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Donnerstag, 3. Juni 2021

Museumsdorf Niedersulz

Servus ihr Lieben!

Herzlichen Dank euch allen für eure liebenswerten Kommentare zu meinen Alltagsgeschichten und Komparsenerlebnissen im vorigen Posting. Mittlerweile kann ich euch berichten, dass ich am 2. Juni meine erste Covid-19-Impfung erhalten habe (Biontech-Pfizer) ... und dass ich seither ganz ohne Mobiltelefon mit Herrn Bill Gates telefonieren kann 🤪... Ich finde ihn übrigens sehr nett, aber vielleicht wurde mir auch dieser Gedanke nur eingeimpft??? *)

 

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*) Ich hoffe, ich muss hier jetzt nicht auch noch einfügen: "Dieser Beitrag kann Nonsense enthalten." 
Man weiß ja heutzutage nicht mehr, welchen Blödsinn manche Leute glauben...

Scherz beiseite - heute möchte ich euch (wie neulich vorangekündigt) über einen Ausflug erzählen, den wir am Geburtstag meines Mannes unternommen haben. Diesmal ging es in das sehenswerte

das man mit der Niederösterreich-Card einmal pro Jahr gratis besuchen kann. Der Vorschlag kam - wie so oft in letzter Zeit - von unserer "Ausflugsberaterin" Brigitte. Und sie hatte auch die geniale Idee, dass wir uns vorab testen lassen könnten, um dort Mittag essen zu können - denn im Museumsdorf wird auch ein historisches Wirtshaus betrieben. Das Geburtstagskind selbst war der einzige von uns, der sich nicht mehr testen lassen musste, denn Edis Erstimpfung lag an diesem Tag bereits drei Wochen zurück und galt somit als "Eintritts-Erlaubnis" für Gaststätten.
 

Wir alle haben es noch nie so sehr genossen wie an diesem Tag, einfach nur in einem Lokal zu sitzen und zu schmausen. Es fühlte sich richtig "besonders" an. Wir gingen sogar am Nachmittag noch ein zweites Mal hin, um uns einen Eiskaffee zu genehmigen 😋. Und wir besuchten an diesem wunderbaren Tag später noch ein weiteres Gasthaus - allerdings werde ich euch darüber und über die damit verbundenen Unternehmungen erst in meinem nächsten Blogbeitrag berichten.

Fotos von Brigitte

Nach dem Mittagessen legten wir im Museumsdorf so richtig los - aber bevor ich euch zeige, was wir dort gesehen haben, gibt's noch einen Blick auf mein luftiges Outfit des Tages. Es war zwar nicht besonders sonnig an diesem Tag, zeitweise gab es sogar sehr dunkle Wolken, aber die Temperaturen waren freundlich genug für sommerliche, Schrank-geshoppte Kleidung. Die Farben von Hose, Shirt und Kette habe ich auf die Farben meines neuen Haarbands abgestimmt. (Ihr erinnert euch vielleicht: Die Hose habe ich selbst gefärbt, das Shirt ist aus Bio-Hanf.) Die schwarzen Walkingschuhe müsst ihr euch einfach dazudenken 😉.

Das Museumsdorf Niedersulz ist das größte Freilichtmuseum in Niederösterreich mit einem historischen Dorfplatz, Wirtschaftsgebäuden und Handwerkshäusern, einem Taubenkobel, einer funktionsfähigen Wassermühle, mehreren Kirchen und einer Kellergasse. Das erste Gebäude war im Jahr 1979 ein Weinviertler Streckhof, der vom Abbruch bedroht war. Inzwischen wurden fast 80 Gebäude ins Museumsdorf übertragen und hier liebevoll wieder aufgebaut. 

Wagnermeister-Werkstatt mit einem Schild für Arti und Fassade mit Akeleien

Ein paar Türen und Tore in die neue Woche für Nova

Fotos von Brigitte

Besonders beeindruckend fanden wir die wunderschön angelegten Gärten der Häuser. Sie werden als üppig blühende Blumen-Vorgärten oder als Nutzgärten mit Kräutern und Gemüse nach historischen Vorbildern mehrmals in der Saison bepflanzt - und es handelt sich hierbei um reine Bio-Gärten.

Solche romantischen gefüllten rosa "Foxtrott"-Tulpen wünsche ich mir auch für unseren Garten! Normalerweise liegt ihre Blütezeit im April - wir waren gegen Ende Mai im Museumsdorf. Vermutlich haben wir es also dem kühlen Frühlingswetter dieses Jahres zu verdanken, dass wir all diese schönen Frühlingsblüher noch erleben durften! 

Zauberhaft, gut von Insekten besucht und wunderbar duftend auch all die blühenden Bäume!

Das Museumsdorf Niedersulz zählt zu den Schaugärten von „Natur im Garten“ und hat bereits mehrfach das Qualitätssiegel „Goldener Igel“ verliehen bekommen.

Fotos von Brigitte - Blühende Kastanienbäume für Astrids "Mein Freund, der Baum"

 Hier ein paar Kirchen / Glockentürme für Nova:

 

In der alten, zweiklassigen Volksschule übten wir eifrig das Lesen und Schreiben. Nur Peter bekam einen Klassenbucheintrag, weil er während des Unterrichts mit dem Handy telefoniert hat!

Im Kräuter- und Gemüsegarten blühte u.a. eine auffallende gelbe Pflanze. Wir erfuhren durch ein Schild, dass es sich dabei um Färberwaid handelt - und dass die Blätter dieser Pflanze erstaunlicherweise indigoblau färben! 
 
Färberwaid - und düstere Himmelsblicke... Doch wir blieben trocken! 😊

 

Sehr interessant fanden wir diese beiden Ausstellungen im Museumsdorf:

Täufermuseum:
Ein Kleinhäuslerhaus beherbergt eine Dokumentation der Geschichte der Täufer in Niederösterreich. Die Täufer sind Anhänger einer reformatorisch-christlichen Bewegung, die nach 1520 entstand und einen strikteren Ansatz hatte als Luthers Lehre. Ihre Anhänger lehnten beispielsweise die Kindstaufe ab. Jeder Erwachsene sollte sich bewusst für die Taufe entscheiden. Vom 16. bis hinein ins 18. Jahrhundert sahen die Obrigkeiten und die Amtskirche nur drei Wege, mit den Täufern umzugehen: Verbrennen, ertränken oder enthaupten... Im "besten Fall" wurden sie vertrieben. Drei Richtungen der Täuferbewegung haben trotz massiver Verfolgung bis heute überlebt: die Amischen, die Mennoniten und die Hutterer.

Auf einem Koffer im Südmährerhof, in dem ebenfalls das Thema "Vertreibung" behandelt wird, steht die Frage:
"Was nehmen Sie mit, wenn Sie ihr Zuhause verlassen müssen?"

Interessant fand ich dieses Schild im Täufermuseum... Ich kann durchaus Parallelen zur Gegenwart entdecken...

Ab 1528 siedelten Hutterer in Südmähren und im angrenzenden Weinviertel. Auch hier mussten sie ihre Heimat verlassen - die meisten der Hutterer zogen in die neue Welt, wo sie bis heute ihre Bräuche und ihre ursprüngliche Sprache pflegen, die dem Kärntner Dialekt ähnlich klingt.

Südmährerhof:
Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Südmähren wieder Schauplatz von Vertreibungen. Die meisten deutschen Südmährer wurden entrechtet, enteignet und aus ihrer (nun zur Tschechoslowakischen Republik gehörenden) Heimat vertrieben. Zahlreiche Menschen starben dabei durch Gewalt, Hunger und Entkräftung. Im Museumsdorf befindet sich seit 1981 ein südmährischer Bauernhof; er dokumentiert Geschichte und Kultur der einst deutschsprachigen südmährischen Bezirke Neubistritz, Zlabings, Znaim und Nikolsburg.  
 
Typisch für Südmähren waren u.a. schwarze Brautkleider; nur in den Städten trugen Bräute ab den 1920er Jahren weiß.

Am glücklichsten war ich mal wieder dort, wo es Viecher gibt: im "lebenden Bauernhof"! Der rote Tiger hier unten, der wie eine jüngere Version unseres Maxwell aussieht, heißt übrigens Bernhard, es gibt auch eine Katze am Museumsgelände, die Bianca heißt, und der Name der langhaarigen Mieze in der oberen Collage lautet - wenn ich mir alles richtig gemerkt habe - Puschel. Diese Informationen verdanken wir der jungen Tierpflegerin, die ihr rechts unten beim Schweine-Streicheln seht. Es gefiel mir sehr, dass die Tiere hier so liebevoll behandelt werden.

Fotos von Brigitte
Fotos von Brigitte

 
Das große Schwein, neben dem ihr mich oben vorsichtig hockerln seht, ist Patek, ein Göttinger Minischwein. Ich habe normalerweise keine Berührungsängste bei Tieren, aber ich wollte bei Patek nicht den Eindruck erwecken, dass ich es auf seine Äpfel abgesehen habe. Er ist ja doch ein recht beeindruckender Bursche (und auch schon relativ alt). Ich wollte ihn auf keinen Fall grantig machen!


 
Brigitte hat auch die Namen der anderen Tiere notiert: Die Esel heißen Peppino und Gustav - kurz Peppi und Gusti, die beiden kleineren Schweine heißen Trili und Leo und sind Turokschweine. (Ich kann leider keine Garantie für die Richtigkeit dieser Angaben abgeben 😉.)

Fotos von Brigitte

Aber in jedem Fall kann ich euch garantieren, dass uns der Besuch des Museumsdorfes sehr sehr gut gefallen hat. Und ich kann euch garantieren, dass ich froh bin, nicht mehr in Zeiten zu leben, in welchen jener Spruch noch Gültigkeit besitzt, den ich in einem der Häuser auf einer Stickerei entdeckt habe:
Der Frauen edelster Beruf
Zu dem Gott der Herr sie schuf
Ist stets im Hause still zu walten
Mit Fleiß die Ordnung zu erhalten.

 

Falls ihr noch nicht genug von Museumsdörfern habt, lade ich euch herzlich ein, in älteren Postings von mir zu schmökern - da habe ich euch in zwei Beiträgen das Burgenländische Museumsdorf Mönchhof vorgestellt, das ebenfalls sehr sehenswert ist: KLICK und KLICK.
 
Wie oben bereits erwähnt, war unser Tag mit dem Besuch des Museumsdorfes Niedersulz noch nicht zu Ende - im Anschluss besuchten wir noch einen ganz und gar besonderen Ort in dieser Gegend - und außerdem ein Lokal an einem schönen Fischteich, wo wir viele Wasservögel beobachten konnten. Die dabei entstandenen Fotos bekommt ihr beim nächsten Mal zu sehen! Bis dahin...

 

... alles Liebe und 
ganz herzliche Rostrosen-Grüße
eure Traude


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Samstag, 29. Mai 2021

Winter und Sommer im Mai


Servus, ihr Lieben,

heute gibt es aus Zeitgründen ein eher kurzes Posting ("kurz" für Rostrosen-Begriffe 😉😁). Der Mai 2021 ist zwar noch nicht ganz zu Ende, doch man kann jetzt schon über ihn sagen, dass er wettermäßig reichlich durchwachsen war. Die heutige Überschrift hat allerdings nicht nur mit den tatsächlichen Temperaturen zu tun...

 

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Am 7. Mai waren Edi und ich nämlich wieder als Komparsen beim Wien-Krimi im Einsatz - und da stand in der Auftrags-SMS: "Kostümdispo: Winter! Passt ja ganz gut, dass es gerade kalt ist! Kein schwarz, kein weiß, keine knalligen Neon-Farben, keine klein karierten Muster."

Da ich nicht wusste, ob meine rote oder gelbe Steppjacke zu knallig ist, und meine Strickjacke ja durchaus wintertauglich ist, entschied ich mich für einen Look in grün. Der Kostümdame gefiel das letztendlich so gut, dass sie mich zur "Marktfrau" machte, indem sie mir auch noch eine Schürze umhängte. Denn der Einsatz fand am Schlingermarkt im 21. Bezirk statt. Edi war Marktkunde. Die ehemalige Gaststätte Schlingerhof war unser Aufenthaltsraum in Drehpausen. Es handelte sich diesmal aber um einen extrem kurzen Drehtag (ich glaube, wir waren nach drei Stunden fertig).

Den Zopf, den ich unter der Mütze trug, hat mir Edi geflochten 😊


Nachdem unsere "Coronabuddies" Brigitte und Peter in der Nähe des Drehorts wohnen, luden sie uns anschließend noch zu sich nach Hause ein. Unten seht ihr die Wolkenspiele, die wir auf der Fahrt zu ihnen sahen. Gemeinsam mit ihnen und ihrem Sohn Martin spielten wir eine weitere Runde Carcassonne.

Die folgenden Natur- und Himmelsblicke stammen von Walkingrunden und Spaziergängen an verschiedenen Tagen im Mai - wie ihr sehen könnt, gab es ein ziemliches Auf und Ab beim Wetter (wobei ich es an den stürmischen, eisbärenkalten und stark regnerischen Tagen vorzog, nicht hinaus zu gehen und - falls ich Lust auf Bewegung hatte - lieber drinnen zu turnen.)

 

Am 10. Mai erlebten wir einen der wenigen sehr schönen, beinah sommerlichen Tage - diesen Tag verbrachten wir mit Gitty und Peter im Lainzer Tiergarten. Hier eine erste Collage davon - ich werde euch demnächst mehr darüber erzählen. (Dass das Wetter bei unseren Ausflügen immer recht angenehm ist, ist natürlich kein Zufall - wir planen unsere Ausflüge für die schönsten Tage ein... Das Privileg der Ruheständler 😉)

Der Geburtstag von Herrn Rostrose war nicht ganz so sonnig, aber der wärmste und schönste Tag jener Woche. Einmal mehr waren wir mit Brigitte und Peter unterwegs, diesmal im Museumsdorf Niedersulz und in der Nexinger Schweiz. Auch über diesen wunderbaren, erlebnisreichen Tag erzähle ich euch bei Gelegenheit mehr. 

Am 27. Mai hatten wir einen weiteren Drehtag. Diesmal wurden wir als Komparsen für eine Serie engagiert, die unter dem Arbeitstitel "Tage, die es nie gab" läuft. Leider wissen wir weder bei dieser Serie noch bei der obigen, wann sie ausgestrahlt wird. Falls wir es rechtzeitig erfahren, versuche ich euch Bescheid zu geben... Aber auch hier ist nicht sicher, ob man von Edi und mir überhaupt etwas sieht. 

Für diesen Dreh lautete die Dispo: "Outfit sommerlich, keine Knallfarben, keine Logos, keine großen Aufdrucke." 

"Sommerlich" war allerdings an diesem Tag eine ziemliche Herausforderung. Und überhaupt war dieser Drehtag ganz anders als der erste, von dem ich euch heute erzählt habe. Wir mussten um 4.30 Uhr aufstehen, um rechtzeitig um 6.30 beim Wiener Westbahnhof zu sein. Und für uns dauerten die Dreharbeiten und Wartezeiten an diesem Tag bis 17.50 Uhr (für manche andere Komparsen noch länger...) Um 5.30 (also bei unserer Abfahrt in Richtung Wien) hatte es 10 Grad. Ich zog mir meine (an sich bequemen) Sandalen an, aber wegen der Temperaturen wählte ich dazu eine Nylonstrumpfhose. Und bin dann damit in den Sandalen so gerutscht, dass meine Fußsohlen innerhalb kürzester Zeit heftig gebrannt haben. Das hatte ich früher auch schon mal. Da glaube ich nach einiger Zeit, dass ich keinen Schritt mehr gehen kann. Zu Beginn saßen wir in einem Zugsabteil, aber dann mussten wir am zugigen Bahnhof mit unseren Koffern auf und ab gehen. Tageshöchsttemperaturen um die 15 Grad und es war nicht sonnig und relativ windig, hat sich also kälter angefühlt. Die Fußsohlen haben gebrannt, der restlichen Traude war eiskalt, obwohl wir dann eh alle unsere Jacken anhaben durften und ich ohne weiteres auch in Jeans und Turnschuhen und mit Steppjacke hätte kommen können. Daraus lerne ich fürs nächste Mal 😉... Abends sah ich dann, dass ich Blasen an den Sohlen hatte - und ich schlief nach diesem Drehtag wie ein Stein. 

Tja, aber eins sag ich euch - trotz der Wartezeiten und Fußschmerzen möchte ich diese Komparsenjobs nicht missen.Wir lernen immer wieder eine bunte Mischung interessanter Leute kennen - und wenn die Pausen manchmal lang sind, findet sich immer jemand zum plaudern.

Hier mein "Sommer-Outfit". Letztendlich trug ich dazu auch noch ein Sweatshirt und meine Trenchjacke 😉. Das Stirnband ist neu und ich trug es, um der Sache einen sommerlichen Touch zu verleihen - beim Dreh sollte ich es dann aber abnehmen, es war der Dame vom Kostüm dann doch zu auffallend. (Wir sollen auch immer Reservekleidung mitnehmen, falls ein Outfit doch nicht so gut zum Dreh passt oder falls wir uns umziehen sollen.)

Drehort im Zug und einige der KollegInnen

Ihr Lieben, das war's auch schon für heute! Vielen Dank für eure wunderbaren Kommentare zu meinem letzten Post! Bald schon kommen die angekündigten Beiträge zu unseren Ausflügen! Bis dahin:

 

ganz herzliche Rostrosen-Grüße
eure Traude


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Sonntag, 23. Mai 2021

Ausflug auf die Perchtoldsdorfer Heide und den Paraplui(e)berg

Servus, ihr Lieben!

Vielen Dank für all eure lieben Kommentare zu meinem vorangegangenen Posting über drei Ausflüge im April und ich danke euch auch ganz herzlich für eure Gratulationen zu den darin angesprochenen "besonderen Neuigkeiten" 😊😘😍!

"Erzähltechnisch" bin ich somit nun im "Wonnemonat" angekommen - also nehme ich euch heute gleich mit auf einen Ausflug, der am 4. Mai 2021 stattgefunden hat. 

 

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Erfreulicherweise war zu diesem Zeitpunkt der strenge Lockdown in Österreich vorüber, und somit durften auch wieder Ausflüge zu viert sein. (Inzwischen gibt es ja noch ein paar mehr Lockerungen.) 

Unsere Freunde Brigitte und Peter sind im Verlauf der letzten Monate quasi zu unseren "Corona-Buddies" geworden: Während die Kontakte zu anderen Freunden aufgrund der Covid-Einschränkungen etwas seltener stattfinden, als wir das gerne hätten (was sich aber hoffentlich bald wieder ändern wird), unternehmen wir immer wieder gerne etwas mit diesen beiden und vice versa (was sich hoffentlich auch in Zukunft nicht ändert). Wir haben ähnlich gelagerte Interessen, die Gesprächsthemen gehen uns nie aus und wir finden stets Unternehmungen und Ausflugsziele, die für uns alle etwas bieten.

Brigitte, mit der ich nun schon seit knapp 44 Jahren befreundet bin, ist jedoch nicht nur mein "Corona-Buddy", sie entwickelt sich zugleich allmählich zu meiner Cheffotografin und Pflanzenbestimmerin. Und unsere Ausflugsberaterin ist sie ja ebenfalls schon seit einiger Zeit. Auch der Vorschlag, gemeinsam zur Perchtoldsdorfer Heide zu fahren, kam von ihr. 

Mit der "Pedersdorfer Had" (= Petersdorfer Heide), wie sie im Volksmund genannt wird, verbinde ich einige Kindheitserinnerungen, denn hierher führten uns in den 1960er- und 70er-Jahren häufige Familienwanderungen. Und weil es auf dem Heide-Hügel stets mehr oder weniger windig war, zitierte mein Vater hier gerne einen abgewandelten Spruch:

"Auf der Pedersdorfer Had hat's an Schneider verwaht." *)

 
*) Das heißt so viel wie "Auf der Perchtoldsdorfer Heide hat es einen Schneider verweht." Das Original des Spruches lautet: "Auf der Simmeringer Had’, hat’s an Schneider verwaht." Mein Vater hat also den Ort des Geschehens verändert, doch erklärte mir auch, wie dieser alte Reim tatsächlich lautet. Allerdings dachten wir immer, dass der Schneider so klein und zart war wie das "Tapfere Schneiderlein " aus dem Märchen und deshalb vom Wind verblasen wurde. Und so habe ich erst jetzt - durch meine Recherche für diesen Blogbeitrag - erfahren, was es mit diesem Ausspruch tatsächlich auf sich hat. Ihr könnt die wahre und spannende Geschichte HIER lesen. (Und wundert euch nicht, es kommt mal wieder der Kaiser Franz Josef darin vor. Dem begegnet man in Österreich fast so oft wie Kirchen und Heiligen 😉. Apropos: In der Geschichte erfahrt ihr auch, welcher Zusammenhang zwischen dem Schneider und der Votivkirche in Wien besteht...)
Brigitte und Peter waren früher als wir am vereinbarten Treffpunkt, und so fotografierte Gitty netterweise schon mal ein paar Bilder für Artis Schilderwald - z.B. die Tafeln mit den Wanderrouten und das etwas traurige, weil aus Corona-Gründen verwaiste Schild des Weinbauvereins Perchtodsdorf. *) 
*) Hier werden normalerweise die Heurigen, bei denen gerade "ausg'steckt is'", auf eigenen Tafeln genannt. Aber da die traditionellen  Weinbauernbetriebe durch den Lockdown nicht ausschenken durften, fielen diese Schilder weg. (Sie durften aber immerhin ihren Wein und take-away-Speisen ab Hof verkaufen.) Mittlerweile dürfen Lokale bei uns aber unter strengen Auflagen wieder öffnen, also hoffe ich für die Winzer, dass auch der Heurigenbetrieb wieder anläuft.
 
 
 
Naturschutzgebiet Perchtoldsdorfer Heide:
Bei der "Pedersdorfer Had" handelt es sich um einen ökologisch interessanten "Sonderstandort": Trockenrasen gehören (neben Feuchtgebieten wie Mooren und Auen) zu den extrem seltenen und zugleich besonders artenreichen, aber leider auch zu den am meisten gefährdeten Lebensräumen
 
Als Kind wusste ich nicht, dass die Perchtoldsdorfer Heide etwas Besonderes ist. Ein großer Teil der hiesigen Fauna und Flora ist europaweit gefährdet oder vom Aussterben bedroht. In diesem Naturschutzgebiet findet man also Pflanzen, die man nicht (oder nicht mehr) an vielen Orten sehen kann - und einige davon werde ich euch heute zeigen.

Ein kleiner Exkurs über Trockenrasengebiete (für alle, die's interessiert 😉):
Auch wenn Begriffe wie Trockenrasen oder Magerrasen sehr karg klingen und solche Wiesen nicht sehr "saftig" aussehen, handelt es sich dabei um besondere Biotope, die voll des Lebens sind. Auf der Perchtoldsdorfer Heide wurden z.B. über mehrere Jahre die Schmetterlingsarten erhoben - es konnten rund 1.200 Arten von den insgesamt etwa 4.000 in Österreich vorkommenden Arten dokumentiert werden! Auch für viele andere wärme- und trockenheitsliebende Tierarten sind die Pflanzen und die offenen Bodenstellen der Heide überlebenswichtig.

In Österreich existieren solche Steppen- oder Heidelandschaften hauptsächlich im Osten des Landes. (Erst vor kurzem habe ich euch in ein anderes Trockenrasengebiet mitgenommen - ihr erinnert euch vielleicht noch an den Ausflug ins Naturschutzgebiet Thenauriegel in der Nähe des Neusiedler Sees.) 

Wegen des Wassermangels und des geringen Nährstoffgehalts des Bodens siedeln sich auf Trockenrasen niedrige Kraut- und Halbstrauchpflanzen sowie Steppengräser an, die eine hohe Trockenheitsresistenz besitzen. Wenn solche Böden überdüngt werden (wie es z.B. durch Hundekot passiert), siedeln sich auch andere Pflanzen an und verdrängen die ökologisch wertvollen Trockenrasenpflanzen. Insgesamt beträgt der Flächenanteil von Trockenrasenflächen in Österreich nur noch circa 0,018 % des Bundesgebietes.

Um die Beschaffenheit der "Pedersdorfer Had" zu erhalten, sind Hundebesitzer angehalten, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner unbedingt zu entfernen (und Hunde müssen im Naturschutzgebiet natürlich auch an der Leine bleiben, u.a. damit die Ziesel-Population nicht weiter dezimiert wird). Außerdem wird die Heide nach einem ausgeklügelten Plan mit Schafen beweidet. Diese sorgen dafür, dass das Mengenverhältnis der Pflanzen ausgewogen bleibt. (Der Schafskot ist im Gegensatz zu dem von Hunden auch kein Problem, weil er nährstoffärmer ist.)

🐑🐏🐑🐏🐑

Leider haben wir bei unserem Besuch keine Schafe gesehen - und auch keine der herzigen Ziesel. Wenn ihr mehr über das Heideziesel-Rettungsprojekt wissen wollt, klickt bitte auf den Link. (Und auch über die anderen oben angerissenen Themen könnt ihr euch bei Interesse durch Klicks auf die Links genauer informieren.) 


So, nun wisst ihr also, dass die Wiese, in der ich hier sitze, etwas ganz Besonderes und Wertvolles ist. Der Blick über Wien ist ebenfalls beachtenswert. Und die gelben Blumen, die mich umringen, heißen Frühlings-Adonis oder Adonisröschen (Adonis vernalis). Sie gelten sowohl in Österreich als auch in der Schweiz und in Deutschland als gefährdet, in Bayern sogar als stark gefährdet. (Ich habe natürlich darauf geachtet, mich auf keine der Blumen zu setzen oder zu treten!)  

Die Fotos von mir hat allesamt Brigitte aufgenommen.

In der folgenden Collage seht ihr ein paar weitere Pflanzen, die im Frühling auf der Perchtoldsdofer Heide blühen: die Hügel-Erdbeere (Fragaria viridis); der hübsche lila-blaue Niederliegende Ehrenpreis (Veronica prostrata - und NEIN, es heißt NICHT Prostata 😜) und der gelbblühende Zwergstrauch, den wir zunächst für Ginster gehalten haben, ist der Regensburger Zwerggeißklee (Chamaecytisus ratisbonensis).

🌼🌼🌼🌼🌼

Die Blütezeit der Großen Kuhschelle (Pulsatilla grandis) war leider schon beinah vorbei, aber ein paar Blüten fanden wir Dank des kalten Frühlings doch noch (Fotos sowohl von Brigitte als auch von mir). Doch auch die verblühten Kuhschellen sehen hübsch aus - und zauberhaft zart. 

Wisst ihr eigentlich, warum sie auch Küchenschelle genannt wird, obwohl sie als Giftpflanze in der Küche doch wirklich nichts verloren hat? Der Name kommt von "kleine Kuh", also Kühchen... und im Lauf der Zeit ging das "h" verloren. Und wusstet ihr schon, dass Bettler im Mittelalter mit dem Saft der Pulsatilla ihre Arme und Beine behandelten? Sie versuchten, mit den dadurch hervorgerufenen Entzündungen Mitleid zu erregen und somit mehr zu erbetteln. (Was man nicht alles lernt, wenn man für einen Blogbeitrag recherchiert!)

Hier noch ein paar Ausblick-über-Wien-Fotos (inklusive schönem Himmelsblick 😊):

Bei den schönen, weiß blühenden Sträuchern, von denen es zahlreiche auf der Heide zu sehen gab, waren wir uns nicht ganz sicher, aber Brigitte tippte auf Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und hatte den richtigen Riecher. Ich habe sie nicht erkannt, da meine Felsenbirne im Garten anders aussieht und zu dem Zeitpunkt auch schon längst verblüht war.

Blick auf die Burg Perchtoldsdorf, der wir auch unbedingt mal einen Besuch abstatten wollen.

Goldglänzender Rosenkäfer (Cetonia aurata) und Brigitte mit Felsenbirne😊

Durch unsere Pflanzen- und Käfer-Betrachtungen und Shootings waren uns unsere Männer natürlich weit vorausgeeilt. Die Armen, sie kriegten vor lauter "Männergesprächen" fast nichts mit von den Schönheiten am Wegesrand - und dann mussten sie auch noch auf uns warten 😉

Am Waldrand angekommen, wurden wir mit einem Wegweiser konfrontiert und entschieden uns für den Weg auf den Parapluieberg; dort hinauf war ich schon in meiner Kindheit oft gegangen. 

Parapluieberg (auch Parapluiberg, so steht es auf den Wegweisern und dem Schild der Franz-Ferdinand-Schutzhütte):
Parapluie (sprich [pa.ʁa.plɥi] - "Paraplü") ist das französische Wort für Regenschirm. Der Name des Berges bezieht sich auf die zahlreichen hier heimischen Schirmföhren oder Parapluiebäume. (Die Schirmföhren sind keine eigene Rasse. Es handelt sich dabei um Schwarzföhren, deren Äste ähnlich einem Schirm in die Breite wachsen. Die schirmförmige Krone ist eine Reaktion auf den flachen Wurzelraum bei felsigem Boden).

Heide-Löwenzahn mit hungriger Hummel und Hainbuchenblätter (großes Foto)

Auch im Wald "mussten" Brigitte und ich immer wieder Zwischenstopps einlegen, um Pflanzen zu bestimmen (oder zu rätseln, worum es sich handelt 😉) - die Männer warteten abermals geduldig, bis wir ihnen auf dem gut durchwurzelten Steig nachkletterten... und Brigitte nützte die wunderbare Gelegenheit, mich von hinten zu fotografieren - Breitseite quasi 😄😎...

Bei dem gelb blühenden Strauch hatten wir erst mal keine Ahnung, was das sein könnte, aber Gitty fand es nachträglich heraus - es ist eine blühende Berberitze, Sauerdorn. Im Herbst trägt  dieser Strauch essbare kleine rote Beeren. Sie enthalten viel Vitamin C, schmecken säuerlich und tragen daher auch den Beinamen “Zitrone des Nordens”.

An manchen Stellen duftete es besonders stark nach Knoblauch - die Blätter des Bärlauchs waren hier schon sehr groß und teilweise blühte er. So auch am Rastplatz Bierhäuselberg, wo wir eine kleine Pause einlegten.

Eine der alten Schirmföhren, auf der ein Marterl (Heiligenbild) angebracht ist, bekam von mir eine freundliche Umarmung:

Mein Freund, der Parapluiebaum

Bei der Franz-Ferdinand-Schutzhütte hatten wir unser "Berg-Ziel" erreicht. Dieses Gasthaus wurde 1905 erbaut und steht unter Denkmalschutz. (So sieht es aus, wenn dort reger Betrieb herrscht: KLICK.) Ich hoffe sehr, dass dort bald wieder Leben einkehrt! Von der Terrasse hat man ebenfalls einen guten Ausblick über Wien.

 

Für Novas T in die neue Woche

Dann ging es an den Abstieg. Zwischendurch musste ein Frühlingsmistkäfer von mir gerettet werden, der mitten auf dem Weg auf dem Rücken lag. Ich setzte ihn an den Rand, bin mir aber nicht sicher, ob ihm überhaupt noch zu helfen war, weil er dort beim Versuch, über Blätter und kleines Geäst zu krabbeln, gleich wieder auf dem Rücken landete und abermals von mir umgedreht werden musste...

Bei diesem Teich im Wald legten wir abermals eine Rast ein. Von einer Info-Tafel (siehe übernächste Collage) erfuhren wir, dass Bäche und Teiche in diesem Wald eigentlich nicht zu sehen sind, weil hier das Wasser selbst nach starken Regenfällen im Dolomitgestein rasch versickert. Doch an manchen Stellen bildet sich eine Lehmschicht über dem Gestein und verhindert das Versickern. So entstand ein kleiner Teich, der zum Lebensraum oder Laichplatz für viele Tiere wurde.

Oben - in der vierten Collage - habt ihr das verwaiste Schild des Weinbauvereins Perchtodsdorf gesehen. Wie so oft, fand auch dieser Ausflug in einer Weinbaugegend statt - und auf unserem Rückweg kamen wir auch an Weingärten vorbei:

Dann ging's noch ein Stück vorbei an blühendem Bärlauch, Felsenbirnen-Sträuchern und Heidekräutern. Am Schluss legten wir noch ein kleines Picknick ein (das Foto davon habe ich euch allerdings zur Einleitung in Collage 2 gezeigt) - und dann fuhren wir zu uns nach Hause, um uns einmal mehr heiße Carcassonne-Gefechte zu liefern 😊.


Zum Schluss zeige ich euch noch etwas genauer, was ich an diesem Tag als "Wander-Outfit" trug: Meine braune Schnürlsamthose (Cordhose), dazu ein Bio-Baumwoll-Langarmshirt in braun mit dunkelblauen Ringeln und ein Leo-Stirnband (auch diesmal wieder alles schrankgeshoppt).

Schön, dass ihr wieder mit uns mitgewandert seid. Wie ihr sicherlich wisst, ist gutes Schuhwerk und Kondition auch beim virtuellen Wandern unabdingbar! 😊😎 Ich hoffe daher, ihr habt euch keinen Muskelkater und keine Blasen auf den Füßen eingehandelt, sondern diesen besonderen Naturschauplatz ebenso sehr genossen wie wir! 

Bald schon werde ich euch über einen weiteren Ausflug berichten, den wir mit unseren lieben "Corona-Buddies" unternommen haben 😉.

 

Ganz herzliche Rostrosen-Grüße
und angenehme Pfingsttage,
eure Traude


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