich ja bereits seit einiger Zeit Frühlingsblüher, wir im Osten Österreichs sind allerdings stets etwas später dran. Doch jetzt startet auch hier so einiges durch - ich freu' mich! 😊😊😊


Bobbel-Häkelei:
Was ihr oben und unten außerdem sehen könnt, ist mein neuestes Häkel-Abenteuer. Ich habe mich nämlich Hals über Kopf in ein Häkeltuch verknallt, das mit einem speziellen Verlaufsgarn - einem so genannten Bobbel - gehäkelt wurde. (Als Bobbels bezeichnet man Garne, die "gefacht" sind: Die einzelnen Fasern werden nicht miteinander verzwirnt, sondern die Fäden liegen nebeneinander.) 
 
✂️🧶🪡🧶🪡🧶✂️
 
Ich entschied mich allerdings für eine etwas kräftigere Farbversion, als auf dem Tuch-Foto zu sehen ist - Pastellfarben stehen mir nicht wirklich, und beim Bobbel in der Ausführung India-Color werden ja ausschließlich Farbtöne verwendet, die ich liebe. Die Häkelschrift, nach der ich hierbei arbeiten muss, übersteigt meine Fähigkeiten genauso wie das Häkelmuster selbst - aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Ich bleibe dran! Mittlerweile beginnt sich die Farbe bei meiner Häkelei schon von Blau nach Grün zu verwandeln.

 

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Baby-Ausflug:
Vor einigen wenigen Tagen ergab sich auch wieder ein Spaziergang mit unserem Enkelkind, wodurch wir abemals der Baustelle entfliehen konnten 😉 Wir wurden außerdem fein bekocht und sahen zudem unsere "Enkelkatzen" Yoomee, Chiller und Nala wieder. (Unten seht ihr die Findelkatze Nala, die inzwischen auch schon recht schön gewachsen ist 😽.)


🧶🎨🪶🦆🪶🎨🧶

Ihr Lieben, somit seid ihr wieder auf dem Laufenden über die Aktivitäten in Rostrosenhausen - und ein paar Fotos aus der Warteschlange konnte ich euch ebenfalls zeigen. Ich hoffe, es geht euch gut und freue mich auf ein baldiges "Wieder-lesen". Bis demnächst also und ...

 

... alles Liebe,

💗 eure   T  r  a  u  d  e 💗 

Fotos von Brigitte, Edi und mir



Gerne verlinke ich passende Beiträge: 

beim Mosaic Monday, Artis Schilderwald-Linkup, Wednesday around the World bei Pieni Lintu, bei My Corner of the World, Naturdonnerstag - bei Elke, Friday Bliss - bei Riitta von Floral Passions, Saturday's Critters bei Eileen, bei der Gartenglück-Linkparty, I’d Rather B Birdin’, Garden Affair - bei Jaipur Garden, Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche, Heidis Aktion Himmelsblick, Colour-Energy von Maren - Farbwunder Style, Ich seh rot oder Close to the Ground bei Jutta,  All good things are blue bei Anne, Mein Freund, der Baum - bei Astrid 


PS: Ein paar Petitionen hab ich auch wieder für euch:

  • Stoppt illegalen Wildtierhandel auf Facebook: Völlig verängstigte kleine Geparden, Tiger und sogar Baby-Orang-Utans -- sie alle werden in diesem Augenblick einfach so auf Facebook verkauft! Die Plattform ist der neue Marktplatz für Wildtiere und bietet Wilderern einen sicheren Ort für den Verkauf von bedrohten Tierarten, Elfenbein und Haifischflossen. Das müssen wir beenden - bitte unterschreibt hier: https://secure.avaaz.org/campaign/de/make_illegal_wildlife_trade_extinct_loc/ 
Stoppt illegalen Wildtierhandel auf Facebook
Keine Fotobeschreibung verfügbar. 
 
 
  • In wenigen Tagen könnten die Länder der Welt beschließen, dass es zukünftig einen rechtlich bindenden UN-Vertrag gegen Plastikmüll geben wird. Lasst uns gemeinsam den Druck auf die Regierungen erhöhen – teilt diese Petition mit jetzt mit Freunden.
     
     



Donnerstag, 5. November 2020

Herbstzeit 2020 - und ein paar Gedanken zum 2.11. in Wien

Schwierige Zeiten 
lassen uns Entschlossenheit 
und innere Stärke entwickeln.
 
Dalai Lama

Servus ihr Lieben!

Die Zeiten, durch die wir gerade gehen, sind alles andere als einfach. Die Menschheit erlebt eine Pandemie, in vielen Ländern, so auch in unserem, wurde ein abermaliger Lockdown beschlossen, zusätzlich wird die Welt durch terroristische Aktivitäten erschüttert wie kürzlich abermals in Paris und in Nizza - und am Abend des 2. November auch in Wien. 

Im Zusammenhang mit letzterem habe ich ein paar besorgte Anfragen per WhatsApp, E-Mail und auf Facebook erhalten. Ich habe schon einige Lebenszeichen abgegeben, sicherheitshalber auch hier nochmal: Vielen Dank, dass ihr an mich gedacht habt - es geht meinen Lieben und mir gut, wir waren nicht in der Nähe des Terroranschlags. 
 
Die Verletzung ist eher innerlicher Natur. Unser Wohnort seit 2002 liegt etwa 30 Kilometer außerhalb von Wien, doch ein Teil von uns ist "wienerisch" geblieben. Immerhin haben wir über 40 Jahre lang in Wien gelebt und gearbeitet - und die Orte des Geschehens kennen wir gut. Edi hat genau gegenüber von einem der Tatorte gearbeitet, und die Lokale im sogenannten Bermudadreieck haben wir auch nach unserer Übersiedlung in den "Wiener Speckgürtel" immer wieder gerne besucht. Ein fehlgeleiteter junger Mann (genauer gesagt mindestens einer) hat versucht, diese Orte und Wiens Atmosphäre mit seinem Hass zu vergiften. Doch das soll ihm nicht gelingen.
 
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 Die Himmelsansichten habe ich am 5., 24. und 25. September bei Walkingrunden, einer Wanderung,
einer Radtour und beim Blick aus dem Fenster für Heidi aufgenommen.

 

Ich habe mich schon oft gefragt, was sich Islamisten davon versprechen, wenn sie unschuldige Menschen im Namen Allahs ermorden. Sie schaden damit sämtlichen Moslems, die friedlich mit anderen Menschen zusammenleben wollen, und diese friedlichen Moslems sind die Mehrheit. Warum tun sie es also? In diesem intelligenten Beitrag bekam ich eine Antwort, die mir einleuchtet: Der Autor Jad Tujrman, der vor sieben Jahren selbst von einer islamistischen Terror-Miliz entführt und gefoltert wurde und nur um ein Haar überlebt hat, beschreibt den Hintergrund für das, was die IS erreichen möchte - die Spaltung der Gesellschaft - folgendermaßen:

Je größer die Wut und der Hass auf Muslime in Europa im Alltag werden, desto einfacher wird es, sie für ihre Ideologie zu begeistern. Je mehr Muslime von der Gesellschaft ausgegrenzt werden und Aggressionen ausgesetzt sind, desto leichter werden sie von Extremisten rekrutiert. Der Mörder von Wien hat bekanntlich wahllos auf Menschen geschossen. Die Terroristen wollen primär ein brutales Bild schaffen, das die Gesellschaft in Angst und Schrecken versetzt und die gewünschte Dynamik hervorruft.
Besiegen kann man den Terror demnach nur, indem man sich nicht in die Spirale des Hasses hineinziehen lässt. Indem man z.B. weiterhin in der nahegelegenen Dönerbude einkauft und mit dem Ladenbesitzer freundlich spricht. Indem man die eigenen Kinder mit Kindern aus anderen Kulturkreisen spielen lässt und versucht, gegenseitiges Verstehen herbeizuführen. Indem man das Verbindende sucht und nicht das Trennende. Ich bin froh, dass gerade im Zusammenhang mit dem Attentat von Wien zwei junge, türkischstämmige Männer zu Helden wurden, indem sie einer Frau und einem angeschossenen Polizisten aus dem Kugelhagel halfen und dabei ihr eigenes Leben riskiert haben. Damit haben sie die Spirale in die entgegengesetzte Richtung gedreht - dafür gebührt ihnen meine Dankbarkeit! Und mein aufrichtiges Mitgefühl gilt den Opfern, ihren Familien und Freunden. 

Mehr will ich an dieser Stelle nicht dazu schreiben - möchte mich möglichst auf die schönen und die alltäglichen Dinge besinnen, wie ich es mit meinem Blog schon seit seinem Bestehen versuche. Deshalb lade ich euch heute ein zu einem Rückblick auf meinen September und Oktober. Auch da ist nicht alles nur eitel Sonnenschein, doch ich hoffe, es kann euch (und auch mich) von den eingangs erwähnten Ereignissen ein wenig ablenken.

Naturfotos vom Walken am 8., 20. und 27. September 2020
 
Hier oben gibt es z.B. noch einige weitere Fotos von meinen herbstlichen Spaziergängen und Walkingrunden. Wieder einmal sieht es so aus, als hätten wir fast nur blauen Himmel gehabt. Aber das liegt natürlich daran, dass ich an Regentagen eher nicht walke (sondern lieber daheim turne) und auch nicht so begeistert in den Garten gehe und fotografiere 😉... 

Auch in der folgenden Collage seht ihr ein paar Fotos vom Walken, diesmal vom 4. September. Am Nachmittag desselben Tages waren wir auf die Terrasse unserer lieben Vis-a-vis-Nachbarn eingeladen - auch zwei ihrer vier Katzen waren dabei (siehe links). Auf dem Foto ganz rechts bin ich noch bei uns zu Hause und Kater Maxwell wollte unbedingt mit aufs Bild. Die dazugehörigen Outfitfotos dieses angenehmen Septembertages seht ihr in der Collage darunter.


Wie üblich ist alles schrankgeshoppt - das altbekannte grüne Des*gual-Sommerkleidchen habe ich diesmal mit meiner Biobaumwoll-Chinohose in Olivgrün und meinem Wolfs-T-Shirt kombiniert, die beiden habe ich euch z.B. in diesem Island-Posting schon gemeinsam gezeigt. Da sah der Mix aber ganz anders aus - was natürlich auch mit der selbstgefärbten Bluse und der Afrikakette in Orange zusammenhängt. Und ja, liebe Tina, du bist nicht die einzige, die Socken zu Sandalen trägt, um keine kalten Füße zu bekommen 😁😉 Ich finde das gut, und wenn's wem nicht gefällt: einfach wegschauen!

Im August bekamen wir ein Holzlieferung. Robuste Kaminholzregale, die es im Handel gibt, sind erstens teuer und waren zweitens vom Maß her nicht geeignet, um in den Erker zwischen Gartenzaun und Thujenhecke zu passen. Auch die beiden Gestelle, in denen das Brennholz transportiert wurde, waren um einige Zentimeter zu breit. Deshalb sägte mein lieber Göttergatte im September diese Zentimeter aus einem der Gestelle kurzerhand heraus und baute es neu wieder zusammen. Dann schraubten wir ein Dach aus vorhandenem Wellplastik drauf und stablisierten es mit zwei großen Steinen. Fertig war die rostrosige Improvisation. Inspiriert durch Tante Mali verzierte ich unseren Brennholzplatz noch mit einem Strohkranz (allerdings ist mein Kranz nicht selbst gebunden, sondern war mal ein gekaufter Adventskranz, dessen "Grundgerüst" ich aufgehoben hatte).

Die Blumen auf den Fotos unten zierten einerseits unsere Terrasse, andererseits unseren Blühhügel. Die violette Verbene (Eisenkraut) bekam ich von einer Frau in unserer Gasse geschenkt. Ich hatte mir schon öfter mal vorgenommen, sie zu fragen, ob ich vielleicht Samen ihrer Verbenen haben könnte; als ich im September an ihrem Garten vorbeikam, war sie gerade draußen und meinte auf meine Frage, sie hätte gerade eben ein paar ausgegraben, die sich an falscher Stelle selbst ausgesamt hatten. Die schenkte sie mir, und nun dürfen sie sich in unserem Garten mehr oder weniger nach Herzenslust verbreiten 😊. 

 
 
Am 9. September unternahmen wir einen Ausflug auf die Hohe Wand, bei dem wir die Paragleiterin Agnes kennenlernten. Ich habe euch hier über diesen wunderschönen Tag erzählt. 

Am 15. September unternahmen wir einen Ausflug nach Mayerling, lernten im dortigen Schloss einiges über das Leben und Sterben des österreichischen Kronprinzen Rudolf und der jungen Mary Vetsera und besuchten am Abend auch noch eine Lesung von Stefan Slupetzky in Wien. Ich erzählte euch darüber in diesem Beitrag.
 
Unsere Freundin Moni hatten wir in diesem Jahr noch nicht oft gesehen. Wegen Corona war sie sehr vorsichtig, nicht nur ihretwegen, sondern auch, um ihre betagte Mutter nicht zu gefährden. Deshalb wollte sie lieber nicht bei unseren Kleingruppenfesten dabei sein, und erstmals seit Jahren fand 2020 auch keines ihrer legendären Sommerfeste statt. Doch am 16. September, einem der letzten sommerlichen Tage, lud sie uns in ihren Garten ein und wir verbrachten ein paar unbeschwerte Stunden miteinander.

Leider erkrankte Monis Mutter ein paar Wochen nach diesem schönen Treffen (nicht an Covid19, sondern an 
Herzproblemen) und verstarb Ende Oktober kurz nach ihrem 96. Geburtstag 😔.
Mein schrankgeshopptes Outfit an diesem Tag - der Patchworkmaxirock zum taupefarbigen Spitzen-Rüschentop 
und meiner Ton-in-Ton bestickten olivgrünen Hemdbluse
 
 
Zwei Tage später gab's hintereinander zwei Spontanbesuche - zuerst kam meine Jugendliebe Horst vorbei (weil er bei unserem Festl seinen Sonnenhut und den Hundetrinknapf vergessen hatte) und blieb auf einen Kaffeeplausch. Kurz darauf kam mein WG-Jugendfreund Günther, und er brachte seine Halbschwester Andrea, unseren gemeinsamen Freud Gerd und die herzigen Hundedamen Mascha und Emily mit. Bei der Gelegenheit holten wir etwas nach, das bei unserem Kleingruppentreffen im Sommer nicht stattgefunden hatte: Andrea wollte von mir gern wissen, wie Günther in seiner Jugend war, denn die Halbgeschwister hatten einander erst vor kurzem aufgrund einer Verlassenschaftssache kennengelernt. Vorher hatten sie nichts von der Existenz des anderen gewußt. 
 
Zum Glück habe ich ein dickes Album mit Erinnerungen an unsere verrückte und wunderbare WG-Zeit. Besondes lustig fand ich, dass Günther selbst die meisten der Fotos aus jenen Tagen nicht kannte, von einem Erinnerungsflash ins nächste verfiel und ganz verzückt Handyfotos von den alten Aufnahmen anfertigte 😊. Und auch sonst hatte ich viel Spaß, wie man vor allem rechts unten sieht 😄.

Unser Blühhügel machte seinem Namen weiterhin alle Ehre. Auf den folgenden Fotos könnt ihr sehen, was hier Ende September noch blühte. Da viele der Pflanzen aus Samenpaketen stammen, sind mir leider nicht alle Blumen bekannt. Kennt jemand von euch den Namen der dottergelb blühenden Blumen auf dem großen mittigen Foto? Sie haben weite Teile des Sommers wunderbar durchgeblüht und sind sogar jetzt noch schöne Farbtupfer auf dem bienenfreundlichen Hügel!


 Blogparade ü30Blogger & Friends Wild Thing

Das folgende Outfit möchte ich gerne bei der neuen ü30 Blogger & Friends Blogparade verlinken. Das Thema lautet diesmal "Wild Thing", und viele der Beteiligten haben bei der Gelegenheit Outfits mit "wildem Muster" gezeigt. Da passt mein "leopardiges" Second-Hand-Jackerl doch gut dazu - auch wenn der eingestickte Text darauf von "lovely und pretty" spricht 😊. Hinzu kommt noch rot als die "wildeste Farbe ever". Ein eigenes Posting zum Thema schaffe ich diesmal leider nicht, aber ich hoffe, meine Teilnahme wird auch so akzeptiert... 

 

Wie bereits erwähnt, war das Herbstwetter in Rostrosenhausen nicht permanent sonnig und nach draußen lockend. Aber für mich zählt zu den schönen Dingen dieser Jahreszeit auch, dass man es sich drinnen so richtig kuschelig und gemütlich machen kann - teilweise sogar mit den im Garten geernteten Schätzen. Vom Sommerflieder zwickte ich ein paar noch blühende Rispen ab, die drinnen in Vasen kamen, der Kürbis durfte nicht nur als Deko dienen, sondern wurde auch zu Kürbis-Apfelkuchen - ungefähr nach diesem Rezept - (mit Vanillecreme und karamellisierten Äpfeln obendrauf) verarbeitet und Kerzen sorgten für Behaglichkeit. Wir haben uns quasi im Kokon eingesponnen - und das machen wir auch im November noch, wenn es uns danach verlangt. Somit passen die folgenden Fotos auch zum November-Monatsmotto der Zitronenfalterin - Im Kokon.

Auch Maxwell war der Meinung, dass es drinnen gemütlicher ist als draußen.

Das folgende Outfit trug ich am 23. September, als wir verschiedene Besorgungen in Bauhäusern & Co. zu erledigen hatten. Mein rotes Leinenkleid trage ich besonders gern wie ein Mantelkleid über Hosen und Shirts. Ihr bekommt später noch eine herbstlichere Variante zu sehen - an diesem Tag war es jedoch warm, und so trug ich dazu mein kurzärmeliges Ringelshirt, meine selbstgefärbte mohnrote Leinenhose, meine rosaroten Öko-Sandalen (ohne Socken 😜) und meinen derben Western-Ledergürtel.


 
Am selben schönen Sonnentag ging ich außerdem walken - diesmal wählte ich nach längerer Zeit mal wieder den Weg durch ein kleines Wäldchen. Schon in einiger Entfernung hörte ich, dass dort etwas Schlimmes vorgehen musste - es knackte und krachte und Motorenlärm war zu vernehmen. Ich ging in den Wald hinein und sah, dass dort ein regelrechtes Baum-Massaker stattgefunden hatte und immer noch stattfand: Die Trasse einer neuen Bahnlinie wird einfach mitten durch dieses kleine Waldstück - und mitten durch bestehende Felder - gezogen, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Sensibilität für die Tiere, die dort leben, offenbar auch ohne Interesse daran, einen idyllischen und etwas abenteuerlichen Waldweg, der für Radfahrer und Spaziergänger interessant war, zu erhalten. Mein ursprünglich gut gelaunter Walkingausflug endete in Tränen; ich setzte mich an den nahegelegenen Fluss  und trauerte um all die toten Bäume, den zerstörten Lebensraum... 

Am nächsten Tag, der ebenfalls noch warm und sonnig war, unternahmen Edi und ich wiedermal einen Ausflug nach Hornstein. In dieser Gegend sind wir auch gerne mal unterwegs, HIER ein paar Links zu älteren Beiträgen über Hornstein-Ausflüge.

Edi zieht - im Gegensatz zu mir - den Bauch ein 😁
 
Wir wählten diesmal einen anderen Weg als zuletzt, allerdings fiel uns auch dort eine erschreckende Entwaldung auf. Immerhin konnten wir an den Wegesrändern ein paar reife Brombeeren naschen. Aber nach etwa einer Stunde kehrten wir um, weil es uns noch nicht gelungen war, bis dahin etwas Baumschatten zu bekommen...

Die kleine Kapelle beim Friedhof von Hornstein habe ich für Novas Glockenturm-Linkup fotografiert.

Danach war es für ein paar Tage mit dem traumhaften Herbstwetter vorbei und die Natur wurde gut von oben gegossen. Doch am 27. September schien wieder die Sonne, das lockte auch unsere beiden Miezen wieder in den Garten. Kater Maxwell, 16, hat sich von seinem Unfall gut erholt, und mittlerweile passiert es auch nur noch sehr selten, dass er (aus Protest oder weil er sich nicht zurückhalten kann oder aus Verwirrtheit?) auf die Türmatte kackt. (Wir haben für ihn ein weiteres Katzenklo besorgt und auf die Türmatte gestellt, das er aber nicht oder kaum benützt. Aber vielleicht hat er den Hinweis verstanden 😉).

Zurzeit ist es eher Katze Nina, 17, die uns ein paar Sorgen bereitet. Seit einiger Zeit sieht sie nicht sehr gut, inzwischen glauben wir, dass sie mehr oder weniger blind ist. Aber sie scheint sich nach wie vor gut in unserem Garten und in dem unserer Nachbarn zurecht zu finden und ihr Leben auch immer noch zu genießen. Vor allem, wenn die Sonne die Steinplatten in unserem Garten wärmt. Allerdings ist sie jetzt doch um einiges gefährdeter als früher...

 

Die Aufnahmen in der folgenden Collage stammen vom 4. und 5. Oktober. In dieser Zeit haben Edi und ich gleich zweimal Kartoffeln geerntet: Zum einen hatte ich im Sommer in unserem Garten nachgesät, zum anderen hatte Edi beim Laufen ein abgeerntetes Kartoffelfeld gesehen, bei dem noch viele Kartoffeln herumlagen. Also taten wir das, was ich als Kind schon gerne mit meinen Eltern gemacht habe: Wir gingen "nachklauben" und haben somit einen netten kleinen Erdäpfel-Wintervorrat für uns angelegt.

Die Tage vom 6. bis zum 13. Oktober verbrachten mein Mann und ich im schönen Salzkammergut. HIER habe ich euch bereits einen Überblick über unsere Urlaubstage geboten, die weiteren Berichte folgen nach und nach.

Zwei Tage nach unserer Rückkehr, am 15. Oktober, traf ich mich mit meiner Tochter Jana, 27, um mit ihr gemeinsam meine Mutter, 94, zu besuchen. In der folgenden Collage seht ihr also drei Generationen der Rostrosen-Mädels 😉. Zu dem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass dies wieder einmal der letzte Besuch für längere Zeit sein würde, denn aufgrund von mehreren Covid19-Fällen bei den Bewohnern und beim Betreuungspersonal wurde das Heim zwei Tage danach abermals für Besucher gersperrt. Und seit Anfang November wären Besuche wegen des allgemeinen Lockdowns sowieso unmöglich. Nun kann ich wieder nur mühsame Kurz-Telefonate mit meiner Mutter versuchen, aber ich bin froh, dass sie davor wenigstens nochmal ihren Jana-Liebling gesehen hat. Im Anschluss an unseren Besuch gingen Jana und ich griechisch Essen - auch das ist das letzte Mal für längere Zeit gewesen.


Den roten Cardigan hatte ich im Salzkammergut-Urlaub mit dabei gehabt, aber dort kaum getragen. Also verwendete ich ihn danach gleich mehrmals - u.a. bei unserem Mutterbesuch, siehe oben, zur roten Jeans und meinem rot-schwarzen Öko-Longsleeve. Auch die blaue Bluse mit dem rot-grün-weißen Blattmuster habe ich im Urlaub kaum getragen und kombinierte sie zur roten Strickjacke und zu meinen grünen Jeans.

Der Oktober hüllte unserern Garten in wundervoll leuchtende Farbtöne, und wenn dann auch noch die Sonne schien, war das ein umwerfend schöner Anblick. Die folgenden Aufnahmen stammen vom 24. und 26. Oktober. 

Kurz zuvor (am 23.10.) wurde unser Grundstück von einem Naturgarten-Fachmann besichtigt. Unsere Gemeinde hatte nämlich die Bewohner eingeladen, sich zum ermäßigten Preis um eine Natur-im-Garten-Plakette zu bewerben, sofern gewisse Kriterien berücksichtigt werden. Diese Kriterien hat unser Garten zur vollsten Zufriedenheit erfüllt, der Mann sagte mehrmals "gefällt mir sehr, was ich da sehe" 😊...


Am 28. Oktober - eigentlich schon zwei Tage nach dem offiziellen Ende der Fotoausstellung Festival La Gacilly-Baden - konnten Edi und ich noch die "letzten Reste" der Ausstellung sehen. Doch das ist einen eigenen Beitrag wert, deshalb hier nur eine kleine Vorschau:


Der Himmel bot auch im Oktober einiges Interessantes, so z.B. die flockigen Wolken, die ich am 22.10 durch unser Dachlukenfenster fotografiert habe, die Wolkenberge hinterm Hausdach vom 24.10, den Sonnenuntergang und die Vollmondbilder vom 31.10. - und einen nassen Kater gab's auch mal wieder - am 30.10. 🙀😊



In der letzten Collage für heute biete ich euch noch das oben versprochene Outfit mit dem roten Mantelkleid über roten Jeans und rotem Langarmshirt zu meinen selbstbemalten roten Stiefeln und der kleinen roten Tasche vom Second-Hand-Laden. Einzig bei den Ketten habe ich zusätzlich zu meiner roten Afrikakette außerdem die in Orange gewählt - irgendwie fand ich das besser so. Diesen Anzug verlinke ich natürlich bei Marens Linkup Colour-Energy: Rot.
 
So war ich gekleidet, als wir am 29. Oktober mit unseren lieben Vis-a-vis-Nachbarn (siehe dritte Collage) in der Ortschaft Sooß einen Heurigen besuchten. Das war unser letzter Lokalbesuch vor dem Lockdown (und übrigens schon länger für diesen Abend geplant. Zum Glück hat er noch stattfinden können!)
 

Ihr Lieben, ich weiß, das war heute wieder ein Rostrosen-Marathon. Doch die Ereignisse in Wien wollte und konnte ich nicht unkommentiert lassen, zugleich wollte ich meinen Rückblick auf September und Oktober weder länger hintanhalten noch in zwei Teile teilen. Schließlich habe ich einige weitere Salzkammergut-Schilderungen für euch parat (herzlichen Dank bei der Gelegenheit gleich für eure tollen Kommentare zu meinem letzten Salzkammergut-Beitrag) und außerdem den Bericht über das wieder sehr interessante Festival La Gacilly-Baden Photo 2020. (Und bei alledem habe ich noch kein Wort über die US-Wahl verloren, die Edi und mich dieser Tage mehr als jede andere US-Wahl zuvor beschäftigt hat...)
 
Falls ihr heute mit Lesen nicht fertig wurdet, macht euch keinen Kopf, ich brauche jetzt ohnehin wieder rund eine Woche bis zu meinem nächsten Posting 😉. Bis dahin schicke ich euch ...


ganz herzliche Novembergrüße,
eure Traude

 
 
Gerne verlinke ich passende Beiträge bei: 
Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche,
Artis Schilderwald-Linkup, Heidis Aktion Himmelsblick
My week in colours von Maren - Farbwunder Style, Style Splash von Emma,
Friday Bliss - bei Riitta von Floral Passions,
Garden Affair - bei Jaipur Garden, 


Freitag, 25. September 2020

Alles an einem Tag: Natur und Historie in Mayerling - Kunst und Kultur in Wien


 Servus, ihr Lieben!

 

In meinem vorigen Beitrag blickte ich auf den rostrosigen Juli 2020 zurück. Ich habe mich sehr über eure virtuelle Begleitung durch diese bewegten Sommerwochen gefreut - recht herzlichen Dank für eure wunderbaren Kommentare dazu 💚! 

Unter anderem erwähnte ich darin einen Ausflug nach Mayerling, den ich am 12. Juli ohne Herrn Rostrose unternommen habe - aber da Edi und ich am 15. September gemeinsam am selben Ort waren, versprach ich, euch in Bälde die Fotos von beiden Ausflügen zu zeigen. Der letztgenannte Ausflug war eine Mischung aus Natur und Kultur, denn zunächst besuchten wir dort ein ehemaliges Jagdschloss, das jetzt ein Museum und ein Kloster ist. Und ein Ort, der ganz schön viel Historie verströmt!
 
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Schloss Mayerling:
Die inmitten des Wienerwalds gelegene Ortschaft Mayerling besteht gerade mal aus 44 Häusern und 273 Einwohnern; in der Österreichischen Geschichte ist sie dennoch von großer Bedeutung. Schon als Kind faszinierte mich, was ich davon aufschnappte. Wann immer wir in meiner Kindheit oder Jugendzeit - unterwegs zu irgendwelchen Wienerwald-Ausflügen - an einer Tafel vorbeifuhren, die auf Mayerling hinwies, kamen meine Eltern nämlich auf "die Tragödie" oder "die Affaire" von Mayerling zu sprechen. Und weil darin so viel Geheimnis steckte, gelang es ihnen, mein Interesse zu wecken. Doch aus verschiedenen Gründen ergab es sich erst im Jahr 2020, dass ich den "Ort des Geschehens" besuchte.
 
Aufnahmen der Anlage in Mayerling von unserem Ausflug am 15.9. / Foto von Kronprinz Rudolf - Quelle: Klick / Foto 
von Mary Vetsera - Quelle: Klick

 
Schauplatz der Tragödie war das einstige Jagdschloss in Mayerling bei Alland. Denn hier starben im Jänner 1889 unter noch immer nicht restlos geklärten Umständen der 30jährige Österreichische Kronprinz Rudolf und die erst 17jährige Baronesse Mary Vetsera. 
 
Heute beherbergt das Schloss den Karmel St. Josef der Unbeschuhten Karmelitinnen und eine  Ausstellung, die sich mit dem Leben und Sterben des Kronprinzen und der Baronesse beschäftigt.  Ich kann euch hier aber aus Platzgründen lediglich Teile der Geschichte erzählen und die Personen nur kurz vorstellen - falls ihr mehr darüber wissen wollt, findet ihr hier eine sehr gut aufbereitete Seite mit zahlreichen Informationen über das einstige Jagdschloss und nunmehrige Kloster sowie die handelnden Personen, und klickt bitte auch auf die übrigen eingefügten Links.)



Rudolf, Kronprinz von Österreich und Ungarn (21. August 1858 - 30. Jänner 1889), war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Ihr könnt euch gewiss vorstellen, dass von seiner Geburt an hohe Erwartungen in ihn gesetzt wurden. Das sensible Kind wurde seiner Mutter weitgehend entzogen und von Erzieherinnen, gestrengen Hauslehrern und einem Generalmajor ausgebildet - es sollte "ein guter Soldat, begeisterter Jäger und braver Katholik" werden. Einer seiner Erzieher setzte dermaßen drakonische Maßnahmen ein - klick - dass Elisabeth die psychische und physische Gesundheit ihres Sohnes bedroht sah und erfolgreich intervenierte. Elterliche Liebe und Zuwendung scheinen dem Kronprinzen während seiner gesamten Kindheit und Jugend gefehlt zu haben. Später entwickelte er (für die damalige Zeit) radikale politische Ansichten, "die dem konservativen Charakter eines künftigen Monarchen nicht entsprechen würden" (Aussage von Friedrich von Beck-Rzikowsky). Da er sich unglücklich in so vielen Lebensbereichen fühlte, suchte er sein Heil zunehmend in Affairen und Alkohol und experimentierte mit verschiedenen Drogen. 

Mich hätte sehr interessiert, welcher Staatsmann aus ihm geworden wäre, sofern man ihn gelassen hätte. Sein Vater hielt ihn für schwach, doch war er das wirklich? Oder wurde er nur geschwächt und letztendlich krank an Geist und Körper, weil er nicht der sein durfte, der er war? Im Neuen Wiener Tagblatt hatte der Kronprinz unter einem Pseudonym mehrfach kritische Artikel geschrieben, die ihn als Kämpfer gegen Nationalismus und Antisemitismus sowie als Förderer der Wissenschaft zeigten. Seine liberalen, antiklerikalen und pro-jüdischen Ansichten wurden bei Hof allerdings bestenfalls als überspannt und unreif betrachtet, von mancher Seite zog er sich auch Feindseligkeit zu. Womöglich wäre durch einen freidenkerischen Mann wie Rudolf an der Spitze Österreichs das gesamte Zwanzigste Jahrhundert anders verlaufen - und wer weiß, vielleicht sogar ohne die beiden verheerenden Weltkriege? Hier eine interessante Analyse der historischen Person Rudolf, die aber natürlich auch keine endgültige Antwort auf die Frage nach dem "Was wäre wenn" bieten kann.



Marie Alexandrine Freiin von Vetsera, genannt Mary (19. März 1871 - 30. Jänner 1889), war das dritte von insgesamt vier Kindern des Diplomaten Albin Ritter von Vetsera, und seiner Gemahlin Helene, geborene Baltazzi, die aus einer der reichsten Familien Konstantinopels stammte. Mary war attraktiv, verwöhnt, sinnlich, leidenschaftlich, "etwas kokett, gehasst von anderen Frauen, die durch sie in den Schatten gestellt wurden. Für mich hat sie nur einen einzigen Fehler begangen, und den hat sie mit ihrem Leben gebüßt", so ihr Hauslehrer. "Wer war schon die Vetsera?", meinte Rudolfs Ehefrau Stephanie über sie. "Noch die letzte Nacht verbrachte er bei seiner Freundin, der Grand Cocotte*) von Wien." Doch Mary, die heftig für den Kronprinzen geschwärmt hatte, war da, als sonst niemand für ihn da war.

*) = Mizzi Kaspar, siehe weiter unten.

 Lithografie - Mary und ihr älterer Bruder Ladislaus, der 1881 beim Ringtheater-Brand ums Leben kam; einer von 
Marys insgesamt vier Särgen; Portrait von Mary als Jugendliche; Rosen vor dem Teepavillon sowie einer der erst 2015
 der Öffentlichkeit bekanntgegebenen Abschiedsbriefe Mary Vetseras (Quelle: KLICK)

 

Nach heutigem Wissensstand hat der Kronprinz sowohl sich selbst als auch Mary Vetsera erschossen; Mary dürfte aus Liebe freiwillig mit ihm in den Tod gegangen sein. Dies ist jedenfalls ihren lange Zeit verschollenen und erst vor wenigen Jahren wieder aufgetauchten Abschiedsbriefen zu entnehmen. (Ich nehme an, dass ihre Echtheit genauestens überprüft wurde.) Ein ausschließlich romantisch-sentimentaler Liebestod scheint es in seinem Fall jedoch nicht gewesen zu sein, viel eher wohl eine vielschichtige Verzweiflung, die ihm das Leben unerträglich machte.

Rudolf dürfte aus verschiedenen Gründen unter Niedergeschlagenheit gelitten haben  - ob auch unter der Krankheit Depression, ist mir leider nicht bekannt. Er war im Hof isoliert, seine Hoffnung auf ein friedliches, liberales Europa schwand dahin, ebenso seine Gesundheit, denn er hatte sich durch seinen unsteten Lebenswandel ein sogenanntes venerisches Leiden zugezogen. (Die „venerische Krankheit“ war häufig ein Synonym von Syphilis.)

Zwar hatte er 1881 auf Druck des Hofes Prinzessin Stephanie von Belgien geheiratet, doch das einzige, was sie verband, war die gemeinsame Tochter Elisabeth. Sonst waren sie in Charakter und Weltanschauung zu weit voneinander entfernt und wurden einander im Lauf der Ehe immer fremder; stattdessen pflegte Rudolf mehrere Affären. Mit seiner langjährigen Geliebten Mizzi Kaspar, der oben erwähnten "Grand Cocotte von Wien" verbrachte er (wie seine Ehefrau so treffend bemerkt hatte) noch eine der letzten Nächte seines Lebens. Angeblich wollte er mit ihr zusammen in den Tod gehen, doch Mizzi weigerte sich und benachrichtigte sogar die Polizei über Rudolfs Selbstmordpläne. Diese Information wurde allerdings ignoriert. (Mizzi Kaspar starb im Jahr 1907, laut Totenschauprotokoll an Rückenmarksverhärtung, Folgeerscheinung einer Syphilis.) 

Auch Prinzessin Stephanie war übrigens im Jänner 1889 bei Kaiser Franz Joseph vorstellig geworden, um ihm zu berichten, dass ihr Ehemann in schlechter körperlicher und seelischer Verfassung war - "hinabgezogen in eine andere Welt" - doch Rudolfs Vater bagatellisierte diese Nachricht. Bis es dann, am 30. Jänner 1889, zu spät war, um die Tragödie zu verhindern.


Fest steht, dass man danach alles versuchte, um den Doppelselbstmord - oder Mord und Selbstmord - zu vertuschen. Zeugen wurden zu lebenslangem Schweigen verpflichtet und die Leiche Mary Vetseras schaffte man heimlich aus dem Jagdschloss. Erst nach dem Ende der Monarchie wurde offiziell bekannt, dass auch sie in jener Nacht in Mayerling zu Tode gekommen war. Wichtige Unterlagen wurden vernichtet, österreichische Zeitungen mussten Falschmeldungen bringen - so hieß es in einem Blatt, der Kronprinz sei an einem Herzschlag verstorben, in einem anderen war zu lesen, dass er einen tödlichen Schlaganfall erlitten hatte, und auch von einem Jagdunfall war die Rede - während ausländische Zeitungen längst über Selbstmord schrieben. Letztendlich kamen Teile der Wahrheit heraus, doch es wurde weiter getrickst: Um ein kirchliches Begräbnis für Rudolf zu ermöglichen, wurde ihm ärztlicherseits geistige Verwirrung zum Zeitpunkt seiner Selbsttötung konstatiert. Gerade durch all diese Heimlichtuerei begannen sich aber zahlreiche Gerüchte um Rudolfs und Marys Tod zu ranken, und manche - wie das Gerücht, dass gedungene Mörder den Tod der beiden verursacht hätten - kursieren auch heute noch.


Auf Veranlassung von Kaiser Franz Joseph I. wurde das Jagdschloss noch im Jahr 1889 zu einem Kloster umgebaut - das Gebäude von damals ist (bis auf den Teepavillon) kaum noch wieder zu erkennen. Für den Umbau und den Unterhalt der Karmelitinnen, die besonders für das Seelenheil Rudolfs beten sollten, errichtete der Kaiser eine Stiftung mit einem Kapital von 140.000 Gulden. Der Hochaltar der neu errichteten neogotischen Kirche erhebt sich nun an der Stelle des Sterbebettes von Kronprinz Rudolf. An der Stelle der Seitenkapelle lag das Zimmer des Kammerdieners Loschek. An der Tür zu dieser Seitenkapelle befindet sich u.a. folgende Information: "Die Statue der schmerzhaften Gottesmutter, deren Herz von einem Dolch des Leidens durchbohrt wird, stiftete Kaiserin Elisabeth. Sie konnte freilich nicht ahnen, dass sie 1898 selbst erdolcht werden würde..." Zwar hatte sie nie viel Kontakt zu ihrem Sohn gehabt, doch in ihren liberalen Ansichten waren Rudolf und Elisabeth einander sehr ähnlich. Nach Rudolfs Tod trug Elisabeth bis zu ihrem Lebensende (fast) nur noch schwarze Kleidung.

Der Teepavillon und das Schloss im Wandel der Zeit: Oben links: Der heutige Zustand des Pavillons; oben rechts Decke 
vor der Renovierung (Bildquelle: Klick); alte Postkarte mit Ansicht des Schlosses (Quelle: Klick); großes Foto unten rechts: 
Decke und Wandmalerei nach der Renovierung; Teepavillon 2005 vor Renovierung (Quelle: Klick); Grundrissplan des 
Anwesens (Quelle: Klick)

 
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, doch auch nach der Wiederinstandsetzung war es in keinem besonders guten Zustand - nasse Grundmauern, Schimmel, loses Mauerwerk, herabfallender Putz... 1967 brach im Inneren des barocken Teepavillons ein Brand aus - er hinterließ vor allem an der ornamentalen Deckenmalerei schwere Schäden. Da die Schwestern selbst für den Erhalt des Gebäudes sorgen müssen, wurde das Projekt „Rettet den Karmel Mayerling“ ins Leben gerufen. Zwischen 2014 und 2017 wurden die Renovierungsarbeiten durchgeführt, und im Jahr 2014 erfolgte auch die Eröffnung eines Besucherzentrums. 

Unser Eindruck: Die Ausstellung ist interessant aufbereitet, und auch den kleinen Teepavillon mit der renovierten Deckenmalerei, die Kirche und den Garten fanden wir sehenswert. (Es wäre jedoch noch sehr viel Platz für weitere bienenfreundliche Pflanzen übrig 😉🌸🐝)

Das Tor zur Kirche Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel ist mein T in die neue Woche

 

Für die an Kleidung Interessierten unter euch kann ich hier mein Ausflugs-Outfit vom 15. September zeigen: Eine dezent in Waldfarben getönte, aber dennoch rostrosige Mischung aus Museums- und Wanderanzug - stellt euch dazu bitte noch meine Bergschuhe vor 😉: Denn im Anschluss an unseren Museumsbesuch unternahmen wir noch eine kleine Wanderung auf einem der nahe dem Schloss gelegenen Wege.

Meine Kleidung war zwar durch Brombeertöne und Waidmannsgrün an den Frühherbst angepasst, aber der Himmel! oh! - der war weit weg vom Herbst... Ihr werdet sehen, dass er bei meinem Sommerausflug im Juli nicht annähernd so blitzblau war wie an diesem Septembertag! In der folgenden Collage könnt ihr einen septemberlichen Blick auf die Anlage und die Umgebung werfen. Auch sonst haben wir an diesem Tag dort noch einiges Schönes gesehen - aber nicht mehr fotografiert. Macht nichts: Ich hatte ja schon die Fotos von meinem vorangegangenen Mayerling-Ausflug im Juli 😉

Rückblick auf den 12. Juli:
Es ist leider nicht dokumentiert, welche Kleidung ich bei meinem Solo-Ausflug im Juli trug, aber ich kann euch einige Fotos bieten, die an diesem Tag bei meiner Wanderung entstanden sind. Zunächst ein Blick auf die Anlage von beinah derselben Stelle aus wie im September - und bei der Gelegenheit bekommt ihr gleich ein paar Himmelsblicke dieses Tages zu sehen. Daran lässt sich erkennen, dass das Wetter an jenem Junitag eher wechselhaft war - auf der einen Seite türmten sich schwere Wolken, auf der anderen zeigte sich leichtfüßiges Blau und auch die Wolken sahen freundlich aus. Wie auch immer: Ich blieb an jenem Tag trocken.

Für Novas Glockenturm-Linkup habe ich die Kirche von außen aus mehreren Perspektiven aufgenommen. Und auch das renovierte Dach des Teepavillons seht ihr in der folgenden Collage von außen:

Die weiteren Aufnahmen von Pflanzen und Kleingetier entstanden dann schon auf dem einsamen Wanderweg. Die einzigen maßgeblichen Geräusche, die ich beim Wandern hörte, stammten von einem großen Greifvogel - leider gelang es mir nicht, ihn zu fotografieren - er stieß seine wilden Rufe aus und verschwand hinter Wipfeln oder Wolken. Der Kaisermantel-Falter in der übernächsten Collage zeigte sich da um einiges kooperativer.

Der Durchblick im Wald wäre auch ein schönes Tor für Nova...

Lesung in Wien:
Zurück zum 15. September. Der Tag war nach unserem Ausflug natürlich noch nicht zu Ende. Denn in meinem Posteingang war eine Einladung zu einer Lesung gelandet. Der Wiener Autor Stefan Slupetzky würde um 18.30 Uhr aus seinem neuen Erzählungs-Band „Atemlos“ lesen - und zwar vor dem Brunnen am Sobieskiplatz im 9. Wiener Gemeindebezirk. Aufgrund der aktuellen Covid19-Situation verlegte der Buchladen Hartliebs Bücher seine Lesungen nämlich ins Freie, um für den Mindestabstand garantieren zu können.

Weil wir Stefan und seinen Stil mögen, weil wir sein neuestes Werk noch nicht kannten und weil wir finden, dass man Kunst und Kultur in Zeiten wie diesen umso mehr fördern muss, zwängten wir uns mit unserem "Teil-Elektrischen" in den dichten Abendverkehr und fuhren rund anderthalb Stunden lang nach Wien.
 
 
 
In der Natur war mir nach dezenten Tönen zumute gewesen, für den lauen Septemberabend hatte ich Lust auf Knallerfarben. Als Basis ist da mein Alle-Farben-Rock vom Weltladen natürlich bestens geeignet. Dass ich derzeit sehr auf Orange stehe, habe ich in meinem vorigen Post schon erwähnt, deshalb griff ich zu meiner selbstgefärbten Bluse und der afrikanischen Kette. Wenn's dann so richtig fetzen soll, empfiehlt sich dazu die Wahl von gelbstichigem Blau, ergänzt durch meine hellgrünen Sandalen von Waschb*r. So bunt fühle ich mich nicht an jedem Tag wohl, aber an diesem Abend schon - und ich gebe solchen Bedürfnissen gerne nach 😊. 
 
 
 
Diejnigen unter euch, die schon länger bei mir lesen, wurden schon das eine oder andere Mal mit dem Namen Stefan Slupetzky konfrontiert. Er ist ein Österreichischer Schriftsteller,  Krimiautor, Kinderbuchautor, Illustrator und Musiker, den mein Göttergatte und ich schon vor ein paar Jahren persönlich kennengelernt haben - und das kam so:
 
Irgendwann vor dem Sommer 2008 las Edi einen Taschenbuch-Krimi, der ihn offenbar gut unterhielt, und er meinte, der würde mir sicherlich auch gefallen. Nachdem Krimis nicht so ganz das sind, wo meine Finger zuerst hingreifen wollen, ließ ich mir eine Weile Zeit damit, aber irgendwann ging mir der Lesestoff aus und ich griff zu Stefan Slupetzkys Der Fall des Lemming. Dieses (übrigens preisgekrönte) Buch löste zahlreiche Deja-vus und Gefühle bei mir aus, weshalb ich nach einigem Überlegen meinem Bedürfnis nachgab, im Internet die E-Mail-Adresse des Buchautors fand und ihm meine Meinung schrieb! Zum Beispiel, dass seine Geschichte neben der Krimihandlung Witz und Tiefgang hat und dass es mir gefällt, dass er sich kein Blatt vor den Mund nimmt, dass ich durch seine Schilderungen an Gefühle erinnert werde, die ich, als wir noch in Wien lebten, verspürt habe oder die aus anderen Gründen eine Bedeutung für mich besitzen – Kaffeehausnostalgie, Baustellenlärmfrust, …  und an jugendliche Ohnmacht vs. Lehrer-Omnipotenz - und dass man an seinen  Beschreibungen erkennt, dass er ein Mensch ist, der malt - ohne beim Griff in den sprachlichen Farbtopf zu übertreiben.
 

 
Kurz, ich hatte von Anfang an irgendwie das Gefühl, ein Buch zu lesen, das ein "guter alter Freund" geschrieben hat. Ich schrieb meine Mail ohne Hintergedanken und ohne die Erwartung, dass wirklich eine Antwort kommen könnte - einfach nur aus dem Bedürfnis heraus, einem Österreichischen Autor ein positives Feedback zu geben und ihm zu versprechen, dass ich seine weiteren Lemming-Bücher ebenfalls lesen würde (was sowohl Edi als auch ich mittlerweile getan haben) und auch Lust auf weitere seiner Werke bekommen hätte. Zu meiner Überraschung kam wenige Tage danach eine sehr sympathische, erfrischend natürliche und offene Antwort von Stefan. 
 
Kurze Zeit später gab es dann eine Art "Zusammenarbeit", denn Edi und ich beteiligten uns beim Radio-Wien-Hörer-Roman, der von zwei bekannten Österreichischen Autoren betreut und redigiert wurde - und einer davon war Stefan Slupetzky. Ich habe euch im Jahr 2009 HIER und vor allem HIER über diesen Mundartroman und seine Präsentation bei Radio Wien erzählt. Auch Stefans musikalische Seite stellte ich euch in meinem Blog bereits vor - HIER könnt ihr über unseren Besuch einer sehr amüsanten Vorstellung des "Trio Lepschi" im Jahr 2017 lesen.

Wie üblich bei seinen Lesungen, "tigerte" sich Stefan Slupetzky so richtig in seine Stories hinein. Interessanterweise hat er noch vor Covid 19 eine Kurzgeschichte geschrieben, in der es um eine Pandemie geht. Aber verraten will ich euch darüber nichts, denn vielleicht habt ihr ja Lust, sein Buch selbst zu erwerben. Hier der Text aus der Kurzbeschreibung:

"Was macht ein schlitzohriger Wiener Privatdetektiv in Hessen? Er wird von einem Vermögensverwalter auf die Entführer seiner Tochter angesetzt. Wie sich bald herausstellt, ist nichts an dieser Entführung, wie es sein soll …
Ein britischer Konsulent verschafft einem deutschen Seidenkrawattenfabrikantensohn auf unkonventionelle Weise den größten Erfolg seines Lebens – freilich läuft das nicht ohne Kollateralschäden ab.
Gruselige Gerüchte treiben zwei Internatsschüler auf den einsamen Turm hinauf. Tatsächlich finden sie dort ein eingelegtes Herz, das ganz und gar nicht tot ist und so einiges im Leben der Buben ändert.
Stefan Slupetzky ist wie gewohnt scharfzüngig und scharfsinnig, seine Geschichten verführen zum Lachen und verursachen Gänsehaut."

Wie immer, wenn wir zu einem "Slupetzky-Abend" gehen, haben wir uns gut unterhalten, und natürlich haben wir ihm seinen Erzählband Atemlos abgekauft, auch zur Freude der Damen von Hartliebs Bücher. Stefan schrieb uns auch eine Widmung hinein: "Für Traude und Edi - Von Herzen!" 😊

 

Kurzbesuch im Atelier:
Im Publikum saß eine Frau, die dankenswerterweise die Klappsessel aus ihrem Atelier für die die Gäste der Lesung zur Verfügung gestellt hatte. Nach Stefans Darbietung halfen wir beim Zurücktragen der Stühle und nützten dabei auch gleich die Gelegenheit zu weiterem Kunstgenuss. Denn die Plastiken von Sabine Pleyel sind ausgesprochen sehenswert.

Nach eigener Aussage bevorzugt Sabine Pleyel für ihre Skulpturen die Materialien Stein und Bronze. "Begründet liegt diese Entscheidung in der thematischen Ausrichtung meiner Arbeiten und an der großen Faszination schwer zu bearbeitender Materialien." Es interessiert sie, die Grenzen dieser Werkstoffe auszuloten und sie stellt sich gerne der Herausforderung, den "Widerspruch zwischen der Leichtigkeit des Moments und der oft spröden Schwere des Materials" aufzuheben. Mich faszinierte auf Anhieb ganz besonders die Plastik links unten - der Kopf aus Quarzit, der den Mann aus Bronze verschlingt - die Inspiration dazu kam laut Frau Pleyel aus der Form des Steins (der schon eine Art "Maul" hatte). Das hell-dunkle Paar ist aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt, das von Natur aus zweifärbig war, das heißt, sie musste erst mal den Punkt herausarbeiten, an dem eine Person sich von der anderen abhebt. Auch dieses Werk hat uns sehr beeindruckt.

 

Und somit sind wir durch unsere Fahrt nach Wien sogar gleich zweimal in kulturellen Genuss gekommen. Und hatten ganz allgemein wieder einen wunderbaren und erfüllten Tag. Ich hoffe, auch ihr habt das virtuelle Dabeisein wieder genossen und vielleicht auch das eine oder andere Neue erfahren!

Nun wünsche ich euch noch angenehme Septembertage und schicke euch ganz, ganz liebe Grüße! Demnächst geht es voraussichtlich mit meiner Sommer-Rückschau weiter - diesmal auf den August 2020.


Herzlichst, eure Traude



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