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Donnerstag, 10. März 2022

Kleine Auszeit (mit Hindernissen) in Marienbad

Servus ihr Lieben!

Ich hoffe, ihr seid gut in den März gestartet! Edi und ich gönnten uns zum Märzbeginn ein paar Tage Wellness-Urlaub im Tschechischen Kurort Mariánské Lázně (im deutschsprachigen Raum allgemein unter dem Namen Marienbad bekannt). Auch einen Abstecher nach Karlovy Vary (zu deutsch Karlsbad) haben wir unternommen.

Ich möchte versuchen, mich halbwegs kurz zu halten (für meine Begriffe 😉) - falls ihr mehr über die wechselvolle Geschichte der beiden Kurorte im Westböhmischen Bäderdreieck wissen wollt, klickt bitte auf die eingefügten Links.

Auf der Hinreise legten wir einen Zwischenstop beim schönen Stausee Ottenstein ein:


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Ich hoffe, dass man auf dem Gehsteig beim Purzelkamp nicht hinpurzelt... 😉

 

Wir hatten auch einen Kurzbesuch bei Martin, einem Prager Kollegen Edis, eingeplant. Leider hatten wir auf dem Weg dorthin (11,6 km vor unserem Ziel) einen kleinen Unfall - der LKW auf dem Foto fuhr uns den Seitenspiegel kaputt und beging Fahrerflucht. Aus dem "kurzen Treffen" mit Martin wurde ein etwa zweistündiges gemeinsames Warten auf die Polizei bei Minusgraden. Wir waren heilfroh, dass sich Martin als Dolmetscher zur Verfügung stellte und dass ich geistesgegenwärtig den LKW fotografiert hatte. (Das KFZ-Kennzeichen war in der Vergrößerung lesbar.)

Der Fluss ist die Moldau.

Unser Hotel in Marienbad, gefunden über "Secret Escapes":

Bei dem gebuchten Paket waren ein paar Behandlungen, z.B. Massagen, dabei - und zum Glück auch Sauna, denn beim Warten auf die Polizei hatten wir uns beide erkältet. (Die Laune ließen wir uns dadurch aber auch nicht verderben. Unser Covidtest war übrigens negativ, es war also wirklich nur eine "normale" Verkühlung. Und die Sauna sowie Hühnersuppe halfen beim Gesundwerden.)

Das Hotel sah sehr stilvoll aus. Unser Zimmer war dafür winzig und unpraktisch 😉 Frühstück und Abendessen gab's im Hotel (Buffet).
 
Marienbad:
Von diesem schönen Ort habe ich vor Jahren in einem Blog Fotos gesehen, und seither wollte ich dort hin. Die Gebäude, die größtenteils um 1900 entstanden, sind einfach eine Pracht.

Die Maxim Gorki Kolonnade (Hauptkolonnade) ist eines der Wahrzeichen von Marienbad. Der Brunnen davor ist die "Singende Fontäne"; ihre Musik und das farbig beleuchtete Wasserspiel können leider erst ab Ende April bewundert werden:

 

Nennt mich kitschig - aber ich liebe den Stil der Kolonnade! Nein, nicht nur - ich liebe den Stil von ganz Marienbad!


Außerdem finde ich es schön, dass man hier binnen weniger Minuten von Edinburgh nach Milano, von Salzburg nach Paris, bis zum Pazifik und sogar zum Mars reisen kann...

 

Für Novas "T in die neue Woche" habe ich ein paar Marienbader Tore gesammelt:

  

Bei einem Hotel sahen wir, dass die tschechische Flagge mit jener der Ukraine verbunden worden war - offenbar eine Sympathiekundgebung mit dem von Putin überfallenen Land und seinen Menschen. Auch das fand ich schön. Solche Bekundungen sahen wir in der Folge noch weitere. 

In der unteren Collage seht ihr ein paar Schilder - u.a. ein besonders schön verziertes, das zum Denkmal des Carolus Reitenberger gehört, dem Begründer des Kurortes Marienbad. Das Kolonada-Schild und auch das schmucke Pärchen gehören zu einem Waffel-Laden: Die Marienbader Oblaten sind eine tschechische Spezialität seit 1856. (Und auch im Kurort Karlsbad haben Oblaten Tradition.) Edi bevorzugt Oblaten mit Vanille, ich die mit Haselnüssen oder Schokolade. 

Ein anderer Laden, der mein Interesse erweckte, war der mit den kunstvoll verzierten Schuhen und Taschen. Aber natürlich habe ich wieder nix gekauft, nur fotografiert 😊 Dafür haben wir uns an einem Tag im gemütlichen Lokal Česká Hospůdka ein Mittagessen gegönnt: Wir ließen uns die halbe Ente mit Knödel-Variationen auf zwei Tellern servieren - das war mehr als genug für uns. (Danach waren wir pappsatt - an den anderen Tagen aßen wir mittags lieber nur Suppe.) Das Pilsner Urquell mochte ich auch! 🍺

Viele der Häuser in Marienbad wurden liebevoll restauriert, aber nicht alle. Doch auch die maroden Bauten  besitzen eine gewisse heruntergekommene Schönheit:

Sehenswert fanden wir auch die Russisch-orthodoxe Kirche von Marienbad. Sie ist dem Heiligen Wladimir geweiht. Wir richteten ein Stoßgebet an den Heiligen - auf dass er seinen Namensvetter Wladimir Wladimirowitsch Putin zur Vernunft bringen und dessen Krieg mit dem anderen Namensvetter Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj (Russisch: Wladimir Alexandrowitsch Selenski) beenden möge. Nachdem ich mir in Wikipedia die Vita des Heiligen Wladimir durchgelesen habe, bin ich mir allerdings nicht mehr so sicher, ob dieser Mann der richtige Ansprechpartner im Zusammenhang mit friedlicher Konfliktbeilegung ist...

In jedem Fall wünsche ich den Ukrainern ein Großaufgebot an Schutzengeln und jeden himmlischen Beistand, der sonst noch zu bekommen ist.

Unten seht ihr mich neben einer Statue - es handelt sich um den österreichischen Kaiser Franz Josef I. (mal wieder 😉). Edi posierte neben der Statue von König Edward VII fürs Foto. (Die beiden Hoheiten waren hier Kurgäste, ebenso wie Goethe, Kafka, Zar Nikolaus II. und viele andere berühmthe Menschen.) Die Statuengruppe wurde geschaffen zum 110. Jahrestag des Treffens vom Kaiser Franz Joseph I. und König Edward VII.

Marienbad wird gern als eine Stadt im Park und ein Park in der Stadt bezeichnet; es gibt hier viele Möglichkeiten, in gepflegten Grünanlagen und kleinen Waldstücken spazieren zu gehen. Auch wir nützten das sonnige Wetter für mehrere Spaziergänge. Allerdings war es bitterkalt, weshalb an schattigen Plätzen noch Schnee lag und Edi sich meine Alpaka-Mütze auslieh. (Seine wärmende Kopfbedeckung hatte er vergessen 🥶.) Unter anderem kamen wir zu einem sehenswerten alten Friedhof mit vielen schmucken Grabsteinen. Der Teil mit den Gräbern gefallener Soldaten aus dem 2. Weltkrieg gibt zur Zeit ganz besonders zu denken...


 
Karlsbad:
An unserem vierten Urlaubstag hatten wir nur morgens einen Massagetermin, der restliche Tag war frei, also unternahmen wir einen Ausflug nach Karlovy Vary. Die Stadt ist viel größer als Marienbad, weniger "schnuckelig", aber auch hier gibt es viele sehenswerte Gebäude, gesunde Trinkbrunnen, schmucke Kolonnaden. Von den unzähligen Fotos, die ich in Karlsbad aufgenommen habe, will ich euch zumindest einen kleinen Auszug zeigen. 
 

Es gibt dort mehrere Verkaufsstände für Trinkbecher aus Porzellan - um aus den Quellen trinken zu können. 
Ich trank aus der hohlen Hand. Das Wasser war warm bis heiß und schmeckte sehr eisenhaltig.



Auf der Abdeckung des Brunnens beim Obelisken sahen wir weitere Bekundungen der Trauer und der Sympathie für die Ukraine und die Opfer dieses Krieges. Auch einem kleinen Hund mit Halsschleife in den Ukraine-Flaggenfarben begegneten wir auf unserem Streifzug (leider ohne Foto). 

Die Figur, die ihr neben dem Foto des Obelisken seht (links auf einem Schild und rechts als lebensgroße Puppe) stellt den "braven Soldaten Schwejk" dar (tschechisch: Švejk), den Hauptprotagonisten eines antimilitaristischen Schelmenromans von Jaroslav Hašek. (Ich kenne allerdings nur die Verfilmungen mit Heinz Rühmann und mit Fritz Muliar.) Ob auch der Umstand, dass die lebensgroße Puppe eine Uniform trägt und in einem Rollstuhl sitzt, ein Kommentar zum Krieg in der Ukraine ist, weiß ich leider nicht, aber es könnte sein. Entdeckt haben wir die Figur und das Schild jedenfalls vor einem Restaurant namens U Svejka, in dem wir uns eine von vielen Hühnersuppen dieses Kurzurlaubs gönnten. (Das Lokal ist nostalgisch und mit den ebenfalls sehr bekannten Schwejk-Illustrationen von Josef Ladas ausgestattet; die Suppe war gut 😊)

Karlsbad ist um einiges größer als Marienbad - und es gibt hier auch mehr Bausünden. Man mag von moderner Architektur halten, was man möchte, aber in einen Ort, der von schmucken historischen Gebäuden geprägt wird, lieblos riesige Betonklötze hineinzuklatschen, empfinde ich als Sakrileg. (Und solche Dinge passierten und passieren ja nicht nur im ehemaligen Ostblock.) Die größte Sünde, die uns in diesem Zusammenhang unterkam, war das Hotel Thermal aus den 1970ern. Ich musste laut auflachen, als ich auf der Website des Hotels die schmeichelhafte Bezeichnung "eine Perle des Brutalismus" las 😂 - man kann sich wirklich alles schönreden. (Wie ihr vielleicht noch von meiner Erwähnung der Wotrubakirche wisst (Klick zum Foto), wird die Bezeichnung Brutalismus vom französischen Begriff béton brut - roher Beton, Sichtbeton - abgeleitet.)

Viel erfreulicher als den Anblick des "brutalen" Gebäudes fand ich jedenfalls die Enten, die sich im und um den Fluss Teplá tummelten:

Und obwohl der Gedanke an Russland zur Zeit einen unangenehmen Beigeschmack mitbringt, kann ich mich immer wieder für den Anblick der Zwiebeltürme von russisch-orthodoxen Kirchen begeistern. Das war schon in St. Petersburg und Tallinn so, und auch die St. Peter und Paul-Kirche von Karlsbad gefiel uns sehr gut (auch von innen - doch hier durfte man nicht fotografieren).

 

Ebenfalls auffallend waren in Karlsbad die zahlreichen kunstvollen Graffiti und Murals, die mir größtenteils sehr gut gefielen:

Zum Schluss kommt noch ein kurzer Blick auf meine mitgebachte Kurzurlaubs-Garderobe. Die Fotos sind leider nicht sehr gut - wir haben sie vor einem farblich unpassenden Vorhang (bräunliches Orange) in unserem Zimmer gemacht, den ich deshalb in schwarzweiß zu konvertieren versucht habe. Aber ich denke, man kann erkennen, dass ich mich vor allem auf Grün-, Lila und Weinrot-Töne konzentriert habe. Ich hätte damit noch wochenlang weiter kombinieren können. (Und nein, mein Koffer war NICHT groß, ich habe meine Sachen wieder gerollt - wie HIER gezeigt.) Sämtliche Kleidungsstücke sind schrankgeshoppt und schon einige Jahre bei mir. Der schwarze Stepp-Mantel, den ihr oben gesehen habt, ist auch nicht neu, sondern hing längere Zeit unbeachtet in unserem Keller. Für diesen Urlaub habe ich ihn reaktiviert.


Das war's für heute, ihr Lieben - ich hoffe, ihr habt uns gerne auf unserem Kurztrip begleitet, der zwar nicht ganz ungetrübt, aber dennoch eine willkommene Ablenkung von der derzeit recht beunruhigenden Situation in Europa war. Hier und hier findet ihr noch ein paar weitere Infos über Sehenswertes in Marienbad.

 

Alles Liebe,

💗 eure   T  r  a  u  d  e 💗 




Gerne verlinke ich passende Beiträge: 

beim Mosaic Monday, bei Close to the Ground - Jutta,  Artis Schilderwald-Linkup, Wednesday around the World bei Pieni Lintu, bei My Corner of the World, Naturdonnerstag - bei Elke, Friday Bliss - bei Riitta von Floral Passions, Saturday's Critters bei Eileen, bei der Gartenglück-Linkparty, I’d Rather B Birdin’, Garden Affair - bei Jaipur Garden, Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche, Heidis Aktion Himmelsblick, Colour-Energy von Maren - Farbwunder Style, Ich seh rot oder All good things are blue bei Anne, Mein Freund, der Baum - bei Astrid