Diesen Beitrag hatte ich zum Großteil schon im Dezember 2020 geschrieben und bebildert. Dann kam der Tod meiner Mutter dazwischen und es dauerte eine Weile, bis ich es schaffte, den Post fertigzustellen. Deshalb bekommt ihr die Fortsetzung meines Salzkammergut-Berichtes erst heute zu lesen...
Servus ihr Lieben!
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Wie ich bereits in meinem vorigen Salzkammergut-Beitrag Freie Sicht auf Hallstatt! angekündigt habe, gibt es noch einen zweiten Teil meines Hallstatt-Berichtes. Heute wollen wir eine Zeitreise in mehreren Etappen unternehmen: Wir fahren mit der Salzbergbahn gemeinsam zum Hallstätter Hochtal und besuchen anschließend auch noch das interessante und umfangreich bestückte Hallstatt-Museum. Los geht's! 😊
Immer noch 5. Tag - 10. Oktober 2020 - Hallstatt, 2. Teil:
Nach unserem Bummel durch den hübschen Ortskern von Hallstatt waren Edi und ich nicht ganz einig darüber, ob wir zuerst ins Museum gehen sollten (was von der Gehstrecke her praktischer und logischer gewesen wäre) oder ob wir lieber dem
Wetterbericht glauben wollten, der für den späteren Nachmittag
Regen ankündigte. Letztendlich gewann der Blick zum Himmel und wir beschlossen, sicherheitshalber zuerst mit der Standseilbahn auf den
Salzberg zu fahren. (Für beide Aktivitäten - also sowohl
Hallstatt-Museum als auch
Salzwelten - gab es übrigens mit der Salzkammergut-Card Ermäßigungen.)
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In nur 3 Minuten gleitet man mit der Salzbergbahn in das Hallstätter Hochtal hinauf - und unternimmt zugleich eine Zeitreise zurück in das 1. Jahrtausend v. Chr. Denn hier befindet sich auf 838 m Seehöhe das berühmte eisenzeitliche Gräberfeld aus dem Zeitraum 800 bis 400 v. Chr, das im 19. Jahrhundert vom Bergwerksbeamten Johann Georg Ramsauer entdeckt wurde.
Darüber erzähle ich euch später noch ein bisschen mehr - zuerst möchte ich mit euch zusammen von der Aussichtsplattform beim
Rudolfsturm einen Blick ins Tal werfen - schließlich handelt es sich dabei - laut Hinweisschild - um einen "Welterbeblick":
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Im Uhrzeigersinn: Salzberg von Hallstatt aus gesehen - Schild Welterbeblick beim Rudolfsturm (alter Wehrturm) - herbstlicher Wein-Bewuchs am Rudolfsturm - Rudolfsturm mit Brücke - Blick auf See, Berge und Herbstwald - Schlägel und Eisen, das |
Der freischwebende Skywalk bietet tatsächlich einen einzigartigen Ausblick
auf den historischen Ortskern, den See und die Region
Dachstein-Salzkammergut. Glücklicherweise habe ich schon auf dem
Skywalk bei der Hohen Wand geübt, meinen Höhen-Bammel zu überwinden. (Dort geht es unter dem Metallgitter allerdings "nur" 120 Meter in die Tiefe - der
Skywalk auf dem Salzberg befindet sich hingegen ganze 360 Meter über Hallstatt!)
Aber schaut mal, ich habe mich sogar "freihändig" getraut (ohne Gitterboden fällt's mir wohl auch leichter 😉) - und der Blick von der Plattform ist wirklich atemberaubend schön!
Aber auch der Blick übers herbstliche Hochtal vom Rudolfsturm aus ist ein Traum:
Der
Rudolfsturm im "Eingangsbereich" des Hallstätter Salzberg-Hochtals geht in seiner Kernsubstanz auf einen
Wehrturm aus dem Ende des 13. Jahrhunderts zurück, wurde aber im Lauf der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. Vom Mittelalter bis 1954 diente er als Wohnung des jeweiligen Bergbaubetriebsleiters. Mittlerweile wird der Turm gastronomisch genutzt.
Von der Bergstation der Standseilbahn nahmen wir den befestigten Waldweg in Richtung Schaubergwerk.
Entlang des Weges befinden sich zahlreiche Stelen mit Informationen über die faszinierende Geschichte dieses Ortes sowie ein
Schaugrab. Außerdem finden sich hier historische Gebäude oder deren Nachbauten oder z.B. dieses Marterl (Bildstock) mit der
Heiligen Barbara - Schutzpatronin der Bergleute.
Hallstattzeit:
Wie oben schon erwähnt, entdeckte der Bergmeister
Johann Georg Ramsauer im Verlauf von Grabungsarbeiten zur Schottergewinnung im Jahr 1846 ein
Gräberfeld mit Skeletten, Urnen und kostbaren Grabbeigaben am Salzberg-Hochtal. Es handelt sich dabei um
eine der bedeutendsten Begräbnisstätten der Welt. Ramsauer führte erste Ausgrabungen durch - bis 1863 legte er 980 Gräber frei - und dokumentierte seine Funde sorgfältig.
Diese Arbeit war ausschlaggebend für die Benennung einer ganzen Kulturepoche - denn seither wird die
Eisenzeit unterteilt in eine
Hallstattzeit (
Ältere Eisenzeit - ca. 800 bis 450 v. Chr) und eine
Latènezeit (benannt nach dem Fundort La Tène am Neuenburgersee in der Schweiz;
Jüngere Eisenzeit - ca. 450 v. Chr. bis Christi Geburt). Sowohl mit der Hallstattkultur als auch mit der Latènekultur wird die Volksgruppe der
Kelten in Zusammenhang gebracht.
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Schaugrab, Waldweg und Stelen. Manche Stelen bieten Spiegelungen. |
Wenn wir schon bei Gräbern sind: Auf einer der Stelen, die den Weg säumen, ist das Bild eines mit Schrift und Malerei verzierten Totenschädels zu sehen. Dieser hat nichts mit den Funden im Hochtal zu tun, sondern mit dem
Hallstätter Beinhaus: Hier werden nämlich auf weltweit einzigartige Weise seit ca.
1600 die Gebeine ganzer Generationen vollständig aufbewahrt - und zwar
in speziell verzierter Form.
HIER (oder im vorangegangenen Link) könnt ihr einen Blick in den Hallstätter Karner werfen - und für alle, die sich gruseln: Ich finde den Anblick der geschmückten Schädel absolut nicht schauerlich, sondern ästhetisch, künstlerisch und pietätvoll; durch die Beschriftung mit Namen und Jahreszahlen wird die
Identität der Verstorbenen bewahrt.
Spuren menschlicher Tätigkeit in Hallstatt:
Zurück zum Hochtal: Bis zum heutigen Tag finden hier Ausgrabungen statt. In der ersten Hälfte des letzten
vorchristlichen
Jahrtausends wurden hier mehr als 2000 Menschen bestattet, davon ca 1.300 bisher museal geborgen. Viele der Skelette - Männer, Frauen und Kinder - zeigen Spuren harter körperlicher Arbeit. Das Gräberfeld Hallstatts ist ein Friedhof der Bergleute. Auch
verschiedenste Gegenstände wie Trinkgefäße aus Italien,
Elfenbein oder Bernstein wurde gefunden; diese lassen den Rückschlus zu,
dass ein reger Tauschhandel mit der wertvollen Ware Salz stattfand.
Die bislang ältesten Funde
(z. B. ein jungsteinzeitlicher
Schuhleistenkeil - d.i. die Klinge eines prähistorischen Werkzeugs - oder ein Hirschgeweihpickel) datieren etwa 5000 v.
Chr. Man geht mittlerweile davon aus, dass
im Hallstätter Hochtal seit rund 7000 Jahren
Salzabbau betrieben wird. Im Zusammenhang mit diesem sind Strukturen aus der Bronzezeit, der Hallstattzeit,
der Latènezeit und der Römerzeit bekannt. Anlagen aus dem Hoch- und Spätmittelalter sowie
aus der Neuzeit werden auch in
Schriftquellen gut belegt. Aus der Jungsteinzeit, der Völkerwanderungszeit und dem
Frühmittelalter gibt es bisher nur vereinzelte Funde.
Auch Belege einer prähistorischen Fleischindustrie wurden gefunden. Denn mit dem Salz aus dem Berg ließ sich Fleisch gut konservieren. Blockbauten wie der unten gezeigte wurden als Surbecken bzw. Pökelwannen für Schweinefleisch verwendet:

Später, im mittelalterlichen Bergbau (welcher 1311 erstmals urkundlich erwähnt wird), wurde das Hallstätter Salz nicht mehr in fester Form gewonnen, sondern mit Hilfe von Wasser aus dem Gebirge gelaugt. Das Produkt ist Sole. Um Sole in Salz zu verwandeln, benötig man eine Sud-Pfanne, in der das Wasser verdampft und Siedesalz gewonnen wird. Erst 1965 wurde das letzte Pfannhaus in Hallstadt geschlossen.

Es hätte noch weitere informative Programmpunkte gegeben - z.B. gegen Aufpreis die Möglichkeit, einen alten Stollen zu besichtigen. Doch wir hatten vor, noch einmal nach Hallstatt zu gehen um dort unsere Zeitreise fortzusetzen. Also fuhren wir mit der Salzbergbahn wieder ins Tal:

Dort wurden wir von einer schwarzen Katze begrüßt, die uns natürlich an unsere Nina erinnerte. Sie ließ sich freudig von uns kraulen.

Auch ein neugieriger Schwan gehörte zum Begrüßungskomitee. Wir hielten sicheren Abstand voneinander (daran ist man heutzutage ja bereits gewöhnt 😷), sagten freundlich "Hallo!" und gingen beide wieder unserer Wege.

Auf dem Weg zum Museum Hallstatt schreitet man zuerst über Zeitreise-Stufen und dann durch ein Tor der Geschichte. Hier konnten wir die Dinge, die wir auf dem Berg gesehen hatten, vertiefen und noch mehr Interessantes über 7000 Jahre Geschichte dieses Ortes erfahren.

Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, klickt bitte auf den obigen Museums-Link. Ich zeige euch hier nur einen kleinen Auszug der Exponate:

Als wir aus dem Museum herauskamen, begann es gerade zu tröpfeln. Zum Glück schafften wir es noch halbwegs trocken bis zu unserem Wagen, dann wurde der Regen auch schon stärker. Das Timing war also mal wieder perfekt gewesen!
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Zum Abendessen kombinierte ich meine mitgebrachten Kleidungsstücke neu - den altbekannten roten Maxirock zum auch schon oft gesehenen grünen Langarmshirt. Das Trachten-Gilet (und auch die Schmetterlingsbrosche) kennt ihr ebenfalls - aus diesem Post von 2018 - und ihr habt das Gilet bereits früher gesehen. (Ich habe es nämlich von zartrosa auf rosarot umgefärbt. So sah es früher aus. Das machte mich dann doch zu blass.)
Das Abendessen im Hotel Grimmingblick war wieder ein Traum - wenn ich daran zurückdenke, sabbere ich auf die Tastatur.

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Mit den sonnigen Urlaubstagen war es ab da vorbei - dieser Urlaub hat uns also nur während der Hälfte der Tage freundliches Herbstwetter geboten, doch das war nicht so wichtig.
Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass wir diesen Urlaub
im Herbst 2020 gemacht haben. Zu diesem Zeitpunkt war nicht abzusehen,
dass die Lockdown-Zeiten zurückkehren und so lange dauern würden... Im Moment können wir nur in Gedanken verreisen - ich hoffe daher, ihr hattet ein wenig Spaß an dem virtuellen Kurzurlaub in Hallstatt!
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Ganz liebe Rostrosengrüße,
eure Traude