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Freitag, 25. September 2020

Alles an einem Tag: Natur und Historie in Mayerling - Kunst und Kultur in Wien


 Servus, ihr Lieben!

 

In meinem vorigen Beitrag blickte ich auf den rostrosigen Juli 2020 zurück. Ich habe mich sehr über eure virtuelle Begleitung durch diese bewegten Sommerwochen gefreut - recht herzlichen Dank für eure wunderbaren Kommentare dazu 💚! 

Unter anderem erwähnte ich darin einen Ausflug nach Mayerling, den ich am 12. Juli ohne Herrn Rostrose unternommen habe - aber da Edi und ich am 15. September gemeinsam am selben Ort waren, versprach ich, euch in Bälde die Fotos von beiden Ausflügen zu zeigen. Der letztgenannte Ausflug war eine Mischung aus Natur und Kultur, denn zunächst besuchten wir dort ein ehemaliges Jagdschloss, das jetzt ein Museum und ein Kloster ist. Und ein Ort, der ganz schön viel Historie verströmt!
 
  [Dieser Beitrag kann Werbung enthalten - durch Links zu externen Seiten, desweiteren durch Fotos, Orts-,
Firmen-, Lokal- und Produktnennungen... - die ohne Sponsoring, ohne Auftrag und ohne Bezahlung erfolgt.]


Schloss Mayerling:
Die inmitten des Wienerwalds gelegene Ortschaft Mayerling besteht gerade mal aus 44 Häusern und 273 Einwohnern; in der Österreichischen Geschichte ist sie dennoch von großer Bedeutung. Schon als Kind faszinierte mich, was ich davon aufschnappte. Wann immer wir in meiner Kindheit oder Jugendzeit - unterwegs zu irgendwelchen Wienerwald-Ausflügen - an einer Tafel vorbeifuhren, die auf Mayerling hinwies, kamen meine Eltern nämlich auf "die Tragödie" oder "die Affaire" von Mayerling zu sprechen. Und weil darin so viel Geheimnis steckte, gelang es ihnen, mein Interesse zu wecken. Doch aus verschiedenen Gründen ergab es sich erst im Jahr 2020, dass ich den "Ort des Geschehens" besuchte.
 
Aufnahmen der Anlage in Mayerling von unserem Ausflug am 15.9. / Foto von Kronprinz Rudolf - Quelle: Klick / Foto 
von Mary Vetsera - Quelle: Klick

 
Schauplatz der Tragödie war das einstige Jagdschloss in Mayerling bei Alland. Denn hier starben im Jänner 1889 unter noch immer nicht restlos geklärten Umständen der 30jährige Österreichische Kronprinz Rudolf und die erst 17jährige Baronesse Mary Vetsera
 
Heute beherbergt das Schloss den Karmel St. Josef der Unbeschuhten Karmelitinnen und eine  Ausstellung, die sich mit dem Leben und Sterben des Kronprinzen und der Baronesse beschäftigt.  Ich kann euch hier aber aus Platzgründen lediglich Teile der Geschichte erzählen und die Personen nur kurz vorstellen - falls ihr mehr darüber wissen wollt, findet ihr hier eine sehr gut aufbereitete Seite mit zahlreichen Informationen über das einstige Jagdschloss und nunmehrige Kloster sowie die handelnden Personen, und klickt bitte auch auf die übrigen eingefügten Links.)



Rudolf, Kronprinz von Österreich und Ungarn (21. August 1858 - 30. Jänner 1889), war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Ihr könnt euch gewiss vorstellen, dass von seiner Geburt an hohe Erwartungen in ihn gesetzt wurden. Das sensible Kind wurde seiner Mutter weitgehend entzogen und von Erzieherinnen, gestrengen Hauslehrern und einem Generalmajor ausgebildet - es sollte "ein guter Soldat, begeisterter Jäger und braver Katholik" werden. Einer seiner Erzieher setzte dermaßen drakonische Maßnahmen ein - klick - dass Elisabeth die psychische und physische Gesundheit ihres Sohnes bedroht sah und erfolgreich intervenierte. Elterliche Liebe und Zuwendung scheinen dem Kronprinzen während seiner gesamten Kindheit und Jugend gefehlt zu haben. Später entwickelte er (für die damalige Zeit) radikale politische Ansichten, "die dem konservativen Charakter eines künftigen Monarchen nicht entsprechen würden" (Aussage von Friedrich von Beck-Rzikowsky). Da er sich unglücklich in so vielen Lebensbereichen fühlte, suchte er sein Heil zunehmend in Affairen und Alkohol und experimentierte mit verschiedenen Drogen. 

Mich hätte sehr interessiert, welcher Staatsmann aus ihm geworden wäre, sofern man ihn gelassen hätte. Sein Vater hielt ihn für schwach, doch war er das wirklich? Oder wurde er nur geschwächt und letztendlich krank an Geist und Körper, weil er nicht der sein durfte, der er war? Im Neuen Wiener Tagblatt hatte der Kronprinz unter einem Pseudonym mehrfach kritische Artikel geschrieben, die ihn als Kämpfer gegen Nationalismus und Antisemitismus sowie als Förderer der Wissenschaft zeigten. Seine liberalen, antiklerikalen und pro-jüdischen Ansichten wurden bei Hof allerdings bestenfalls als überspannt und unreif betrachtet, von mancher Seite zog er sich auch Feindseligkeit zu. Womöglich wäre durch einen freidenkerischen Mann wie Rudolf an der Spitze Österreichs das gesamte Zwanzigste Jahrhundert anders verlaufen - und wer weiß, vielleicht sogar ohne die beiden verheerenden Weltkriege? Hier eine interessante Analyse der historischen Person Rudolf, die aber natürlich auch keine endgültige Antwort auf die Frage nach dem "Was wäre wenn" bieten kann.



Marie Alexandrine Freiin von Vetsera, genannt Mary (19. März 1871 - 30. Jänner 1889), war das dritte von insgesamt vier Kindern des Diplomaten Albin Ritter von Vetsera, und seiner Gemahlin Helene, geborene Baltazzi, die aus einer der reichsten Familien Konstantinopels stammte. Mary war attraktiv, verwöhnt, sinnlich, leidenschaftlich, "etwas kokett, gehasst von anderen Frauen, die durch sie in den Schatten gestellt wurden. Für mich hat sie nur einen einzigen Fehler begangen, und den hat sie mit ihrem Leben gebüßt", so ihr Hauslehrer. "Wer war schon die Vetsera?", meinte Rudolfs Ehefrau Stephanie über sie. "Noch die letzte Nacht verbrachte er bei seiner Freundin, der Grand Cocotte*) von Wien." Doch Mary, die heftig für den Kronprinzen geschwärmt hatte, war da, als sonst niemand für ihn da war.

*) = Mizzi Kaspar, siehe weiter unten.

 Lithografie - Mary und ihr älterer Bruder Ladislaus, der 1881 beim Ringtheater-Brand ums Leben kam; einer von 
Marys insgesamt vier Särgen; Portrait von Mary als Jugendliche; Rosen vor dem Teepavillon sowie einer der erst 2015
 der Öffentlichkeit bekanntgegebenen Abschiedsbriefe Mary Vetseras (Quelle: KLICK)

 

Nach heutigem Wissensstand hat der Kronprinz sowohl sich selbst als auch Mary Vetsera erschossen; Mary dürfte aus Liebe freiwillig mit ihm in den Tod gegangen sein. Dies ist jedenfalls ihren lange Zeit verschollenen und erst vor wenigen Jahren wieder aufgetauchten Abschiedsbriefen zu entnehmen. (Ich nehme an, dass ihre Echtheit genauestens überprüft wurde.) Ein ausschließlich romantisch-sentimentaler Liebestod scheint es in seinem Fall jedoch nicht gewesen zu sein, viel eher wohl eine vielschichtige Verzweiflung, die ihm das Leben unerträglich machte.

Rudolf dürfte aus verschiedenen Gründen unter Niedergeschlagenheit gelitten haben  - ob auch unter der Krankheit Depression, ist mir leider nicht bekannt. Er war im Hof isoliert, seine Hoffnung auf ein friedliches, liberales Europa schwand dahin, ebenso seine Gesundheit, denn er hatte sich durch seinen unsteten Lebenswandel ein sogenanntes venerisches Leiden zugezogen. (Die „venerische Krankheit“ war häufig ein Synonym von Syphilis.)

Zwar hatte er 1881 auf Druck des Hofes Prinzessin Stephanie von Belgien geheiratet, doch das einzige, was sie verband, war die gemeinsame Tochter Elisabeth. Sonst waren sie in Charakter und Weltanschauung zu weit voneinander entfernt und wurden einander im Lauf der Ehe immer fremder; stattdessen pflegte Rudolf mehrere Affären. Mit seiner langjährigen Geliebten Mizzi Kaspar, der oben erwähnten "Grand Cocotte von Wien" verbrachte er (wie seine Ehefrau so treffend bemerkt hatte) noch eine der letzten Nächte seines Lebens. Angeblich wollte er mit ihr zusammen in den Tod gehen, doch Mizzi weigerte sich und benachrichtigte sogar die Polizei über Rudolfs Selbstmordpläne. Diese Information wurde allerdings ignoriert. (Mizzi Kaspar starb im Jahr 1907, laut Totenschauprotokoll an Rückenmarksverhärtung, Folgeerscheinung einer Syphilis.) 

Auch Prinzessin Stephanie war übrigens im Jänner 1889 bei Kaiser Franz Joseph vorstellig geworden, um ihm zu berichten, dass ihr Ehemann in schlechter körperlicher und seelischer Verfassung war - "hinabgezogen in eine andere Welt" - doch Rudolfs Vater bagatellisierte diese Nachricht. Bis es dann, am 30. Jänner 1889, zu spät war, um die Tragödie zu verhindern.


Fest steht, dass man danach alles versuchte, um den Doppelselbstmord - oder Mord und Selbstmord - zu vertuschen. Zeugen wurden zu lebenslangem Schweigen verpflichtet und die Leiche Mary Vetseras schaffte man heimlich aus dem Jagdschloss. Erst nach dem Ende der Monarchie wurde offiziell bekannt, dass auch sie in jener Nacht in Mayerling zu Tode gekommen war. Wichtige Unterlagen wurden vernichtet, österreichische Zeitungen mussten Falschmeldungen bringen - so hieß es in einem Blatt, der Kronprinz sei an einem Herzschlag verstorben, in einem anderen war zu lesen, dass er einen tödlichen Schlaganfall erlitten hatte, und auch von einem Jagdunfall war die Rede - während ausländische Zeitungen längst über Selbstmord schrieben. Letztendlich kamen Teile der Wahrheit heraus, doch es wurde weiter getrickst: Um ein kirchliches Begräbnis für Rudolf zu ermöglichen, wurde ihm ärztlicherseits geistige Verwirrung zum Zeitpunkt seiner Selbsttötung konstatiert. Gerade durch all diese Heimlichtuerei begannen sich aber zahlreiche Gerüchte um Rudolfs und Marys Tod zu ranken, und manche - wie das Gerücht, dass gedungene Mörder den Tod der beiden verursacht hätten - kursieren auch heute noch.


Auf Veranlassung von Kaiser Franz Joseph I. wurde das Jagdschloss noch im Jahr 1889 zu einem Kloster umgebaut - das Gebäude von damals ist (bis auf den Teepavillon) kaum noch wieder zu erkennen. Für den Umbau und den Unterhalt der Karmelitinnen, die besonders für das Seelenheil Rudolfs beten sollten, errichtete der Kaiser eine Stiftung mit einem Kapital von 140.000 Gulden. Der Hochaltar der neu errichteten neogotischen Kirche erhebt sich nun an der Stelle des Sterbebettes von Kronprinz Rudolf. An der Stelle der Seitenkapelle lag das Zimmer des Kammerdieners Loschek. An der Tür zu dieser Seitenkapelle befindet sich u.a. folgende Information: "Die Statue der schmerzhaften Gottesmutter, deren Herz von einem Dolch des Leidens durchbohrt wird, stiftete Kaiserin Elisabeth. Sie konnte freilich nicht ahnen, dass sie 1898 selbst erdolcht werden würde..." Zwar hatte sie nie viel Kontakt zu ihrem Sohn gehabt, doch in ihren liberalen Ansichten waren Rudolf und Elisabeth einander sehr ähnlich. Nach Rudolfs Tod trug Elisabeth bis zu ihrem Lebensende (fast) nur noch schwarze Kleidung.

Der Teepavillon und das Schloss im Wandel der Zeit: Oben links: Der heutige Zustand des Pavillons; oben rechts Decke 
vor der Renovierung (Bildquelle: Klick); alte Postkarte mit Ansicht des Schlosses (Quelle: Klick); großes Foto unten rechts: 
Decke und Wandmalerei nach der Renovierung; Teepavillon 2005 vor Renovierung (Quelle: Klick); Grundrissplan des 
Anwesens (Quelle: Klick)

 
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, doch auch nach der Wiederinstandsetzung war es in keinem besonders guten Zustand - nasse Grundmauern, Schimmel, loses Mauerwerk, herabfallender Putz... 1967 brach im Inneren des barocken Teepavillons ein Brand aus - er hinterließ vor allem an der ornamentalen Deckenmalerei schwere Schäden. Da die Schwestern selbst für den Erhalt des Gebäudes sorgen müssen, wurde das Projekt „Rettet den Karmel Mayerling“ ins Leben gerufen. Zwischen 2014 und 2017 wurden die Renovierungsarbeiten durchgeführt, und im Jahr 2014 erfolgte auch die Eröffnung eines Besucherzentrums. 

Unser Eindruck: Die Ausstellung ist interessant aufbereitet, und auch den kleinen Teepavillon mit der renovierten Deckenmalerei, die Kirche und den Garten fanden wir sehenswert. (Es wäre jedoch noch sehr viel Platz für weitere bienenfreundliche Pflanzen übrig 😉🌸🐝)

Das Tor zur Kirche Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel ist mein T in die neue Woche

 

Für die an Kleidung Interessierten unter euch kann ich hier mein Ausflugs-Outfit vom 15. September zeigen: Eine dezent in Waldfarben getönte, aber dennoch rostrosige Mischung aus Museums- und Wanderanzug - stellt euch dazu bitte noch meine Bergschuhe vor 😉: Denn im Anschluss an unseren Museumsbesuch unternahmen wir noch eine kleine Wanderung auf einem der nahe dem Schloss gelegenen Wege.

Meine Kleidung war zwar durch Brombeertöne und Waidmannsgrün an den Frühherbst angepasst, aber der Himmel! oh! - der war weit weg vom Herbst... Ihr werdet sehen, dass er bei meinem Sommerausflug im Juli nicht annähernd so blitzblau war wie an diesem Septembertag! In der folgenden Collage könnt ihr einen septemberlichen Blick auf die Anlage und die Umgebung werfen. Auch sonst haben wir an diesem Tag dort noch einiges Schönes gesehen - aber nicht mehr fotografiert. Macht nichts: Ich hatte ja schon die Fotos von meinem vorangegangenen Mayerling-Ausflug im Juli 😉

Rückblick auf den 12. Juli:
Es ist leider nicht dokumentiert, welche Kleidung ich bei meinem Solo-Ausflug im Juli trug, aber ich kann euch einige Fotos bieten, die an diesem Tag bei meiner Wanderung entstanden sind. Zunächst ein Blick auf die Anlage von beinah derselben Stelle aus wie im September - und bei der Gelegenheit bekommt ihr gleich ein paar Himmelsblicke dieses Tages zu sehen. Daran lässt sich erkennen, dass das Wetter an jenem Junitag eher wechselhaft war - auf der einen Seite türmten sich schwere Wolken, auf der anderen zeigte sich leichtfüßiges Blau und auch die Wolken sahen freundlich aus. Wie auch immer: Ich blieb an jenem Tag trocken.

Für Novas Glockenturm-Linkup habe ich die Kirche von außen aus mehreren Perspektiven aufgenommen. Und auch das renovierte Dach des Teepavillons seht ihr in der folgenden Collage von außen:

Die weiteren Aufnahmen von Pflanzen und Kleingetier entstanden dann schon auf dem einsamen Wanderweg. Die einzigen maßgeblichen Geräusche, die ich beim Wandern hörte, stammten von einem großen Greifvogel - leider gelang es mir nicht, ihn zu fotografieren - er stieß seine wilden Rufe aus und verschwand hinter Wipfeln oder Wolken. Der Kaisermantel-Falter in der übernächsten Collage zeigte sich da um einiges kooperativer.

Der Durchblick im Wald wäre auch ein schönes Tor für Nova...

Lesung in Wien:
Zurück zum 15. September. Der Tag war nach unserem Ausflug natürlich noch nicht zu Ende. Denn in meinem Posteingang war eine Einladung zu einer Lesung gelandet. Der Wiener Autor Stefan Slupetzky würde um 18.30 Uhr aus seinem neuen Erzählungs-Band „Atemlos“ lesen - und zwar vor dem Brunnen am Sobieskiplatz im 9. Wiener Gemeindebezirk. Aufgrund der aktuellen Covid19-Situation verlegte der Buchladen Hartliebs Bücher seine Lesungen nämlich ins Freie, um für den Mindestabstand garantieren zu können.

Weil wir Stefan und seinen Stil mögen, weil wir sein neuestes Werk noch nicht kannten und weil wir finden, dass man Kunst und Kultur in Zeiten wie diesen umso mehr fördern muss, zwängten wir uns mit unserem "Teil-Elektrischen" in den dichten Abendverkehr und fuhren rund anderthalb Stunden lang nach Wien.
 
 
 
In der Natur war mir nach dezenten Tönen zumute gewesen, für den lauen Septemberabend hatte ich Lust auf Knallerfarben. Als Basis ist da mein Alle-Farben-Rock vom Weltladen natürlich bestens geeignet. Dass ich derzeit sehr auf Orange stehe, habe ich in meinem vorigen Post schon erwähnt, deshalb griff ich zu meiner selbstgefärbten Bluse und der afrikanischen Kette. Wenn's dann so richtig fetzen soll, empfiehlt sich dazu die Wahl von gelbstichigem Blau, ergänzt durch meine hellgrünen Sandalen von Waschb*r. So bunt fühle ich mich nicht an jedem Tag wohl, aber an diesem Abend schon - und ich gebe solchen Bedürfnissen gerne nach 😊. 
 
 
 
Diejnigen unter euch, die schon länger bei mir lesen, wurden schon das eine oder andere Mal mit dem Namen Stefan Slupetzky konfrontiert. Er ist ein Österreichischer Schriftsteller,  Krimiautor, Kinderbuchautor, Illustrator und Musiker, den mein Göttergatte und ich schon vor ein paar Jahren persönlich kennengelernt haben - und das kam so:
 
Irgendwann vor dem Sommer 2008 las Edi einen Taschenbuch-Krimi, der ihn offenbar gut unterhielt, und er meinte, der würde mir sicherlich auch gefallen. Nachdem Krimis nicht so ganz das sind, wo meine Finger zuerst hingreifen wollen, ließ ich mir eine Weile Zeit damit, aber irgendwann ging mir der Lesestoff aus und ich griff zu Stefan Slupetzkys Der Fall des Lemming. Dieses (übrigens preisgekrönte) Buch löste zahlreiche Deja-vus und Gefühle bei mir aus, weshalb ich nach einigem Überlegen meinem Bedürfnis nachgab, im Internet die E-Mail-Adresse des Buchautors fand und ihm meine Meinung schrieb! Zum Beispiel, dass seine Geschichte neben der Krimihandlung Witz und Tiefgang hat und dass es mir gefällt, dass er sich kein Blatt vor den Mund nimmt, dass ich durch seine Schilderungen an Gefühle erinnert werde, die ich, als wir noch in Wien lebten, verspürt habe oder die aus anderen Gründen eine Bedeutung für mich besitzen – Kaffeehausnostalgie, Baustellenlärmfrust, …  und an jugendliche Ohnmacht vs. Lehrer-Omnipotenz - und dass man an seinen  Beschreibungen erkennt, dass er ein Mensch ist, der malt - ohne beim Griff in den sprachlichen Farbtopf zu übertreiben.
 

 
Kurz, ich hatte von Anfang an irgendwie das Gefühl, ein Buch zu lesen, das ein "guter alter Freund" geschrieben hat. Ich schrieb meine Mail ohne Hintergedanken und ohne die Erwartung, dass wirklich eine Antwort kommen könnte - einfach nur aus dem Bedürfnis heraus, einem Österreichischen Autor ein positives Feedback zu geben und ihm zu versprechen, dass ich seine weiteren Lemming-Bücher ebenfalls lesen würde (was sowohl Edi als auch ich mittlerweile getan haben) und auch Lust auf weitere seiner Werke bekommen hätte. Zu meiner Überraschung kam wenige Tage danach eine sehr sympathische, erfrischend natürliche und offene Antwort von Stefan. 
 
Kurze Zeit später gab es dann eine Art "Zusammenarbeit", denn Edi und ich beteiligten uns beim Radio-Wien-Hörer-Roman, der von zwei bekannten Österreichischen Autoren betreut und redigiert wurde - und einer davon war Stefan Slupetzky. Ich habe euch im Jahr 2009 HIER und vor allem HIER über diesen Mundartroman und seine Präsentation bei Radio Wien erzählt. Auch Stefans musikalische Seite stellte ich euch in meinem Blog bereits vor - HIER könnt ihr über unseren Besuch einer sehr amüsanten Vorstellung des "Trio Lepschi" im Jahr 2017 lesen.

Wie üblich bei seinen Lesungen, "tigerte" sich Stefan Slupetzky so richtig in seine Stories hinein. Interessanterweise hat er noch vor Covid 19 eine Kurzgeschichte geschrieben, in der es um eine Pandemie geht. Aber verraten will ich euch darüber nichts, denn vielleicht habt ihr ja Lust, sein Buch selbst zu erwerben. Hier der Text aus der Kurzbeschreibung:

"Was macht ein schlitzohriger Wiener Privatdetektiv in Hessen? Er wird von einem Vermögensverwalter auf die Entführer seiner Tochter angesetzt. Wie sich bald herausstellt, ist nichts an dieser Entführung, wie es sein soll …
Ein britischer Konsulent verschafft einem deutschen Seidenkrawattenfabrikantensohn auf unkonventionelle Weise den größten Erfolg seines Lebens – freilich läuft das nicht ohne Kollateralschäden ab.
Gruselige Gerüchte treiben zwei Internatsschüler auf den einsamen Turm hinauf. Tatsächlich finden sie dort ein eingelegtes Herz, das ganz und gar nicht tot ist und so einiges im Leben der Buben ändert.
Stefan Slupetzky ist wie gewohnt scharfzüngig und scharfsinnig, seine Geschichten verführen zum Lachen und verursachen Gänsehaut."

Wie immer, wenn wir zu einem "Slupetzky-Abend" gehen, haben wir uns gut unterhalten, und natürlich haben wir ihm seinen Erzählband Atemlos abgekauft, auch zur Freude der Damen von Hartliebs Bücher. Stefan schrieb uns auch eine Widmung hinein: "Für Traude und Edi - Von Herzen!" 😊

 

Kurzbesuch im Atelier:
Im Publikum saß eine Frau, die dankenswerterweise die Klappsessel aus ihrem Atelier für die die Gäste der Lesung zur Verfügung gestellt hatte. Nach Stefans Darbietung halfen wir beim Zurücktragen der Stühle und nützten dabei auch gleich die Gelegenheit zu weiterem Kunstgenuss. Denn die Plastiken von Sabine Pleyel sind ausgesprochen sehenswert.

Nach eigener Aussage bevorzugt Sabine Pleyel für ihre Skulpturen die Materialien Stein und Bronze. "Begründet liegt diese Entscheidung in der thematischen Ausrichtung meiner Arbeiten und an der großen Faszination schwer zu bearbeitender Materialien." Es interessiert sie, die Grenzen dieser Werkstoffe auszuloten und sie stellt sich gerne der Herausforderung, den "Widerspruch zwischen der Leichtigkeit des Moments und der oft spröden Schwere des Materials" aufzuheben. Mich faszinierte auf Anhieb ganz besonders die Plastik links unten - der Kopf aus Quarzit, der den Mann aus Bronze verschlingt - die Inspiration dazu kam laut Frau Pleyel aus der Form des Steins (der schon eine Art "Maul" hatte). Das hell-dunkle Paar ist aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt, das von Natur aus zweifärbig war, das heißt, sie musste erst mal den Punkt herausarbeiten, an dem eine Person sich von der anderen abhebt. Auch dieses Werk hat uns sehr beeindruckt.

 

Und somit sind wir durch unsere Fahrt nach Wien sogar gleich zweimal in kulturellen Genuss gekommen. Und hatten ganz allgemein wieder einen wunderbaren und erfüllten Tag. Ich hoffe, auch ihr habt das virtuelle Dabeisein wieder genossen und vielleicht auch das eine oder andere Neue erfahren!

Nun wünsche ich euch noch angenehme Septembertage und schicke euch ganz, ganz liebe Grüße! Demnächst geht es voraussichtlich mit meiner Sommer-Rückschau weiter - diesmal auf den August 2020.


Herzlichst, eure Traude



Gerne verlinke ich passende Beiträge bei: 
Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche,
Artis Schilderwald-Linkup, Heidis Aktion Himmelsblick
My week in colours von Maren - Farbwunder Style, Style Splash von Emma,
Friday Bliss - bei Riitta von Floral Passions,
Garden Affair - bei Jaipur Garden, 

 

Samstag, 27. April 2019

Unique - Nicht perfekt, aber einzigartig - Teil 3

Servus, ihr Lieben,
💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗


... es geht weiter mit meiner "Sammlung" einzigartiger Menschen, die zwar nicht "perfekt"
sind, aber dafür hervorragend dazu geeignet, sich auf die eine oder andere Weise ein 
Beispiel an ihnen zu nehmen. Frau Kreitzman ist z.B. ein wunderbarer Ansporn zu
später Selbstverwirklichung... und hat auch sonst Ansichten, die mir aus der Seele sprechen:


💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗
Sei mutig, sei abenteuerlustig und lebe unkonventionell, wenn du kannst. Verleihe deinem Leben 
eine Bedeutung. Höre auf, Reality-TV zu schauen und Klatschblätter zu lesen. Gehe stattdessen 
raus und unternimm Dinge, die wirklich etwas bedeuten. Überrasche dich und die Welt.
Sue Kreitzmann

 💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗

Sue Kreitzman - Künstlerin, Autorin, „Fabulous Fashionista“ und Begründerin der Londoner
Ausstellung "WOW !!" (für Wild Old Women) - ist unter anderem berühmt für ihre auffälligen,
farbenfrohen Outfits und ihren extravaganten Schmuck. Vor vielen Jahren hatte ich eine Vision
von mir selbst als alter Frau. In wallenden Gewändern und mit wehendem Haar umtanzte ich einen
Dorfbrunnen, den ich selbst gestaltet hatte... und irgendwie hatte ich Ähnlichkeit mit Sue
 Kreitzman, die ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht kannte... vor allem, was die Kleidung
betrifft. Und bestimmt hatte ich mindestens so viele Falten wie sie.


🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚
  Sue Kreitzmann über Botox und Schönheitschirurgie:

Wieso sollte sich irgendjemand freiwillig die falsche Fassade einer verschwundenen Jugend
 mumifizieren? Wieso sich nicht-lebensnotwendigen und gefährlichen Operationen unterziehen, 
nur um dann ein wenig unechter und einbalsamierter auszusehen, bevor man das Zeitliche 
segnet? Unser Charakter, unser Leben spiegelt sich in unserem Gesicht wider, wieso das für einen 
törichten Traum von künstlicher Jugend auslöschen? Schönheit verändert sich, wenn wir älter 
werden. Die Schwerkraft fordert ihren Tribut, die Haut schrumpelt, die Gelenke schmerzen. Ich 
sage euch, na und?! Zeigt es, seid stolz darauf und feiert, dass ihr noch lebt. Macht aus eurem 
Leben etwas Sinnvolles, ohne wertvolle Zeit damit zu verschwenden, etwas künstlich festzuhalten.
🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚


Ein Mehr an Bunt ist fast nicht möglich 😊 Sie sagt: "Don't wear beige, it might kill you." - Bilder von HIER



Ihr Alter liegt nach eigener Aussage bei „irgendwas zwischen Mitte 70 und Unendlich“. (Wenn
meine Informationen stimmen, wird sie im nächsten Jahr 80.) Ursprünglich stammt sie aus New
York, doch durch die Kunst gelangte sie nach London.


Ehe sie Künstlerin wurde, schrieb sie höchst erfolgreich 27 Kochbücher - damals 
sah sie noch ganz "harmlos" aus - KLICK. Als Künstlerin ist sie eine Spätberufene - man könnte 
sagen "je oller, desto doller" ... aber "alt" ist Sue Kreitzmann nicht!


🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚
Sue Kreitzmann über das Alter:
 
Alter spielt keine Rolle. Lebensfreude, Mitgefühl, Gestalten, Teilen, Interagieren; das sind 
Dinge, die deine Lebenssäfte am Fließen halten und die Welt zu einem besseren Ort machen.
🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚

Falten, quietschende Gelenke und die Schwerkraft sind nichts 
im Vergleich zu schierer Lebensfreude.
🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚


 Bilder von HIER


Im Jahr 1998 passierte "etwas" ("Ich bin immer noch nicht sicher, was", sagt sie selbst darüber) 
- sie hörte auf zu schreiben und zu kochen und begann stattdessen zu zeichnen, zu malen und 
Assemblagen zu bauen - teilweise aus dem, was andere als Müll bezeichnen würden. (Es gibt da 
z.B. einen Ring, dessen "Schmuckstein" der halbierte Kopf einer Barbiepuppe ist... KLICK zu einem 
Video über Sues Ringe). Inspiration findet sie unter anderem in Stammeskunst aller Art und in ihren
 persönlichen weiblichen "Heldinnen": Josephine Baker, Frida Kahlo, Eva, Medusa...

🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚
Hier noch ein paar ihrer Zitate, die mich sehr ansprechen:

Kümmere dich jetzt um deinen Körper, damit du das Beste aus deiner Zeit im höheren 
Alter machen kannst. Hab Spaß, mein Darling! Tu etwas! Mache aus der Welt einen 
besseren Ort! Älterwerden wird dir viel Spaß bereiten!
🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚

Ich bin die ganze Zeit beschäftigt. Ich habe meine Familie. Ich bin umgeben von großartigen 
Künstlerfreunden und ich habe meine Kunst. Solange ich lebe, solange bin ich nicht alt.
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Silberfarbene Strähnen sind ein Geschenk, nimm es dankbar an. 
🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚


Es ist offensichtlich nie zu spät, um mit der Selbstverwirklichung anzufangen. (Bilder von HIER)

💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗


Nach diesem Farbenrausch gibt es zur Augenberuhigung etwas Black & White. Und nach so
viel WOW-Frauenpower zum Ausgleich einen Mann. Mit Schmuck und modischem Schnickschnack
hatte er nichts am Hut: Von Oskar Werner las ich einst, dass er ein- und denselben Anzug in 
mehrfacher Ausfertigung im Schrank hatte, um nicht darüber nachdenken zu müssen, welchen er 
anziehen soll. Und seine Haare hat er sich angeblich selbst geschnitten.

Falls ihr euch fragt, was wohl der manisch depressive Schauspieler, der sich in seinen letzten
Lebensjahren kaputt soff, im Kreise meiner ausgewählten, zumeist sehr lebenslustigen Menschen zu
suchen hat: Bei ihm ist es die Unbestechlichkeit, die mich so ganz besonders für ihn einnimmt. Als

 ihm z.B. sein Liebslingsregisseur Stanley Kramer das Angebot machte, in seinem Film „Das
Geheimnis von Santa Vittoria“ einen „guten Nazi“ zu mimen, lehnte der der österreichische
Schauspieler dies mit der folgenden „arithmetischen Gleichung“ ab - selbst nach Verdreifachung
des Gagen-Offerts:

🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚
Wenn jemand gut ist und ein Nazi, dann ist er nicht intelligent. Wenn jemand intelligent ist und 
ein Nazi, dann ist er nicht gut. Und wenn jemand gut und intelligent ist, dann ist er kein Nazi.
Oskar Werner


Mehr als 300 lukrative Rollenangebote (teils aus Hollywood) lehnte Oskar Werner aus „Verrat am 
künstlerischen Geschmack“ ab. Schnöder Mammon konnte ihn nicht reizen. Und selbst wenn er eine 
Rolle annahm, hieß das noch lange nicht, dass er einen Charakter diskussionslos so spielte, wie es 
der Regisseur vorsah - es musste sich richtig für ihn anfühlen. Weil er sich nicht mit Pin-up-Girls 
fotografieren lassen wollte, zerriss er vor den Augen der Studiobosse von 20th Century Fox seinen 
Siebenjahresvertrag, und bei der Verfilmung von „Fahrenheit 451“ stritt er mit François Truffaut, 
weil dieser die Bücherverbrennungsszenen zu „geschmäcklerisch“ inszenierte. Dieses "Nicht tun,  
was von einem erwartet wird" brachte ihm zwar den Ruf ein, ein "Schwieriger" zu sein, andererseits 
aber auch mancherorts Hochachtung: Ihm waren der "Adel des Geistes" und die "Qualität des
Gefühls" wichtig - und ich denke, von diesem Adel und dieser Qualität sollte es mehr geben in 
unserer Welt.

Auch im Privatleben war er laut seiner großen Liebe Antje Weisgerber "absolut zuverlässig, 
ehrlich und wahrhaftig. Die ganze Welt ging im Grunde von ihm aus. Er hatte ein goldenes Herz 
und so rührende Züge. Im privaten Umgang kannte er keine Arroganz." Andererseits sagte sie auch: 
 "Die Zeit mit ihm war so verrückt und wunderschön, aber im Grunde nicht zu leben. Er war der 
größte Egozentriker, den ich kannte. Wohlgemerkt: Egozentriker, nicht Egoist. Er hat das ganze 
Weltleiden auf sich bezogen." 
 

🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚
Anpassungsfähigkeit ist eine Eigenschaft, die ich nicht anstrebe.
 Oskar Werner


Fotos von HIER
Für mich hat der Schauspieler mit der schönen Stimme*) übrigens noch eine besondere Bedeutung - er hat nämlich am
selben Tag Geburtstag wie ich (natürlich ein paar Jährchen früher). *) Oh, und ich besitze tatsächlich zwei Oskar-Werner-
Sprechplatten (Vinyl, eh klar!), und wenn es Zeitreise gäbe, würde ich unter anderem wahnsinnig gern zurückreisen in
jene Zeit, in der Werner den Hamlet verkörperte - denn angeblich soll er ihn an jedem Tag anders angelegt haben... und an

jedem Tag zugleich sensationell gut. Leider gibt es von seinen Theaterauftritten nur wenige vollständige Dokumentationen; 
 auch die Salzburger "Hamlet"-Inszenierung aus dem Jahr 1970, bei der Werner die Titelrolle spielte und Regie führte, 
wurde nicht auf Film gebannt (wie es heißt, aufgrund der Unflexibilität des ORF). Wenn ihr Interesse habt, ihn sprechen 
zu hören, ihn in ausgelassener Stimmung mit seinem Sohn Felix zu sehen oder z.B. zu erfahren, was dieser Sohn über 
seine Zeit mit dem berühmten Vater erzählt, empfehle ich euch dieses Porträt aus dem Jahr 1991 (auf Youtube). Und hier 
noch ein bisserl was zum Nachlesen für alle, die's interessiert: KLICK und KLICK.



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Beatrix Ost über ihre erste Modeerinnerung:

Vielleicht war ich fünf Jahre alt, als ich die Krawatten meines Vaters nahm 
und sie als Gürtel benutzte.


Ihr erinnert euch - in meinem vorigen Blogbeitrag erzählte ich, dass ich die Idee, die Krawatten 
meines Vaters als Accessoires für meine Outfits zu verwenden, schon als Teenager hatte. Dann 
vergaß ich darauf, doch als  ich vor kurzem in den Lebenserinnerungen*) von Beatrix Ost las, fiel
es mir wieder ein und ich begann, die Krawatten meines Mannes zu verwenden.

*) Hier kommt ihr zu den beiden autobiografischen Büchern, die Beatrix Ost geschrieben hat:

und die Fortsetzung Mehr als Alles
Außerdem gibt es von ihr noch das Buch The Philosophers Style mit 80 Kurzgeschichten
und Interviews. Mehr darüber HIER.


Bilder von HIER


Beatrix Ost - Malerin und Bildhauerin, Designerin, Mode-Muse, Drehbuchautorin, Filmemacherin, 
Produzentin und eine Frau, die sich nicht scheut, ihr Haar lila zu färben oder ein Vogelnest auf dem 
Kopf zu tragen - wurde vor knapp 80 Jahren in Stuttgart geboren. Sie wuchs in einem Familiengut
 in Bayern auf, und sie schaffte es, die Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit dafür zu nützen, ihre 
eigenen Ausbildungswünsche durchzusetzen. 


🐚🍷💗🐚🍷💗🐚🍷💗🐚
Du bist ein Geschenk.
In deinem Körper ist ein guter Ort, um zu sein.  
Und von diesem Ort aus kannst du in die Welt gehen.
 Beatrix Ost

Schon mit 14 Jahren verdiente sie sich ein Taschengeld, indem sie als Modell arbeitete. Später 
studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in München, sie tanzte an der Isadora Duncan 
School und lernte beim expressionistischen Künstler Oskar Kokoschka in Salzburg. In erster Ehe war 
sie mit dem Lebemann Ferdinand Anton verheiratet, der als großer Südamerika-Experte galt und 
Bücher wie Kunst der Maya oder Die geheimnisvolle Welt der Azteken schrieb. Osts Autobiographie 
Mehr als alles handelt u.a. von ihren frühen wilden Jahren, von der Zeit, als sie sich in F. Anton 
verliebte, Reisen mit ihm unternahm und zwei Söhne von ihm bekam.


 Bilder von HIER

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Zu lieben ist die beste und begehrenswerteste Realität.
Beatrix Ost

  Die Ehe scheiterte, doch "Trixi", wie sie von ihren Freunden genannt wird, hatte beschlossen, sich
nicht unterkriegen zu lassen. Als sie im Jahr 1967 ihrem jetzigen Ehemann Ludwig Kuttner auf dem 
Münchner Oktoberfest begegnete, war sie eine alleinerziehende Mutter von 27 Jahren und Kuttner 
erst 21 Jahre alt. Konventionen waren Ost noch nie wichtig - die beiden verliebten sich ineinander, 
die Beziehung blühte auf und nach drei Jahren zogen sie schließlich zusammen und heirateten. 
Kuttner adoptierte Osts Söhne aus erster Ehe und das Paar bekam einen weiteren Sohn. 

Im Jahr 1975 reisten die beiden nach Amerika, verliebten sich in New York und beschlossen,
mit ihren Söhnen dort zu leben. Sie kauften ein historisches Haus am Hudson River, doch im Jahr
1981 wurde dieses Haus bei einem Brand zerstört. Ihr jetziges Zuhause fand die Familie, indem
Beatrix Ost ein Pendel über eine Karte der östlichen Vereinigten Staaten hielt. Das Pendel zeigte
 schließlich direkt auf ein Gebiet südlich von Charlottesville - und hier fanden sie Estouteville,
 das wunderbare Gebäude aus dem Jahr 1827, in dem Ost und Kuttner nun seit 1983 leben. Die 
meisten Fotografien in meinen Collagen mit Beatrix Ost wurden in diesem Haus aufgenommen.


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Beatrix Ost über Stil:

Du selbst zu sein ist der ultimative Stil.

(Dazu gibt es auch ein kurzes, aber sehr charmantes 
Youtube-Video in englischer Sprache - KLICK)


Bilder von HIER



Beatrix Ost ist - im Gegensatz zu Sue Kreitzman - eine Frau, die durchaus auch mal beige trägt 
und nicht daran stirbt. Dennoch haben die beiden Frauen etwas gemeinsam - und sie haben auch 
etwas gemeinsam mit Oskar Werner - denn alle drei führen oder führten ein Leben, bei dem sie
keineswegs das taten, was von ihnen erwartet wurde, ein Leben abseits vom Herdentrieb, mit 
einem ganz und gar eigenen Kopf, mit dem es ab und zu durch die Wand ging - und immer wieder 
mal gegen den Strom. 


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Da, wo jede(r) von uns sich jetzt gerade befindet, ist ein guter Startpunkt: 
Von hier aus kann man prima gegen den Strom schwimmen! 
Traude Rostrose




Mit diesen drei unangepassten Gegen-den-Strom-Schwimmern habe ich euch jetzt mal all
die Menschen vorgestellt, die ich euch ursprünglich vorstellen wollte. Wenn euch der Sinn nach
noch mehr einzigartigen, beispielgebenden Menschen steht, könnt ihr euch die ersten beiden
Teile meiner Unique-Serie zu Gemüte führen - aber die Welt hat natürlich noch weitere ganz
und gar besondere Menschen zu bieten - ich denke also, es wird wohl noch eine
Fortsetzung geben, irgendwann...

In Teil 1 hebelte ich den klassischen Schönheits-Begriff aus, indem ich euch drei Frauen zeigte, 
die auf eine ganz andere, viel persönlichere und berührendere Weise schön sind als faltenfreie,
makellose, gephotoshopte Werbebeauties. (Frida Kahlo de Rivera, Iris Apfel, Winnie Harlow)

Die Menschen in Teil 2 haben im Spiel des Lebens nicht gerade die besten Karten zugeteilt
bekommen und erarbeiteten sich dennoch ein "ziemlich gutes" Leben. (Niki de Saint Phalle,  



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Herzlichst,
die rostrosige Traude
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