Heute werdet ihr durchaus etwas von Neuseelands schöner Natur zu sehen bekommen - und außerdem einen außergewöhnlichen Garten, der auch wegen seiner Bepflanzung sehenswert ist - das Hauptaugenmerk meines heutigen Postings liegt allerdings in den Bereichen Streetart und Mosaikkunst.
Wie euch vielleicht schon aufgefallen ist, interessiere ich mich neben Natur auch sehr stark für manche Kunstrichtungen. Ich habe dabei keinen "akademischen" oder "intellektuellen" Zugang, sondern einen rein emotionalen. Manche Kunst lässt mich kalt, manche finde ich ästhetisch, manche Kunst berührt mich zutiefst. In den letzten Jahren habe ich verstärkte Freude an Streetart entwickelt - wobei mich auch hier nicht alles gleichermaßen anspricht. In der größten Stadt der Südinsel gibt es davon auf alle Fälle jede Menge zu sehen!
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Die "Spraydosen" in Litfaßsäulen-Größe können als Symbole für die bunte Streetart-Szene in Christchurch betrachtet werden. |
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Zwei Murals am selben Gebäude - oberes von Jacob Root (aka ‘Distranged Design’), unteres von Wongi Wilson |
Unten seht ihr das Mural Antarctic. Dieses befindet sich
am Cathedral Square, an der Südwand des Novotel Hotels (direkt gegenüber der schwer vom Erdbeben beschädigten Kathedrale von Christchurch). Es ist eines von zwei Wandbildern, die in Auftrag gegeben wurden, um
Christchurchs einzigartigen Status als Tor zur Antarktis zu feiern. Es
wurde entworfen und gemalt von Dcypher/XL Street Murals mit Hilfe von Jacobyikes.
Ebenfalls am Cathedral Square befindet sich das Heritage Christchurch. Das Gebäude wurde 1913 eröffnet und beherbergte zunächst Regierungsbehörden. Heute dient es als Luxushotel. Das Untergeschoss des Hotels beherbergt ein hippes und zugleich gemütliches Pub namens O.G.B. (was die Abkürzung von Old Government Building ist). Hier kehrten wir ein, um uns ein Abendessen zu gönnen. (Edi hatte mal wieder einen dicken, fetten Burger und ich gönnte mir eine delikate Fleischterrine.) Dazu gab's für mich eins der frischen hellen Biere von der Karte und für Edi einen Rotwein. Mit diesen Getränken stoße ich mit Elizabeth beim T-Day an 🍻🍷🍺!
All die oben gezeigten Murals und auch das O.G.B. befanden sich in der näheren Umgebung unseres Hotels. Viel weiter von dort bewegten wir uns an unserem Ankunftstag nicht weg.
Unser Hotel für die nächsten zwei Nächte war das Break Free on Cashel Christchurch. Und hier könnt ihr einen Blick in unser Hotelzimmer werfen: Es war definitiv das winzigste Zimmer, das wir in unserer Reisekarriere je gehabt haben *). Aber es war zugegebenermaßen alles drin, was man so braucht - außer einem Fenster (aber die lassen sich in vielen Hotels sowieso nicht öffnen). Hier konnte man also mal Tiny Living ausprobieren.
*) Das Doppelbett reichte von einer Wand zur anderen, am Fußende gab es eine Ablage (auf der sich sogar ein Wasserkocher samt Kaffeetassen und Zubehör befand). Neben dem Bett seht ihr einen wandgroßen Spiegel, damit der Raum größer wirkt. In dem Spiegel könnt ihr das halbrunde Dusch- und WC-Abteil erkennen. Dieses war clever eingerichtet und schloss direkt an das Nachtkästchen an, das zugleich ein Minibar-Kühlschrank war. Unter dem Bett war Stauraum für ein Bügelbrett - und für unser Reisegepäck. (Es gibt jedoch, wie ich gesehen habe, auch geräumigere Zimmer in dem Hotel.)
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Die drei Fotos in der unteren Reihe stammen von HIER, alle anderen von Edi und mir. |
Wir waren ganz zufrieden mit dem Hotel - aber auch froh, dass wir in Christchurch gutes Wetter hatten. Denn nasse Regenklamotten hätten wir in diesem Mini-Zimmer oder Mini-Bad nicht gut unterbringen können.
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Oben Gänse auf einer Weide, unten Schafe - und in der Mitte ein traumhafter Blick auf die Bucht von Akaroa |
Doch bevor wir mit Marja Teile der großen Stadt erkundeten, begaben wir uns mit ihr auf die Banks Peninsula.
Die grüne, vulkanische Halbinsel gehört seit März 2006 zum
Stadtdistrikt von Christchurch - und hier weiden nicht nur Schafe, die
gesamte Landschaft ist eine wahre Augenweide... überhaupt, wenn man von
einem Aussichtspunkt auf die wunderschöne Bucht von Akaroa blickt.
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Marja und ich mit der Bucht im Hintergrund. Und beachtet bitte den traumhaften blauen Himmel an diesem Tag! Was für Glückskinder wir doch sind! 🌞😍 |
Während Dunedin als die "schottischste" Stadt Neuseelands gilt, ist Akaroa die "französischste" Siedlung des Landes - und sie ist très charmante. In der Hauptsaison kann es in dem kleinen Städtchen schon einigermaßen voll werden, überhaupt, wenn gerade ein Kreuzfahrtschiff anlegt *). Es gibt hier einiges zu sehen - schnuckelige Holzhäuser, liebevoll gestaltete Vorgärten, französische Straßennamen, gratis Museen, einen Leuchtturm, verschiedene hübsche Kirchen... Akaroa ist daher ein beliebter Urlaubsort - und außerdem bekannt für die Hector-Delfine **) im Hafen.
*) Akaroa wurde zu einem populären Kreuzfahrtziel, nachdem die Erdbeben in Canterbury 2011 den Hafen von Lyttelton beschädigt hatten. Im Sommer 2009–10 besuchten sieben Kreuzfahrtschiffe den Ort, während die Zahl 2019 und 2020 auf neunzig anstieg! Mit der Eröffnung des Kreuzfahrtschiff-Anlegeplatzes in Lyttelton im Jahr 2022 sank die Zahl auf 19 Kreuzfahrtschiffe - und somit wieder auf ein erträgliches Maß.
Es hätte also ein paar Besichtigungs- und Ausflugs-Möglichkeiten in Akaroa gegeben. Als ich jedoch vom Giant's House erfuhr, gab es für mich kein Halten, keinen Zweifel und keine Alternative mehr - denn dort gibt es einen von einer Künstlerin gestalteten Garten mit Mosaikfiguren zu sehen - und wer mich etwas näher kennt, weiß auch, dass bestimmte Mosaikkunstwerke und Mosaikgärten zu meinen größten Leidenschaften zählen.
- Im Jahr 2012 nahm ich euch virtuell mit in Antoni Gaudis Park Guell in Barcelona (und zeigte euch auch noch andere Kunstwerke des begnadeten Architekten - wie z.B. diese hier). Es war mein zweiter Besuch dieses Parks.
- Im Jahr 2021 besuchten wir (zum dritten Mal) den Giardino dei Tarocci der Ausnahmekünstlerin Niki de Saint-Phalle in der Toskana. Einer meiner absoluten Glücks-Orte!
- Und auch Friedensreich Hundertwassers Werke sprechen mich sehr an. Zuletzt sahen wir in Neuseeland das Hundertwasser Art Centre. Mein Lieblingsprojekt von diesem österreichischen Künstler ist das bunte, verrückte Hundertwasserhaus in Wien.
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In der Rue Balguerie (siehe Straßenschild) waren wir schon richtig - diese Straße führt zum Giant's House hinauf! |
In der nächsten Collage seht ihr zwei keramische Selbstportraits von Frau Martin (auf dem linken trägt sie ein Baguette und ein Ei auf dem Kopf und auch ihr Schmuck besteht aus Lebensmitteln, rechts ist sie rundum von Blumen verziert), in der Mitte ein Foto, das ich mir ausgeborgt habe, um euch die Künstlerin mit den blauen Haaren "in echt" zu zeigen. (Wenn ihr mehr über Josie Martin wissen wollt, klickt bitte HIER (englisch) oder HIER (deutsch) für weitere Informationen.
Darunter lernt ihr ein paar von Josie Martins Freunden kennen: Denn die Sitzplatz-Installation, die Josie schuf, um einen Erdrutsch in ihrem Hanggarten aufzuhalten, nennt sich „Place des Amis“ - Platz der Freunde.
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Josie Martins Foto oben mittig habe ich von dieser Seite ausgeliehen. |
Auf der Informationsseite gibt es ein Foto der Künstlerin, das sie an dem mosaikverzierten Klavier vor ihrem Haus zeigt - KLICK. Auch von meiner Blogfreundin Marja gibt es ein solches Foto - KLICK. Was lag da näher, als dass ich mich ebenfalls an den Flügel setzte und in die (Keramik-)Tasten haute? 🎹🎵😁
Begleitet wurde ich von der Band Kitty Catch-me and the Rolling Dice:
Kommt nun mit mir auf einen Spaziergang durch den traumhaften, terrassenförmig angelegten Garten, der ganz oben einen schönen Ausblick auf die Bucht von Akaroa bietet - und überall sonst eine Überraschung nach der anderen:
Wenn es heißt, jemand trägt eine Melone auf dem Kopf, denkt man bei uns eher an den gleichnamigen Hut. (Anmerkung für meine englischsprachigen Freunde: Im Deutschen heißt der bowler "Melone".) Bei diesem Paar tun sich neue Perspektiven auf: Adam und Eva schmücken ihre Häupter mit Wasser-Melonen. Die Schlange hat es möglicherweise auf den Apfel abgesehen.
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Die kleinen Pantoffeln zieren die Decke der Damentoilette! |
Überall im Garten gibt es wunderschöne, phantasievolle Sitzplätze, die zum Ausruhen einladen - wie die Bank entlang des Isola-Bella-Schiffes oder jene mit den Händchen haltenden Vögeln, von denen einer eine Katze streichelt. Oder die attraktive Blumenbank in der unteren Collage... oder die lauschige "Blumengrotte", neben der riesige und prachtvolle Spiralaloen (Aloe polyphylla) wachsen... Allzu lange hielt ich das Sitzen allerdings nie aus, denn ich musste den Glücks-Garten unbedingt weiter erkunden. Es gab hier ja so vieles zu entdecken!
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Oben: So sieht eine rundum glückliche Frau Rostrose aus! |
In einem der hier verlinkten Artikel über den Garten wurde die folgende Gruppe "der Zauberer und der Engel" genannt. Ich weiß aber nicht, ob das der offizielle Name ist. Für mich ähnelt der "Zauberer" einem Pharao und trägt ein Bärtchen wie Salvador Dalí. Und seht ihr neben ihm den schwarzen Hund, der ihm etwas einzuflüstern scheint? Dabei könnte es sich um Anubis handeln, den schakalköpfigen Gott der alten Ägypter. Die weiß-geflügelte Dame daneben mit ihrem blauen Haar und den langen Wimpern ist aber mit ziemlicher Sicherheit ein Engel 👼🏼... oder vielleicht auch Josie selbst...
Die folgende Collage habe ich nachträglich eingefügt, da Iris Flavia in ihrem Blog gerade Marcel Marceau, den berühmten französischen Pantomimen (und ein berührendes Detail aus seinem Leben) vorgestellt hat - KLICK zu Iris' Blogbeitrag.
Als ich den vermeintlichen Clown fotografierte, der gegenüber der oben gezeigten Figurengruppe steht, wusste ich noch nicht, dass es sich um Marcel Marceau handelte, das erfuhr ich erst durch diesen Artikel. So fügen sich die Dinge manchmal zusammen.
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Foto links: Marcel Marceau - von HIER |
Es geht treppauf, treppab in diesem Garten, durch Torbögen und entlang von verschiedensten Wegen... und sobald man aus einer anderen Richtung kommt, nimmt man Details wahr, die man zuvor nicht bemerkt hat. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass ich hier gleich mehrere Gartenrunden unternehmen "musste".
Wer wohl Josie Martins Haupt-Inspiratoren sind? Da sie fast die ganze Welt bereist hat - unter anderem auch Italien - bin ich
mir ziemlich sicher, dass sie Niki de Saint Phalles Tarotgarten
kennengelernt hat, aber davon wird nirgendwo etwas erwähnt. (Außerdem erinnert mich ihr extravaganter Look an Niki.) Frau Martin wird jedoch gern in einem Atemzug mit anderen Künstlern genannt, die ich ebenfalls schätze - ein australischer Besucher beschrieb ihre Kunst als eine Mischung von „Antoni Gaudi, Joan Miro, Salvador Dali und Dr. Seuss, mit einem Hauch von New Orleans Mardi Gras.“ 😁
Sehr gerne baut sie Tiere in ihre Gestaltungen ein - wie oben die Keramikkatze neben dem von Vogelmosaiken beherrschten Pavillon. Unterwegs begegnet man einer Giraffe, die mit ihrer langen blauen Zunge das Blatt eines (Oliven-?)Baumes zu erreichen versucht, und der Elefant ist auch nicht weit von dort entfernt; Hund und Katze teilen sich eine Bank, Mosaik-Kiwis laufen an einer Mauer entlang und verstecken sich hinter dem Schatten echter Pflanzen, ein großer Hase sieht so aus, als würde er über Ostereiern brüten, ein elegantes Hundepaar flaniert Hand in Hand (Pfote in Pfote) durch den Park...
Besonders entzückend finde ich jenen Gartenraum, in dem ein Geburtstagsfest gefeiert wird:
Der Koch hat eine feine Torte mitgebracht, auf der güldene Kerzen leuchten. Auf den Bänken sitzen Geburtstagsgäste, auf einer Mauer gedeihen kegelförmige Keramikblumen, ein Gast (oder vielleicht das Geburtstagskind?) sitzt auf einer Art Thron und nascht von einem Teller mit Erdbeeren... Am Boden gibt es ein Mosaik mit jonglierenden Personen, das an Bodenmosaike aus dem antiken Rom erinnert.
Hier möchte man gerne mitfeiern - und theoretisch ist das auch möglich: Zur Hauptsaison gibt es im Artist's Palate Café kleine Snacks, Kuchen und Getränke, die man gemeinsam mit den Feiernden genießen kann. (Aber wir waren ja in der Nachsaison im Giant's House. Was den großen Vorteil hatte, dass gleichzeitig mit uns höchstens zehn andere Personen durch den Garten unterwegs waren. Da konnte man gut ausweichen.)
Ihr könnt mir glauben, dass ich noch so viel mehr in diesem Garten entdeckt habe, als ich euch heute zeigen kann. Wenn ihr (wie ich) nicht genug bekommen könnt vom Giant's House, empfehle ich euch einen Besuch auf DIESER SEITE (in englischer Sprache) - da gibt es weitere Details und andere Perspektiven zu sehen und noch einiges mehr über die Künstlerin Josie Martin zu erfahren. (HIER kommt ihr zur deutschen Übersetzung der Seite.)
Nach unserem Besuch dieses Glücks-Gartens begaben wir uns zurück zu Akaroas Hauptstraße, wo wir uns mit Marja in einem Cafe wiedertrafen. (Sie kennt das Giant's House bereits zur Genüge und wollte uns Gelegenheit geben, es in aller Ruhe zu erkunden; daher war sie im "Zentrum" der kleinen Ortschaft geblieben.) Nach unserer Kaffeepause, bei der wir unsere Erlebnisse begeistert mitteilten, fuhren wir gemeinsam nach Christchurch-City, wo Marja als perfekte Fremdenführerin mit uns unterwegs war. Darüber werde ich euch im nächsten Kapitel meines Reiseberichts erzählen.
Fotos: Herr und Frau Rostrose - sofern nicht anders angegeben