Donnerstag, 11. Juni 2020

Was ich euch vom Mai noch schuldig bin ... oder Ein Post mit Licht und Schatten

Licht und Schatten
Man muß durch die Nacht wandern,
wenn man die Morgenröte sehen will.

Khalil Gibran

Servus ihr Lieben,

vielen herzlichen Dank für alle eure wunderbaren Kommentare zu meinem vorangegangenen Post (Wieder-)Begegnungen im Mai! 💙💚💚💙

In diesem Beitrag versprach ich euch u.a., über einen schönen Abend mit meinem Cousin und seiner Frau in einem separaten Post mehr zu erzählen. Heute ist es an der Zeit, mein Versprechen einzulösen. Ein paar weitere Ankündigungen werde ich im heutigen Beitrag zusätzlich erfüllen. Und einige letzte Gartenfotos vom Mai wird es auch noch zu sehen geben - unter anderem zwei Bilder von einem Bläuling. (Diese hübschen Schmetterlinge habe ich erst vor zwei Jahren kennengelernt und sie dann auch gleich fotografiert und euch hier und hier gezeigt. Davor hatte ich sie in unserem Garten nie gesehen - oder nur nicht wahrgenommen? Manche Bläulinge sind schießlich etwas unscheinbarer gefärbt...) Hier seht ihr das erste der zwei aktuellen Bläulings-Fotos:


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Aber immer schön eins nach dem anderen 😉😊 - beginnen wir mit der Einladung in die Wiener Dachwohnung meines Cousins Martin und seiner Frau Parisay. Diese fällt eindeutig unter "Licht"!

"Persischer Abend":
Im vorangegangenen Post zeigte ich euch die Kirche, in der die beiden geheiratet haben, jetzt bekommt ihr den Rest zu sehen. Zunächst die "schrank-geshoppte" Kombination, die ich an diesem Abend trug - meinen immer wieder gern genommenen weinroten Maxirock aus Biobaumwolle und die geblümte Bluse, die ich im Vorjahr im Second-Hand-Laden erstanden habe, dazu eine rote Kette und Stiefletten, und die Haare trug ich diesmal "halb-offen".


Als wir kamen, war der Esstisch im Le-Cobusier-Stil schon verlockend mit Salat und Früchten gedeckt. Parisay hatte noch einiges in der Küche zu erledigen, Martin unterhielt einstweilen die Gäste, also Edi und mich 😊, mit interessanten Gesprächsthemen.


Bei einer Reise in den Iran zu Parisays Verwandtschaft lernte Martin eine persische Spezialität ganz besonders schätzen - Ghormeh Sabzi, was übersetzt soviel wie Kräuter-Eintopf bedeutet. Und mit diesem traditionellen Mahl verwöhnte uns Parisay auch am Abend unseres Besuchs. Ghormeh Sabzi besteht aus drei Hauptkräutern - Petersilie, Bockshornklee und Ackerlauch - und kann noch durch andere Kräuter (wie Dill, Koriander und Schnittlauch) ergänzt werden.


Weitere Zutaten sind rote Bohnen und wahlweise Lamm, Rind- oder Hühnerfleisch sowie getrocknete Limetten. Parisay verwendete Lammfleisch; dazu gab es Safranreis. Ich habe schon ein paarmal persisch gegessen, aber ausgerechnet diese Speise, die quasi als "Nationalgericht" gilt, kannte ich bis dahin noch nicht. Falls ihr das gesunde und leckere Gericht gerne nachkochen wollt: Im Internet gibt es zahlreiche Rezepte, die sich alle ein bisschen unterscheiden - ein relativ unkompliziertes, das mit Zutaten auskommt, die man auch hierzulande recht einfach bekommt, ist dieses; hier habe ich noch eine weitere Variante für euch - KLICK. Zu trinken gab es Shiraz, einen persischen Wein, den ich sehr mag, als Nachtisch Baklava (nicht persisch, aber auch gut 😉😋) und dazu Früchtetee.

Die beiden sind so ein liebes Paar! 😊

Die folgenden Fotos haben wir für meinen Bruder gemacht und ihm per WhatsApp baldige Besserung gewünscht. Er hatte gerade erst eine Augen-Operation hinter sich gebracht und musste, um den Heilungsprozess zu unterstützen, mehrere Nächte hindurch auf einem Massagebett mit dem Gesicht nach unten schlafen. (Das hat er übrigens tapfer durchgezogen und jetzt geht es ihm zum Glück wieder gut! 👍)


Es war ein sehr schöner und gemütlicher Abend mit Parisay und Martin, und wir haben das köstliche Essen sehr genossen. Bald wird es ein Wiedersehen geben, dann aber bei uns. 

Zum Abschluss dieses Kapitels möchte ich euch noch zeigen, welch wunderbarer Ausblick sich vom Fenster der Dachwohnung für uns geboten hat. Den traumhaften Abendhimmel verlinke ich bei Heidis Himmelsblick. Die drei Kirchtürme gehören zur Mariahilfer Kirche, die auch als Barnabitenkirche oder Haydn-Kirche bekannt ist. Ich verlinke sie bei Novas Glockenturm-Projekt.


Die römisch-katholische Pfarrkirche im 6. Wiener Gemeindebezirk war ursprünglich eine aus Holz erbaute Friedhofskirche. Seit dem Jahr 1660 beherbergt die Kirche eine Kopie des Gnadenbildes Mariahilf. (Das Original stammt von Lukas Cranach d.Ä. und befindet sich im Innsbrucker Dom.) Da dieses Bild viele Wallfahrer anzog, errichteten die Barnabiten in den Jahren 1668/1669 statt des Holzbaus eine steinerne Kapelle, diese wurde jedoch bei der zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 zerstört. Das Gnadenbild konnte noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Von 1686 bis 1689 wurde die Kirche neu errichtet; ab 1711 erfolgte der Umbau in ihre heutige Gestalt. Auf dem Kirchenplatz befindet sich ein Denkmal für den Komponisten Joseph Haydn. In der Krypta befindet sich seit den späten 80er Jahren die "Gruft", ein Tageszentrum für Obdachlose. 

Das Abendhimmelbild hat mir Lust auf digitale Bearbeitung gemacht - hier unten seht ihr einige Ergebnisse meiner Spielereien:



Meine Mutter:
Ich habe in meinem vorigen Post erwähnt, dass ich mich im April bei einigen österreichischen Politikern schriftlich dafür eingesetzt hatte, die Kontaktsperren in Pflegeheimen zu lockern. Dieses Schreiben, das nicht nur an den Kanzler, sondern auch an den Vizekanzler, den Gesundheitsminister und den Wiener Stadtrat für Soziales ging, will ich hier in etwas gekürzter Form wiedergeben. Die erste Collage, die ihr in dieser Brief-Wiedergabe seht, hatte ich auch im Original eingefügt. Die beiden anderen hier eingefügten Collagen stammen von meinem Mutter-Besuch am 9. Juni: 


Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz,
sehr geehrte Damen und Herren!


darf ich vorstellen: Auf den Fotos der folgenden Collage sehen Sie meine Mutter Hildegard XXX, geboren 1926, im Kreis ihrer Familie. Sie ist seit dem Jahr 2013 ein Pflegefall, dauerhaft bettlägerig, geistig etwas reduziert, aber durchaus ansprechbar. Sie kann nur noch ihre Hände (eingeschränkt) bewegen und es fällt ihr schwer, zu sprechen.

Das große Portrait habe ich im Dez. 2014 bei einem weihnachtlichen Wienerliedernachmittag im Heim aufgenommen. Das 
Gruppenfoto entstand im Juni 2016 zur Feier des 90ers meiner Mutter. Das aktuellste Bild sehen Sie links, meine Mutter im 
weißen Bettzeug liegend – es stammt vom  Jänner 2020.
Sie ist in diesen Jahren dem Tod mehrmals "von der Schaufel gesprungen“, wie es so schön heißt, und wir haben versucht, die Zeit, die uns mit ihr noch bleibt, möglichst zu nützen. Mein Bruder, ein pensionierter Gymnasiallehrer, der ganz in der Nähe des Heims lebt, besuchte sie bisher an vier bis fünf Tagen pro Woche, ich selbst lebe in Niederösterreich und war zumeist zweimal pro Woche zu Besuch. Insgesamt wurde sie also fünf bis sieben Mal pro Woche von meinem Bruder, von mir und von anderen Familienmitgliedern besucht. Eine Ärztin im Heim erklärte meinem Bruder einmal, dass der starke Lebenswille unserer Mutter vor allem daher rührt, dass wir uns so um sie kümmern. Wir haben in den letzten Jahren vor allem ihre Hand gehalten, ihr das Essen verabreicht und ihr etwas erzählt, weil sie selbst kaum noch gesprochen hat – und wir haben versucht, ihr so lange es noch geht das Gefühl zu geben, dass sie von ihrer Familie liebgehabt wird.


Am 9. März 2020 haben mein Mann und ich meine Mutter das letzte Mal im Pflegeheim besucht. Den nächsten Besuch hatten wir für 15. März vorgesehen, doch zu diesem Zeitpunkt waren die Heime bereits von der Öffentlichkeit abgeriegelt.  Zu Beginn wussten wir überhaupt nicht, was wir tun sollen, denn unsere Mutter ist nicht mehr in der Lage, selbst zu telefonieren, kann kein Handy mehr halten, keine Nummer mehr wählen… Wir riefen daher nur beim Pflegepersonal an, um zu fragen, wie es ihr geht, und um ihr liebe Grüße bestellen zu lassen, aber Sie können sich bestimmt vorstellen, dass das kaum ein Ersatz sein kann. 

Fotos v. 9. Juni - hier seht ihr auch eine meiner neuen Masken, die Claudia für mich gemacht hat. Demnächst mehr davon!


Vor drei Wochen haben wir damit begonnen, die Schwestern zu bitten, ihr das Telefon ans Ohr zu halten, damit wir wenigstens ein bisschen mit ihr sprechen können. Sie hat sogar ein paar Worte geantwortet. Um den Schwestern und Pflegern nicht zur Last zu fallen, wechseln sich mein Bruder und ich ab und rufen nur einmal pro Woche an. Heute bekam ich diese WhatsApp meines Bruders:




Warum ich Ihnen all das schreibe? Weil ich aufzeigen möchte, dass der Schutz alter Menschen nicht ausschließlich darin besteht, sie vor einer Viruserkrankung zu bewahren. Ich denke, für die meisten alten Menschen ist das Gefühl, einsam und verlassen sterben zu müssen, weitaus schlimmer. Und es ist auch für uns schlimm zu wissen, dass unsere Mutter traurig ist. Natürlich klingt es nett, wenn die Großmutter im Werbefilm erklärt, dass sie ja mit ihren Enkelkindern telefonieren kann und dass man sich nach der Krise gesund und munter wiedersehen wird. Aber bei einer Krise, die womöglich mehrere Jahre dauert und einer sehr alten und schwer behinderten Mutter ist ein „Danach“ nicht als gegeben anzunehmen.


Demnächst ist Muttertag, und im Juni „feiert“ unsere Mutter ihren 94. Geburtstag. Soll sie an diesen Tagen wirklich einsam bleiben? Wir würden uns sehr wünschen, dass Sie eine Möglichkeit finden, unserer Mutter in der Zeit, die ihr noch bleibt, Familienbesuche zu ermöglichen. Wir wären natürlich zur Einhaltung sämtlicher erforderlicher Schutzmaßnahmen bereit. 


In den Niederlanden gibt es z.B. diese schöne Idee: „Festival-Container werden einfach umfunktioniert!“ Eine Firma aus den Niederlanden stattet ihre Container, die eigentlich für Festivals gedacht sind, mit Plexiglas und Walkie-Talkies aus und stellt diese vor Altenheimen auf. Darin können sich Altenheimbewohner und ein Familienmitglied gefahrlos zum Kaffeekränzchen treffen.  

Mit freundlichen Grüßen,...

Mutterbesuchs-Outfit vom 9. Juni

Tja, der Rest ist Geschichte. Wie ihr wisst, wurde das Besuchsverbot aufgehoben und ich kann "Hildekind" (wie ich sie seit meinen Teenagerjahren meistens nenne 😉) nun nach telefonischer Voranmeldung und unter Einhaltung zahlreicher Schutzmaßnahmen besuchen. Weiterhin wechsele mich mich im Wochenrhythmus mit meinem Bruder ab.

Ich bilde mir nicht ein, dass mein Brief allein für die Lockerungen verantwortlich war - bestimmt haben viele andere sich ebenfalls gewünscht, ihre Angehörigen wieder besuchen zu dürfen, und manche werden sich wohl ebenfalls an Politiker gewandt haben. Ich bin überzeugt, es ist wichtig, für solche Wünsche und Anliegen wirklich aufzustehen. Mein Weg war es in diesem Fall nicht, mich an einer Demo zu beteiligen, bei der ich nicht beeinflussen kann, mit welcher "Klientel" ich mich zusammentue. Ich wollte stattdessen eine persönliche Geschichte erzählen, und vielleicht hat sie ja im einen oder anderen Kopf oder Herz etwas bewirkt...

Noch ein paar digitale Spielereien mit den Fotos der Barnabitenkirche...

Die Umstände sind immer noch nicht "perfekt", aber ich will hier auf jeden Fall feststellen, dass die Schwestern und Pfleger sich in all der Zeit große Mühe gegeben haben - sowohl, als ich nur angerufen habe, um mich nach dem Zustand meiner Mutter zu erkundigen als auch, als ich darum bat, ihr das Handy ans Ohr zu halten. Und auch jetzt sind sie sehr freundlich, bieten mir Kaffee an usw. Dass sie die Vorschriften unterschiedlich auslegen, ist wohl in der Natur der jeweiligen Menschen begründet - die einen sind da legerer oder eher bereit, selber nachzudenken, was Sinn macht und was nicht, die anderen halten sich streng an die Regeln (auch wenn die nicht wirklich praxisnahe sind), weil sie keine Scherereien wollen... Ja mei, so ist das eben.


Ich glaube und hoffe, dass wir uns auch hier auf dem richtigen Weg befinden. Als ich am 9. Juni um 15 Uhr zu Besuch kam, war "Hildekind" zunächst in eher grantiger Verfassung, weil man sie mal wieder aus dem Schlaf gerissen hatte. "Ich weiß nicht, was das soll", sagte sie dazu mit ihrer schwachen Stimme. Ich erklärte ihr, weshalb ich sie derzeit nicht in ihrem Zimmer besuchen darf, präsentierte ihr meine neue hübsche Katzenmaske und teilte meinen Capuccino samt Milchschaum mit ihr; dadurch taute sie allmählich auf und hielt diesmal sogar eine ganze halbe Stunde durch, in der ich ihr einiges erzählte und sie ihren Kaffee langsam schlürfte. Dann meinte sie "Ich vermiss' mein Bett", und so fuhr ich sie zu einer Schwester, die sie wieder in ihr Zimmer zurückbrachte... Astrid hat mit ihrer Analyse wohl ziemlich recht: 

"Es ist, als ob mit der Vergreisung auch ein Blick ins Innere einhergeht, ein immer kleiner werdendes Interesse am Mitmenschen, und wir mit allem Möglichen - gut gemeint, sicher - diesen Rückzug in sich selbst verhindern wollen.
Es kam mir immer vor wie bei den Tulpenzwiebeln, wenn die schöne Blume verblüht ist und ihre Kräfte einzieht."

 

Die Geschichte des Schwiegervaters:
Ich schrieb in meinem vorigen Post außerdem: "Ich denke, ich muss euch demächst auch noch die Geschichte des Schwiegervaters meiner Freundin Brigitte erzählen. Er ist dieser Tage gestorben - nicht an Covid-19, sondern als indirektes Opfer der "Schutzmaßnahmen"..." Daraufhin erhielt ich folgenden Kommentar von Cornelia: "Alles Gute für Dich und Deine Mutter und bitte erzähl noch die Geschichte von dem Schwiegervater der Freundin. Vielen Menschen sind diese Probleme gar nicht bewusst."

Ich werde also versuchen, das alles so auf die Reihe zu bekommen, wie es mir meine Freundin Brigitte erzählt hat bzw. teilweise ihre WhatsApps zu Hilfe nehmen: Der verwitwete Schwiegervater Brigittes lebte in einem Wiener Pensionstenheim. Er hatte mehrere gesundheitliche Probleme und saß im Rollstuhl, war jedoch zu Beginn der Coronakrise keineswegs sterbenskrank. Seine Familie besuchte ihn häufig, man ging mit ihm spazieren und kümmerte sich gut um ihn. Er hatte ein offenes Bein, weshalb ihn sein Sohn Peter wöchentlich zum Behandeln und neu Verbinden des Beins in eine Spitals-Ambulanz brachte.

Dann kam das Virus mit all seinen Einschränkungen. Besuchsverbot, die Ambulanzen geschlossen, Praxis des Hausarztes geschlossen, im Heim wurde das Bein zwar versorgt, aber offenbar nicht so professionell wie zuvor in der Ambulanz. Sein Allgemeinzustand verschlechterte sich rasch, der alte Mann musste ins Krankenhaus (AKH).

Brigitte schrieb mir am 21.4., dass sich ihr Schwiegervater jetzt im AKH befindet, aber dort zunächst einen Coronatest machen und dann einen Tag und eine Nacht in der Ambulanz verbringen musste. Denn erst, wenn der Coronatest in Ordnung ist, bekommt man ein Zimmer im Krankenhaus! "Ein Wahnsinn! Und wir dürfen nicht rein ins AKH. Nierenwerte sehr schlecht und am Bein Rotlauf. Aber wenigstens bekommt er jetzt Infusionen. Peter hängt ständig am Telefon mit der Station. Wann hört das alles wieder auf?" --- Am 29.4. schrieb sie: "Peter durfte vorige Woche Donnerstag ausnahmsweise ins AKH eine halbe Stunde zu seinem Papa." Dann wurde der alte Mann auf die Kardiologie verlegt. "Herzklappen OP wird unumgänglich sein. Peter ruft jeden Tag an und probiert ob er wieder eine Besuchsgenehmigung bekommt. Auf der Kardiologie scheint es noch strenger zu sein, aber kommt anscheinend drauf an, an welchen Arzt man gerät. "



Bei unserem Treffen am 9.5. erzählten Brigitte und Peter, dass "Opa" nach all diesen Erlebnissen und drei Wochen Einsamkeit und dem Gefühl des Ausgeliefertseins im Krankenhaus keinen weiteren Spitalsaufenthalt und keine Herzklappen-OP mehr wollte, sondern nur noch "nach Hause". Peter konnte erreichen, dass sein Vater vorläufig in seinem Appartment im Pensionistenheim von Pflegeschwestern versorgt wurde; kurz darauf wurde ein Pflegeplatz im selben Haus frei. Brigitte schrieb mir am 13.5.: "Opa bekommt morgen ein Bett auf der Pflegestation. Wir werden die Wohnung räumen müssen, es wird dauerhaft sein. Opas Zustand wird sich nicht mehr verbessern. Leider!" Besuche durften seither stattfinden, aber ebenso wie bei meiner Mutter - immer nur eine Person nach Anmeldung und zeitlich begrenzt. Am 23.5. bekam ich von Brigitte folgende Nachricht: "Am Freitag hat Opa Geburtstag. Wir haben im  Gasthaus gegenüber Pensionistenwohnhaus zu Mittag reserviert. Er wünscht sich dort ein Gulasch. 1 Stunde mit Rollstuhl werden wir hoffentlich schaffen. Das hält ihn derzeit noch aufrecht. Mit uns Geburtstag feiern. Mal sehen, es geht ihm ja nicht wirklich gut."

Am 28.5. hatte "Opa" einen Kreislaufzusammenbruch. "Von der Ärztin wurden heute nach Gespräch einige Medikamente abgesetzt. Peter hatte ein Gespräch mit der Palliativschwester. Opa hat heute auch nochmals unterschrieben, dass er nichts mehr machen lässt, nur mehr schmerzstillende Medikamente. Er ißt seit Tagen nichts mehr und mit seinem Geburtstag feiern morgen wird es wohl nicht mehr richtig. Morgen Vormittag dürfen wir zu viert zu ihm, ausnahmsweise. Außer wir werden schon vorher angerufen."

Brigittes Nachricht vom 1.6.: "Seit 2 Tagen bekommt er Morphiumspritzen, die betäuben. Er ist nur mehr ein lebendes Skelett. Die Medikamente wurden abgesetzt. Er bekommt Flüssigkeitszufuhr über Tropf! Wir und Kinder sind abwechselnd Vormittag und Nachmittag bei ihm. Wenn er zwischen den Spritzen wach ist bekommt er alles mit und hat starke Schmerzen. An seinem Geburtstag durften wir ja ausnahmsweise zu viert zum verabschieden zu ihm. Aber der Abschied ist ein langer... Jetzt dürfen wir wieder nur zu zweit zu ihm. Die vorgeschriebene Maske nehmen wir nicht, wenn wir bei ihm am Bett sitzen und ihm die Hand halten und bekommen deswegen immer Verwarnungen. Ist das nicht unglaublich ..." Wir haben danach ein langes Telefongespräch miteinander geführt, über die Maskenpflicht neben einem Sterbenden, über seine Schmerzen und dass es selbst in solchen eindeutigen Fällen nicht gestattet ist, mehr Morphium zu verabreichen, weil dies unter "Sterbehilfe" fällt. Das alles zehrte sehr an der Psyche von Brigitte, Peter und ihren Kindern. Ich hoffte mit ihnen, das ihr "Opa" nicht mehr lange leiden muss.

Brigittes Nachricht vom 2.6. lautete schließlich: "Opa ist heute Früh um 2.30 für immer eingeschlafen und von seinen Leiden erlöst. Die Rose vom Garten, die er zum Geburtstag von uns bekommen hat, hat ihre Blütenblätter verloren ..."


So war also die Entwicklung innerhalb der acht Wochen "Corona-Quarantäne"... Hier könnte ich auch noch eine Weile weiterschreiben, wie schlimm ich es finde, dass man in unserem Land zwar Tieren das Sterben erleichtern darf, aber Menschen nicht. Doch mein Beitrag ist ohnedies schon lange, deshalb lasse ich das alles jetzt mal einfach so stehen.

    Ohne Schatten gibt es kein Licht;
    man muss auch die Nacht kennen lernen.

    Albert Camus

Ich hoffe, ihr habt durch das traurige Abschluss-Thema nicht auf die erfreuliche Einleitung mit dem wunderschönen persischen Abend bei Martin und Parisay vergessen - und auch nicht auf die erfreuliche Tatsache, dass ich meine Mutter wieder besuchen darf... So ist das Leben - Hochs und Tiefs, Licht und Schatten, Freude und Leid... Doch es ist wichtig, sich selbst in traurigen Zeiten damit zu trösten, dass wieder bessere Zeiten kommen werden. Und irgendwo auf der Welt fliegt immer ein blauer Schmetterling...

Bis zum nächsten Mal,
alles Liebe, eure Traude



Gerne verlinke ich passende Beiträge bei: 
Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche,
Artis Schilderwald-Linkup, Heidis Aktion Himmelsblick
My week in colours von Maren - Farbwunder Style, Style Splash von Emma,


Freitag, 5. Juni 2020

(Wieder-)Begegnungen im Mai

Es sind die Begegnungen mit Menschen,
die das Leben lebenswert machen.


Guy de Maupassant (1850 - 1893)
französischer Erzähler und Novellist



Servus ihr Lieben,

nach einem recht kontaktarmen März und April begann die kleine Welt um mich herum sich im Mai langsam aber stetig wieder zu öffnen. Und auch, wenn ich gut allein sein kann und gern mit meinem Mann zu zweit bin, habe ich die ersten Treffen mit Freunden und Familienmitgliedern nach der Corona-bedingten Pause sehr genossen. Ich möchte euch heute über einige dieser Begegnungen erzählen und euch außerdem auf weitere Spaziergänge und Gartenrunden mitnehmen.


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Bereits in meinem Beitrag Durch Wald und Flur erzählte ich euch, dass ich mit unserer (eben erst von Covid-19 genesenen) Nachbarin Renate am 1. Mai einen Spaziergang unternommen habe. Am 2. Mai war ich mit meinem Mann durch unsere schöne Landschaft unterwegs, tags darauf arbeiteten wir in unserem Gemüsegarten - und am 4. Mai trafen wir abermals mit unseren Vis-a-Vis-Nachbarn zusammen. Diesmal hatten uns Renate und Peter zu einem gemütlichen Plausch bei einem (oder mehreren 😋) Gläschen Wein in ihren Garten eingeladen.

Anfang Mai sah der Himmel bei uns übrigens noch überwiegend so aus wie in der folgenden Collage gezeigt, obwohl es auch da schon feuchter war als im April. Wir freuten uns über den Regen, denn man hörte die Natur direkt erleichtert aufseufzen. Und auf den Regen folgte schließlich immer wieder Sonnenschein 😎🌞, sodass wir auch mit unseren Gartenprojekten weiterkamen und die Pflanzen brav durchstarteten.


Hier ein paar Impressionen von unserem Vorgarten, fotografiert am 5. Mai. Die Clematis befand sich in voller Blüte, der Thymian ebenfalls, Lavendel, Malve und Rosen standen noch in den Startlöchern. In der vorletzten Collage des heutigen Beitrags könnt ihr euch ansehen, wie sich der Vorgarten innerhalb eines Monats weiter entwickelt hat.


Der Alltag fühlte sich ab Mai schon fast wieder normal an, wenn auch mit Maske, teilweise mit Draußen-warten und teilweise mit gewisser Verspätung: Wir ließen in der Autowerkstatt unsere Winter- gegen Sommerreifen austauschen, machten einen Großeinkauf, gingen in die Apotheke und gönnten uns ein Eis, um den örtlichen Eissalon zu unterstützen. Man musste vor dem Lokal eine Bestellung aufgeben und das Eis wurde einem gebracht.

(Der Eissalonbesitzer erzählte uns allerdings, dass er 1.500 Euro (!) Strafe bezahlen musste, weil ein Gast - mit Mundschutz, nebenbei bemerkt - seinen Laden betreten und ein Polizist das beobachtet hatte. Ich habe vor, mich demnächst mit dem Mann noch einmal genauer zu unterhalten und ihn unter Umständen dabei zu unterstützen, beim Volksanwalt eine Eingabe zu machen. Denn diese Art von Machtausübung ist mir zutiefst zuwider. Man kann meinetwegen verwarnen - aber den Besitzer eines kleinen Ladens, der wegen Corona ohnehin Einbußen hat, auf diese Weise zu bestrafen, empfinde ich als schlimme Schikane.)

Mutterbesuchs-Outfit vom 12. Mai - eine andere Kombination des Kleides, das ich euch u.a. auch in diesem Post zeigte.

Am 7. Mai holte ich den ursprünglich für März geplanten Friseurbesuch bei unserer Nachbarin Jasmine nach, am 9. Mai besuchten uns unsere Freunde Brigitte und Peter - ich habe euch in meinem Beitrag Ein Ausflug im März und ein Treffen im Mai darüber berichtet. In einer Welt ohne Corona hätten wir uns in diesem Zeitraum gar nicht zu Hause, sondern in den Wildalpen befunden. (Dieser mehrtägige Ausflug wurde vorerst mal auf Mai 2021 verschoben.)

Am 12. Mai konnte ich erstmals seit acht Wochen meine Mutter wieder besuchen, denn rund um den Muttertag wurde das strikte Besuchsverbot in Pflegeheimen endlich beendet - natürlich mit Voranmeldung und mit zahlreichen Auflagen.*) Mein Bruder, der ganz in der Nähe des Heims wohnt, hatte sie in der Woche davor besucht, für ihn war das allerdings enttäuschend und ein wenig mühsam ausgefallen, weil die Securityleute beim Eingang noch nicht gut instruiert waren, ihn in der Anmeldungsliste nicht fanden und unsere Mutter dann auch noch sofort einschlief. Bei meinem Besuch war zum Glück alles schon etwas besser, allerdings auch nicht übertrieben praktisch, da wir beide Mundmasken trugen. (Meine Mutter fühlte sich dadurch eingeschränkt und sich riss sich ihre bald herunter.) Ich zeigte ihr ein Video, das mir Jana für sie mitgeschickt hatte, und versuchte sie möglichst gut zu unterhalten, doch nach 20 Minuten schlief meine Mutter ebenfalls ein. 14 Uhr ist einfach keine gute Besuchszeit.

*) Ich hatte mich im Vorfeld übrigens bei den österreichischen Politikern schriftlich dafür eingesetzt, diese Einschränkungen zu lockern. Und auch wenn ich Meinungen gehört / gelesen habe, die besagten, dass diejenigen, die ihre Angehörigen zu Coronazeiten besuchen wollen, vermutlich aufs rasche Erben aus sind - nein, DAS war nicht der Hintergrund für unseren Wunsch. Ich wüsste auch nicht, was es bei unserer Mutter zu erben gäbe. Dazu demnächst vielleicht noch etwas mehr.


Die Fahrt zu meiner Mutter war meine erste Fahrt nach Wien seit Beginn der Corona-Einschränkungen gewesen; am 16. Mai folgte unser nächster Wien-Besuch. Denn da waren wir zu meinem Cousin Martin und zu seiner Frau Parisay eingeladen und wurden köstlich bekocht. Über diesen schönen Abend mit persischen Spezialitäten werde ich euch allerdings in einem separaten Post mehr erzählen. Heute zeige ich euch nur die Kirche, an der wir vorüberfuhren - die Pfarrkirche St. Josef zu Margareten in der Schönbrunner Straße im 5. Wiener Gemeindebezirk (erbaut an der Stelle der Krankenhauskapelle des Sonnenhofes von 1765 bis 1769. Der Glockenturm, den ich bei Nova verlinke, wurde allerdings erst im Jahr 1903 aufgesetzt). Es ist dies auch die Kirche, in der Martin und Parisay geheiratet haben.


Einen Tag später waren dann wieder wir die Gastgeber - für meine Tochter und ihren Freund. Die Freude darüber, dass ich Jana (nach einigen Video-Telefonaten) endlich wieder in natura sehen konnte, war riesig. Wir verschmausten bei der Gelegenheit übrigens die Reste der Torte, die meine Freundin Brigitte neulich mitgebracht und die ich danach eingefroren hatte. Einige Zeit nach der Jause gab's u.a. Gegrilltes - unten rechts seht ihr den Grillmeister Eduard an seinem Instrument 🍖😋.


An diesem Tag durfte mein bequemes Rosenkleid vom Flohmarkt wieder mal aus dem Kleiderschrank. Und überhaupt trage ich zur Zeit kein Kleidungsstück, das nicht unter extrem-bequem fällt. Ich war noch nie eine Freundin von Teilen, die irgendwie knapp sitzen oder unpraktisch sind, aber ein paar gibt es ja doch in meinem Kleiderschrank - und ich denke, die werden sich über kurz oder lang von mir verabschieden müssen. Das ist nicht nur eine Folge der Corona-Beschränkungen, sondern auch eine Folge der Pensionierung. Ich brauche seither weniger "Ausgeh-Outfits", und selbst wenn ich ausgehe, will ich das nur noch in absoluter Wohlfühlkleidung tun.

Der "Gürtel" war wieder eine von Edis abgelegten Krawatten.

Am 21. Mai zogen einmal mehr dunkle Wolken auf. Da hieß es "schnell sein" beim Abnehmen der Wäsche von der Wäschespinne. Apropos: Als ich mal wieder unter dem Terracotta-Herz bei meinem "Deko-Fahrrad" nachsah, stellte ich fest, dass einer "unserer" Tigerschnegel in einer Wohngemeinschaft mit einer Spinne lebt! Für manche Menschen wird die Kombination aus einem Weichtier und einem Achtbeiner vermutlich "das Grauen" schlechthin sein, aber ich habe gegen beide nichts. Schnegel sind mir allerdings lieber. Mittlerweile bin ich in unserem Garten mehreren dieser hübschen und nützlichen Tiere begegnet, dreien davon übrigens beim Aufräumen unserer Gartenhütte...


Am 22. Mai bekamen wir Besuch von Annemarie, einer ehemaligen Arbeitskollegin meines Mannes, die gar nicht weit von uns entfernt lebt und die ebenfalls schon pensioniert ist. Sie ist außerdem eine fleißige Leserin meines Blogs - daher an dieser Stelle ganz, ganz herzliche Grüße an sie 😘! Und sie schrieb uns per Mail, wie gut ihr unser Garten gefällt - also höchste Zeit für einen gemeinsamen Nachmittag mit Gartenbesichtigung, gemütlichem Plausch und von Annemarie mitgebrachter Roulade zum Kaffee 😊😋. Bei dieser Gelegenheit trug ich mal wieder mein (natürlich ebenfalls bequemes) Gudrun-Sj*den-Kleid, diesmal zu roten Zutaten wie dem Sport-BH als "Ausschnitt-Entschärfer", Seidenleggings von Waschb*r und einem roten Samtband als Gürtel.


Die folgenden Gartenfotos stammen vom 24. und 25. Mai, und wie euch vielleicht auffällt, gibt es darauf einige Wassertropfen zu sehen (vor allem in der übernächsten Collage). Ab den Eisheiligen wurde der Mai nämlich immer regnerischer bzw. unbeständiger - und diese Großwetterlage hat sich bis jetzt noch nicht wieder verabschiedet. Ich denke, für die Natur ist das viele Nass, das seit Mitte Mai vom Himmel gefallen ist, nach wie vor gut und wichtig. 

Für Edis und meinen wetterfühligen Kopf war und ist das wechselhafte und teilweise von Sturmböen begleitete Wetter leider nicht ganz so angenehm. Aber da müssen wir eben durch. Die Akkupunkturbehandlung, die Edi gegen seine Migräne- bzw. Kopfschmerzattacken bei meiner Schulfreundin Christine versucht hat, ist leider nicht von sehr großem Erfolg gekrönt gewesen. Aber ein Tipp von Christine hat uns dennoch geholfen - und weil es vielleicht einige unter euch gibt, die unter ähnlichen Problemen zu leiden haben, gebe ich ihn hier an euch weiter. 


Kopfwehtinktur:
Wir erwähnten bei Christine, dass uns bei manchen Kopfschmerzformen (vor allem bei jenen, die offenbar vom Wetter ausgelöst werden) eine Tinktur namens Veen Veen flüssig hilft, diese aber mit ca. 30 Euro für einen halben Liter recht hochpreisig ist. Christine las sich daraufhin die Zutatenliste durch und meinte, für diesen positiven Kopfschmerz-Effekt wären vor allem das enthaltene Koffein und Vitamin C verantwortlich. Sie empfahl uns daher, einen starken Kaffee zu brauen und Zitronensaft hineinzupressen. 

Wir haben die Komposition getestet und festgestellt, dass es uns tatsächlich hilft! Aus geschmacklichen und praktischen Gründen entschieden wir uns, das Gebräu auf Vorrat herzustellen und etwas zu verfeinern. Wir vermischen nun einen sehr starken Espresso mit frischem Zitronensaft und fügen etwas Ahornsirup sowie einen Schuss Rum hinzu. Mittlerweile haben wir eine ziemlich schmackhafte Mixtur erreicht, die wir in einer ausgespülten Veen-Veen-Flasche im Kühlschrank aufbewahren. Durch den starken Kaffee hält mich die Tinktur allerdings wach, wenn ich sie abends einnehme, daher trinke ich sie nur noch bis zum frühen Nachmittag und verwende sonst weiterhin Veen Veen.


Zwischendurch brauchte ich auch noch aus anderen Gründen medizinische Hilfe, denn seit einiger Zeit wuchs auf meiner linken Wange etwas, das ich zunächst für einen Pickel oder eine Warze gehalten hatte. Als ich mir das Ding aufkratzte, blutete es wie verrückt und hörte erst auf, als mir mein Mann aus der Apotheke einen Alaunstift besorgte - eine geniale Idee übrigens. Danach bildete sich aber ein seltsames "Blutbläschen" in meinem Gesicht, also vereinbarte ich einen Termin beim Hautarzt. Der stellte fest, dass es sich um ein Granuloma pyogenicum handelt, welches ausgestanzt werden musste. Nach einer Woche wurde die winzige Naht wieder entfernt und inzwischen sieht man kaum mehr etwas davon.

Am 26. Mai hatte ich meinen nächsten Besuchstermin bei meiner Mutter. Auch diesmal hatte man ihr sinnloserweise wieder eine Maske aufgesetzt (die sie gleich wieder von ihrem Gesicht wegzog). Dass ich eine tragen soll, verstehe ich ja noch - aber warum sie? Außerdem hatte man ihr diesmal eine Jause zu dem Besuchertreffpunkt mitgegeben und mir einen Kaffee angeboten. Um den zu trinken, durfte ich mir die Maske abnehmen - aber um meine Mutter zu berühren bzw. mit ihrer Jause zu füttern, musste ich mir diesmal Gummihandschuhe über die (desifizierten) Hände ziehen. (Beim ersten Besuch war das nicht als notwendig erachtet worden. Augenroll und Seufz!) Auch diesmal schlief sie wieder nach etwa 20 Minuten ein, war aber weniger gut drauf als bei meinem letzten Besuch. Es ist einfach viel erschöpfender für unsere Mutter, nachmittags aus dem Bett geholt, angezogen und in den Rollstuhl gesetzt zu werden als (wie wir es früher getan hatten) mittags von uns besucht und gleich von uns gefüttert zu werden... Doch mittags gibt es leider keine Besuchstermine.

Als mein Bruder sie eine Woche später besuchte, schlief sie wieder fast sofort ein. Hier die Nachricht, die er mir danach geschickt hat. "War heute um 15 Uhr bei Mutter. Sie hat geschlafen, dann wurde sie von einer Pflegerin mit Maske gebracht. Ich hab ihr erzählt, Bilder und Filmchen gezeigt, sie hat nicht reagiert und ist immer weggeschlafen. Dann hat die Pflegerin ihr die Maske abgenommen, sie ist mit offenem Mund dagelegen. Auch nach Hilfen und Aufforderungen konnte sie den Mund nicht schließen. Das  war's, eher deprimierend."


Die alten Leute mögen durch all diese Maßnahmen ja möglicherweise vor dem Virus bewahrt werden - ihr Leben ist dennoch unerfreulicher als zuvor. Ich denke, ich muss euch demächst auch noch die Geschichte des Schwiegervaters meiner Freundin Brigitte erzählen. Er ist dieser Tage gestorben - nicht an Covid-19, sondern als indirektes Opfer der "Schutzmaßnahmen"...

Kommen wir wieder zu erfreulicheren Themen zurück! Die folgende (schrank-geshoppte) Kleidungskomibination trug ich übrigens schon am 4. Mai, als wir unsere Vis-a-Vis-Nachbarn besuchten. (Deshalb auch noch die "Vor-dem-Friseur-Frisur" 😉). Ich füge sie nur deshalb erst hier unten ein, weil sie so gut ...


... zu den folgenden Mohnblumenfotos passt. Diese hübschen Blüten (die aus einer bienenfreundlichen Saatgutmischung stammen, mit der ich unseren früheren - rostigen - Griller bepflanzt habe), wurden von mir zwischen 27. und 30. Mai fotografiert. Ebenso wie die folgenden Aufnahmen der pünktlichen Pfingstrosen, Froschgoscherl (Löwenmäulchen), der Blüten unserere Weigelie Bristol Ruby, der Alliumblüten und der ersten Rosen dieses Jahres.


Kater Maxwell liebt es genauso wie ich, in dieser Jahrezeit durch den Garten zu streifen. Besonders in der Nähe des Rosenbogens, auf der sich die hübsche Lykkefund mit großem Blütenreichtum austobt, duftet es Ende Mai / Anfang Juni einfach betörend. (Wobei Mäx wohl eher am Duft der Katzenminze interessiert ist...)


Auch einen anderen Duft dieser Jahreszeit mag ich sehr - den von blühendem Holunder! In unserer Gegend wachsen zahlreiche Hollerbüsche, und so haben wir uns wieder per Fahrrad zur Ernte begeben. Aus der reichhaltigen Beute gewannen wir zehn Flaschen Holunderblütensirup, und außerdem haben wir einen Teil unserer Erdbeermarmelade damit aromatisiert. Die übrigen Marmeladen verfeinerten wir - wie schon im vorigen Jahr - mit Bourbonvanille. (Die Erdbeeren waren allerdings gekaufte - in unserem Garten wachsen sie bisher noch viel zu sparsam.)


Eines Tages werde ich vielleicht auch aus den pinken Gourmetrosen, die ihr hier seht, Sirup oder ein Gelee herstellen. Im Moment erfreue ich mich aber noch lieber am Anblick ihrer wunderschönen Blüten.

Und auch die weißen Rosen, die ihr hier mehrfach seht, bereiten mir viel Freude: Unten könnt ihr einen Blick auf unser "Rosentor" werfen. Die Ramblerrose 'Lykkefund' zeigt sich jedes Jahr um diese Zeit von ihrer besten Seite - mit Hunderten von cremeweißen, duftenden Blüten. Immer wenn ich durch dieses Tor gehe (das ich übrigens bei Novas T in die neue Woche verlinke), muss ich einen Moment verweilen und tief einatmen - einen Geruch, der mich glücklich macht.


Wie ihr bestimmt bemerkt habt, tummeln sich weiterhin Trauer-Rosenkäfer, über die ich euch in meinem vorigen Post erzählt habe, auf vielen unserer Blumen. Auf der pünktlich erblühten Pfingstrose oben sitzt allerdings die grün-schillernde Verwandtschaft - ein Gemeiner oder Goldglänzender Rosenkäfer, der (zumindest in unserem Garten) seltener und weniger Blütenblätter-zerfleddernd ist als der Trauer-Rosenkäfer. 

In der unteren Collage könnt ihr euch den Oxythyrea funesta aus nächster Nähe ansehen, denn zwei der vier Fotos habe ich mit dem Makro-Objektiv aufgenommen. Eigentlich ist er ein hübscher Kerl. Und würde er nicht in gar so großen Mengen auftreten, dass meine Pflanzen leiden, hätte ich auch gar nichts gegen ihn.


So aber unternahm ich am 31. Mai eine Umsiedlungs-Aktion: Ich legte eine (bereits zerfledderte) Blüte der Rosa Nachtkerze in ein Glas mit durchlöchertem Deckel und dann sammelte ich so viele Trauer-Rosenkäfer ab, wie ich finden konnte. Mit dem halb gefüllten Glas in der Hand wanderte ich zu einigen Wildrosenbüschen am Waldrand und setzte die Käfer dort aus. Ich hoffe, sie kehren nicht wieder, wir haben noch immer einige Exemplare in unserem Garten - das reicht 😉. 

Der Himmel sah an diesem Tag dramatisch aus - und weil er von einem Wetter zeugt, das typischer für den Mai war als die Blauhimmel-Fotos am Beginn meines Posts, verlinke ich diesmal diesen Himmelsblick bei Heidi:


Hier kommt nun der oben versprochene Anblick unseres Vorgartens von Ende Mai: Inzwischen haben die Malven, der Lavendel, der Frauenmantel und die hübschen rot-cremeweiß gestreiften Kletterrosen zu blühen begonnen. Auch bei den kleinen rosa Bodendeckerrosen The Fairy habe ich schon ein paar wenige Blüten entdeckt. Einige Clematisblüten gibt es auch noch. Und manche andere Blume wartet einstweilen auf ihren großen Auftritt.


Für Novas Linkup Zitat im Bild habe ich diesmal eine Collage mit diesem weisen Ausspruch von Theodor Storm gebastelt:
Man muß sein Leben aus dem Holz schnitzen, das man hat, und wenn es krumm und knorrig wäre.



Und damit bin ich für heute wieder am Ende angekommen. Ich möchte euch aber noch herzlich danken für die vielen lieben Kommentare, die ihr mir zu meinem Post Frühlingstage in Haus und Garten hinterlassen habt. Ich hoffe, ihr seid gut im Juni angekommen. Hat der bei euch einen ebenso feuchten Start hingelegt wie bei uns? Ich finde, mittlerweile könnte es dann immer wieder mal  für ein paar Tage zu regnen aufhören, schließlich haben wir vor, den Sommer im Garten zu genießen, zwischendurch ein paar weitere Arbeiten zu erledigen und auch das eine oder andere Mal mit Freunden zu grillen oder sonstwie draußen zu feiern... Aber - nunja, man muss es sowieso nehmen, wie es kommt...


In jedem Fall wünsche ich euch eine möglichst gute Zeit! 

Ganz herzliche Rostrosengrüße,
eure Traude



Gerne verlinke ich passende Beiträge bei: 
Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche,
Artis Schilderwald-Linkup, Heidis Aktion Himmelsblick
My week in colours von Maren - Farbwunder Style, Style Splash von Emma,