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Mittwoch, 30. Juni 2021

Tagesausflug: Schloss Artstetten, Schifffahrts-Museum und Burgruine Hinterhaus in Spitz an der Donau

Servus Ihr Lieben,

 

... in Rostrosenhausen war die letzten Tage wieder viel los - Komparserie-Einsätze, Ausflüge, Weiterarbeiten an meinem Umweltprojekt, üppigster Alltagskram... Deshalb konnte ich euch nicht besuchen und komme auch erst jetzt wieder zum Posten: Habt ihr Lust auf einen neuen rostrosigen Bilderreigen?  

Am 14. Juni besuchten wir zunächst das Schloss Artstetten. Wenn ihr auf den Link klickt, könnt ihr euch mehr zur Geschichte dieses Schlosses durchlesen. Hier nur so viel: Unter anderem lebte hier der österreichische Erzherzog Franz Ferdinand - Thronfolger von Österreich-Ungarn aus dem Haus Habsburg-Lothringen - mit seiner Familie (also schon wieder ein Habsburger Schloss 😊). Das Attentat von Sarajevo, bei dem der Thronfolger und seine Frau Sophie Herzogin von Hohenberg starben, war letztendlich der Auslöser des Ersten Weltkrieges. 

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Das Schloss Artstetten befindet sich nach wie vor in Familienbesitz. Anita, eine von Franz Ferdinands und Sophies Nachkommen, gründete 1982 mit ihrem Mann das Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museum und ließ das Schloss renovieren.

Meine Freundin Brigitte wusste, dass im dortigen Schlosspark im Juni über tausend Pfingstrosenpflanzen ihre Pracht präsentieren. Also fuhren wir am 14. Juni nach Artstetten, um uns diese Blütenschätze anzusehen und außerdem die Ausstellung zu besuchen: 

  

Mein Outfit an diesem Tag war ein Kompromiss - es sollte einerseits blumig, andererseits bequem und praktisch sein, denn der Besuch von Schloss Artstetten war nicht der einzige Programmpunkt des Tages. Also wählte ich mein selbstgefärbtes dunkelrosarotes Shirt zur krempelbaren Dreiviertelhose ... und passte damit zumindest farblich zu einigen der Blüten 🌸😁🌺 ...

 Fotos von Brigitte


Man sieht es vielleicht nicht besonders gut, aber auf dem oberen der folgenden Fotos strecken Edi und ich genauso die Zunge raus wie der Wasserspeier 😜:

 Fotos von Brigitte

Wie neulich schon gezeigt, sind mittlerweile einige Schlossparks nicht mehr so "geschniegelt" wie früher, sondern bieten Platz für tierfreundlichen Wildwuchs. Auch im Schlosspark von Artstetten, der als einer der wichtigsten historistischen Parks Österreichs gilt, wird viel Wert auf Natur gelegt. In der ökologisch gehaltenen Anlage kann man unter alten, beeindruckenden Solitärbäumen spazieren und unter anderem einen idyllischen Bade-Pavillon mit „Pool“ entdecken. Kommt mit, wir spazieren gemeinsam ein bisschen durch diesen Park:


Fotos von Brigitte
Die Wendeltreppe führt auf den Pavillon hinauf
Von dort hatte man nicht nur einen schönen Himmelblick, sondern auch eine gute Rundum-Aussicht.
Der Rauhaardackel dürfte zum Schloss gehören; er begrüßte uns freundlich in "seinem Schlosspark". Nach dem Spaziergang
 gönnten wir uns einen Capuccino im Schlosscafé. (Die Torte haben wir nur fotografiert, nicht verschmaust 😉😊.)

Anschließend besuchten wir das Museum im Schloss, in dem natürlich der Aufarbeitung der Ermordung des Thronfolgers und seiner Gemahlin ein großer Stellenwert eingeräumt wurde. Auch ein Modell des Sarajevo-Automobils und ein wunderschön gefliestes Badezimmer aus dem Jahr 1860 gibt es hier zu bewundern. Mehr über das Museum HIER.

 

Den Abschluss unserer Besichtigung des Schlosses Artstetten bildete ein Besuch in der Schloss- und Pfarrkirche „St. Jakobus der Ältere“  und in der Familiengruft. Mehr darüber HIER.

 

Danach hatten wir uns eine Stärkung verdient. Wir fuhren weiter nach Spitz an der Donau. Diese Ortschaft hatten wir bei unserer Schiffsrundfahrt durch die Wachau  im Jahr 2019 nur vom Wasser aus gesehen. Brigitte und Peter erzählten uns, dass man im Alten Schiffmeisterhaus / Gasthof Prankl Haubenküche zu moderaten Preisen genießen kann. Den Tipp gebe ich gerne an euch weiter, es hat uns hier sehr gut geschmeckt!

 

Nicht nur der Name des Gasthofs stellt Verbindung mit der Donauschiffahrt her - in der Ortschaft Spitz an der Donau gibt es außerdem ein sehr sehenswertes Schifffahrts-Museum, dem wir nach dem Essen einen Besuch abstatteten. 

Fotos von Brigitte

 

Dieses Museum bietet vielfältige Einblicke in Technik und Geschichte der historischen Donauschifffahrt. Unter anderem gibt es kostbare zeitgenössische, aber auch neue, höchst präzise gebaute Modelle zu sehen. Eines davon ist die berühmte Donaufregatte "Theresia" (siehe folgende Collage rechts oben und unten), an welcher der Architekt Prof. DI Dr Kurt Schaefer 12 Jahre lang gearbeitet hat. Diese Mühe wurde bereits mit mehreren Modellbau-Preisen belohnt.

Auch eine große Auswahl an Originalobjekten aus der Blütezeit der Holzschifffahrt und Flößerei entführt in die Zeit, als die Dampfmaschine noch nicht erfunden war und demonstriert, wie unsere Vorfahren im Einklang mit den Launen des Flusses und den Gewalten der Natur an der Donau ihren Lebensunterhalt verdienten. Besonders eindrucksvoll ist der nachgestellte Pferdeschiffszug mit einem originalen Zaumzeug und parallel dazu das Modell eines Schiffszuges mit 60 Pferden. So viele Tiere waren notwendig, um ein großes Schiff stromaufwärts zu schleppen. Die tragbare Schifferorgel aus dem Jahr 1697, auf der heute noch gespielt wird, zählt ebenfalls zu den Besonderheiten des Museums:

Das Museum bietet jedoch nicht nur interessante Exponate - es ist außerdem von der Ausstattung her sehr sehenswert. Denn die Sammlung kann im historischen Ambiente des Barockschlosses Erlahof bewundert werden. Der ehemalige Lesehof *) war von der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts bis 1803 wirtschaftlicher Mittelpunkt des Weingartenbesitzes des bayrischen Benediktinerstiftes Niederaltaich.

*) Hier wurde die Betreuung der Weingärten und die ordentliche Behandlung des Lesegutes überwacht und für den Abtransport des Weines ins Kloster gesorgt.

Die Türrahmen und manch eine Decke des Barockschlosses fanden wir einfach atemberaubend!

Auch von außen sieht der Erlahof beeindruckend aus. Die schön gemusterte Katze, die sich vor dem Hof sonnte, schien allerdings unbeeindruckt zu sein. Aber sie ließ sich gern von uns streicheln.

Nicht weit vom Museum entfernt, führt ein kurzer Wanderweg zur Ruine Hinterhaus. Diese wollten wir auch noch besuchen. Unterwegs kamen wir an einem alten Haus mit schönen Kletterrosen und an einem Stadel mit riesigen Clematisblüten vorbei. An dem Stadel lehnte ein Schild, dessen Text mir aus der Seele sprach: 

Bitte lärm nicht kreuz und quer
auf und ab im Wald umher,
wozu gibt es sichre Wege?
Denk an's Wild und seine Hege!
Zugleich bitte ich um's eine:
Häng dein Hündchen an die Leine!
Furchtbar ist des Feuers Macht,
darum gib aufs Zündholz acht!
Speisereste, Glas, Papier -
bitte, laß das doch nicht hier,
zu Natur - und Umweltschutz
paßt kein Abfall und kein Schmutz!


Danke!
Die Jägerschaft


Bei der Ruine Hinterhaus handelt es sich um eine eine Wehranlage, deren Hauptburg schon im 12. Jahrhundert bestand. Sie thront auf einem Ausläufer des Berges Jauerling über der Donau und bietet von dort wundervolle Ausblicke. Sie wurde erstmals 1243 schriftlich erwähnt. Im 13. und 14. Jahrhundert beherrschten die Ritter von Spitz diese Burg. Gegenüber der Ruine liegt der „Tausendeimerberg“, ein Weinberg, der angeblich jedes Jahr die Erntemenge von 1000 Eimern Trauben hergibt.

Fotos von Brigitte

 

Angeblich spukt es dort bis heute. Der Geist der verstorbenen Adelheid, Ehefrau von Heinrich dem Eisernen, soll jedes Jahr zum Todestag ihres Gatten auf der Ruine Hinterhaus erscheinen. Denn Heinrich heiratete kurz nach ihrem Tod eine neue Frau und ignorierte somit das Trauerjahr. Kurz darauf starb auch er, was allgemein als gerechte Strafe für sein schändliches Verhalten betrachtet wurde. Uns begegnete allerdings weder der Geist von Adelheid noch der von Heinrich - und wir haben wirklich in sämtlichen Winken nachgesehen 😉...


Mit einem letzten Blick auf die Burg, ein paar gelben Blüten vom Mauerpfeffer (Sedum acre) und rosa Blüten vom Ährigen Ehrenpreis (Veronica spicata) sowie einem Blick auf die Weinberge verabschieden wir uns winkend von euch!




Ich hoffe, dieser Tagesausflug hat euch wieder Spaß gemacht und war euch nicht zu anstrengend! Da ich zuletzt nicht dazu gekommen bin, eure Blogs zu besuchen, bedanke ich mich zunächst mal hier für eure lieben Zeilen zu meinem vorigen Blogbeitrag über die zwei geretteten Naturparadiese -  und werde mich nun so rasch wie möglich an eine Blogbesuchsrunde machen!

Auf bald also und alles Liebe -
kommt gut in den Juli!
Allerliebste Rostrosengrüße,
eure Traude
 

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Donnerstag, 3. Juni 2021

Museumsdorf Niedersulz

Servus ihr Lieben!

Herzlichen Dank euch allen für eure liebenswerten Kommentare zu meinen Alltagsgeschichten und Komparsenerlebnissen im vorigen Posting. Mittlerweile kann ich euch berichten, dass ich am 2. Juni meine erste Covid-19-Impfung erhalten habe (Biontech-Pfizer) ... und dass ich seither ganz ohne Mobiltelefon mit Herrn Bill Gates telefonieren kann 🤪... Ich finde ihn übrigens sehr nett, aber vielleicht wurde mir auch dieser Gedanke nur eingeimpft??? *)

 

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*) Ich hoffe, ich muss hier jetzt nicht auch noch einfügen: "Dieser Beitrag kann Nonsense enthalten." 
Man weiß ja heutzutage nicht mehr, welchen Blödsinn manche Leute glauben...

Scherz beiseite - heute möchte ich euch (wie neulich vorangekündigt) über einen Ausflug erzählen, den wir am Geburtstag meines Mannes unternommen haben. Diesmal ging es in das sehenswerte

das man mit der Niederösterreich-Card einmal pro Jahr gratis besuchen kann. Der Vorschlag kam - wie so oft in letzter Zeit - von unserer "Ausflugsberaterin" Brigitte. Und sie hatte auch die geniale Idee, dass wir uns vorab testen lassen könnten, um dort Mittag essen zu können - denn im Museumsdorf wird auch ein historisches Wirtshaus betrieben. Das Geburtstagskind selbst war der einzige von uns, der sich nicht mehr testen lassen musste, denn Edis Erstimpfung lag an diesem Tag bereits drei Wochen zurück und galt somit als "Eintritts-Erlaubnis" für Gaststätten.
 

Wir alle haben es noch nie so sehr genossen wie an diesem Tag, einfach nur in einem Lokal zu sitzen und zu schmausen. Es fühlte sich richtig "besonders" an. Wir gingen sogar am Nachmittag noch ein zweites Mal hin, um uns einen Eiskaffee zu genehmigen 😋. Und wir besuchten an diesem wunderbaren Tag später noch ein weiteres Gasthaus - allerdings werde ich euch darüber und über die damit verbundenen Unternehmungen erst in meinem nächsten Blogbeitrag berichten.

Fotos von Brigitte

Nach dem Mittagessen legten wir im Museumsdorf so richtig los - aber bevor ich euch zeige, was wir dort gesehen haben, gibt's noch einen Blick auf mein luftiges Outfit des Tages. Es war zwar nicht besonders sonnig an diesem Tag, zeitweise gab es sogar sehr dunkle Wolken, aber die Temperaturen waren freundlich genug für sommerliche, Schrank-geshoppte Kleidung. Die Farben von Hose, Shirt und Kette habe ich auf die Farben meines neuen Haarbands abgestimmt. (Ihr erinnert euch vielleicht: Die Hose habe ich selbst gefärbt, das Shirt ist aus Bio-Hanf.) Die schwarzen Walkingschuhe müsst ihr euch einfach dazudenken 😉.

Das Museumsdorf Niedersulz ist das größte Freilichtmuseum in Niederösterreich mit einem historischen Dorfplatz, Wirtschaftsgebäuden und Handwerkshäusern, einem Taubenkobel, einer funktionsfähigen Wassermühle, mehreren Kirchen und einer Kellergasse. Das erste Gebäude war im Jahr 1979 ein Weinviertler Streckhof, der vom Abbruch bedroht war. Inzwischen wurden fast 80 Gebäude ins Museumsdorf übertragen und hier liebevoll wieder aufgebaut. 

Wagnermeister-Werkstatt mit einem Schild für Arti und Fassade mit Akeleien

Ein paar Türen und Tore in die neue Woche für Nova

Fotos von Brigitte

Besonders beeindruckend fanden wir die wunderschön angelegten Gärten der Häuser. Sie werden als üppig blühende Blumen-Vorgärten oder als Nutzgärten mit Kräutern und Gemüse nach historischen Vorbildern mehrmals in der Saison bepflanzt - und es handelt sich hierbei um reine Bio-Gärten.

Solche romantischen gefüllten rosa "Foxtrott"-Tulpen wünsche ich mir auch für unseren Garten! Normalerweise liegt ihre Blütezeit im April - wir waren gegen Ende Mai im Museumsdorf. Vermutlich haben wir es also dem kühlen Frühlingswetter dieses Jahres zu verdanken, dass wir all diese schönen Frühlingsblüher noch erleben durften! 

Zauberhaft, gut von Insekten besucht und wunderbar duftend auch all die blühenden Bäume!

Das Museumsdorf Niedersulz zählt zu den Schaugärten von „Natur im Garten“ und hat bereits mehrfach das Qualitätssiegel „Goldener Igel“ verliehen bekommen.

Fotos von Brigitte - Blühende Kastanienbäume für Astrids "Mein Freund, der Baum"

 Hier ein paar Kirchen / Glockentürme für Nova:

 

In der alten, zweiklassigen Volksschule übten wir eifrig das Lesen und Schreiben. Nur Peter bekam einen Klassenbucheintrag, weil er während des Unterrichts mit dem Handy telefoniert hat!

Im Kräuter- und Gemüsegarten blühte u.a. eine auffallende gelbe Pflanze. Wir erfuhren durch ein Schild, dass es sich dabei um Färberwaid handelt - und dass die Blätter dieser Pflanze erstaunlicherweise indigoblau färben! 
 
Färberwaid - und düstere Himmelsblicke... Doch wir blieben trocken! 😊

 

Sehr interessant fanden wir diese beiden Ausstellungen im Museumsdorf:

Täufermuseum:
Ein Kleinhäuslerhaus beherbergt eine Dokumentation der Geschichte der Täufer in Niederösterreich. Die Täufer sind Anhänger einer reformatorisch-christlichen Bewegung, die nach 1520 entstand und einen strikteren Ansatz hatte als Luthers Lehre. Ihre Anhänger lehnten beispielsweise die Kindstaufe ab. Jeder Erwachsene sollte sich bewusst für die Taufe entscheiden. Vom 16. bis hinein ins 18. Jahrhundert sahen die Obrigkeiten und die Amtskirche nur drei Wege, mit den Täufern umzugehen: Verbrennen, ertränken oder enthaupten... Im "besten Fall" wurden sie vertrieben. Drei Richtungen der Täuferbewegung haben trotz massiver Verfolgung bis heute überlebt: die Amischen, die Mennoniten und die Hutterer.

Auf einem Koffer im Südmährerhof, in dem ebenfalls das Thema "Vertreibung" behandelt wird, steht die Frage:
"Was nehmen Sie mit, wenn Sie ihr Zuhause verlassen müssen?"

Interessant fand ich dieses Schild im Täufermuseum... Ich kann durchaus Parallelen zur Gegenwart entdecken...

Ab 1528 siedelten Hutterer in Südmähren und im angrenzenden Weinviertel. Auch hier mussten sie ihre Heimat verlassen - die meisten der Hutterer zogen in die neue Welt, wo sie bis heute ihre Bräuche und ihre ursprüngliche Sprache pflegen, die dem Kärntner Dialekt ähnlich klingt.

Südmährerhof:
Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Südmähren wieder Schauplatz von Vertreibungen. Die meisten deutschen Südmährer wurden entrechtet, enteignet und aus ihrer (nun zur Tschechoslowakischen Republik gehörenden) Heimat vertrieben. Zahlreiche Menschen starben dabei durch Gewalt, Hunger und Entkräftung. Im Museumsdorf befindet sich seit 1981 ein südmährischer Bauernhof; er dokumentiert Geschichte und Kultur der einst deutschsprachigen südmährischen Bezirke Neubistritz, Zlabings, Znaim und Nikolsburg.  
 
Typisch für Südmähren waren u.a. schwarze Brautkleider; nur in den Städten trugen Bräute ab den 1920er Jahren weiß.

Am glücklichsten war ich mal wieder dort, wo es Viecher gibt: im "lebenden Bauernhof"! Der rote Tiger hier unten, der wie eine jüngere Version unseres Maxwell aussieht, heißt übrigens Bernhard, es gibt auch eine Katze am Museumsgelände, die Bianca heißt, und der Name der langhaarigen Mieze in der oberen Collage lautet - wenn ich mir alles richtig gemerkt habe - Puschel. Diese Informationen verdanken wir der jungen Tierpflegerin, die ihr rechts unten beim Schweine-Streicheln seht. Es gefiel mir sehr, dass die Tiere hier so liebevoll behandelt werden.

Fotos von Brigitte
Fotos von Brigitte

 
Das große Schwein, neben dem ihr mich oben vorsichtig hockerln seht, ist Patek, ein Göttinger Minischwein. Ich habe normalerweise keine Berührungsängste bei Tieren, aber ich wollte bei Patek nicht den Eindruck erwecken, dass ich es auf seine Äpfel abgesehen habe. Er ist ja doch ein recht beeindruckender Bursche (und auch schon relativ alt). Ich wollte ihn auf keinen Fall grantig machen!


 
Brigitte hat auch die Namen der anderen Tiere notiert: Die Esel heißen Peppino und Gustav - kurz Peppi und Gusti, die beiden kleineren Schweine heißen Trili und Leo und sind Turokschweine. (Ich kann leider keine Garantie für die Richtigkeit dieser Angaben abgeben 😉.)

Fotos von Brigitte

Aber in jedem Fall kann ich euch garantieren, dass uns der Besuch des Museumsdorfes sehr sehr gut gefallen hat. Und ich kann euch garantieren, dass ich froh bin, nicht mehr in Zeiten zu leben, in welchen jener Spruch noch Gültigkeit besitzt, den ich in einem der Häuser auf einer Stickerei entdeckt habe:
Der Frauen edelster Beruf
Zu dem Gott der Herr sie schuf
Ist stets im Hause still zu walten
Mit Fleiß die Ordnung zu erhalten.

 

Falls ihr noch nicht genug von Museumsdörfern habt, lade ich euch herzlich ein, in älteren Postings von mir zu schmökern - da habe ich euch in zwei Beiträgen das Burgenländische Museumsdorf Mönchhof vorgestellt, das ebenfalls sehr sehenswert ist: KLICK und KLICK.
 
Wie oben bereits erwähnt, war unser Tag mit dem Besuch des Museumsdorfes Niedersulz noch nicht zu Ende - im Anschluss besuchten wir noch einen ganz und gar besonderen Ort in dieser Gegend - und außerdem ein Lokal an einem schönen Fischteich, wo wir viele Wasservögel beobachten konnten. Die dabei entstandenen Fotos bekommt ihr beim nächsten Mal zu sehen! Bis dahin...

 

... alles Liebe und 
ganz herzliche Rostrosen-Grüße
eure Traude


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Mittwoch, 29. April 2020

Auf den Spuren des "Ludwig van" in Baden und Wien

Die Kunst? Was ich ohne sie wäre? 
Ich weiß es nicht. Doch mir graut - 
seh ich doch 
was ohne sie 
Hundert' und Tausende sind!

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)
Quelle: Beethoven, An die Muse



Servus, ihr Lieben!


Ich danke euch sehr für all eure Kommentare zu meinem vorigen Beitrag #Corona Extra 4: SARS-CoV-2 und die Umwelt. Nun möchte ich aber mal wieder eine kleine Pause vom Corona-Thema machen. Ich bin euch als Ergänzung zu meinem "Tagebuch" vom Februar 2020 (!) schließlich noch ein paar "kulturelle Schilderungen" schuldig. Nachdem die Museen zur Zeit immer noch wegen Corona geschlossen haben, kommt ihr so wenigstens zu virtuellen Museumsbesuchen 😉 (und meine Outfits der "Museumstage" gibt's dazu auch zu sehen)...

Das Jahr 2020 ist ein #Beethovenjahr, denn heuer jährt sich der Geburtstag des in Bonn geborenen und in Wien verstorbenen Komponisten zum 250. Mal. Ich bin noch dazu von Beethovenstädten "umzingelt": Wien war ab dem Jahr 1792 Ludwig van Beethovens Heimat, meine Bezirkshauptstadt Baden war einer jener Kurorte, die der Künstler wegen seiner vielfältigen Leiden viele Jahre lang aufsuchte, um Heilbäder zu nehmen und die Natur zu genießen. (Und nach Wiener Neustadt ist Herr #Beethoven zumindest mal stundenlang zu Fuß gelatscht... aber davon weiter unten mehr 😉) Kein Wunder also, dass sich in Wien und Baden einige Ausstellungen mit dem Musikgenie beschäftigen, die manche Details aus seinem Leben näher bringen. Zum Glück haben wir uns diese angesehen, als es noch möglich war!

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Drei Ausstellungen mit dem Thema Beethoven in Baden und Wien

Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich eine große Klassik-Kennerin bin, aber ich mag Musik, die in der Lage ist, mir Geschichten zu erzählen - und von Beethoven gefallen mir viele Melodien richtig gut. Mein Mann hat weit mehr mit Musik zu tun als ich - seine Hauptmusikrichtung ist Prog-Rock, der vom Aufbau her mit klassischer Musik durchaus artverwandt ist. Edi sagt von sich selbst, dass Musik seine erste große Liebe war, aber ich bin auf diese Liebe nicht eifersüchtig, ich kann sie verstehen. Mir geht es mit Farben ähnlich wie Edi mit Klängen: Ohne sie wäre das Leben nicht so schön. Seinen Kindheitstraum, ein Instrument zu spielen, konnte sich Edi erst im Erwachsenenalter erfüllen, er nahm Klavierunterricht und er lernte auch, ein bisschen zu komponieren. In seiner "Balzphase" spielte er mir unter anderem Beethovens Für Elise auf dem Klavier vor 😍. Leider kam das Üben und Komponieren in den vergangenen Jahren zu kurz, der Beruf fraß zu viel Zeit, aber die große Liebe zur Musik, die ist geblieben. 

Wir waren jedenfalls alle zwei sehr neugierig, was uns die Ausstellungen über Beethoven erzählen würden. Da wir beide seit dem Jahresanfang eine Niederösterreich-Card besitzen, waren erfreulicherweise auch alle drei Ausstellungen, über die ich euch heute berichte, für uns gratis. (Leider haben wir seither die NÖ-Card nicht mehr nützen können - doch wie es aussieht, ist es bald wieder so weit...)

xxxxxxxxxMuseumsbesuch Nummer 1xxxxxxxxx


Mi., 5. Februar:
Mythos Ludwig Van im Kaiserhaus Baden
Die erste Schau, die wir besuchten, geht ziemlich unkonventionell und mit einem Schmunzeln an den Mythos Beethoven heran. In der Beschreibung der Ausstellung könnt ihr nachlesen: 
Sie wendet sich an diejenigen, die ihn lieben, aber auch an jene, die in hassen - und sogar an jene, die Beethoven bislang lediglich für einen Hund gehalten haben. 

Auch an der Wand gibt es eine "Ein-Hund-namens-Beethoven"-Tapete zu sehen: 😉



    
Blicke in die schöne Natur
und beruhige dein Gemüt über das Müssende.
Ludwig van Beethoven

Neben dem Prunkstück der Ausstellung - dem historischen Hammer-Klavier, das anlässlich des Beethovenjahres frisch renoviert wurde - gibt es dort seine Totenmaske und eine seiner Haarlocken zu betrachten (Es war damals offenbar üblich, solche Erinnerungsstücke vom Totenbett mitzunehmen). Grafiken, Malereien und auch Comic-Hefte zeigen den Komponisten so, wie er zu den unterschiedlichsten Zeiten gesehen wurde - denn Beethoven wurde zu jeder Zeit anders dargestellt, mit anderen Augen betrachtet und zum Teil auch für andere Zwecke benützt: der Naturfreund, der Unbeugsame, der sich jedem Sturm entgegenstellt, der musikalische Revolutionär, der coole Ludwig Van in der Pop art, der politische Beethoven.

In dem Artikel Heilige Klänge und Foltermusik: Beethoven in «Clockwork Orange» heißt es unter anderem:
Beethoven war im bürgerlichen Kunstverständnis der 1970er-Jahre ein Säulenheiliger. Dies zusammenzuführen mit der Gewalt einer Jugendgang wie aber auch einer staatlichen Institution hat wohl noch heute Sprengpotenzial.

Man kann Kubricks Einsatz der «Neunten» daneben auch als kritischen Beitrag lesen zur wechselvollen Rezeptionsgeschichte dieser Sinfonie. Einer Musik, die je nach politischer Lage mal als Propaganda verwendet wurde für die Nationalsozialisten, mal als Hymne für ein vereinigtes Europa – was sie übrigens bis heute ist.

Es gibt sogar eine Badeente, die dem Künstler nachempfunden wurde (links dritte Reihe), 
und eine Beethoven-Actionfigur (letzte Reihe Mitte, neben der grantig dreinschauenden Beethoven-Puppe) ...

An der Ausstellung gefiel uns vor allem das Spielerische: Mit Hilfe eines "Mythomaten" konnten wir ein eigenes Beethovenbild erstellen (das man sich dann selber aufs Handy schickte). Edis Beethoven wurde in Marmor gekleidet, ich selbst habe den Naturliebhaber hervorgehoben, indem ich ihm ein Blätterkleid verlieh.*) Und auch die Möglichkeit, selbst eine von Beethovens Kompositionen zu "sampeln" machte uns großen Spaß.

*) Leider schaffe ich es nicht, diese Bilder hier einzufügen.

Besonders gut gefielen mir außerdem die runden "Rückzugskammern" mit unterschiedlichen Hörbeispielen des einfachsten, schwierigsten, meistgesungenen oder z.B. kürzesten Musikstücks. (Hier erfuhren wir u.a., dass die Müllabfuhr von Taiwan die Melodie von Für Elise als Signal verwendet, weil diese so eingängig ist... Herr Beethoven kann sich dagegen ja nicht mehr wehren...)


xxxxxxxxxMuseumsbesuch Nummer 2xxxxxxxxx

Musik ist höhere Offenbarung 
als alle Weisheit und Philosophie.
LvB

Mo., 10. Februar:
Haus der Musik in Wien
An diesem Tag verbanden wir einen Pflegeheimbesuch bei meiner Mutter mit dem Besuch im Haus der Musik, einem Klangmuseum im Palais Erzherzog Carl an der Seilerstätte. Hier hatte einst der Begründer der Wiener Philharmoniker - der Komponist und Dirigent Otto Nicolai (1810–1849) - seine Wohnung. Und so geht es in diesem Museum natürlich längst nicht nur um Beethoven allein - auf 5.000 m² wird man auf innovative Weise in die Welt der Musik eingeführt – von den Anfängen der menschlichen Klangerzeugung bis zur Musik der Gegenwart.

Die Fotos dieser Collage stammen von HIER

Im glasüberdachten Innenhof finden (normalerweise) das ganze Jahr über Veranstaltungen statt. Die Feststiege des historischen Palais, die in den ersten Stock hinauf führt, hat sich in ein interaktives Piano verwandelt - die bewegungssensitiven Stufen funktionieren als Tasten, und so kann man spielerisch Noten lernen, Schritt für Schritt. (Ihr könnt euch das in der viertnächsten Collage ansehen.)

Die erste Etage ist das Museum der Wiener Philharmoniker mit zahlreichen Erinnerungsstücken, Filmausschnitten aus dem Neujahrskonzert und dem Sommernachtskonzert, Dirigierstäben berühmter Dirigenten etc. Mithilfe eines interaktiven Walzerwürfelspiels kann man selbst ein Stück im 3/4-Takt komponieren - ich wusste vorher gar nicht, wie einfach komponieren ist 😜. (Aus acht zufälligen Melodie-Würfen formt sich ein persönlicher Wiener Walzer. Insgesamt stehen hier mehr als anderhalb Millionen Möglichkeiten zur Verfügung!)



Auf der zweiten Etage - der sogenannten Sonosphere -  können Besucher z.B. an verschiedenen Terminals mit Klängen und Musik experimentieren und es wird versucht, ein individuelles Hör-Bewusstsein zu schaffen (z.B. wie hört ein Mensch im Vergleich zu einer Katze, einer Eule, einer Schildkröte, einem Karpfen?). 



In der dritten Etage findet man dann endlich die großen Meister  - es werden mehrere der einst in Wien wirkenden Komponisten vorgestellt, und jeder von ihnen hat hier seinen eigenen Raum: unter anderem Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Johann Strauss (Sohn), Gustav Mahler und eben Ludwig van Beethoven. Hier kann man sich z.B. mit Beethovens Taubheit auseinander setzen, indem man durch ein Hörrohr selbst erfährt, was der Komponist in den verschiedenen Phasen seines Lebens noch hören oder eben nicht mehr hören konnte. 



Für die vierte Etage haben sich die Museumsgestalter wieder etwas sehr Spannendes einfallen lassen: Der Virtuelle Dirigent bietet die Gelegenheit, ein Orchester zu dirigieren - und zwar nicht irgendeines, sondern das berühmte Orchester der Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins!
Man stellt sich vor die Videoprojektion des Orchesters, greift sich den elektronischen Taktstock, wählt ein Musikstück und beginnt zu dirigieren. Das Orchester folgt tatsächlich den Bewegungen und auch dem Tempo des Dirigenten. Je schneller man dirigiert, umso schneller spielt das Orchester! Davon lässt man sich natürlich zu Spielereien und Blödeleien hinreißen. Aber auweia: Die Geduld des virtuellen Orchesters ist begrenzt. Wer den Takt nicht hält, wird von Maestro Zubin Mehta persönlich ausgeschimpft! 😝😅

Mehr über das Haus der Musik könnt ihr HIER erfahren.


xxxxxxxxxMuseumsbesuch Nummer 3xxxxxxxxx


Alle meine Noten bringen mich nicht aus den Nöten,
und ich schreibe Noten überhaupt nur aus Nöten.
LvB

Mi., 12. Februar:
Beethovenhaus in Baden bei Wien
Ludwig van Beethoven verbrachte 15 Jahre lang seine Sommer in "unserer" Bezirkshauptstadt Baden und bewohnte dort verschiedene Quartiere. In den Sommern der Jahre 1821, 1822 und 1823 stieg Beethoven im Haus Rathausgasse 10 zur Kur ab. In dieser Zeit (in der er sein Gehör bereits weitestgehend verloren hatte) schrieb er wesentliche Teile der Neunten Symphonie, weshalb das Beethovenhaus in Baden auch „Haus der Neunten“ genannt wird.

Bereits seit den 1960er Jahren wird das Haus als Beethoven-Gedenkstätte genutzt. Nach einer grundlegenden Sanierung wurde das neue Beethovenhaus Baden im Herbst 2014 eröffnet. Das Museum beherbergt nun eine zeitgemäße Präsentation, die den Menschen Ludwig van Beethoven ebenso erlebbar macht wie seine Musik.


Wir verbanden einen von Edis Badener Akupunkturterminen mit dem Besuch dieses Museums. Und wie ihr seht, habe ich mich outfitmäßig an die Farben des Beethovenhauses angepasst 😊


Als der Komponist dieses Haus im Jahr 1821 erstmals betrat, war er 51 Jahre alt, ein angesehener Komponist - und ein Mann mit zahlreichen Leiden. Sein Arzt hatte ihm geraten, in Baden Heilbäder zu nehmen; unter anderem plagten ihn seit Jahren Schmerzen in der Bauchgegend, Gicht und Rheuma. Das warme Wasser aus Badens Schwefelquellen brachte tatsächlich Linderung: "Mit meinem Unterleibe geht's besser; besonders wenn ich einige Tage das warme Bad brauche, befinde ich mich acht, auch zehn Tage ziemlich wohl; (...)"

    Das Tagtägliche erschöpft mich!
    Quelle: Beethoven, Briefe.
     An seinen Neffen Karl van Beethoven,
     am 23. August 1823

Manche seiner gesundheitlichen Probleme werden heute der Tatsache zugeschrieben, dass Beethoven dem Alkohol und deftigen Fleischspeisen gar zu sehr zusprach. Sein Alkoholmißbrauch führte (laut Autopsiebericht) zu einer Leberzirrhose, weiters zu Wassersucht und außerdem zu Vergiftungen (da es damals üblich war, Wein mit Bleizucker zu süßen!) 




Den Auszügen aus Beethovens Briefwechseln ist zu entnehmen, dass der Komponist durch seine zunehmende Schwerhörigkeit und andere Leiden zuweilen ziemlich niedergeschlagen war. Bereits im Juni 1801 schrieb er in einem Brief an seinen Freund Amenda: “…denn Dein Beethoven lebt sehr unglücklich; wisse, dass mir der edelste Teil mein Gehör sehr abgenommen hat…nun ist es immer ärger geworden; ob es wird wieder können geheilt werden, das steht noch zu erwarten.”

Ab dem Jahr 1818 folgte die völlige Taubheit rechts, es bestand damals noch eine Resthörigkeit links, die sich jedoch zunehmend verschlechterte. Dennoch wollte der Komponist sich nicht unterkriegen lassen.
Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen,
ganz niederbeugen soll es mich gewiß nicht.

Die von den Ärzten verordnete Ruhe fand er in der Kurstadt nicht so ganz, denn er konnte das Komponieren nicht lassen. In Baden entstanden wichtige Teile der Eroica, der Pastorale, der Missa Solemnis und (wie schon erwähnt) der Neunten Symphonie, außerdem verfasste er Kanons und musikalische Scherze für Freunde. Dennoch schrieb Beethoven aus Baden an einen Freund: "Ich hätte mein Leben nicht geglaubt, dass ich so faul sein könnte, wie ich hier bin."




O ihr Menschen, die ihr mich für feindselig 
und misanthropisch haltet und erkläret, 
wie unrecht thut ihr mir...
LvB

Der Künstler wird oft als schwieriger, streitbarer Mensch beschrieben, und ganz gewiss ist der Umgang mit ihm nicht ganz leicht gewesen. (Erst recht nicht, wenn man seine Haushälterin oder ein Dienstmädchen war - ihnen mißtraute er nämlich zuweilen.) Aufgrund erhaltener Berichte und Briefe von Freunden und Vertrauten steht aber fest, dass Beethoven zugleich ein treuer, liebevoller und geselliger Mensch war. Durch seine zunehmende Schwerhörigkeit schränkten sich seine Sozialkontakte zwar immer mehr ein, doch gerade deshalb bemühte sich Beethoven um seine schriftlichen Kontakte.

Wir Endliche mit dem unendlichen Geist
sind nur zu Leiden und Freuden geboren,
und beinahe könnte man sagen,
die Ausgezeichneten erhalten durch Leiden Freude.

1808, in einem Brief
an die gelähmte Gräfin Maria von Erdödy

In Baden nützte einige Male die Gelegenheit, Freunde, Verwandte, Musikerkollegen, Schüler, Lehrer und Verleger zu treffen oder als Gäste zu empfangen. Auch im Beethovenhaus in der Rathausstraße wurde nachweislich das eine oder andere Mahl für Beethoven und seine Freunde aufgetischt. Der gedeckte Tisch im "Speisezimmer" des Museums stellt einige seiner Gäste durch Bilder und Symbole genauer vor.




Froh bin ich wieder einmal in Gebüschen, Wäldern, 
unter Bäumen, Kräutern, Felsen wandeln zu können, 
kein Mensch kann das Land so lieben wie ich. 
Geben doch Wälder, Bäume, Felsen 
den Widerhall, den der Mensch wünscht.

In der Natur fand Beethoven Ruhe, Inspiration und Trost für seine Leiden. Das Helenental in Baden, das dem Ideal einer romantischen Landschaft entspricht, würdigte Beethoven beispielsweise mit den Worten:  
Ist es doch, als ob jeder Baum zu mir spräche auf dem Lande: Heilig, heilig! – Im Walde Entzücken! Wer kann alles ausdrücken! – Süsse Stille des Waldes!
Sommer 1806, in Baden

Neben dem Gemälde des Wiener Neustädter Kanals, das anlässlich des 100. Todestages von Beethoven entstand, hängt eine Tafel, auf der eine Anekdote über den Künstler erzählt wird. Eines Tages sei er nämlich völlig selbstvergessen entlang des Kanals gewandert, heißt es da. 

Und weiter: 
"Bei Einbruch der Dunkelheit fand er sich in Wiener Neustadt wieder, rund 30 km von Baden entfernt. Da er nicht wusste, wo er war, schaute er in die Fenster einiger Wohnhäuser. Die Leute hielten ihn für einen Bettler, weil er ohne Hut und in einem alten Mantel unterwegs war. Die Polizei verhaftete ihn. Er hörte aber nicht auf zu beteuern, er sei Beethoven, und schließlich rief man den Musikdirektor der Stadt, der ihn identifizierte. Der Bürgermeister entschuldigte sich und man brachte den Komponisten mit dem Wagen nach Baden zurück."




Wer weiß, worüber Beethoven bei seiner selbstvergessenen 30-Kilometer-Wanderung nachdachte? Womöglich ließ er sich ja wieder einmal die Vollendung seiner 9. Symphonie durch den Kopf gehen. Denn man kann wohl sagen, diese Symphonie ist sein Opus Magnum, das ihn während des Großteils seines Lebens beschäftigt hat. Schon bald nach dem Erscheinen von Schillers Gedicht An die Freude (1786) spielte Beethoven mit dem Gedanken einer Vertonung. Der Bonner Jurist Bartholomäus Fischenich, der sowohl mit Schiller als auch mit Beethoven befreundet war, schrieb im Jahr 1793 (als der Komponist gerade erst im 23. Lebensjahr stand) an Charlotte von Schiller über ein Gespräch mit Beethoven: „Er wird auch Schiller’s Freude und zwar jede Strophe bearbeiten. Ich erwarte etwas vollkommenes, denn so viel ich ihn kenne, ist er ganz für das Große und Erhabene.“

So viel Erhabenheit benötigt allerdings manchmal Jahre. Beethovens erste Skizzen zur 9. Sinfonie entstanden erst 1815. Die in Baden verbrachten Sommer 1821, 1822 und 1823 nützte Beethoven wie gesagt ebenfalls, um dort wesentliche Teile der 9. Symphonie zu schreiben. Die Vollendung der Komposition zog sich jedoch noch bis in das Jahr 1824 hin. Der vierte und letzte Satz wurde übrigens ganz in der Nähe von dort, wo ich früher gelebt habe, fertiggestellt - in Beethovens Wohnung in der Ungargasse 5 im heutigen Wiener Bezirk Landstraße.

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum!
Deine Zauber binden wieder
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Textauszug vom vierten Satz der Neunten Symphonie
nach Friedrich Schillers Ode
An die Freude 
 
Meine Lieblingsstelle der Ode An die Freude ist übrigens seit meiner Kindheit die, bei der alle Menschen Brüder werden. Wobei es mich wundert, dass sie noch nicht "gegendert" wurde 😁. (Achtung, das war ein Scherz! Natürlich nahm die feministische Linguistik an der angeblichen Frauenfeindlichkeit des Liedes bereits Anstoß. Dass es keinen Sohn aus Elysium gibt, war hingegen offenbar egal. Mir gehen solche Diskussionen auf den Sender, weil sie Frauen in die Position von "I-Tüpfel-Reitern" (und -Reiterinnen klarerweise 😜) manövrieren und von wirklich wichtigen Themen ablenken. Ich fand es auch unnötig und nervig, die Österreichische Bundeshymne zu "gendern". Viel, viel wichtiger fände ich gleiche Entlohnung bei gleicher Leistung. Darum kämpfen Frauen schon seit einer halben Ewigkeit - und werden stattdessen mit holprig umgewandelten Liedtexten abgespeist. Wenn alle Menschen sich miteinander vertragen könnten, egal ob Schwestern oder Brüder, und wenn sie die Erde mit all ihrer wunderbaren Natur als schützenswert betrachteten, wäre mir das auch um Klassen wichtiger als jede Textanpassung.) Der Österreichische Kabarettist Kurt Sowinetz löste das Textproblem auf seine unvergleichliche Weise: Alle Menschen san ma zwider - KLICK zum Lied, gesungen zu Beethovens Neunter, und KLICK zum Text (zu Deutsch: Alle Menschen sind mir zuwider - HIER geht's zum gesamten Liedertext in Hochdeutsch)

Die Bilder dieser Collage stammen von HIER

 
Aber zurück zu Beethoven: Er war ein Perfektionist und hielt sein großes Werk jahrelang vor der Öffentlichkeit zurück. Erst als 30 Wiener Musiker und Musikliebhaber zur Jahreswende 1823/24 schriftlich an Beethoven appellierten, seine neuesten Kompositionen nicht länger unter Verschluss zu halten, sondern sie in Wien aufzuführen, ließ Beethoven sich überzeugen. Die Uraufführung seiner Neunten Symphonie im Mai 1824, bei der Beethoven schon völlig taub war, sollte gleichzeitig sein letztes Konzert (und ein großer Erfolg) sein.

Im Erdgeschoß des Beethovenhauses in Baden geht es darum, den Besuchern die Neunte Symphonie auf unterschiedliche Weise zu vermitteln. Ein eigener Ausstellungsraum ist dem berühmten vierten Satz dieser Symphonie gewidmet, der Grundlage der Europahymne. Man kann sich hier u.a. die Videoprojektion einer Aufführung dieses Satzes ansehen und anhören. Was Edi und mir daran besonders gefiel, ist dass die Musik bzw. die Intention des Künstlers durch Untertitel "erklärt" wird - erst jetzt weiß ich also, dass hier zum Teil quasi "Diskussionen" zwischen den einzelnen Stimmen und Instrumenten stattfinden. Das Freude-Thema muss sich zuerst einen Weg bahnen durch die Wut, Schmerzen und Verzweiflung, die die vorhergehenden Sätze widerspiegeln. Hier könnt ihr euch in die Musik "reinhören":

https://www.youtube.com/watch?v=FzWbHpV0xjg
https://www.youtube.com/watch?v=FzWbHpV0xjg


Außerdem gibt es einen Raum, in dem die Geheimnisse des Hörens von Musik thematisiert werden. Auch hier wird wieder digital auf den Hörverlust Beethovens eingegangen und man kann mittels eines Schiebers feststellen, wie viel oder wenig er in seinen Lebensphasen zu hören vermochte. Selbst wenn man zuvor längst wusste, dass Beethoven viele Jahre seines Lebens taub war, ist es sehr berührend, so hautnah zu erfahren, wie schlimm es schon lange um sein Gehör bestellt war und welch großartige Werke er dennoch geschaffen hat.

Ihr Lieben, das war's wieder für heute! Ich hoffe, es hat euch gefallen, mich virtuell durch die drei Ausstellungen zu begleiten. Wie es aussieht, kann es relativ bald wieder möglich sein, selbst in ein Museum zu gehen - ab Mitte Mai beginnen in Österreich die ersten Ausstellungsorte wieder ihre Pforten zu öffnen. Für genauere Informationen besucht bitte die jeweiligen Websites der Museen.


Ich wünsche euch ein angenehmes April-Ende
🌿🌸🌼 und einen wunderbaren Start in den Mai! 🌿🌸🌼
 Alles Liebe, eure Traude


Gerne verlinke ich passende Beiträge bei: 
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My week in colours von Maren - Farbwunder Style, Style Splash von Emma,