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Freitag, 15. April 2016

A New Life #4 - Leben ohne Palmöl


♥♥♥ Servus liebe treue und 
neue LeserInnen,... ♥♥♥



... ich freue mich, dass ihr hier bei mir vorbeischaut -
und ich danke euch herzlich für alle Beitrage, die ihr zu den drei bisherigen ANL-Aktionen
geleistet habt! HIER könnt ihr euch die Beiträge noch einmal ansehen und außerdem die
Spielregeln und Hintergründe der Aktion erfahren.


Die Lebensräume der letzten frei lebenden Orang Utans dieser Welt sind durch den Palmölanbau massiv bedroht. 
Und damit stehen auch diese einzigartigen Menschenaffen kurz vor dem Aussterben. Lernt die Menschheit nicht dazu?
Fotos via / via / via



Willkommen zum 4. Abschnitt von A N L - meiner Verlinkungsaktion, bei der es um
Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Lebensqualität geht - und heute vor allem um eines der für
die Erde und ihr Klima so wichtigen und zugleich besonders bedrohten Ökosysteme
dieser Welt – um 


A short English summary of this post:
Today I'll tell you about palm oil. For the cultivation of palm oil valuable rainforest is destroyed -  
in Africa, South America and especially in Southeast Asia. Our climate is in danger! Human rights 
are violated and the habitats of endangered species will be lost forever - for example, from last
  orangutans in the world. Palm oil is found in many consumer products: In laundry detergents,
  cleaning products, cosmetics, bio-diesel, chocolate, biscuits ... We must learn to buy only products
  that don't contain palm oil, to bring the industry to rethink!
Hugs, Traude 
 

Wälder in Südindien - zum Glück noch unversehrt ...


Regenwälder werden in unserer konsumorienterten Welt für verschiedene Dinge 
zerstört – für Kraftwerke, für Aluminium, für Palmöl… Von letzterem soll der heutige
Beitrag handeln.


Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ


Thema Palmöl: 

Die meisten von euch haben vermutlich schon erfahren, dass Palmöl 
inzwischen in jedem zweiten Alltagsprodukt verwendet wird. Allen, die darüber noch 
nicht ausreichend viel wissen oder die sich als Einführung zu meinem Artikel näher mit 
Palm(kern)öl und der damit verbundenen Problematik beschäftigen wollen, möchte ich 
ein paar Links empfehlen. Auch wenn ihr wissen wollt, ob Bio-Firmen ebenfalls Palmöl 
verwenden oder was es mit (angeblich) nachhaltigem Palmöl nach RSPO-Kriterien auf 
sich hat, könnt ihr z.B. HIER und HIER  
ausführliche Antworten dazu lesen. Zum sogenannten nachhaltigen Palmöl könnt 
ihr HIER mehr erfahren und HIER über die Kritikpunkte, die die Umweltgruppierungen 
letztendlich dieser Organisation gegenüber äußern. 


Fotos via / via / via / via / via / via


Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ





Zwar bemühe ich mich schon seit vielen Jahren um ein möglichst naturnahes, umweltfreundliches
Dasein - seit ich die Aktion ANL begann, hat sich in meinem Leben trotzdem noch einiges mehr in
dieser Richtung getan. Einfach, weil ich mich seither (wieder) intensiver mit Themen befasse (oder
sie wieder näher an mich heranlasse), die ich zuletzt ein wenig verdrängt habe... weil sie mir wehtun,
mich erschüttern und an der Menschheit zweifeln lassen... 


Backwaters und Bergland von Kerala - Südindien 2013


Sprich: Ich weiß (und wusste schon lange), dass z.B. überall auf der Welt, wo es Regenwälder gibt,
massiv in diese Ökosysteme eingegriffen wird - und dass diese Eingriffe schon seit Jahrzehnten
stattfinden. Ich musste es mir dennoch wieder deutlicher vor Augen rufen. Die Stimmen der
Umweltschützer wurden vor dreißig, vierzig Jahren nicht gehört ... Und selbst heute noch, wo die
Auswirkungen bereits deutlich spürbar sind, wird weiter zerstört ... in größerem Ausmaß denn je...
aus Gleichgültigkeit, aus Gier, aus Kurzsichtigkeit, aus (angeblichem) Mangel an Alternativen  ...
und zum Teil auch, weil man uns Konsumenten seit Ewigkeiten für dumm verkauft … und wir
daher immer noch zu wenig palmölfreie Produkte verlangen.


Bergland von Kerala - Südindien 2013


In der Werbung
verrät man uns nämlich nur einen Teil der Tatsachen (sofern in Werbung überhaupt Tatsachen zu
finden sind – sagen wir daher lieber, man lässt uns glauben, was man uns glauben lassen WILL):
Nämlich dass dieses oder jenes Waschpulver weißer als weiß wäscht, diese Sonnencreme einen
besonders knusprigen Bronzeton produziert, jenes Shampoo oder Duschgel äußerst verführerisch
duftet und Haut oder Haar intensiver pflegt als jedes andere, und diese Nougatcreme selbst bei
Spitzensportlern die allerbeliebteste ist (überhaupt, wenn man die Spitzensportler gut für diese
Behauptung bezahlt ;o)). Und man hat auch versucht uns weißzumachen, dass Biodiesel
viel besser für die Umwelt ist als herkömmliches Dieselöl.


Oben: Regenwaldabholzung in Kamerun / Afrika - Unten: Sonnencreme enthält sehr oft Palmöl - Fotos: via / via


Was man uns dort, wo man etwas verkaufen will, hingegen nicht auf die Nase bindet ist: dass
sowohl für das Waschpulver als auch für die Sonnencreme, das Shampoo, das Duschgel und ebenso
für die Nougatcreme und den Biodiesel Regenwald zerstört wird. Und zwar im großen Stil - und für
BEINAHE JEDE MARKE


Und man verrät uns keineswegs, welches Leid hinter alledem steckt - hinter dem Putzmittel,
hinter der Tütensuppe, den Keksen, der Haushaltskerze, der Backmischung, der Tiefkühlpizza, der
Margarine, der Schokolade! Man verrät uns in keiner Werbung, dass ein großer Teil der beworbenen
Produkte jenes Öl enthält, für das die Natur, die darin lebenden Tiere und die Menschen den teuersten
Preis bezahlen, der möglich ist.


Regenwaldbrandrodung in Indonesien und Peru / vor dem Feuer flüchtende Orang Utans in Indonesien
Fotos: via / via / via / via


Ich recherchiere für meine Fair-Trade- und ANL-Blogbeiträge ja normalerweise eine Weile – für
dieses Thema hier allerdings länger und ausführlicher als sonst, denn es ist kein Thema, das mit ein
paar Sätzen abzuhandeln ist. Und es ist eines, bei dem es zahlreiche widersprüchliche Behauptungen
gibt – z.B. dass Palmöl als Lebensmittel (relativ) gesund sei contra Palmöl enthalte viele gesättigte
Fettsäuren, mache daher dick und könne sogar Krebs erzeugen. Oder dass sogenanntes nachhaltiges
Palmöl positiv zu bewerten sei contra "wirklich nachhaltiges Palmöl gibt es nicht!" ...


Palmen-Sonnenuntergänge - Südindien 2013


Ich brauchte auch stärkere Nerven als sonst. Als ich dem Palmöl-Thema auf den Grund zu gehen
versuchte, sah ich nicht nur Aufnahmen von gerodeten, verbrannten Wäldern - riesige Flächen
wertvollster Natur, unwiederbringlich verwüstet von Firmen, die (bei allem, was sie über den
unersetzbaren Rohstoff Palmöl auch sagen mögen) vor allem profitable Geschäfte mit dem billigen
Öl machen ... und dabei zum Teil den Hals nicht voll bekommen *) ...


*) Merket: Ich behaupte nicht, dass alle gierig sind, die für ihre Produkte Palmöl verwenden,
ihr könnt aber davon ausgehen, dass in manchen Firmen die Profitgier an einer der vordersten
Stellen steht... Und ebenso in manchen Regierungen, die die Abholzung der Regenwälder in ihren
Ländern nicht nur zulassen, sondern forcieren.


Fotos via / via / via / via


... Ich sah zudem Bilder und las von Menschen,
die aus ihren Hütten vertrieben wurden, von Menschen, die man inhaftiert hat, weil sie sich gegen
die Enteignung ihres Bodens zum Zwecke des Palmölanbaus gewehrt haben und von Menschen, die
ermordet wurden, weil sie sich der Umweltzerstörung oder der Vertreibung aus ihrem Zuhause
widersetzten. Diese Szenen spielen sich in Südamerika ab, in Afrika … und derzeit in besonders
großem Ausmaß in Südostasien.


Ich sah schockierende Aufnahmen von Orang Utans, die an
Brandrodungen starben oder schwerste Verbrennungen erlitten, und ich habe gelesen, dass manche
verwaiste Orangs letztendlich als „Haustier“ oder "Spielzeug" in Hinterhöfen oder gar in Bordellen
landeten ... (Da ich der „menschlichen Natur“ inzwischen alles zutraue – die gesamte Palette von sehr
liebevoll, gebend, beschützend und gut bis extrem grausam, maßlos gierig, pervers und abgrundtief
böse - bin ich geneigt, diese Dinge zu glauben, auch wenn sich in mir alles dagegen wehrt.)


Pflanzenpracht in Südindien 2013


Ich sah auch Bilder von zufrieden lächelnden, hübsch und gesund aussehenden asiatischen
Mitarbeitern jener Firmen, die sogenanntes nachhaltiges Palmöl produzieren, also Palmöl
auf Plantagen, für die zwar ebenfalls Regenwald gerodet wurde, aber das bereits vor dem
Jahr 2008. Jedoch bin ich mir – aufgrund der kritischen Bemerkungen, die ich dazu in Wikipedia,
bei Greenpeace, Rettet den Regenwald & Co. lese – nicht sicher, ob man uns Konsumenten nicht
auch mit diesem Siegel für dumm zu verkaufen versucht. Es scheint zumindest so zu sein, als würde
noch zu wenig genau kontrolliert werden, ob die "RSPO-Palmöl-Chargen" tatsächlich zu 100 %
aus nachhaltigem Anbau stammen und bei Bio-Palmöl tatsächlich alles "bio" ist ...

Doch vielleicht bin ich in diesem Punkt im Unrecht, vielleicht wird hier Gutes versucht 
und ich bin einfach zu ungeduldig ... weil manches nicht so schnell durchzusetzen ist, 
wie es die Welt brauchen würde ...

Versuche ich auf mein Bauchgefühl zu hören, sagt es mir folgendes:
Wenn es als einzige Alternative zu einem benötigten Produkt mit herkömmlichem Palmöl nur 
eines mit RSPO-Palmöl gibt, dann kaufe dieses. Wenn es Bio-Palmöl gibt, ziehe das den anderen
Palmölprodukten vor. Wenn es als Alternative jedoch ein Produkt ganz ohne Palmöl gibt, dann 
bevorzuge das. Und teile den Firmen mit, dass du Produkte ohne Palmöl 
wünschst!


Backwaters und Bergland von Kerala - Südindien 2013

 
Wie auch immer:
Ich sah viel Leid, und all dieses Leid wird uns in keiner Werbesendung dieser Welt gezeigt. Es
wird uns nicht einmal von den meisten informativen Medien gezeigt, weil es sich dabei um Bilder
handelt, die Albträume verursachen. Ich erspare euch die schlimmsten der Fotografien hier ebenfalls.

Ihr bekommt stattdessen ein paar kleine Bild-Auszüge von Regenwald-Schutzseiten zu
sehen (die Bildquellen sind unter den Collagen verlinkt), und zwischendurch immer wieder noch
weitgehend unberührte asiatische Natur, mitgebracht von unserer zweiten Indienreise…



Fotos: via / via / via / via


Es genügt vorerst,
wenn ihr wisst, dass wir, sofern wir weiterhin unbedacht palmölhaltige Produkte kaufen,
das vorhin geschilderte Elend mitverursachen! Und dass wir der Welt und unseren Nachkommen
über kurz oder lang auch die letzten noch unberührten Flecken Natur und ein halbwegs erträgliches
Klima wegnehmen, sofern wir so weitermachen wie bisher.


Ich sage bewusst „sofern wir so weitermachen wie bisher“ … Denn wir brauchen nicht darauf zu
warten, dass die Firmen von selbst zur Vernunft kommen und aufhören, Palmöl zu verwenden, so
lange es so billig ist (und solange die Menschen Produkte kaufen, die Palmöl enthalten).


Pflanzenpracht in Südindien 2013


Wir brauchen auch nicht darauf zu warten, dass die Regenwaldrodung unter diesen Bedingungen
gestoppt wird. Und wir brauchen nicht darauf zu hoffen, dass Politiker rasch genug eine weltweites
Regenwald-Rodungsverbot aussprechen. Politik wird so gut wie immer von der Wirtschaft gesteuert
– und das Hauptinteresse der Wirtschaft liegt keineswegs im Naturschutz.


Nasenaffen gehören ebenso zu den durch Palmölplantagen gefährdeten Tierarten ... Fotos: via / via / via


Was also könnt ihr tun? 
Was können WIR tun? Setzen wir Zeichen!


Es ist bestimmt kein einfaches Unterfangen, zu versuchen,
ein Leben ohne Palmöl zu führen. Aber es ist den Versuch eindeutig wert!

Wir müssen uns wieder einmal darauf besinnen, dass Konsumenten in der Lage sind,
durch die Nachfrage den Markt zu steuern!


Das Hauptinteresse der Wirtschaft liegt im Verkauf. Und genau da liegt UNSERE Macht,
die Macht der kleinen Leute, der Konsumenten. Die Macht der VIELEN. Wenn die Nachfrage
nach palmölhaltigen Produkten sinkt und gleichzeitig die Nachfrage nach palmölfreien
Produkten eine gewisse Grenze überschreitet, reagieren auch die Erzeuger!

Konsumenten haben es bereits geschafft, dass z.B. so ziemlich alle Supermarktketten und sogar
Discounter kontrollierte Bio-Marken anbieten, Konsumenten können also auch ein Regenwald-
abholzungsverbot erwirken. Indem sie die Wirtschaft in großem Stil auf ihren zerstörerischen
Waren verhungern lassen. Indem sie Mails und Briefe schreiben, um mitzuteilen, dass sie gewisse
Produkte nicht mehr kaufen. Indem sie fordernd, rebellisch und lästig wie Stechmücken sind!


Fotos: via / via / via / via



In meinem nächsten ANL-Hauptbeitrag ab 15. Mai werde ich euch weitere Tipps für ein Leben
ohne Palmöl bieten und unter anderem einige Produkte vorstellen, die frei von Palmöl und sind. Im
Vegan-Beauty-Blog von Erbse findet ihr u.a. eine Liste mit den im Kosmetik- und Hygienebereich
verwendeten Bezeichnungen für Palmöl. Wenn ihr auf den LINK klickt, könnt ihr euch die Liste
schon heute ansehen / ausdrucken - oder ihr wartet auf meinen nächsten ANL-Post, da veröffentliche
ich diese Liste bei mir.

Für heute bekommt ihr (am Ende dieses Posts) außerdem noch ein paar Links für Anti-Palmöl-
Regenwald-Petitionen, die ihr virtuell unterschreiben und auch per Facebook, E-Mail oder Google+
mit anderen teilen könnt. Je mehr unterschreiben, desto größere Chancen hat der Regenwald und
seine Bewohner! Und dest größere Chancen haben WIR - die Menschheit!


A New Life - ACHTSAMKEIT - NACHHALTIGKEIT - 
LEBENSQUALITÄT - Blogger für eine bessere Welt!



Und nun, ihr Lieben, seid wieder ihr an der Reihe mit euren
 Themen, die die Welt ein Stückerl besser machen. Anregungen dazu findet ihr HIER - und 
zu den Spielregeln in Kurzform kommt ihr HIER. Wenn ihr auf diese Links klickt, bekommt 
ihr übrigens auch eine Anleitung, wie das mit dem Verlinken funktioniert (für alle, die es bisher
 nicht versucht oder geschafft haben). Habt keine Scheu, auch Ideen zu posten, die euch "klein" 
erscheinen - erzählt oder zeigt uns bitte jede Kleinigkeit, mit der ihr die Welt zu einem besseren 
Platz macht. Jede gute Idee kann ansteckend wirken!



Herzliche Rostrosengrüße von eurer Traude

PS:
Hier könnt ihr laufende Petitionen online unterzeichnen:



Hier bekommt ihr eine App, die euch helfen kann, auf Palmöl zu verzichten:

https://www.regenwald.org/news/6993/app-hilft-beim-palmoel-verzicht

Und eine weitere App, bei der ihr mittels eingebauter Handy-Kamera über den Barcode
Produktinformationen erhalten könnt, bekommt ihr hier: codecheck.info

PPS:
Die von mir aufgenommenen Naturbilder verlinke ich bei Juttas Natur-Donnerstag sowie
bei Gabrieles Streifzug am Mittwoch.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Fair Play Teil 4: Frau R. denkt über die Erde nach ... und über Fußabdrücke...

Servus ihr Lieben!
✿ܓܓ✿ܓ✿ܓ✿ ♥♥♥♥ ܓܓ✿ܓ✿ܓ



In der Vorweihnachtszeit muss ich häufiger als sonst über den Sinn und Unsinn des
Konsumierens nachdenken. Vielleicht, weil sich mir durch das dschingelbellige Werbefernsehen,
durch schreiende Plakatwände, Postwurfsendungen und die Beobachtung von hektisch einkaufenden
Menschenmassen solche Gedanken einfach aufdrängen. Und zu Konsum passen dann auch wieder
Gedanken darüber, wo unsere Waren überhaupt herkommen. Und was unsere Einkäufe bewirken...
(mal abgesehen von den vielleicht leuchtenden Augen der Beschenkten...) Und was sonst noch 
alles damit zusammenhängen könnte auf unserem Planeten ...





Vielen Dank für euer Interesse und eure zahlreichen nachdenklichen Kommentare zu meinen 
bisherigen drei Fair-Play-Posts! Falls ihr sie versäumt habt oder darin nochmals etwas nachlesen 
wollt, findet ihr hier die Links dazu:





Angesichts mancher Schilderungen und mancher Bilder, die wir aus Indien mitgebracht haben 
und die ich euch im vorigen Fair-Play-Beitrag zeigte, kam in vielen von euch der Wunsch auf, dass 
niemand in solcher Armut leben möge. 

Beim Betrachten einiger Aufnahmen, die ich euch heute zeige, werdet ihr euch hingegen vielleicht 
fragen, was für "Schweindln" in diesem riesengroßen Land leben. Doch bevor ihr die Menschen in
 Indien als Umweltverschmutzer verurteilt, solltet ihr erstmal meinen heutigen Artikel zu Ende lesen
 ;o)) Und vergesst dabei bitte nicht, dass ich das Land und seine Menschen als sehr liebenswert
kennengelernt habe! Extrem anders als unsere Welt und unsere Menschen, aber wunderbar kreativ,
freundlich, humorvoll, großzügig, farbenfroh, fröhlich, quirlig... - eben liebens-wert!

[Übrigens sind einige der Fotos, die ihr heute seht und im letzten Post gesehen habt, von unserer Freundin Moni. Edi 
und ich sind zwar selbst nicht nur die "Heile-Welt-Fotografen", doch Moni wirft gern einen noch kritischeren Blick auf 
alles. Und außerdem wollte sie ihrer Mutter und ihrer Schwester "Beweisfotos" mitbringen, weil die sich sonst gar nicht
vorstellen hätten können, wie verdreckt manche Waldränder, See-Ufer etc. gewesen sind, die wir in Indien gesehen 
haben.] 




Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Menschen in Indien (und in anderen sogenannten
Entwicklungsländern) zum Teil noch damit aufgewachsen sind, dass alles, was man besaß, verrottet
ist: Essen wurde zum Beispiel auf Bananenblättern serviert - die man nach der Mahlzeit einfach neben
das Haus warf, wo es zu Kompost wurde. Eine geniale Lösung. Der Mensch im Einklang mit der
Natur. Bei uns war es vor einigen wenigen Generationen nicht großartig anders. Es gab zwar keine
Bananenblätter, aber z.B. Holzschüsseln und Löffel. Und gegessen wurde, was aus dem Garten kam -
ganz ohne Verpackungsmüll. Doch von dort wollten wir offenbar alle weg. Und auch in Indien wird
das Essen nur noch als Besonderheit in teuren Spezialitätenrestaurants auf diese Weise serviert.


Traditionelles Essen in Chettinad / Südindien

 Nun werden Plastik, Papier, Dosen ebenso nebens Haus geworfen. Es verhält sich nicht überall
gleich - aber wir sind durch manche Ortschaften und Landstriche gekommen, die für uns
schockierend aussahen. Kühlschänke irgendwo am Waldrand in den Bergen... oder auch an
irgendwelchen städtischen Straßenecken, direkt neben der Werbung für Bollywoodfilme oder für
Politiker. Müll an so vielen Gewässern... Und  auch die LKW-Kolonnen mit den schmauchenden
und bestimmt reichlich Dreck in die Umwelt blasenden Fahrzeugen hatten auf uns keine
beruhigende Wirkung...





 Meiner Meinung nach haben hier die vom Westen verordneten Bildungs- und Aufklärungs-
programme kläglich versagt. Es ist bestimmt keine schlechte Sache, Menschen aus ärmeren
Schichten das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen und sie so auch näher an Möglichkeiten
heranzubringen, sich einen gewissen Wohlstand zu erwerben, doch mindestens genau so wichtig
wäre es, die Menschen darüber aufzuklären, welche Veränderungen sich durch diesen Wohlstand
ergeben.





Die indische Mittelschicht wächst - und damit zugleich die Anzahl der Menschen in diesem Land,
die sich endlich eine Scheibe vom vermeintlichen Reichtum dieser Welt abschneiden wollen. Was
verständlich ist - sie unterscheiden sich damit ja nicht von uns: Sie wollen Kühlschränke und
Motorräder besitzen, Fernsehapparate, Autos und Handys. Sie wollen also jene praktischen, das
Leben angeblich erleichternden oder verschönernden Dinge besitzen und so hübsch gekleidet und
geschmückt aussehen, wie sie es auf den riesigen Werbeplakaten und in den überall im Land
entstehenden Konsumtempeln gezeigt bekommen. Leider haben sie nicht gelernt, mit den Dingen,
die sie haben wollen,  richtig umzugehen, sie pfleglich zu behandeln und sie fachgerecht zu
entsorgen.

Wer Dinge kauft, übernimmt letztendlich auch die Verantwortung. Dafür, dass sie erzeugt werden,
dafür wie sie verwendet werden und dafür, wie sie entsorgt werden.






Aber was rede ich da? 
Übernehmen wir selbst die Verantwortung für die Dinge, die wir kaufen und benützen?? 
Um mal ein jahreszeitlich passendes Beispiel zu bringen: Denken wir darüber nach, dass wir die 
Welt unserer Kinder um ich weiß nicht wie viele Bäume ärmer machen, wenn wir ihre Weihnachts-
geschenke in Papier packen, das dann häufig achtlos weggeworfen wird? (Allein in Wien fallen 
in der Woche nach Weihnachten 290 Tonnen mehr Papiermüll an als sonst!!! Aber es werden hier
von der Stadt wenigstens auch nette Alternativen angeboten!)


Straßenszenen in Indien - Werbung ist hier inzwischen allgegenwärtig.


Denken wir darüber nach, dass wir, wenn wir z.B. eine Cola erstehen (wie sie inzwischen auch auf 
indischen Plakatwänden eifrig beworben wird) letztendlich ebenso für die Produktionsenergie der 
Limonade und der Flasche oder Aludose*), für den Transport des Getränks und für die Entsorgung 
der Plastik- oder Glasflasche oder der Dose verantwortlich sind?

*)Für Aluminium wird z.B. Regenwald zerstört!

Und wenn wir ein Auto kaufen? Neulich habe ich euch das Beispiel 
der nicht gerade menschenfreundlichen  Autospiegelproduktion in Ungarn gebracht - KLICK...
Aber ein Fahrzeug besteht ja noch aus viel mehr Einzelteilen ... und aus viel Energieaufwand 
von der Produktion über die Verwendung bis zur Entsorgung...




Ich wage mal zu behaupten, dass 
darüber kaum jemand so wirklich nachdenkt. Und die Liste der Dinge, die wir kaufen, ohne groß 
darüber nachzudenken, ist endlos: das neueste Handy, diese und jene Cremes oder Waschpulver (die 
fast alle unter Verwendung von Palmöl hergestellt werden, wofür ebenfalls Regenwälder abgeholzt
werden!), die neuesten Deko-Dingens, Fleisch aus Massentierhaltung, den batteriebetriebenen
Pinguin vom Kaffeeröster, Kapselkaffeeautomaten und so weiter und so fort...

Die vom Westen verordneten Bildungs- und Aufklärungsprogramme haben also unter anderem
deshalb kläglich versagt, weil wir "Westler" selbst noch nicht begriffen haben, dass wir beim Erwerb
von Dingen auch die Verantwortung für das übernehmen, was bei ihrer Erzeugung und bei ihrem
Transport passiert. Und was wir mit alledem bewirken.


Inder, die auf sich halten, besitzen ein Handy. Und ein Motorrad oder Auto. Und legen auf Mode wert. 
Und Waren werden kaum noch per Kamel transportiert, sondern per LKW. In langen, stinkenden Kolonnen...


Wenn ihr euch die folgende Graphik anseht (und euch dann 
meine Erklärungen dazu durchlest), werdet ihr erkennen, dass das, was in Indien seit einiger Zeit 
massiv schief läuft, in den reichen Ländern schon viel länger noch viel schiefer läuft. Es mag bei 
uns ordentlicher wirken, aber das macht die Sache nicht besser

Ich glaube, den Begriff "ökologischer Fußabdruck" 
werden inzwischen die meisten von euch schon mal gehört haben. Es handelt sich dabei um eine 
Berechnungsmethode, wie viel »Natur« jeder einzelne Mensch pro Jahr mit seiner Lebensweise 
verbraucht. Alles, was wir essen und trinken, was wir einkaufen, was wir an Müll und Abgasen 
produzieren,... wird addiert und als Fläche berechnet.



Diagramm wie viel Erden ein Land ca. benötigt, um den momentanen Resourcenverbrauch aufrecht zu halten.
via



Der ökologische Fußabdruck gibt also an, wie groß das Stück Erde ist, das wir brauchen, 
um all das herzustellen, was wir konsumieren oder in den Bereichen Fortbewegung, Elektrizität, 
Trinkwasser etc. verwenden. Ich habe oben eine Graphik des Österreichischen Ökologie-Instituts 
eingefügt, die allerdings leider nicht mehr ganz aktuell ist. Sie ist etwa 5 Jahre alt, und ich fürchte,
die Zahlen haben sich mittlerweile verschlechtert, aber sie sind auch so schon erschreckend genug.




Wie ihr an der Öko-Graphik sehen könnt, ist Indiens Fußabdruck der kleinste von allen 
Beispielnationen: Würden alle Menschen im Durchschnitt so leben wie die Menschen 
in Indien, würden bei gleicher Ernährung, ähnlichem Lebensstil und Energiebedarf gerade 
mal die Ressourcen einer halben Erde verbraucht werden... 


 


Würden hingegen alle Menschen dieser Welt so leben wie wir hier in einem EU-Staat, würden 
wir fast drei Erden benötigen. Und würden alle Menschen so leben wie in Australien oder in 
den USA, wären gar noch mehr Erden notwendig. Wir haben aber keine drei, vier oder sechs 
Erden. 

Wir haben nur diese eine... 

Lasst das mal auf euch wirken.
Wir haben nur diese eine Erde...






Warum sich die Zahlen verschlechtert haben, liegt auf der Hand: Die Anzahl der Menschen
auf diesem Planeten wächst und wächst - und somit auch die Anzahl der Verbraucher. Und
 leider wächst auch die Zahl der Menschen, die sich größere Mengen an Konsumgütern leisten
kann... (und sie sich auch tatsächlich leistet!)

Während in der westlichen Welt die Geburtenraten drastisch zurückgegangen sind, ist die
Bevökerungsrate in Ländern wie Indien am Explodieren. Obwohl der Subkontinent mit einer Fläche
von ca 3,29 Millionen Quadratkilometern nur das siebentgrößte Land der Erde ist, lebt hier etwa ein
Siebtel der Weltbevölkerung - also mehr als eine Milliarde Menschen. (Zum Verleich: Das größte
Land der Welt ist Russland mit einer Fläche von rund 17,1 Millionen Quadratkilometern - hier
leben aber nur 143,5 Millionen Menschen!) 


http://www.wachsdum.ch/wp-content/uploads/BevExpl.jpg
via

Pro Sekunde nimmt die Weltbevölkerung um ca. 2,5 Menschen zu, das heisst innerhalb von
zwei Sekunden werden fünf Menschen mehr geboren als sterben - und dieses Bevölkerungs-
wachstum geht vor allem auf arme Entwicklungsländer wie Indien zurück... Wenn ihr HIER auf
den Weltbevölkerungszähler klickt, könnt ihr der Weltbevökerung beim Wachsen zusehen - und
das Tempo ist in der Tat beängstigend rasant!

Als ich zuletzt auf den Link geklickt habe, konnte ich dabei zusehen, wie der Zähler gerade auf 7,294.000.000 Menschen 
(in Worten Sieben Milliarden zweihundertvierundneunzig Millionen!) sprang - ich denke mal, wenn ihr meinen Beitrag 
lest, werden wir schon ein ganzes Stück weiter gesprungen sein).




Immer noch liegt der Anteil der Menschen in Indien
unterhalb der Armutsgrenze bei rund 30 %. Dennoch hat sich die Versorgungslage der Armen
am Subkontinent  in den letzten Jahren grundlegend verbessert. So betrug dort die durchschnittliche
Lebenserwartung im Jahr 1971 für Männer nur 44 Jahre und für Frauen 46 Jahre. Als Durchschnitts-
Inderin der Siebzigerjahre wäre ich also schon seit acht Jahren tot. Im Jahr 2006 konnten die Inder
im Durchschnitt ein um zwanzig Jahre längeres Leben führen. (Quelle Wikipedia - aktuellere Werte
konnte ich leider nicht finden.)





Es gibt immer noch hungernde Menschen in Indien, jedoch die zahlreichen Maßnahmen innerhalb
des Landes und durch diverse Hilfsorganisationen haben bewirkt, dass die medizinische Versorgung
besser und die Säuglingssterblichkeit gesunken ist, dass die Kinder in der Schule zu essen bekommen
(dadurch werden sie von den Eltern auch nicht mehr im früheren Ausmaß zum Betteln oder zur
Kinderarbeit geschickt und erhalten eine gewisse Bildung ...)

All das klingt einerseits sehr erfreulich - andererseits hat natürlich alles so seine Folgen... Und wie
ihr spätestens seit meiner Erwähnung von Frederic Vester wisst, sind von der Menschheit bei all
ihren bisherigen Handlungen nicht sämtliche Folgen bis ins letzte Detail durchdacht worden.





Während humanitäre Organisationen aus aller Welt für bessere Ernährung und eine längere Lebens-
erwartung sorgten, wurde weder im gleichen Ausmaß für Aufklärung im Sinne von Empfängnis-
verhütung gesorgt noch für Altersvorsorge (vorläufig sind für die Armen immer noch Kinder DIE
Altersversorgung Nummer eins) noch für Bildung, die über lesen, schreiben, rechnen hinausgeht:
Umwelterziehung stünde für mich ziemlich weit vorne. Und zwar nicht nur in Indien, sondern
ebenso hier.

Auch nicht schlecht wäre ein Unterrichtsfach "kritisches Denken" - egal ob nun im Zusammenhang
mit Werbung oder mit Politik oder mit anderen Lebenssituationen. Die Dinge zu hinterfragen wird
allerdings nicht gern gefördert, denn Selberdenker sind unpraktisch für die, die ein Volk lenken
wollen. Aus irgendwelchen Gründen scheinen die Regierungen dieser Welt besonders großen Wert
darauf zu legen, unkritische Konsumenten großzuziehen. Aber auch das ist natürlich wieder
kurzsichtig, denn auf diese Art und Weise bringen wir die Welt immer schneller zum Ruin.





Ihr könnt davon ausgehen, dass der immer noch recht positive Fußabdruck Indiens - neben der
überwiegend vegetarischen Ernährung der meisten Hindus (abgesehen von der Kriegerkaste, zu
der auch Wächter, Polizisten etc. gehören, soweit ich weiß) - vor allem den Armen und den
zumindest nicht allzu Reichen dieses Landes zu verdanken ist - jenen Menschen, die mit "nichts"
auszukommen gelernt haben, jenen, die zu fünft in winzigen Behausungen ohne Strom leben,
jenen, die Felder mit der Kraft der eigenen Muskeln und vielleicht eines Ochsen bearbeiten und
selbst für weite Strecken das Fahrrad nehmen anstelle des Motorrads oder Autos...





Es ist vermutlich nicht in allen Bereichen wünschenswert für uns, ein solches Leben zu führen,
aber wir sollten zumindest lernen, ein Leben zu führen, das dem eben beschriebenen wieder ein
Stückerl näher kommt. Ein bewußteres. Eines, das irgendwann mal GENUG besitzt.

Eines, das mehr für die Welt agiert als gegen sie.

Das ist zwar nur die halbe Miete, aber zumindest mal ein Schritt in die richtige Richtung. Und das
wiederum wäre doch ein richtig gutes Weihnachtsgeschenk für die nachfolgenden Generationen...
(Jedenfalls ein viel besseres als der oben erwähnte batteriebetriebene Pinguin! ;o))


Fotos: Herr und Frau Rostrose sowie unsere Freundin Monika Sch.
Alles Liebe und herzliche rostrosige Grüße
von der Traude

✿ܓܓ✿ܓ✿ܓ✿ ♥♥♥♥ ܓܓ✿ܓ✿ܓ





PS:
Ursprünglich hatte ich euch als nächstes Posting eines zum Thema Lipödem
angekündigt - dieses Thema war mir heute aber wichtiger, das andere wird
nachgereicht... :o)


Samstag, 7. November 2015

Fair Play Teil 3: Frau R. versucht ein paar Probleme zu vernetzen

Servus ihr Lieben!
✿ܓܓ✿ܓ✿ܓ✿ ♥♥♥♥ ܓܓ✿ܓ✿ܓ


Wahnsinn, seit August habe ich an meiner begonnenen „Fair-Play-Serie“ nicht mehr weiter 
geschrieben! In September und während Teilen des Oktobers habe ich mich dafür etwas zu 
schlapp gefühlt – denn hier bedarf es doch einiger Recherche und eines gewissen Mehreinsatzes 
von Gehirnschmalz - aber beruhigender Weise hat sich auch das Erscheinen des Katalogs der 
Nähbloggerinnen (der von Susanne vom Blog mamimade initiiert wurde und dessen Grundidee 
meine Fair-Play-Posts ausgelöst hat), wegen der großen Beteiligung verzögert. 

Dann ging’s allerdings hier wie dort wieder voran - und der Nähbloggerinnen-Katalog ist mittler-
weile fertig! Ich habe den Link dazu unten in meinem zweiten Post Scriptum eingebaut, damit ihr 
euch alle das tolle Ergebnis von "This is not okay" anschauen könnt! 


Arbeitswelt in Indien: Blumengirlandenverkäufer, "Großtransport", handgemachte Fliesen, Gemüsehändler
Tempelreinigung, Besenerzeugung, mobiler Verkauf von Kunststoffgefäßen, Obsthändlerin
Diese Familie lebt vom Rösten und Verkaufen von Cashew-Nüssen


In Teil 1 meiner „Fair-Play-Serie“ zeigte ich euch – inspiriert von Susannes Aktion - ein paar 
Kombinationen von Fair-Trade-Klamotten aus meinem Kleiderschrank. In Teil 2 bemühte ich 
mich, im Sinne des deutschen Umweltexperten Frederic Vester vernetzt zu denken - und kam 
zu dem Schluss, dass der Versuch, nur an einem Rädchen zu drehen, fatal enden kann. Vor allem, 
wenn wir die Lebensumstände eines Volkes zu wenig kennen.

Ihr habt mir dazu viele wunderbare, nachdenkliche und ausführliche Kommentare hinterlassen -
 vielen Dank für jeden einzelnen davon! Sie zeigen mir einmal mehr, dass "die Bloggerwelt" längst 
nicht so oberflächlich ist, wie böse Zungen behaupten. In manchen eurer Kommentare stand auch zu 
lesen, dass die Problematik schlechter Arbeitsbedingungen nicht nur die Modeindustrie betrifft. Ja, 
ich weiß, und sie betrifft auch nicht nur Asien - wir brauchen nicht mal annähernd so weit zu gehen… 
(Mehr dazu im ersten P.S.) Dennoch scheinen in Asien aus verschiedenen Gründen die Grenzen 
des in unseren Augen "gerade noch Zumutbaren" besonders weit überschritten zu werden. Allerdings
bin ich mir nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, Asien nach unseren Maßstäben zu beurteilen...
(Oder genauer gesagt: Ich bin mir sicher, dass es keine gut Idee ist!)


Unbequeme Fahrt zum Arbeitsplatz, Herstellung von hölzernen Schaufelgriffen, Garküche, Drogerie
Zermahlen von Färbe- oder Räucherstoffen, noch ein "Großtransport", Musikant, fahrender Bananenhändler
Taschenhandel, Verkauf von Zuckerrohrsirup, der junge Steinmetz fertigt kleine heilige Stiere nach dem großen Vorbild links an


Ich habe in Teil 2 jedenfalls auch angekündigt, dass ich in meinem nächsten Posting zum Thema ein 
bisschen über die Arbeitswelt in Indien erzählen würde – unter anderem auch, um euch die dortigen 
Lebensumstände ein bisserl vertrauter zu machen. Indien ist ein Beispiel-Land von vielen - aber nicht 
nur. In den letzten zehn Jahren ist Indien immerhin in den Kreis der zehn größten Volkswirtschaften 
der Welt vorgestoßen. In einigen Branchen (Informationstechnologie, Pharmazie) hat die indische 
Wirtschaft inzwischen internationales Spitzenniveau erreicht. Als Land, das beispielsweise auf vielen
  in Europa angebotenen Stoffen und Kleidungsstücken als Erzeugerland genannt wird, hat es natürlich 
auch mit den meisten von uns hier zu tun. Und als Land mit dem größten Bevölkerungswachstum der 
Welt und mit diversen sozialen Problemen und Umweltbelastungen sollte es von uns sowieso 
keineswegs mit einem Achselzucken abgetan werden. 

Nach unseren beiden Indien-Reisen und einigem, das ich mir über den Subkontinent angelesen habe, 
kann ich natürlich nicht behaupten, eine wirklich "fundierte Kennerin" des Landes und der dortigen 
Menschen zu sein, doch wir haben viel von unseren jeweiligen Reiseleitern erfahren, viele Fragen 
gestellt und auch jede sich bietende Möglichkeit für Gespräche mit Einheimischen genützt.



"Unser" Tuk-Tuk-Fahrer Vel, der uns in sein Haus einlud und seine Familie vorstellte (mehr darüber HIER)
Links oben: Marmor-Transport in Rajasthan, links unten: Schüler einer Malerschule beim Renovieren eines Palasts, rechts
 Mitte: Warten am Bahnhof von Chennai, rechts oben und unten: Mit unseren indischen Sitznachbarn im Zug von Chennai 
nach Westen unterhielten wir uns während der gesamten Fahrt. Wir fuhren ca. 7 Stunden lang bis nach Mysore, sie stiegen
 eine Station vorher in Bangalore aus, wo sie arbeiten.

Die meisten Menschen in Indien, die wir kennengelernt haben, wirkten stolz auf ihre Arbeit (oder 
froh darüber, Arbeit zu haben) - egal ob sie Postkarten verkaufen oder in Bangalore am Computer 
sitzen (und dazu wöchentlich ihre Familie verlassen und stundenlang mit dem Zug hinfahren müssen), 
egal ob sie Tuktukfahrer sind, Händler von Obst und Gemüse, Schuhen oder Touristenkitsch, Bügler 
in einem Straßenladen mit Kohlebügeleisen, Kofferschlepper im Hotel oder am Bahnhof, Kellner, 
Elefantendung-Trägerinnen oder Tankdeckelschließer bei einer Tankstelle …

- Letzteres ist kein Scherz: Es gibt so viele Menschen in Indien, dass die aberwitzigsten Jobs entstehen, 
um diesen Menschen wenigstens ein Mindestmaß an selbstverdientem Einkommen zu ermöglichen.
 Wenn ihr dort tankt (vor allem im großstädtischen Bereich), wird der eine Tankstellenarbeiter euren 
Tankdeckel öffnen, ein anderer den Füllstutzen in den Tank einführen, ein dritter den Zählerstand 
ablesen und kassieren, ein vierter eure Autofenster putzen, und der erste schließt den Tankdeckel 
wieder. Das (und nur das) ist sein Job - dafür wird er bezahlt und damit kann er seine Familie mehr 
oder weniger gut ernähren.


Wieviele passen in einen Jeep?, Wasserträgerin, Bananenverkäufer, Bügelstation
Alter Mann an einer Tankstelle und verschiedenste Bau- und Bodenarbeiten. Das meiste wird hier noch mit Muskelkraft erledigt.
Arbeit bei der Zuckerrohrplantage - auch hier sind nur wenige Maschinen im Einsatz.



Ich persönlich finde diese Methode nicht wirklich schlechter, als die Autofahrer alles selbst machen 
zu lassen, Kassa-Automaten aufzustellen … und andererseits Arbeitslose zu finanzieren. In Indien 
ist Personal leicht zu finden - Arbeit ist nicht im selben Ausmaß vorhanden, doch es wird keine 
Unterstützung für Arbeitslose bezahlt. Eher kreiert man Jobs wie den des Tankdeckelschließers. Wer 
keine Arbeit und keinen Versorger hat, muss betteln, wer nicht genug erbettelt, kann sich selbst nicht 
ernähren und erst recht keine Familie. In diesem alten Spiegel-Artikel könnt ihr euch durchlesen, wie 
schlimm die Lage in den 1970ern in Indien war. Wobei die Ärmsten der Armen noch immer froh 
über irgendeine Arbeit sind: Flüchtlinge aus Bangladesh oder auch indische Mädchen aus niedrigen 
Kasten und armen Regionen machen sich zum Putz-Sklaven bei Mittelstands-InderInnen, und wenn 
sie Pech haben, werden sie dort geschlagen und bekommen keinen Lohn, weil sie angeblich ihre 
Arbeit nicht gut erledigt haben - oder erleben anderes Schlimmes...



Motorisierter Händler, Fliesenerzeuger, drei Unkraut-Jäterinnen bei einem Palast, Hotelwächter in Uniform
Frauen mit Reisigbesen und Tongefäß, Musiker, Transport per Auto oder Eselskarren

Im Uhrzeigersinn: Elefantendung-Trägerinnen, Mönch, Reifenhandel, Bananenträger, Zwiebel- und Knoblauch-
Direktverkauf vom LKW, auch so "hausen" Menschen

Deshalb können in Ländern wie Indien und Bangladesh auch jene menschenverachtenden Fabriken 
existieren, um die es bei mamimade’s aktion This is not okay geht: Es gibt Menschen, die sogar froh 
über solche Jobs sind. Wie ihr euch nach meinen zwei vorangegangenen Postings hoffentlich denken 
könnt, möchte ich mit dieser Aussage den Ausbeuterfirmen keineswegs eine Legitimation erteilen. 
Ich möchte nur zu erklären versuchen, weshalb es für manche Menschen schlimmer wäre, nirgendwo 
zu arbeiten als in solchen Fabriken. Und dass ich daher der Meinung bin, dass nicht die Schließung 
solcher Fabriken die Lösung ist, sondern dass diese Sache anders, weiträumiger, vernetzter 
angegangen werden muss.

Bedenkt: Wir haben hier ein Land mit einer Milliarde Menschen, Tendenz täglich steigend. Der 
Anteil der Menschen in Indien unterhalb der Armutsgrenze liegt bei rund 30 %. Quelle: KLICK



Armut
Slums in der Nähe von Großstädten
Träger und Bewacher von Reisetaschen, kleine Mädchen beim Milchtransport, gehbehinderte Hut-Verkäuferin, Kinder im Slum

Ich glaube, ihr seht schon, dass es nicht unbedingt die beste Lösung für diese Ärmsten der Armen 
sein kann, wenn wir etwas übers Knie brechen und einfach nur dafür sorgen, dass keine Ausbeuter-
Fabriken mehr existieren. Und wenn ihr euch an die Sahelzonen-Geschichte und Frederic Vesters 
"vernetztes Denken" erinnert, werdet ihr vielleicht ahnen, dass es auch keine gute Lösung sein kann, 
diese Menschen einfach nur finanziell zu unterstützen ... Das würde zwar ein allfällig vorhandenes  
schlechtes Gewissen beruhigen, aber der Welt einen noch größeren Schaden zufügen, als wenn man 
gar nichts macht.

Wobei "nichts machen" auch nicht die Lösung ist. Das Thema ist jedoch so komplex und schwierig,
dass Politiker, Wissenschafter und sonstige schlaue Köpfe dieser Welt daran scheitern. Bei den in 
meinem vorigen Post zum Thema erwähnten Schülerwettbewerben von ecopolicy wurden übrigens 
auch Deutsche Politiker zum Wettstreit gegen die Schüler eingeladen - und unterlagen deutlich. Ihr 
könnt hier darüber mehr lesen - unter dem Kapitel "Geschichte". Ich finde es ziemlich interessant, 
dass die Kids eher als die Politiker wussten, wo bei einem Staat der Hebel anzusetzen ist, um die 
Dinge rund laufen zu lassen ...

(Das gibt Hoffnung! Ich wünsche mir, dass diese Kids in 10, 15 oder 20 Jahren auch noch wissen, was zu tun ist - und in
der Welt einiges umwälzen. Noch besser wäre es allerdings, wenn diese Umwälzungen bereits jetzt stattfinden würden.
Und am besten wäre es natürlich gewesen, sie hätten bereits vor ein paar Jahrzehnten stattgefunden, als die ersten
klugen Köpfe zu warnen begannen... Aber die Menschheit neigt leider dazu, immer erst am Rande des Abgrunds zu
reagieren...)



Blumenhändlerin, Zauberer, Bettler, Wasserverkäuferin, Musikantenfamilie, Kokosnusshändler
Wächter bei verschiedenen Palästen, Klöstern und Hotels


 Daher zum heutigen Abschluss noch ein kleines Gedankenexperiment. Stellt euch vor, ihr seid 
Präsident eines Industriestaates und wollt euer Volk zu "paradiesischen Zuständen" führen. Bei 
Ökolopoly oder ecopolicy können die Spieler ein paar Faktoren direkt beeinflussen (Sanierung, 
Produktion, Aufklärung/Bildung, Lebensqualität) - und ein paar nicht (Politik bzw. Politik-
zufriedenheit, Umwelt, Bevölkerungswachstum ...). Die nicht direkt beeinflussbaren Faktoren
werden von den anderen mit beeinflusst. Wenn also z.B. die Produktion angehoben wird, steigert 
sich zunächst die Lebensqualität, weil alle gut verdienen, dann sinkt sie wieder, weil die Umwelt 
durch die Produktion belastet wird, es sei denn, ihr investiert in Aufklärung und Sanierung .... An 
welchen Schrauben - und wie intensiv - also würdet ihr als Präsident eines Industriestaates drehen? 

Politik / Politikzufriedenheit
Sanierung direkt beeinflussbar
Produktion direkt beeinflussbar
Umwelt
Aufklärung / Bildung direkt beeinflussbar
Lebensqualität direkt beeinflussbar
Bevölkerungswachstum
Bevölkerung


Singender Museumsangestellter, Kamelkutsche, Malerschule, Sesamöl-Mühle, Aussteller einer ganz besonders heiligen 
Kuh mit einem 5. Bein (wächst aus dem Nacken!), Kamelzüchter
Planwagen-Behausungen, Garküchen-Händler, Putzen von Palastmauern, Holzzierleisten-Erzeugung


Ich freue mich und bin schon gespannt auf eure Lösungsansätze (sofern ihr euch die Zeit dafür
nehmen könnt bzw. mögt)! HIER gibt es ein paar Informationen über die Zusammenhänge 
innerhalb des Spiels (die die Zusammenhänge innerhalb der Welt widerspiegeln).


Fotos: Herr und Frau Rostrose sowie unsere Freundin Monika Sch.
 ✿ܓܓ✿ܓ✿ܓ✿ ♥♥♥♥ ܓܓ✿ܓ✿ܓ
Alles Liebe und herzliche rostrosige Grüße 
von der Traude
✿ܓܓ✿ܓ✿ܓ✿ ♥♥♥♥ ܓܓ✿ܓ✿ܓ


P.S. zum Thema "nicht nur in Asien" und "nicht nur die Mode-Industrie":  

Wir Rostrosen wohnen relativ nah an der Ungarischen Grenze. Eine Bekannte, die in Ungarn lebt, hat mir von einer
 Glasfabrik in ihrer Ortschaft erzählt. Dort werden z.B. Spiegel für Autos produziert. Ausgerechnet während der 35- bis 
40 Grad heißen Tage des heurigen Sommers wurden in dieser Firma (sowie in einer anderen Fabrik, wo Kunststoffteile 
für Fahrzeuge hergestellt werden) Sonderschichten gefahren und Urlaubssperren verhängt. Die ArbeiterInnen bekamen 
dort reihenweise Kreislaufzusammenbrüche und andere gesundheitliche Probleme, denn diese billig hochgezogenen 
Fabriksgebäude besitzen weder Fenster noch brauchbare Lüftungen – von Klimaanlagen ganz zu schweigen! Und ich 
kann mir nicht vorstellen, dass gerade jetzt so viele Autos gebaut und benötigt werden, dass dieser Einsatz sich auch nur
 annähernd rechtfertigen lässt... Die Wirtschaftslage europaweit sieht nicht so rosig aus, dass plötzlich der Autokaufrausch 
ausbrechen könnte. Der Automarkt für welches Land wird hier wohl bedient? So viel also dazu: Wir wissen zum Teil gar 
nicht, was alles von uns gekauft wird, das unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt wird. Nicht nur Kleider und 
Schuhe, auch unsere Autos (oder Teile davon). Das Handy? Der Computer (oder Teile davon)? Und wir wissen oft nicht, 
welche Märkte durch diese oder jene Produktion bedient werden...


P.S. zum Katalog der Nähbloggerinnen:

HIER kommt ihr zum Katalog der Nähbloggerinnen! (Falls der Link nicht funktionieren sollte, dann klickt euch bitte zu 
mamimades Blog und schaut euch den Katalog da an!) Es ist wirklich unglaublich, dass ich - als "Nähniete" (die aber jetzt
immerhin einen Näh-Anfängerkurs besucht hat!) - in solch einem Katalog gelandet bin. Doch es ging ja nicht nur darum, 
Selbstgenähtes zu zeigen, sondern auch Alternativen dazu. In meinem Fall bedeutet das: Ich trage auf dem Foto einen Rock, 
ein Langarmtop und einen Bolero von einer Firma, die Fair-Trade-Produkte vertreibt - und ein Chasuble (= eine lange 
ärmellose Weste) aus Seide, die von Marianne-Oma nach meinen Wünschen genäht und von mir handbemalt wurde. Die
Kette, die ich auf dem Foto trage, wurde von einer Freundin angefertigt. Das Foto von mir befindet sich auf Seite 87, der 
Katalog besteht aber noch aus viiiiiel mehr Seiten mit tollen Kreationen - durchklicken lohnt sich auf jeden Fall - das ist 
Inspiration pur! Und die wichtigsten Botschaften im Katalog lauten wohl: "Vermeide Fast Fashion", also Mode, die 
binnen kürzester Zeit auf dem Müll landet, weil sie keine Qualität besitzt, und  "Kauft nur, was ihr tatsächlich braucht"
Passend dazu wird es im Jahr 2016 übrigens eine neue Rostrosen-Aktion geben!