Mittwoch, 15. Februar 2023

Costa Rica - 6. Kapitel: Tortuguero Nationalpark, Teil 1

HIER kommt ihr zum gesammelten Reisebericht Costa Rica 2022


¡Hola & Pura Vida, liebe Leute!
 🌴🌿🌴

 

Ich freue mich sehr, dass euch auch mein Reiseberichtskapitel über die La Paz Waterfall Gardens so gut gefallen hat - danke für eure lieben Kommentare - dabei war das doch bloß das "Vorspiel". Ab nun geht es erst so richtig los mit dem Costa-Rica-Urlaub - mit dem ersten großen Wildgebiet, dem Tortuguero Nationalpark, der sich an der Karibikküste Costa Ricas befindet. Es gibt nicht mehr viele Orte auf der Welt mit einer größeren biologischen Vielfalt!

Tag 4 Mittwoch 23. Nov 2022: 
Tortuga bedeutet im Spanischen: Schildkröte 🐢. Im Jahr 1975 wurde dieser Nationalpark mit dem Hauptziel gegründet, die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) zu schützen. Denn hier befindet sich für diese und zwei weitere Meeresschildkrötenarten das wichtigste Gebiet der Eiablage in der westlichen Karibik.
 
Abgesehen von der Tierwelt besticht Tortuguero durch ein Netz aus Flüssen, malerischen Lagunen und Kanälen, die mit Booten befahren werden können, um die wunderbare Landschaft zu erkunden. Die Wasserstraßen des Schutzgebiets werden auch als der „kleine Amazonas Costa Ricas“ bezeichnet - mit dem großen Vorteil, dass hier - im Gegensatz zu den traurigen Zuständen im echten Amazonasgebiet 😥 - seit mehreren Jahrzehnten keine Regenwaldabholzung mehr stattfindet.
 
Unterwegs in den Wasserstraßen des Tortuguero Nationalparks - was für eine Landschaft 🤩!

 
Dieser "kleine Amazonas" war also unser nächstes erklärtes Ziel. Allerdings warteten wir frühmorgens in San José zunächst mal eine halbe Stunde vergebens auf den Bus, der uns abholen sollte. Doch gerade, als Edi bei unserer "Notfalls-Nummer" anrufen wollte, erreichte die Rezeption des Aurola Holiday Inn ein Anruf des zuständigen Reiseführers. Kurz darauf stand ein großer Reisebus vor dem Hotel und der (sehr nette!) Guide namens Carlos entschuldigte sich vielmals bei uns. Der arme Mann war ganz geknickt: Er hatte Gäste aus mehreren Hotels - darunter eine Gruppe von rund 30 Jugendlichen - abzuholen gehabt und dabei unser Hotel auf der langen und nicht sehr übersichtlichen Liste schlichtweg übersehen. 
Wir fanden es sehr sympathisch, dass er seinen Fehler geradeheraus zugab - und als Entschädigung für die Wartezeit schenkte Carlos uns einen weiteren Ausflug. (Wir hatten für den nächsten Tag eine Vormittags-Bootsfahrt gebucht, nun bekamen wir noch eine Morgen-Tour geschenkt. Da traf es sich gut, dass wir durch unseren Jetlag ohnehin immer sehr früh munter wurden 😉.) Ich denke, jedem kann mal ein Missgeschick passieren, wichtig ist nur, wie man danach damit umgeht, und das hat Carlos wirklich zufriedenstellend gemacht.

Zwei erlebnisreiche Tage und Nächte lagen somit vor uns. Ich werde sie ein wenig raffen. Dennoch muss ich zwei Reiseberichtskapitel daraus machen, denn es gab in Tortuguero einfach zu viel zu sehen, um es in einem einzigen Kapitel unterbringen zu können.

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Die Landschaft, die ihr in der zweiten und dritten Collage seht, ist allerdings noch nicht der Tortuguero Nationalpark. Zunächst mal ging die Fahrt durch den malerischen Nationalpark Braulio Carrillo. Frühmorgens im Hotel hatten wir nur eine Kleinigkeit gefrühstückt, nun konnten wir uns in einem Restaurant einen Nachschlag gönnen und uns außerdem ein wenig in der schönen Landschaft die Beine vertreten. Carlos gab uns den Tipp, entlang eines Waldweges zu einem Fluss zu gehen, und hier war es wirklich traumhaft!

Das obere Bild möchte ich gerne übertiteln mit Du sollst mein Herzblatt sein oder Be my Valentine. Zwischen manchen riesigen Regenwaldpflanzen fühlte ich mich zuweilen wie ein Zwergerl.

Einige Zeit später hielt der Bus bei einer Anlegestelle für Boote in La Pavona. Von hier aus fand der Bootstransfer zur unserer Lodge statt. Denn eine Anreise nach Tortuguero mit dem Auto oder Bus ist nicht möglich, es führen keine Straßen dorthin. 

Es gäbe die Möglichkeit, mit einem Kleinflugzeug nach Tortuguero zu kommen, doch die Anreise per Boot durch Flüsse und Kanäle inmitten üppigster Natur ist ein kleines Abenteuer für sich und unbedingt zu empfehlen. Am Flußufer gibt es schon einige Vertreter der tierischen Vielfalt Tortugueros zu entdecken: in den nächsten beiden Collagen beispielsweise den Geoffroy-Klammeraffen (und zwar, wie ich glaube, die Unterart Ateles geoffroyi ornatus, die im zentralen und östlichen Costa Rica vorkommt und bei der IUCN als stark gefährdet gelistet wird). Wenn ihr mehr über die Affen Costa Ricas wissen wollt, klickt bitte HIER.

In manchen Streckenabschnitten gab es Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen für die Boote (rechts unten). In diesen Bereichen zeigte uns der Kapitän auch die verschiedensten Tiere.

Mehr als 300 Vogelarten, 30 Frosch- und Krötenarten, 28 Schlagenarten existieren in diesem Teil des Landes - viele von ihnen stehen ebenfalls auf der Liste der gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Arten und wären ohne diese Schutzzone womöglich bereits ausgestorben. Außerdem bietet der Nationalpark Lebensraum für weitere Affenarten und Faultiere, Krokodile und Kaimane, Sumpfschildkröten und mehrere Arten von Meeresschildkröten. Und den Letztgenannten verdankt der Park auch seinen Namen. (Zu sehen bekommen werdet ihr sie aber erst später ...)  

Die englische Übersetzung "Do not swin" auf dem Krokodil-Hinweisschild ist natürlich ein Schreibfehler. Wie auch immer, in einem Gewässer, in dem sich Krokodile befinden, müsste mich niemand daran erinnern, dass ich nicht schwimmen soll. In einem Gewässer mit Krokodilen hätte ich auch kein großes Bedürfnis, in einem Kanu oder einer Art Plastikschüssel (siehe oben Mitte links) herumzupaddeln... Schließlich könnte man auf diese Weise mit Futter verwechselt werden - und das Füttern dieser Tiere ist bekanntlich auch verboten 🐊😜... Wir waren also froh, dass wir uns bei den Morgentouren für weniger flache Boote entschieden hatten.

Unser Hotel in Tortuguero:  Die Laguna Lodge ist eine ökotouristische Anlage. Die Lodge wurde auf einem schmalen, 200 Meter breiten Landstreifen zwischen der Hauptlagune von Tortuguero und dem Karibischen Meer erbaut - also eine sensationelle Lage: Auf der einen Seite der Tortuguero Fluss mit seinen malerischen Kanälen, auf der anderen Seite das Karibische Meer und rundherum üppiger Dschungel aus Primärwäldern und exotischen Pflanzen

Die Zimmer sind in reihenhausartig angelegten Holzhütten untergebracht (siehe Foto unten) und schlicht, natürlich und sauber eingerichtet. Die Betten fanden wir bequem. Vor jedem Zimmer stehen zwei urige, mit Leder bespannte Schaukelstühle. Im Zimmer gibt es keine Klimaanlage, aber einen Ventilator. Den benötigten wir allerdings nicht - es war warm, jedoch nicht unangenehm heiß. Die Fenster haben zwar Fensterläden und ein Insektenschutzgitter, aber keine Fensterscheiben - wer gerne Urwaldgeräusche hört, ist also fein raus. Das Dach der Hütte besteht aus Wellblech - als es nachts heftig schüttete, klang das, als ob ein Zug durch unser Zimmer brausen würde. Wenn die Zimmernachbarn sich nicht halbwegs leise verhalten, hört man das auch gut durch. Ich war also aus mehreren Gründen froh über meine mitgebrachten Ohrenstöpsel.

Die Fruchsäfte, die wir zum Mittagessen hatten, sind mein Ticket zum Linkup T Stands For Tuesday 🍷🥤🍻🥂🍹🥛

In dieser Lodge waren alle Mahlzeiten im Preis inkludiert. Gleich nach unserer Ankunft konnten wir zum Mittagessen gehen. Das Essen holt man sich dort von einer langen Theke ab, indem man den Angestellten zeigt "Das will ich, das will ich nicht", und es schmeckte uns dort sehr gut. Die exotischen Fruchtsäfte gab es gratis dazu, und hier im Speisesaal konnte man auch die mitgebrachten Wasserflaschen gratis auffüllen. (Ihr erinnert euch - überall sonst im Land kann man das Wasser aus der Leitung trinken, nur an der Karibikküste wird es nicht empfohlen.) Edi und ich hatten das Glück, einen Tisch direkt am Ufer des Tortuguero Flusses zugeteilt zu bekommen - besser geht's kaum.

Der Garten der Anlage ist etwa zwei Hekar groß und mit den schönsten exotischen Pflanzen bestückt. Besonders begeistert haben mich die zahlreichen Mosaike, die in den Garten integriert wurden. Das Haupthaus und die lange Bank am Ufer erinnerten mich stark an Antoni Gaudis Park Güell. Und wer mich schon länger kennt, weiß dass ich den Stil von Gaudi, Friedensreich Hundertwasser und Niki de Saint-Phalle sehr liebe. 

Zwei hübsch geschwungene Swimmingpools laden zum Schwimmen ein, und am zweiten Tag bin ich dieser Einladung gefolgt. Am Ankunftstag war dafür keine Zeit, denn da hatten wir schon andere Pläne: Nach dem Mittagessen warfen wir uns in luftigere Klamotten ...


... und stiegen zusammen mit Carlos und allen, die Lust auf einen Ausflug hatten, wieder in das Boot, das uns zu unserer Lodge gebracht hatte. Diesmal ging es in die kleine Ortschaft, die genauso heißt wie das gesamte Gebiet - Tortuguero. Dem entsprechend steht auch hier alles im Zeichen der Schildkröte: Die originelle "Hänge-Schildkröte" in der ersten Reihe der folgenden Collage wurde übrigens aus einem alten Autoreifen gefertigt. Und das "Ortsschild" mit der Schildkröte ist eine ehemalige Sateliten-Antenne.

Oben links seht ihr unseren Guide Carlos; die Aufschrift Agouti auf dem Boot bezieht sich auf ein Tier, das wir in Costa Rica ebenfalls gesehen haben - allerdings nicht in Tortuguero, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Auch auf dem Mosaik und dem Mural an der Garagentür sind Schildkröten zu sehen. Doch natürlich gibt es in Tortuguero noch anderes "Tierisches" zu erblicken, z.B. nette Katzen und junge oder nicht mehr ganz so junge Hunde und Statuen mit Faultieren, Papageien oder Tukanen. Auf einer Hausmauer entdeckte ich das Mural, das ihr unten in der Mitte seht - die Tiere sind aufgeklebte Silhouetten. Die Aufschrift bedeutet: "Damit wir in Zukunft nicht nur Schattenbilder sehen..." 

Was den Schutz der Umwelt betrifft, hat sich im 700 Seelen-Ort Tortuguero in den letzten Jahrzehnten Entscheidendes verändert. Das kleine Dorf existiert erst seit etwa 1930; damals ließ sich eine kolumbianische Familie in der Gegend nieder. Gegen 1940 fing man in Tortuguero mit dem Abholzen des tropischen Regenwaldes an. Die Kanäle stammen aus jener Zeit, denn zum leichteren Abtransport des Holzes wurden Flussarme zu Kanälen ausgebaut. Vor ca. 20 Jahren verdienten außerdem viele Dorfbewohner noch ihren Lebensunterhalt als Schildkrötenjäger und verkauften deren Fleisch und Eier.

Die hübschen Kolibri-Abbildungen entdeckte ich auf einem Herrenhemd 😊👔

Durch die Gründung des Nationalparks 1975 und durch die unermüdliche Schulung der Bewohner durch Organisationen wie z.B. das Caribbean Conservation Center veränderte sich alles. Heute sind sich die Menschen in Tortuguero der Tatsache sehr bewusst, dass Tourismus auf Dauer mehr bringt als Umweltzerstörung, und der Schutz der Natur - besonders der Meeresschildkröten - steht nun im Mittelpunkt des täglichen Lebens. 

Es gibt auch ein Sea Turtle Conservancy in Tortuguero zu besichtigen. Dieses haben wir aber nicht besucht - wir hatten bereits in Thailand eine Schildkrötenaufzuchtstation gesehen. Deshalb zogen wir es vor, ein bisschen durch das Dorf zu bummeln und uns dann in einem der Lokale eine Erfrischung zu gönnen. Über das Buddacafé hatte ich in einem Reiseführer eine positive Bewertung gelesen, also gingen wir da hinein und genossen das schöne Ambiente mit Blick aufs Wasser.

Die blau bemalten Pfannen sind eine dekorative Recycling-Idee. Der zutrauliche rote Kater erinnerte uns an unseren lieben Maxwell 😻, von dem wir uns im August 2021 verabschieden mussten...

Leider konnten wir den (im Reiseführer gelobten) Sonnenuntergang nicht mehr im Buddacafé miterleben, denn zum Abendessen mussten wir wieder in unserer Lodge sein. Doch auch von hier aus gab es einen schönen Sonnenuntergang und verschiedene andere wunderbare Himmelsblicke zu sehen. 

Über Nacht zog dann ein heftiges Unwetter auf, das - wie bereits erwähnt - ziemlichen Lärm auf unserem Blechdach veranstaltete, aber zum Glück war es bis zum Morgen wieder vorbei.

Tag 5 Donnerstag 24. Nov 2022:
Und so konnten wir an diesem Tag - Dank Carlos' "Entschuldigungs-Geschenk" - gleich zweimal hintereinander zu Ausflügen auf den Wasserwegen von Tortuguero aufbrechen.
 
Hier zeige ich euch vorerst aber nur ein paar Teaser-Fotos von unserem frühmorgendlichen Ausflug. Schon in der Morgendämmerung sahen wir eine Vielzahl von Tieren, vor allem Vögel - die meisten allerdings zu weit weg oder zu bewegt, um bei diesen Lichtverhältnissen passable Fotos zustandezubringen. Aber auch die Silhouetten haben ihren Reiz: In der Mitte seht ihr einen Fischereisvogel der Gattung Chloroceryle (Grünfischer), rechts davon einen Fischertukan (Ramphastos sulfuratus), den Vogel ganz links kann ich leider nicht identifizieren.

Morgennebel in Tortuguero

Auf dem großen Foto unten seht ihr ein Blaureiher-Paar (Egretta caerulea) mit Brutgefieder. Blaureiher sind nämlich interessante, farblich wandelbare Vögel. Wir sahen z.B. einen Jungvogel, der weiß war wie ein Silberreiher oder Kuhreiher, doch unser Guide wusste, dass es sich um einen juvenilen Blaureiher handelte. Erwachsene Vögel haben ein blau-graues Gefieder und einen langen und spitzen, blauen oder grauen Schnabel. Während der Brut färbt sich der Kopf und der Hals der Vögel purpurfarben. Außerdem wachsen dort längere Schmuckfedern, und die Beine und Füße werden schwarz.

Unten rechts seht ihr einen weiteren Blaureiher, zu dem sich eine Bauchstreifen-Erdschildkröte (Rhinoclemmys funerea) gesellt hat, unten links einen Kaiman (Caiman) bzw. dessen Kopf und Nacken.


So, ihr Lieben, das war's mal für den Anfang - beim nächsten Mal gibt's dann so richtig viele Tiere zu sehen 😊! Hoffentlich seid ihr also bei meinem 7. Kapitel: Tortuguero Nationalpark, Teil 2 auch wieder dabei!

 

Fotos (wenn nicht anders angegeben): Herr und Frau Rostrose 

¡Adiós & Hasta la próxima!

eure   T  r  a  u  d  e

Rostrose auf Facebook


PS:
Ursprünglich wollte ich dieses Posting bereits am Valentinstag auf die Welt loslassen. Das ist mir jedoch nicht gelungen, weil wir am vergangenen Samstag und Sonntag unseren kleinen Enkelsohn Jamie bei uns hatten (was sehr süß und schön und zugleich ziemlich anstrengend war 😍😉). Ihr habt ja schon bemerkt, dass meine Reiseberichts-Beiträge recht aufwendig sind, dafür benötige ich also durchaus ein paar Stunden, und die fehlten mir diesmal. 

Doch ❤️ LIEBE ❤️ ist ja nichts, was sich allein auf den Valentinstag oder auf andere "festgesetzte Termine" wie Muttertag, Vatertag oder Weihnachten beschränkt. Deshalb passt die Nachricht mit dem Betreff 💚 Unsere Liebe gehört dem Regenwald! 💚, die ich anlässlich des Valentinstages erhielt, auch heute noch - und auch sonst an jedem Tag.

"Die Biodiversität ist in Regenwäldern so hoch wie nirgends sonst an Land. Regenwälder spielen auch für das globale Klima eine Schlüsselrolle. Nur wenn wir sie bewahren, können wir den Wettlauf gegen das Artensterben und die Klimakrise gewinnen." 

Fotoquelle: KLICK

In dieser Nachricht wurde angeregt, zum diesjährigen Valentinstag global zu denken, das Herz für den Regenwald zu öffnen und diesem ein Geschenk in Form einer Spende zu machen. Ich denke, in die Gesundheit der Welt zu investieren, ist immer eine gute Sache und ein sinnvolleres Geschenk als die immer gleichen Blumen oder Pralinen für die Lieblingsmenschen. (Und zur Not kann man ja BEIDES machen 😉.) 

"Liebe braucht keinen Grund – und die Faszination für den Regenwald auch nicht."

Wenn ihr derselben Meinung seid, kommt ihr HIER zu näheren Informationen der Organisation "Rettet den Regenwald".

HIER kommt ihr zur englischsprachigen Seite der Organisation (und ihr könnt auf der Seite oben rechts ein paar weitere Sprachen auswählen).

Mittwoch, 8. Februar 2023

Costa Rica - 5. Kapitel: La Paz Waterfall Gardens

 HIER kommt ihr zum gesammelten Reisebericht Costa Rica 2022.


¡Pura Vida, ihr Lieben!

Vielen Dank für eure tollen Kommentare zum 4. Kapitel meines Costa-Rica-Reiseberichts, in dem ich euch einige der sehenswerten Seiten von San José zeigte. Heute unternehmen wir einen Tagesausflug in die Provinz Heredia im Norden des Zentraltals - kommt ihr mit?

Tag 3 Dienstag 22. Nov 2022 
Nach einem gemütlichen Frühstück im Hotel wurden wir zu unserem Ausflug abgeholt. Etwas mehr als eine Stunde von San José entfernt befinden sich die La Paz Wasserfallgärten.

Vermutlich hätte schon die Fahrt dorthin ein Vergnügen sein können. Jedoch gab es hier bereits das erste Sprachproblem mit einem Fahrer. Im Kleinbus hatte nämlich offenbar jemand irrtümlich die Heizung eingeschaltet - und es war wirklich nicht kalt in San José 🥵! Außer uns saß nur ein britischer Tourist im Wagen, der zu höflich oder zu schüchtern war, um sich an den Fahrer zu wenden. Oder er war ebensowenig verstanden worden wie wir. Der Fahrer antwortete uns mit einem Handzeichen, das man in unterschiedlicher Weise interpretieren konnte. Wir dachten, er würde andeuten, dass man wegen eines Defekts leider nichts machen könne. (Das hätte uns nicht weiter gewundert, da sich der Bus sehr langsam und mit ziemlich lauten Motorengeräuschen über die kurvigen Bergstraßen quälte.) Dabei hieß es wohl "Ich verstehe nicht..." Am Ende unserer Fahrt, als wir schon ziemlich gut durchgebraten waren, begriff er unsere Pantomime - und drückte auf jenen Knopf, der die Heizung ausschaltete 😅.

Der Weg führte an Rinderweiden, weitläufigen Kaffeeplantagen und Erdbeerfeldern vorbei - diese Früchte gedeihen wohl in der Vulkanerde und im Klima dieser Region besonders gut. Bei einem Laden, in dem "Vulkan-Erdbeeren" verkauft wurden, gab es eine Kostprobe von Erdbeerwein und wir durften in einen anderen (normal temperierten) Kleinbus umsteigen. Zuvor musste ich aber noch ein paar der schönen blauen Hortensien fotografieren, die dort überall am Wegesrand gediehen, und außerdem ein paar Streicheleinheiten vergeben. (Ich greife ja nicht unbedingt alle Hunde an, die mir irgendwo vor die Füße laufen, aber der hier brauchte offenbar dringend ein bisschen Zuneigung und war sehr lieb. Leckerlis hatte ich leider keine dabei...)
 

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Und dann waren wir endlich an unserem Ziel - und mussten erst einmal tief Luft holen angesichts des atemberaubenden Anblicks: Das Wildlife Refuge La Paz Waterfall mit dem tropischen zoologischen Garten liegt eingebettet in eine wundervolle, waldbedeckte Berglandschaft. 

 

Es beherbergt über 100 Tierarten, fünf Wasserfälle und einen Nebelwald. (In der unteren Collage seht ihr einen Übersichtsplan.) Wir hatten uns dieses Ausflugsziel vor allem deshalb ausgesucht, weil wir darauf hofften, einigen der selten zu sehende Tierarten Costa Ricas zu begegnen und ein paar brauchbare Fotos von ihnen anfertigen zu können. Diese Hoffnung wurde nur teilweise erfüllt, aber wir kamen dennoch auf unsere Kosten.

Ich werde euch jedenfalls nur einen kleinen Teil der Tierfotos zeigen, die dort entstanden sind. Von Aras, Faultieren und Affen gelangen uns im späteren Verlauf unserer Reise interessantere Aufnahmen als hier im Zoo. Und von manchen Tieren gelangen uns hier wie dort keine guten Fotos...

Im Schmetterlingshaus jedoch wurde uns einiges geboten - hier bekamen wir die Chance, verschiedene Falter zu fotografieren, die wir in der freien Natur zwar sahen, aber niemals ein scharfes Foto zustande brachten. Und das Eichhörnchen (Rotschwanzhörnchen - Sciurus granatensis), das wir in der Nähe des Schmetterlingshauses entdeckten, war das einzige, das uns in Costa Rica begegnete.

Oben links und großes Foto Mitte: Schokoladenfalter (Siproeta epaphus), 3. Foto links: Zebrafalter (Heliconius charithonia), unten Mitte: Fischertukan (Ramphastos sulfuratus), unten rechts: vermutlich Dione Juno 
 
Besonders beeindruckend sind natürlich die Blauen Morphofalter (Morpho peleides) oder Himmelsfalter mit ihren leuchtend blauen Flügeloberseiten und einer Flügelspannweite von bis zu 12 Zentimetern! Ich habe unten das Foto eines (verletzten, aber flugfähigen) Morpho eingefügt, der sich auf der Jacke eines Mannes niederließ - so könnt ihr die Proportionen besser abschätzen. Die Unterseite des Blue Morpho sieht auch hübsch, aber längst nicht so spektakulär aus, sie ist braun-weiß gemustert mit gelb umrandeten Augenflecken.
 
Der schöne schwarzbraun-grüne Schmetterling ist ein Malachitfalter (Siproeta stelenes). Um welchen Falter es sich bei dem frisch geschlüpften gelben Exemplar rechts handelt, konnte ich leider nicht herausfinden. Für Identifikationshilfen oder Korrekturen bin ich - wie immer - dankbar.

Besonders freute ich mich über das Wiedersehen mit Kolibris! (Ich habe euch z.B. HIER schon erzählt, wie sehr mich diese kleinen Vögelchen begeistern.) Sie schwirrten in den Waterfall Gardens in freier Wildbahn umher, aber dank der mit Zuckerwasser gefüllten Futterspender wurden sie an einer bestimmten Stelle angelockt und ließen sich somit besser betrachten und fotografieren. 

Um sie besser identifizieren zu können, gab es in der Nähe der Futterstellen eine Tafel. Trotzdem war es nicht immer leicht, die Vögel zuordnen zu können, da sie den Zeichnungen zum Teil nicht sehr ähnlich sahen. Also nahm ich auch noch Google Lens zuhilfe und verglich dann mit der Tafel, welche Kolibris in dieser Region überhaupt vorkommen.*)

Rechte Seite von oben nach unten: Purpurkehlnymphe ♀ (Lampornis calolaemus), Violettdegenflügel ♂ oder Purpurdegenflügel (Campylopterus hemileucurus), Feuerkehlkolibri (Panterpe insignis) - hier stand übrigens dabei "Häufigkeit der Sichtungen: Selten"

*) Ich war und bin mir dennoch bei vielen Exemplaren nicht ganz sicher und nehme Korrekturen weiterhin dankbar entgegen.

Der Vogel in der folgenden Collage ist kein Kolibri, sondern ein Zuckervogel (Coereba flaveola) oder Bananaquit, er hielt sich aber in deren Nähe auf. Bananaquits können sich von Insekten oder Beeren ernähren - aber sie saugen auch Nektar aus Blüten. Dazu müssen sie sich jedoch an Zweigen festhalten, da sie nicht nicht wie Kolibris in der Luft stehen können - und sie durchbohren schwer zugängliche, schlauchförmige Blüten mit dem Schnabel von der Seite (wie man auf meinem Foto ganz links sieht). An den Futterspendern habe ich diese Vogelart nicht gesehen, vermutlich ist der Schnabel zu kurz.


Der Kolibri auf dem großen Foto in der Mitte ist offenbar wieder eine Purpurkehlnymphe ♀ (Lampornis calolaemus), daneben noch ein Violettdegenflügel ♂ (Campylopterus hemileucurus), untere Reihe Mitte: Grünstirn-Brillantkolibri oder Grünscheitelbrillant (Heliodoxa jacula). Und wie ihr unten links seht, prangt am 20.000-Colones-Schein auch ein Kolibri (aber fragt mich bitte nicht, welcher 😁).

Unten auf dem großen Foto und in der übernächsten Collage - sind das jetzt auch Grünstirn-Brillantkolibris (Heliodoxa jacula)? Oh Mann, liebe Vogelexperten, wie macht ihr das nur mit der richtigen Zuordnung? Ich bin schon ganz wirr im Kopf von all den ähnlich aussehenden und sich doch (oft nur in Winzigkeiten) unterscheidenden Vögelchen mit unterschiedlichen Namen! (Und manchmal handelt es sich um dieselbe Art, aber sie sehen dennoch unterschiedlich aus...) Meine Hochachtung, dass ihr das könnt!

 
Edi war - wie man sieht - am Verhungern und wollte bereits die Pflanzen verschlingen 😉 - zum Glück kündigte unser Guide die bevorstehende Mittagspause im Colibries Restaurant an. Offenbar war auch ich bereits zu hungrig um zu Knipsen, denn ich habe weder das Restaurant noch unser Essen fotografiert 😄! (Es gab hier jedenfalls Leckeres vom Buffet.)
 
Für die an Outfits Interessierten kurz noch ein paar Worte dazu: Die dunkelblaue Wanderhose habe ich mir im vergangenen Jahr im Hinblick auf die Costa-Rica-Reise gekauft, weil sie leicht ist, aus schnell trocknendem Material besteht und die Hosenbeine abgezippt werden können. Sie wurde übrigens von Tch*bo umweltfreundlich produziert. (Ich habe sie natürlich auch bei Wanderungen in der Heimat inzwischen schon mehrmals getragen. Abgezippt habe ich sie allerdings noch nie 😉 - bzw. nur daheim, um zu testen, ob es funktioniert.) 
Das gelb-weiß geblümte, koffertaugliche und ebenfalls schnell trocknende Oberteil ist eine Errungenschaft von der "Swap-Aktion" beim ue30-Bloggertreffen in München im Mai 2019 (von Maren); die gelbe Funktions-Wanderjacke leistet mir seit einigen Jahren schon gute Dienste bei Ausflügen in die Natur und die Antilopenlederhüte, die Edi und ich hier im "Partnerlook" tragen, haben wir 2016 in Namibia erstanden. (Der beste Sonnenhut, den ich je hatte!)

 
Edle Geschöpfe in Gefangenschaft: Nach dem Mittagessen war es an der Zeit, zu den "Dschungelkatzen"-Gehegen zu gehen. In mir kämpfen stets zwei Seiten gegeneinander: Die Seite, die diese wundervollen, für die Wildnis geschaffenen Tiere niemals in Gefangenschaft wissen möchte - und die Seite, die voller Glück ist, diese atemberaubenden Kreaturen aus nächster Nähe erleben zu können und zu wissen, dass sie hier nicht von Wilderern oder Lebensraumverlust bedroht werden.*) Ich würde mir eine Welt wünschen, in der Ozelote, Pumas und Jaguare (und all die anderen Wildtiere) frei und ohne Bedrohung existieren können, doch unsere Welt ist leider nicht so - also sind Nachzuchtprogramme und der Versuch, den Menschen den Wert dieser Lebewesen nahe zu bringen, derzeit die einzige Chance, ihr Überleben zu sichern. 
 
*) Bitte beachtet in diesem Zusammenhang auch die Petition am Ende meines Posts - Danke!

Oben Mitte: Ozelot (Leopardus pardalis), andere Fotos Puma (Puma concolor)
 
Wie alle anderen, die vor den Gehegen der Großkatzen standen, waren auch Edi und ich voller Staunen und Begeisterung über die eleganten, geschmeidigen Bewegungen, und wir fühlten uns aufgeregt und dankbar, dass wir diese schönen Tiere hier so nahe sehen durften. In freier Wildbahn würde uns eine solche Begegnung wohl kaum gelingen - schon gar nicht so hautnah - und wenn doch, dann hätten wir vermutlich nicht den Nerv, sie zu fotografieren 😉
 
Zwei verschiedene Jaguare (Panthera onca) in den La Paz Waterfall Gardens

Ich habe übrigens auch ein kurzes Video vom Jaguar, der sich elegant durch sein Gehege bewegte, aufgenommen. Doch wegen der Spiegelung der Fensterscheiben ist es nur sehr kurz geworden. Wenn ihr auf diesen Link klickt könnt ihr hingegen eine wirklich sehenswerte virtuelle Tour durch die gesamte Anlage machen. Bei der Gelegenheit könnt ihr auch Jaguare und Panther sowie einige weitere der dort lebenden Tiere ganz ohne Spiegelungen bewundern und ihr seht fantastische Bilder der Wasserfälle.

🐆 
 
 

Zu den faszinierenden Gesichtern von Puma und Jaguar hat sich in der oberen Collage auch ein Rind gesellt, das zu einem speziellen Gespann gehörte: Unten seht ihr einen der handbemalten, traditionellen Ochsenkarren, die in früheren Zeiten verwendet wurden, um damit z.B. die geernteten Kaffeebohnen zu transportieren.

 

Eines der Schilder in der oberen Collage zeigt die Wege zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten in den La Paz Waterfall Gardens an. Das zweite Schild verrät uns die Namen und die Höhe von drei der insgesamt fünf Wasserfälle des Areals. 

Und natürlich wanderten Edi und ich zu allen fünf Wasserfällen - was für ein Getose! Wunderbar! 

 

Danach war unser Ausflug zu Ende; wir trafen uns zum vereinbarten Zeitpunkt mit dem Guide beim Souvenirshop, und kurze Zeit später ging es mit einem (diesmal nicht überheizten) Kleinbus nach San José zurück. Bei der Gelegenheit waren wir sehr froh, nicht selbst mit einem Leihwagen unterwegs zu sein, denn die Straßen sind zur Stoßzeit regelmäßig total verstopft und wir brauchten eine gefühlte Ewigkeit, bis wir bei unserem Hotel waren. 

Zum Abendessen suchten wir wieder das Cafe Otoya Bistro auf, über das ich euch schon im letzten Blogbeitrag erzählt habe. Das Gebäude mit der tierischen Wandmalerei grenzt direkt an das Otoya-Gebäude.

Das Imperial-Bier, das ich im Otoya trank, ist mein Ticket zum Linkup T Stands For Tuesday 🍷🥤🍻🥂🍹🥛

Die Fotos mit der regennassen Fahrbahn habe ich allerdings schon am Vortag aufgenommen, als wir mit Christine dort waren. Am Abend des 22. November regnete es in der Hauptstadt nicht. Stattdessen hatte den ganzen Tag über ein mehr oder weniger blauer Himmel geherrscht (siehe Himmelscollage unten) - nur im Nebelwald hat man davon nicht viel bemerkt: Bei den La Paz Wasserfällen hat der Himmel eher weiß oder hellgrau gewirkt...


Ich danke euch fürs Mit-Reisen und Mit-Erleben! Beim nächsten Mal wird es noch spannender, denn ab nun geht's raus aus der städtischen Komfortzone und hinein in eines der Wildgebiete mit der größten biologischen Vielfalt Costa Ricas - den Tortuguero Nationalpark. Ich freue mich schon darauf, euch über unsere Zeit dort zu erzählen!


Fotos: Herr und Frau Rostrose 

¡Adiós & Hasta la próxima!

eure   T  r  a  u  d  e

Rostrose auf Facebook


PS:

In Costa Rica gibt es einige Schutzgebiete für den Jaguar. Das ist leider längst nicht überall so. Der Gran Chaco ist eine Region mit Trockenwäldern und Dornbuschsavannen im Inneren Südamerikas. Doch wie an traurigerweise so vielen Orten dieser Welt wüten auch hier die Bulldozer oder absichtlich gelegte Feuer, um Platz zu schaffen für Rinderweiden und Futtermittel-Plantagen mit Gen-Soja - mit fatalen Folgen für das Weltklima. Und hier, im argentinischen Gran Chaco, kämpfen die letzten 20 Jaguare ums Überleben. 

Die Zeit drängt: Wir müssen jetzt Druck aufbauen, um die Verantwortlichen dazu zu bringen, den Lebensraum der Jaguare zu schützen. Klickt bitte HIER zur Greenpeace-Petition. Jede einzelne Stimme zählt, um diese wundervollen Geschöpfe zu retten!