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Donnerstag, 24. März 2022

Italien-Reisebericht - Perugia und Assisi (Umbrien)

HIER kommt ihr zum gesammelten Reisebericht Italien 2021.



Ciao ihr Lieben!

Vielen Dank für eure Besuche bei meinem Februar-März-Rückblick im vorigen Posting! Heute reisen wir mal wieder virtuell nach Italien. Schon in meinem vorigen Reiseberichts-Kapitel habe ich euch nach Umbrien entführt, und wie ich euren Kommentaren entnommen habe, gefiel es euch auf der Isola Maggiore im Trasimenischen See ebenso gut wie uns!

Der Tagesausflug vom 20. September 2021 war damit jedoch noch nicht beendet. Als nächstes wollten wir uns die Hauptstadt der Region Umbrien ansehen, die rund 167.000 Einwohner zählende Stadt

Sie ist nicht nur die größte Stadt Umbriens, sondern gilt auch als eine der schönsten. Die Geschichte Perugias ist äußerst wechselvoll - ihr könnt euch HIER einen Überblick verschaffen. 
 
Um ins historische Zentrum Perugias zu kommen, nahmen wir einen sehr interessanten Weg: Denn im Süden der Stadt kann man von der Piazza Partigiani aus über lange Rolltreppen durch die unterirdischen Gewölbe der Rocca Paolina fahren - eine Renaissancefestung, die 1540 von Papst Paolo III. Farnese in Auftrag gegeben wurde, um damit seine Macht zu demonstrieren.
 
Im sogenannten „Salzkrieg“ hatten sich die Peruginer geweigert, eine neue Salzsteuer zu akzeptieren, unterlagen dem Papst allerdings, und Papst Paolo III. handelte drastisch. Um diese Festung zu erbauen, wurde damals eine große Zahl etruskischer, römischer und mittelalterlicher Gebäude zerstört; die Steine der abgerissenen Häuser wurden für den Bau der Festung verwendet. Die ehemaligen Straßen des historischen Stadtzentrums wurden zu unterirdischen Gängen. 
 
Mehr als drei Jahrhunderte lang blieb Perugia dem Kirchenstaat unterworfen. Das geistige Leben erstarrte in den Akademien. Doch im 19. Jahrhundert wurde die verhasste Festung demontiert - woran man wieder einmal erkennt, dass jede Demonstration von Macht nur eine temporäre Angelegenheit ist. Niemandes Macht, und sei sie noch so brutal durchgesetzt, ist von Dauer. (Aber 300 Jahre der Unterdrückung sind leider eine lange Zeit...)
 
Die geheimnisvollen Tunnelwege blieben bestehen bzw. wurden renoviert; seit den 1980ern führen Rolltreppen durch die gewölbten Fundamente der Rocca Paolina. Die Tunnel werden seither für Ausstellungen und verschiedene Veranstaltungen genutzt; in einem der Räume sahen wir uns eine interessante Video-Installation an:


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Wie schon die toskanische Stadt Arezzo, über die ich euch HIER erzählt habe, wurde auch Perugia von den Etruskern gegründet, zählte zu den mächtigsten Städten des Etruskerreiches und gehörte dem sogenannten Zwölfstädtebund an. Von dieser Blütezeit zeugen heute noch imposante Bauwerke wie die etruskische Stadtmauer. Die ist wirklich beeindruckend, ihr werdet später einen kleinen Teil davon zu sehen bekommen.

Der Schriftsteller Henry James nannte Perugia die „kleine Stadt der unendlichen Ausblicke“ - und tatsächlich bietet sich von der auf einem 450 m hohen Hügel gelegenen Altstadt ein fantastischer Fernblick:

Der Blick zum Himmel bereitete uns an diesem Tag manchmal Sorgen - und einige, die die Bilder meines vorigen Reiseberichtskapitels gesehen haben, fragten mich, ob wir an diesem Tag noch nass wurden - aber wir hatten Glück und blieben trocken. Am Ende des Tages wurden wir noch dazu mit einem traumhaften Abendhimmel belohnt, ihr werdet sehen!

Das Herz von Perugia ist die Piazza IV Novembre, der Hauptplatz, der durch seine kantigen Gebäude eine etwas kühl wirkende Ausstrahlung besitzt. 

Auf dem Platz befindet sich eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, der reich mit Relifs verzierte rosa-weiße Marmorbrunnen Fontana Maggiore. Er wurde zwischen 1275 und 1278 von den damals führenden Bildhauern Italiens, dem Vater-Sohn-Gespann Nicola und Giovanni Pisano geschaffen. Dieses romanische Meisterwerk gilt vielen Peruginern als der schönste Brunnen der Welt. In jedem Fall ist er der wohl berühmteste aller mittelalterlichen Brunnen Italiens. Direkt daneben befindet sich der prachtvolle Palazzo dei Priori, über dessen Tor ein Löwe und ein Greif (das Stadtsymbol) die ganze Piazza überwachen. Im Inneren des Palozzos kann die Gemäldesammlung der Nationalgalerie Umbriens bewundert werden.

Auf der anderen Seite des Brunnens erheben sich die Stufen zur strengen gotischen Kathedrale, die dem heiligen Laurentius (San Lorenzo) geweiht ist. Sie war bei unserem Besuch allerdings eingerüstet bzw. mit Planen verhüllt. (HIER könnt ihr einen unverhüllten Blick darauf werfen.) Das hinderte uns jedoch nicht daran, einen Blick ins Innere des Doms von Perugia zu werfen:

Im übrigen flanierten wir durch die engen und teilweise sehr steilen Gassen Perugias, gönnten uns in einem der zahlreichen einladenden Lokale eine Pizza und begegneten auch dem einen oder anderen Vierbeiner. Der kleine Spitz wurde in einem Hundebuggy spazieren geführt und blickte uns von dort sehr freundlich entgegen, der andere Hund lief auf sehr selbständige Weise durch sein Viertel bzw. ruhte sich ab und zu aus, wenn ihm danach war. Er weiß aber offenbar immer, um welche Zeit er zu Hause sein soll, denn auf dem Gelenk der Vorderpfote trug er eine Armbanduhr 😁:

Ein Bauwerk, das wir unbedingt sehen wollten, ist der Arco Etrusco (der Etruskische Bogen), der auch als Etruskisches Tor oder Augustusbogen bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um ein zehn Meter hohes Stadttor aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. in der alten etruskischen Stadtmauer von Perugia (siehe Mitte der folgenden Collage). Das Stadttor wurde in der mächtigen Stadtmauer errichtet, um Angreifern aus dem Norden zu demonstrieren, dass der Weg nach Rom gut bewacht war. Die Aufbauten auf dem linken Turm stammen aus der Renaissance. Auch ein paar andere Tore habe ich für Novas T in die neue Woche fotografiert:

 Für Arti habe ich wieder ein paar Schilder mitgebracht:

 

Hier noch einige weitere Impressionen aus Perugia, die wir bei unserem Stadtbummel gesammelt haben:

Danach ging es unserem nächsten Ziel entgegen, denn nur etwa eine halbe Stunde von Perugia entfernt liegt die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt

Der Ort wurde im Jahr 399 v. Chr. von den Römern kolonisiert und terrassenförmig auf einem Felsrücken des Monte Subasio ausgebaut. Hier könnt ihr schon einen Blick auf den grünen Hügel werfen:

In der folgenden Collage seht ihr links ein Foto, das ich aus dem fahrenden Auto aufgenommen habe, nachdem wir das Stadttor durchquert hatten. Die Gassen, durch die wir fuhren, waren zeitweise so eng, dass wir uns allesamt nicht vorstellen konnten, dass man hier überhaupt fahren darf (oder dass man hier nicht zumindest eine Sondergenehmigung für Anwohner brauchte). Doch da wir bis heute kein Strafticket bekommen haben, dürften wir tatsächlich auf legalen Straßen unterwegs gewesen sein.

Die verwinkelten Gassen und altertümlichen Bauwerke sämtlicher Epochen erzählen von einer langen Entstehungsgeschichte. Im Jahr 1181 oder 1182 wurde hier der bekannteste Sohn der Stadt als Giovanni Battista Bernardone geboren - besser bekannt ist er allerdings als Franziskus von Assisi, der in der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird. Er ist Begründer des Franziskanerordens, und seinetwegen ist die umbrische Kleinstadt ein bedeutender Wallfahrtsort. 

Nicht ganz so bekannt ist die Tatsache, dass hier (1193 oder 1194) auch Klara von Assisi geboren wurde; sie war die Gründerin des kontemplativen Ordens der Klarissen und eine ziemlich durchsetzungsbewußte Frau. Ihr seht oben den Glockenturm der Basilika Santa Chiara; diese Kirche und das danebenliegende Kloster wurden der heiligen Klara von Assisi geweiht.

Auch hier schlenderten wir einfach ohne besonderes Ziel durch die Gassen, warfen da und dort einen Blick in einen Laden oder eine kleinere Kirche und erfreuten uns an dem Blumenschmuck, den es bei so vielen Fenstern zu sehen gab:

Wir gelangten ans westliche Ende der Stadt, wo zu Ehren des Heiligen Franz von Assisi die Basilika San Francesco erbaut wurde; hier befindet sich auch seine letzte Ruhestätte. Das Gotteshaus zählt zu den bedeutendsten in ganz Italien und führt viele Pilger nach Umbrien.

Blick in das Hauptschiff der Oberkirche mit dem berühmten Freskenzyklus, der (wahrscheinlich) von Giotto stammt.

Wir bekamen direkt gegenüber der (gut bewachten) Basilika einen wunderschönen Sitzplatz in der pflanzenumrankten Nische eines Ristorantes - und konnten von dort dem allmählichen Sinken der Sonne zusehen - erste Reihe fußfrei, quasi. [Falls euch auf den Fotos auffällt, dass ich hier einen anderen Sonnenhut trage als zuvor: Mein breitkrempiger Hut hatte leider Auflösungstendenzen gezeigt, deshalb habe ich mir in Perugia bei einem Straßenhändler dieses schmalkrempige Hütchen gekauft.]

In den folgenden beiden Collagen seht ihr noch weitere Himmelsstimmungsbilder - Sonnenuntergänge an wolkigen Tagen sind um ein vielfaches interessanter als an wolkenlosen Tagen, und so konnten wir uns kaum sattsehen. Selbst bei der Rückfahrt zu unserem Urlaubsquartier fotografierten wir noch aus dem Auto den leuchtenden orangen Himmel. Hier nur ein paar Beispiele von vielen:


 

Und so ging ein weiterer interessanter und schöner Tag zu Ende. Ich hoffe, es hat euch wieder Freude bereitet, mit dabei gewesen zu sein! Der Urlaub war zum Glück noch längst nicht vorbei - und so werde ich euch demnächst von unseren weiteren italienischen Abenteuern berichten!

 

 Fotos von Brigitte, Edi und mir
Ciao & Arrivederci,

  T  r  a  u  d  e




Gerne verlinke ich passende Beiträge:
beim Mosaic Monday, Artis Schilderwald-Linkup, Wednesday around the World bei Pieni Lintu, bei My Corner of the World, Naturdonnerstag - bei Elke, Friday Bliss - bei Riitta von Floral Passions, Saturday's Critters bei Eileen, bei der Gartenglück-Linkparty, I’d Rather B Birdin’, Garden Affair - bei Jaipur Garden, Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche, Heidis Aktion Himmelsblick, Colour-Energy von Maren - Farbwunder Style, Ich seh rot oder Close to the Ground bei Jutta,  All good things are blue bei Anne, Mein Freund, der Baum - bei Astrid

 

 


Donnerstag, 10. März 2022

Kleine Auszeit (mit Hindernissen) in Marienbad

Servus ihr Lieben!

Ich hoffe, ihr seid gut in den März gestartet! Edi und ich gönnten uns zum Märzbeginn ein paar Tage Wellness-Urlaub im Tschechischen Kurort Mariánské Lázně (im deutschsprachigen Raum allgemein unter dem Namen Marienbad bekannt). Auch einen Abstecher nach Karlovy Vary (zu deutsch Karlsbad) haben wir unternommen.

Ich möchte versuchen, mich halbwegs kurz zu halten (für meine Begriffe 😉) - falls ihr mehr über die wechselvolle Geschichte der beiden Kurorte im Westböhmischen Bäderdreieck wissen wollt, klickt bitte auf die eingefügten Links.

Auf der Hinreise legten wir einen Zwischenstop beim schönen Stausee Ottenstein ein:


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Ich hoffe, dass man auf dem Gehsteig beim Purzelkamp nicht hinpurzelt... 😉

 

Wir hatten auch einen Kurzbesuch bei Martin, einem Prager Kollegen Edis, eingeplant. Leider hatten wir auf dem Weg dorthin (11,6 km vor unserem Ziel) einen kleinen Unfall - der LKW auf dem Foto fuhr uns den Seitenspiegel kaputt und beging Fahrerflucht. Aus dem "kurzen Treffen" mit Martin wurde ein etwa zweistündiges gemeinsames Warten auf die Polizei bei Minusgraden. Wir waren heilfroh, dass sich Martin als Dolmetscher zur Verfügung stellte und dass ich geistesgegenwärtig den LKW fotografiert hatte. (Das KFZ-Kennzeichen war in der Vergrößerung lesbar.)

Der Fluss ist die Moldau.

Unser Hotel in Marienbad, gefunden über "Secret Escapes":

Bei dem gebuchten Paket waren ein paar Behandlungen, z.B. Massagen, dabei - und zum Glück auch Sauna, denn beim Warten auf die Polizei hatten wir uns beide erkältet. (Die Laune ließen wir uns dadurch aber auch nicht verderben. Unser Covidtest war übrigens negativ, es war also wirklich nur eine "normale" Verkühlung. Und die Sauna sowie Hühnersuppe halfen beim Gesundwerden.)

Das Hotel sah sehr stilvoll aus. Unser Zimmer war dafür winzig und unpraktisch 😉 Frühstück und Abendessen gab's im Hotel (Buffet).
 
Marienbad:
Von diesem schönen Ort habe ich vor Jahren in einem Blog Fotos gesehen, und seither wollte ich dort hin. Die Gebäude, die größtenteils um 1900 entstanden, sind einfach eine Pracht.

Die Maxim Gorki Kolonnade (Hauptkolonnade) ist eines der Wahrzeichen von Marienbad. Der Brunnen davor ist die "Singende Fontäne"; ihre Musik und das farbig beleuchtete Wasserspiel können leider erst ab Ende April bewundert werden:

 

Nennt mich kitschig - aber ich liebe den Stil der Kolonnade! Nein, nicht nur - ich liebe den Stil von ganz Marienbad!


Außerdem finde ich es schön, dass man hier binnen weniger Minuten von Edinburgh nach Milano, von Salzburg nach Paris, bis zum Pazifik und sogar zum Mars reisen kann...

 

Für Novas "T in die neue Woche" habe ich ein paar Marienbader Tore gesammelt:

  

Bei einem Hotel sahen wir, dass die tschechische Flagge mit jener der Ukraine verbunden worden war - offenbar eine Sympathiekundgebung mit dem von Putin überfallenen Land und seinen Menschen. Auch das fand ich schön. Solche Bekundungen sahen wir in der Folge noch weitere. 

In der unteren Collage seht ihr ein paar Schilder - u.a. ein besonders schön verziertes, das zum Denkmal des Carolus Reitenberger gehört, dem Begründer des Kurortes Marienbad. Das Kolonada-Schild und auch das schmucke Pärchen gehören zu einem Waffel-Laden: Die Marienbader Oblaten sind eine tschechische Spezialität seit 1856. (Und auch im Kurort Karlsbad haben Oblaten Tradition.) Edi bevorzugt Oblaten mit Vanille, ich die mit Haselnüssen oder Schokolade. 

Ein anderer Laden, der mein Interesse erweckte, war der mit den kunstvoll verzierten Schuhen und Taschen. Aber natürlich habe ich wieder nix gekauft, nur fotografiert 😊 Dafür haben wir uns an einem Tag im gemütlichen Lokal Česká Hospůdka ein Mittagessen gegönnt: Wir ließen uns die halbe Ente mit Knödel-Variationen auf zwei Tellern servieren - das war mehr als genug für uns. (Danach waren wir pappsatt - an den anderen Tagen aßen wir mittags lieber nur Suppe.) Das Pilsner Urquell mochte ich auch! 🍺

Viele der Häuser in Marienbad wurden liebevoll restauriert, aber nicht alle. Doch auch die maroden Bauten  besitzen eine gewisse heruntergekommene Schönheit:

Sehenswert fanden wir auch die Russisch-orthodoxe Kirche von Marienbad. Sie ist dem Heiligen Wladimir geweiht. Wir richteten ein Stoßgebet an den Heiligen - auf dass er seinen Namensvetter Wladimir Wladimirowitsch Putin zur Vernunft bringen und dessen Krieg mit dem anderen Namensvetter Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj (Russisch: Wladimir Alexandrowitsch Selenski) beenden möge. Nachdem ich mir in Wikipedia die Vita des Heiligen Wladimir durchgelesen habe, bin ich mir allerdings nicht mehr so sicher, ob dieser Mann der richtige Ansprechpartner im Zusammenhang mit friedlicher Konfliktbeilegung ist...

In jedem Fall wünsche ich den Ukrainern ein Großaufgebot an Schutzengeln und jeden himmlischen Beistand, der sonst noch zu bekommen ist.

Unten seht ihr mich neben einer Statue - es handelt sich um den österreichischen Kaiser Franz Josef I. (mal wieder 😉). Edi posierte neben der Statue von König Edward VII fürs Foto. (Die beiden Hoheiten waren hier Kurgäste, ebenso wie Goethe, Kafka, Zar Nikolaus II. und viele andere berühmthe Menschen.) Die Statuengruppe wurde geschaffen zum 110. Jahrestag des Treffens vom Kaiser Franz Joseph I. und König Edward VII.

Marienbad wird gern als eine Stadt im Park und ein Park in der Stadt bezeichnet; es gibt hier viele Möglichkeiten, in gepflegten Grünanlagen und kleinen Waldstücken spazieren zu gehen. Auch wir nützten das sonnige Wetter für mehrere Spaziergänge. Allerdings war es bitterkalt, weshalb an schattigen Plätzen noch Schnee lag und Edi sich meine Alpaka-Mütze auslieh. (Seine wärmende Kopfbedeckung hatte er vergessen 🥶.) Unter anderem kamen wir zu einem sehenswerten alten Friedhof mit vielen schmucken Grabsteinen. Der Teil mit den Gräbern gefallener Soldaten aus dem 2. Weltkrieg gibt zur Zeit ganz besonders zu denken...


 
Karlsbad:
An unserem vierten Urlaubstag hatten wir nur morgens einen Massagetermin, der restliche Tag war frei, also unternahmen wir einen Ausflug nach Karlovy Vary. Die Stadt ist viel größer als Marienbad, weniger "schnuckelig", aber auch hier gibt es viele sehenswerte Gebäude, gesunde Trinkbrunnen, schmucke Kolonnaden. Von den unzähligen Fotos, die ich in Karlsbad aufgenommen habe, will ich euch zumindest einen kleinen Auszug zeigen. 
 

Es gibt dort mehrere Verkaufsstände für Trinkbecher aus Porzellan - um aus den Quellen trinken zu können. 
Ich trank aus der hohlen Hand. Das Wasser war warm bis heiß und schmeckte sehr eisenhaltig.



Auf der Abdeckung des Brunnens beim Obelisken sahen wir weitere Bekundungen der Trauer und der Sympathie für die Ukraine und die Opfer dieses Krieges. Auch einem kleinen Hund mit Halsschleife in den Ukraine-Flaggenfarben begegneten wir auf unserem Streifzug (leider ohne Foto). 

Die Figur, die ihr neben dem Foto des Obelisken seht (links auf einem Schild und rechts als lebensgroße Puppe) stellt den "braven Soldaten Schwejk" dar (tschechisch: Švejk), den Hauptprotagonisten eines antimilitaristischen Schelmenromans von Jaroslav Hašek. (Ich kenne allerdings nur die Verfilmungen mit Heinz Rühmann und mit Fritz Muliar.) Ob auch der Umstand, dass die lebensgroße Puppe eine Uniform trägt und in einem Rollstuhl sitzt, ein Kommentar zum Krieg in der Ukraine ist, weiß ich leider nicht, aber es könnte sein. Entdeckt haben wir die Figur und das Schild jedenfalls vor einem Restaurant namens U Svejka, in dem wir uns eine von vielen Hühnersuppen dieses Kurzurlaubs gönnten. (Das Lokal ist nostalgisch und mit den ebenfalls sehr bekannten Schwejk-Illustrationen von Josef Ladas ausgestattet; die Suppe war gut 😊)

Karlsbad ist um einiges größer als Marienbad - und es gibt hier auch mehr Bausünden. Man mag von moderner Architektur halten, was man möchte, aber in einen Ort, der von schmucken historischen Gebäuden geprägt wird, lieblos riesige Betonklötze hineinzuklatschen, empfinde ich als Sakrileg. (Und solche Dinge passierten und passieren ja nicht nur im ehemaligen Ostblock.) Die größte Sünde, die uns in diesem Zusammenhang unterkam, war das Hotel Thermal aus den 1970ern. Ich musste laut auflachen, als ich auf der Website des Hotels die schmeichelhafte Bezeichnung "eine Perle des Brutalismus" las 😂 - man kann sich wirklich alles schönreden. (Wie ihr vielleicht noch von meiner Erwähnung der Wotrubakirche wisst (Klick zum Foto), wird die Bezeichnung Brutalismus vom französischen Begriff béton brut - roher Beton, Sichtbeton - abgeleitet.)

Viel erfreulicher als den Anblick des "brutalen" Gebäudes fand ich jedenfalls die Enten, die sich im und um den Fluss Teplá tummelten:

Und obwohl der Gedanke an Russland zur Zeit einen unangenehmen Beigeschmack mitbringt, kann ich mich immer wieder für den Anblick der Zwiebeltürme von russisch-orthodoxen Kirchen begeistern. Das war schon in St. Petersburg und Tallinn so, und auch die St. Peter und Paul-Kirche von Karlsbad gefiel uns sehr gut (auch von innen - doch hier durfte man nicht fotografieren).

 

Ebenfalls auffallend waren in Karlsbad die zahlreichen kunstvollen Graffiti und Murals, die mir größtenteils sehr gut gefielen:

Zum Schluss kommt noch ein kurzer Blick auf meine mitgebachte Kurzurlaubs-Garderobe. Die Fotos sind leider nicht sehr gut - wir haben sie vor einem farblich unpassenden Vorhang (bräunliches Orange) in unserem Zimmer gemacht, den ich deshalb in schwarzweiß zu konvertieren versucht habe. Aber ich denke, man kann erkennen, dass ich mich vor allem auf Grün-, Lila und Weinrot-Töne konzentriert habe. Ich hätte damit noch wochenlang weiter kombinieren können. (Und nein, mein Koffer war NICHT groß, ich habe meine Sachen wieder gerollt - wie HIER gezeigt.) Sämtliche Kleidungsstücke sind schrankgeshoppt und schon einige Jahre bei mir. Der schwarze Stepp-Mantel, den ihr oben gesehen habt, ist auch nicht neu, sondern hing längere Zeit unbeachtet in unserem Keller. Für diesen Urlaub habe ich ihn reaktiviert.


Das war's für heute, ihr Lieben - ich hoffe, ihr habt uns gerne auf unserem Kurztrip begleitet, der zwar nicht ganz ungetrübt, aber dennoch eine willkommene Ablenkung von der derzeit recht beunruhigenden Situation in Europa war. Hier und hier findet ihr noch ein paar weitere Infos über Sehenswertes in Marienbad.

 

Alles Liebe,

💗 eure   T  r  a  u  d  e 💗 




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Freitag, 25. Februar 2022

Italien-Reisebericht - Trasimenischer See, Schifffahrt zur Isola Maggiore (Umbrien)

Ihr Lieben, im Moment halten uns die Nachrichten aus der Ukraine in Atem. Dazu kann ich euch im PS eine Petition bieten. Den Blogbeitrag über einen weiteren schönen Tag in Italien habe ich schon an den Tagen davor geschrieben...  Möge er euch Ablenkung vom Tagesgeschehen bringen...


HIER kommt ihr zum gesammelten Reisebericht Italien 2021.



Ciao ihr Lieben!

So viele wunderbare Kommentare zu meinem 8. Italien-Kapitel Relax-Tag, Geburtstags-Mittagessen und Ausflug nach Arezzo - ich danke euch sehr dafür! Machen wir gleich weiter mit dem Reisebericht? Ja?! 😀 Also dann - los geht's! 

Für den 20. September 2021 hatte sich meine Freundin Brigitte wieder einen ganz besonderen Tagesausflug ausgedacht. Diesmal blieben wir allerdings nicht in der Toskana:  Der Ausflug führte uns nach Umbrien - denn diese Region war von unserem Urlaubsort nicht allzu weit entfernt. Unter anderem ging es in die Provinzhauptstadt Perugia und nach Assisi - doch bevor wir diese beiden Städte besuchten, fuhren wir an einen wunderschönen See, den Lago Trasimeno, und dort mit einem Schiff auf die zweitgrößte Insel des Sees, die Isola Maggiore. Weil dieser Teil des Ausflugs für mich eines der Highlights der Italienreise war, widme ich ihm ein eigenes Kapitel.


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Der Ausflug fing schon gut an - denn gleich zu Beginn der Fahrt kamen wir an einer großen Schafsweide vorbei, und ihr wisst ja bereits, dass ich diese wolligen Viecher liebe. Den Schafen war unser Fotostop egal - die wachsamen Hirtenhunde allerdings trabten sofort heran und verbellten uns. Sehr brav, sie sind ja dazu da, die Schäfchen zu beschützen 🐕! Wir wollten allerdings keine Schafe stehlen, sondern nur ein paar Fotos aufnehmen, und davon ließen wir uns nicht abhalten 😉😎.

Ich behaupte manchmal, dass ich in einem früheren Leben entweder ein Schafhirte war - oder ein Schaf 🐑. Aber vielleicht war ich auch mal ein Seemann. Denn eine Schifffahrt erzeugt bei mir für gewöhnlich ebensolche glücklichen und vertrauten Gefühle wie die Begegnung mit Schafen.

Zwar ist Umbrien die einzige Region Italiens, die keine Meeresküste hat, doch zum Ausgleich gibt es hier den viertgrößten See Italiens, den 

Er ist 128 km² groß, bis zu 7 Meter tief, es leben 18 Fischarten darin und es gibt in dem See drei Inseln. Die größte - die Isola Polvese - ist zu weiten Teilen ein Naturschutzgebiet, aber auch eine beliebte Ferienregion. Wenn ich mir die Bilder im Internet ansehe, denke ich, dass ich mich auf dieser Insel auch sehr wohlfühlen könnte. Die unbewohnte Isola Minore ist die kleinste der drei - sie befindet sich in Privatbesitz und darf nicht betreten werden. Auf ihr befindet sich eine Brutkolonie von Kormoranen. 
 
... ist trotz ihres Namens ("größere Insel", "Hauptinsel") nur die zweitgrößte Insel im Lago Trasimeno, die einzige bewohnte Insel des Sees und eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region. Man kann sie von Tuoro, Passignano sowie Castiglione del Lago mit regelmäßig verkehrenden Schiffen erreichen.

Blick auf die Isola Maggiore und Blässhühner (Fulica atra) im Trasimener See.

Weil noch etwas Zeit war, bis unsere Fähre anlegte, konnten wir uns noch die Steinskulpturen am Ufer des Sees ansehen:

Und dann ging's los in Richtung Isola Maggiore. Am Foto von mir in der folgenden Collage ist zu erkennen, dass ich diesmal mit unserer Nikon Coolpix P900 unterwegs war. Diese Kamera hat den großen Vorteil, dass sie leicht ist und dass ich mit dem 83-fach-Zoom z.B. diverse Wasservögel optisch näher heranziehen kann. Allerdings werden Bilder nicht so brilliant wie mit unseren "üblichen" Kameras Nikon D5100 und Nikon D5300 und man muss sie in der Nachbearbeitung stärker aufhellen sowie die Kontraste stärker herausarbeiten.

Die Insel ist spätestens seit römischer Zeit bewohnt. Die Häuser des malerischen Fischerdorfes, auf das man direkt nach der Ankuft  stößt, stammen größtenteils aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Der Vogel, den ihr hier seht, ist ein Haubentaucher (Podiceps cristatus) im Prachtkleid. [Gerne nenne ich den Vogel 
auch "Taubenhaucher". Sprecht mir nach: "Haubentauchertaubenhaucherhaubentaucher..." 😂]

Es gibt hier eine einzige – autofreie – Wohnstraße, die Via Guglielmi. Diese gingen wir in Richtung des Castello Guglielmi entlang, das sich im südlichen Teil der Insel befindet. Auf dem Weg dorthin kann man einiges entdecken - z.B. Gänse, die eine Mischung aus Körperpflege und Morgensport betreiben, hübsche alte Blechbriefkästen, bepflanzte Fahrräder und anderen Blumenschmuck sowie diverse Verzierungen und Schilder an Häusern und Mauern.

 
Was die Schilder betrifft, war ich auf Google Translate angewiesen, da ich kein Italienisch beherrsche. Der Spruch auf dem linken Schild "Vieni tu dal ciela profondo o sorgi dall'abisso bellezza?" bedeutet offenbar: "Kommst du aus den Tiefen des Himmels oder erhebst du Schönheit aus dem Abgrund?"
 
Beim zweiten Spruch bin ich mir nicht sicher, ob bei der Übersetzung etwas fehlt, es ist jedenfalls kein vollständiger Satz... vielleicht ist es aber auch ein Zitat aus einem Buch oder Theaterstück?
"Ma sedendo e mirando interminati spazi di la da quella, e sovrumani silenzi, e profondissima qiete."
"Aber das Sitzen und Blicken in endlose Weiten dahinter und übermenschliche Stille und sehr tiefe Ruhe."
 
(Falls ihr mehr darüber wisst, freue ich mich über Tipps.)

Erstaunt und erfreut waren wir über die zahlreichen frei auf der Insel umherlaufenden Fasane (Phasianus colchicus), die hier zwar offenbar wild leben, aber teilweise sehr zutraulich auf uns wirkten.

Beim Castello Guglielmi - auch Villa Isabella genannt - standen wir vor einem verschlossenen Tor; das Schloss kann offenbar weder von außen noch von innen besichtigt werden. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war die luxuriöse Villa mit rund 200 Räumen, 76 Schlafsälen und ebensovielen Badezimmern, Theatersaal, Gemälde- und Waffensammlungen ein Treffpunkt der Reichen und Schönen. Im Jahr 1904 schuf Elena Guglielmi hier eine Werkstatt für irische Spitze und setzte damit einen Grundstein für die auch heute noch in der Gegend betriebene Spitzenverarbeitung. In den 1960er- oder 70er-Jahren wurde das Schloss verlassen und die Inneneinrichtung entfernt; es verkam zur Ruine, doch es gab einige Wiederbelebungsversuche. Das Gebäude scheint, nachdem der letzte Besitzer in Konkurs ging und die Renovierung nicht fortführen konnte, weiterhin zum Verkauf stehen. HIER könnt ihr mehr über die Geschichte der Villa lesen.

Entlang der Schlossmauer - und später entlang eines Hügels - führt ein steiniger Pfad in Richtung der Kirche von San Michele Arcangelo, die sich am höchsten Punkt der Insel befindet (307 Meter über dem Meeresspiegel und 48 Meter über dem See). Der Weg wird gesäumt von uralten Olivenbäumen, die sich teilweise auf bizarre Weise verrenken. Ich fand den Weg atemberaubend schön. Auch hier liefen uns immer wieder Fasane über den Weg, und manche von ihnen waren weder menschenscheu noch kamerascheu.

Nach einigen Fotostops erreichten wir die vorhin erwähnte gotische Kirche Pieve di San Michele Arcangelo. (Wie wir spätestens seit meinem Beitrag über Arezzo wissen, war eine Pieve im Mittelalter eine Kirche mit besonderen Rechten, beispielsweise dem Recht zur Taufe und Bestattung.) Der heutige Bau stammt aus dem 13. Jahrhundert. Es heißt, dass man darin Fresken aus dem 13. bis 16. Jahrrhundert findet, allerdings war die Kirche bei unserem Besuch geschlossen. 

Möglicherweise fragt ihr euch, weshalb ich den Ausflug so toll gefunden habe, obwohl wir weder das Schloss besichtigen noch in die Kirche hinein konnten. Es lag wohl an der Atmosphäre der Insel und an der Natur dort. Mit ihren knorrigen wunderschönen Olivenbäumen, den halb zahmen Fasanen, dem Blick auf den See, den uralten Steingebäuden, den sommerlichen Gerüchen, der autofreien Stille, den wenigen anderen Besuchern ... fühlte sie sich ein wenig verzaubert an ... und auch ein bisschen wie aus einer anderen Zeit...

Gegen Ende unseres Rundgangs stießen wir nicht nur auf einen weiteren zutraulichen Fasan (genauer gesagt, auf eine Fasanendame, die neugierig auf Edi zutrippelte 😊), sondern auch auf die romanische Kirche San Salvatore. Das steinerne Portal zeigt Figuren und Dekorationen aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Auch hier war das Tor verschlossen.

 

Letztendlich entdeckten wir bei unserer Rückkehr in die Via Guglielmini dann doch noch eine Kirche, in die wir hinein konnten: Die Kirche Buon Gesù wurde im 14. Jahrhundert als Oratorium von der Laienbrüderschaft „Confraternita di Santa Maria“ errichtet. Im 17. und 18. Jahrhundert  wurden sowohl das Kircheninnere als auch die Fassade umgestaltet.

Beim steinigen Seeufer knipsten wir noch ein Selfie und bei einem Andenkenstand probierte Edi einen Sonnenhut an - steht ihm gut, oder? Er kaufte ihn allerdings nicht, weil er ohnehin einen ähnlichen Hut besitzt (aber leider nicht mithatte).

Dann spazierten wir zur Bootsanlegestelle zurück, und schon bald brachte uns die Fähre wieder ans Festland, wo wir diesen eleganten Silberreiher beobachten konnten.


Den heutigen Abschluss bildet diese witzige Möwen-Parade:

Der Tagesausflug selbst ist aber natürlich noch nicht vorbei - demnächst geht es weiter mit Perugia und Assisi! Für heute lasse ich euch liebe Grüße da und hoffe, ihr hattet Spaß an unserem Insel-Trip!


 Fotos von Brigitte, Edi und mir
Ciao & Arrivederci,

  T  r  a  u  d  e




Gerne verlinke ich passende Beiträge:

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PS: 

In diesem Augenblick werden Zivilisten getötet, weil Putin glaubt, die Welt sei zu gespalten, um ihn zur Verantwortung zu ziehen. Zeigen wir ihm, dass er sich irrt, mit einem riesigen, dringenden offenen Brief, in dem Menschen überall auf der Welt ihre Regierungen auffordern, weitreichende Sanktionen über Moskau zu verhängen. Fügt eure Namen mit einem Klick hinzu und teilt den Aufruf überall, um die Demokratie zu verteidigen und den Menschen in der Ukraine in ihrer dunkelsten Stunden beizustehen! Hier geht es zur Petition: https://secure.avaaz.org/campaign/de/stop_the_war_loc/