Samstag, 9. September 2023

Die kunstvollsten Schulklassen der Welt - Stilklassen Berndorf

Servus ihr Lieben!

 

Wusstet ihr, dass sich die kunstvollsten Schulklassen der Welt in Österreich befinden? Genauer gesagt in Niederösterreich, in meinem Heimatbezirk Baden, in der Stadtgemeinde Berndorf.

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In meinem Juli-Rückblick erzählte ich euch,  dass wir am 22. Juli die diesjährige Outdoor-Foto-Ausstellung La Gacilly-Baden besuchten und anschließend die Stilklassen in Berndorf. Bei der Gelegenheit kündigte ich euch auch genauere Schilderungen an. 

Baden bei Wien:
Über die Foto-Ausstellung möchte ich euch ein andermal mehr erzählen. Der Hauptteil dieser Ausstellung wurde (und wird noch bis 15. Oktober 2023) wieder im Badener Doblhoffpark gezeigt.
 
Heute bekommt ihr nur ein Foto von der "Enteninsel" mit der alten Trauerweide im Teich des Parks zu sehen, außerdem eine Stockente, eine Amsel und die wunderschönen gelben Taglilien, die während unseres Besuches im Doblhoffpark blühten.
 
 
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Die Fotos sind mein Beitrag zu: Naturdonnerstag, Gartenglück-LinkpartyMein Freund, der Baum, Garden Affair, Saturday's Critters

Mittagessen:
Nach dem Besuch der Fotoausstellung waren wir hungrig - und wir hatten auch noch ausreichend Zeit, bis die Führung in den Stilklassen anfing. Wir fanden heraus, dass man beim Berndorfer Stadtwirt mit der Niederösterreich-Card Punkte sammeln kann, außerdem war gerade "Backhendl-Tag", und einen "Natur-Radler" gab's dort auch, also war unser Mittagsmahl gesichert 😋. 
 
Das gelbe Haus, das ihr rechts unten seht, ist allerdings nicht der Stadtwirt, sondern  das gegenüberliegende Gebäude. Das Schild mit dem Bären auf dem oberen Fenster des Hauses gibt Auskunft darüber, wofür die Ortschaft Berndorf berühmt ist: "Berndorf Besteck Shop".
 
Mein Natur-Radler (Bier mit natürlicher Zitronenlimonade) ist mein Beitrag zu T Stands For Tuesday 🍺

Die Familie Krupp in Berndorf:
Die Ortschaft Berndorf trägt den Beinamen "Krupp-Stadt". Dieser Name steht in Verbindung mit dem Berndorf Besteck. Und da der Name Krupp auch eng mit den erwähnten Schulklassen in Verbindung steht, gibt es jetzt einen kurzen historischen Abriss:

Die Berndorfer Metallwarenfabrik wurde im Jahr 1843 von Alfred Krupp, Spross einer deutschen Familiendynastie von Industriellen, gegründet (zusammen mit dem Bankier Alexander von Schoeller) und machte sich bald auch als k.-k.-Hoflieferant für edle Bestecke einen guten Namen. Auch heute noch ist "Berndorf Besteck" Österreichs bekanntester (und ältester) Anbieter für Bestecke. (Im Jahr 2023 feiert das Unternehmen das Jubiläum "180 Jahre Tischkultur".)

Letztendlich übernahm Alfred Krupps Bruder Hermann die Leitung der Berndorfer Metallwarenfabrik. Hermann Krupp gilt als Begründer des österreichischen Zweiges der Krupp-Dynastie. Mit seiner Frau Marie hatte er sechs Kinder. Marie war übrigens katholisch, Hermann Krupp evangelisch. Aufgrund der konfessionellen Mischehe wurden die Kinder unterschiedlich getauft - die Töchter katholisch, die Söhne protestantisch. Ich denke, das war ein ziemlich origineller Schritt, der für einige Offenheit spricht. Hermann hatte immer ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern, weshalb auch diese loyal zu ihm standen. Das war wohl einer der Hauptgründe, weshalb es zu keinen Streiks im Revolutionsjahr 1848 kam.

Als Hermann im Jahr 1879 (relativ überraschend) starb, übernahm sein erst 23jähriger Sohn Arthur die Leitung des Unternehmens - und auch den (für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen) Umgang mit seinen Arbeitern und Angestellten. Von eben diesem Arthur Krupp werdet ihr in der Folge noch einiges erfahren.

Die Kruppstraße von der Margaretenkirche aus gesehen. Hier befinden sich immer noch die Wohnhäuser der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Arthur Krupp GesmbH. Das Gebäude auf dem kleinen Foto rechts unten trägt die Aufschrift Krupp Casino. Es ist heute eine Frühstückspension. Der Himmelsblick sah nicht mehr so freundlich aus wie am Vormittag.

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Arthur Krupp und Berndorf:
Arthur Krupp lebte nach dem Wahlspruch Arbeit, Bildung und Friede. Und diese Werte wollte er offenbar auch für die Menschen, die in seinem Werk arbeiteten, und deren Familien. Durch die Metallwarenfabrik stiegen die Einwohnerzahlen in Berndorf kontinuierlich an. Hatte der Betrieb mit 50 Arbeitern begonnen, so entwickelte er sich unter Arthur Krupp zu einem Weltkonzern mit 6.000 Mitarbeitern.
 
"Stets war es mein ehrliches Streben 
und mein Stolz, Freund meiner Arbeiter zu sein..." 
Arthur Krupp, 1899

Für den Zustrom der Arbeiter und Angestellten ließ Krupp zwei Stadtviertel auf Kosten des Unternehmens errichten. Zwischen 1880 und 1918 entstanden 260 Häuser mit über 1100 Wohnungen. Der Stil der Häuser konnte von den künftigen Bewohnern aus einem Katalog (!) ausgewählt werden. Ein Freibad, das im Winter als Natureisbahn diente, sowie das erste Arbeitertheater*) der österreichisch-ungarischen Monarchie wurden in seinem Auftrag erbaut. Auch im Firmenareal ließ Krupp eine Reihe von Einrichtungen für die Arbeiter installieren, beispielsweise einen großen Speisesaal, einen Fortbildungsverein mit Lesesaal und Spielzimmer, Waschmöglichkeiten, eine Sanitätsstation etc.

„Eine Erhöhung der Arbeitertüchtigkeit des industriellen und gewerblichen Arbeiters
 ist aber nur dort möglich, wo dieselben in gesunde, Körper und Geist fördernde 
Lebensverhältnisse versetzt werden und das ist dort unstreitig eher der Fall, 
wo die sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen gepflegt werden, als dort 
wo es nicht geschieht."

Krupp war zwar Protestant, doch da die Bevölkerung mehrheitlich katholisch war, wurde in Krupps Auftrag auch noch die katholische Pfarrkirche hl. Margareta errichtet - benannt nach Margret, Krupps (katholischer) Ehefrau.

*) das heutige Stadttheater Berndorf - seht euch das Foto an, es ist wunderschön!

Oben: Die Margaretenkirche, flankiert von den beiden Schulgebäuden (Fotoquelle KLICK); unten: eins der Schulgebäude (KLICK); Arthur-Krupp-Platz (KLICK); Arthur Krupp (KLICK)

 

Wer nun denkt, Arthur Krupp sei bei allen Zeitgenossen beliebt gewesen, irrt. Es hieß z.B., er würde die Arbeiter unterdrücken, indem er sie durch all diese Wohltaten an sich binde, sie abhängig von sich mache und entsprechend hohe Tüchtigkeit von ihnen verlange... Außerdem kam von da und dort der Vorwurf, die Ausgaben für die Arbeiter und ihre Familien wären Verschwendung. Nunja, wie heißt es schon in dem alten Spruch? "Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann."

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Kunst und Kunstgefühl sollen bereits im Kinde geweckt, 
das Auge an das Schöne gewöhnt, der Geschmack 
an den reinsten Formen der Kunst aller Zeiten 
gebildet werden.“ 
Arthur Krupp

Das außergewöhnlichste seiner Projekte waren die beiden Volks- und Bürgerschulen, die in den Jahren 1908-1909 in Berndorf errichtet wurden: Arthur Krupps negative Erinnerung an seine eigene Schulzeit, insbesondere an seine Internatsjahre in Dresden, bescherte den Berndorfer Kindern eine weltweit einzigartige Lernumgebung. (Dies wird laut Info-Broschüre der Berndorfer Stilklassen sogar im Guinness-Buch der Rekorde festgehalten.) 

Die beiden Schulen flankieren die Margaretenkirche. Obwohl es sich bei den Schulpalästen um kulturhistorische, künstlerische Unikate handelt, werden sie auch heute noch als Schulen genützt! 

Man kann die Klassen außerhalb der Unterrichtszeiten besichtigen - mit der NÖ-Card sogar kostenlos! Mehr darüber HIER.

Zu Arthur Krupps Zeiten beherbergte die heutige Neue Mittelschule die Knabenklassen und die jetzige Volksschule die Mädchenklassen. Um den Kindern seiner Belegschaft "die Welt und ihre Geschichte" zu zeigen, ließ Arthur Krupp die Klassenzimmer auf eigene Kosten von namhaften Künstlern im Stil von 12 zeitgeschichtlichen Epochen gestalten.

Die neobarocke Margaretenkirche von innen und außen
 
Die Berndorfer Stilklassen: 
Es gibt dabei einige wenige ("geschlechterspezifische") Unterschiede in der Gestaltung, so zeigt z.B. das "Ägyptische Lehrzimmer" auf dem umlaufenden Fries in der ehemaligen Bubenschule Jagdszenen und in der Mädchenschule Ernteszenen; im Lehrzimmer "Ludwig XIV." zeigen die Deckenfresken in der Mädchenschule einen "Vier-Jahreszeiten-Zyklus", in der Knabenschule hingegen Symbole für Wissenschaften und Künste

Und die einstige Mädchenschule hat einen Raum mehr - nämlich das sogenannte Rokoko-Zimmer, das zu Krupps Zeiten der Mädchen-Handarbeitssaal war. Diesen Raum haben wir nicht gesehen, da unsere Besichtigungstour in der ehemaligen Knabenschule (also in der jetzigen "Neuen Mittelschule")  stattfand.*) Ihr könnt euch die Raumdetails aber HIER ansehen.

*) Die Volks- und Mittelschule sind abwechselnd geöffnet. Die Mittelschule befindet sich am Margaretenplatz 2, die Volksschule am Margaretenplatz 5 in Berndorf.

Ich werde euch die elf Klassenzimmer, die wir gesehen haben, nun anhand einiger weniger Fotos zeigen (in alpabetischer Reihenfolge). Ihr bekommt jedoch mit Hilfe der unterlegten Links weitere Fotos und Informationen zu den einzelnen Räumen - z.B. welcher Vorbilder man sich bei den Gestaltungen bediente. (Um die Texte in eure Wunschsprache zu übersetzen, fügt die Links bitte bei Google translate ein.)

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Ägyptisches Lehrzimmer (2500 v. Chr. - 1260 v. Chr.): 

Man beachte bitte die Sphinx-Türschnalle!

Barockes Lehrzimmer (1580 - 1780 n.Chr):


Byzantinisches Lehrzimmer (500 - 840 n.Chr.):


Dorisches Lehrzimmer (600 - 338 v.Chr.):

Rechts ein Schrank mit dorischen Säulen

Empire (1804 - 1814 n.Chr.):


Gotisches Lehrzimmer (1180 - 1460 n.Chr.):


Stil Ludwig XIV (1643 - 1715 n.Chr.) :


Maurisches Lehrzimmer (786 - 1492 n.Chr.):


Pompejanisches Lehrzimmer (100 v. Chr. - 49 n. Chr.):

Ich seh rot

Ich bin noch nicht ganz fertig mit dem Zeigen aller Räumlichkeiten, aber jetzt ist mal Zeit für ein kleines "Zwischenspiel": Denn in jenem Klassenzimmer, das den Gebäudeausstattungen der römischen Stadt Pompeji nachempfunden wurde (die der Vulkanausbruch des Vesuv vor rund 2000 Jahren völlig zerstört hat), gab's ein kleines "Outfit-Shooting" 😁. Ich fand, dass die Farbgestaltung dieses Raumes besonders gut zu mir und "meinen Farben" passte. (Vielleicht fühlt ihr euch hier - so wie ich - auch an manche Räumlichkeiten in der Römerstadt Carnuntum erinnert, über die ich euch in DIESEM Posting einiges erzählt habe.)

Alle Teile schrank-geshoppt und alt (bis auf die Sandalen) - am ältesten ist der (heiß geliebte) Gürtel aus den 1980ern!
 
Wie geht es euch bisher mit den Klassenzimmern? 
Einige von euch werden darüber vermutlich eine ähnliche Meinung haben, wie sie auch manche Zeitgenossen von Arthur Krupp äußerten: "All das lenkt die Kinder bestimmt zu sehr vom Unterricht ab." Aber die Dame, die die Führung machte, erklärte uns, dass die Ablenkung spätestens nach ein paar Tagen nachlässt. Für die meisten Schüler wird dieser Ort dann zu einer "ganz normalen Schule" - abgesehen davon, dass sie allesamt sehr genau wissen (und diese Regel auch beachten), dass es nicht infrage kommt, die Wände oder die altehrwürdigen Möbel zu ruinieren.

In meiner Kindheit hätte ich ein Klassenzimmer wie dieses geliebt! Farbe, Buntheit, Inspiration, erlebbar gemachte Geschichte... Und seht euch mal die Möbel, die Deckenmalerei und die sonstigen Details an: Was es da alles zu sehen gibt - ich wäre im Siebenten Himmel gewesen. (Ich war auch bei der Führung auf Wolke sieben 😍.) Übrigens: Zu Krupps Zeiten waren die Tische und Stühle der Kinder ebenso detailreich gestaltet wie die Möbel der Lehrpersonen - doch diese haben wohl das letzte Jahrhundert nicht überdauert.

Romanisches Lehrzimmer (1050 - 1250 n.Chr.):

 
Römisches Renaissance-Lehrzimmer (1461 - 1580 n.Chr.): 
(Heute würde man zu dieser Epoche wohl eher Italienische Renaissance sagen.)

Das waren also die elf Klassen, die wir besichtigt haben. Und natürlich hatte ich so meine Lieblingszimmer - an erster Stelle definitiv das Pompejanische Lehrzimmer, knapp gefolgt vom Maurischen und vom Ägyptischen Raum. Ihr seht also - möglichst viel Farbe und möglichst viele Details wären für mich sehr anregend gewesen 😊

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Es gab aber auch Räume, die ich vielleicht heutzutage als "interessant" bewerten würde, die ich als Klassenzimmer für mich aber nie und nimmer gewollt hätte. Wobei es zu Krupps Zeiten noch halbwegs erträglich gewesen wäre:

Seinerzeit wechselten die Kinder nämlich noch alljährlich den Klassenraum. Heutzutage bekommen die Schüler sowohl in der Volksschule als auch in der Mittelschule einen Raum zugewiesen, in dem sie jeweils alle vier Schuljahre verbingen! Das finde ich pädagogisch nicht in Ordnung, schließlich sollen die Kids durch die Atmosphäre der Räume ja auch etwas Neues erlernen. (Bei meinem "schulischen Glück" wären es vermutlich jeweils vier Jahre in den absoluten "No-Go-Räumen" gewesen 😕...)

Hätte ich vier Schuljahre im Dorischen Lehrzimmer zubringen müssen, das für mich mit den aufgemalten grauen Mauersteinen und der schweren Bronzetür eine gefängnishafte Ausstrahlung hat, wäre ich vermutlich jeden Tag in Tränen ausgebrochen 😭. Und auch das langweilige "Krankenhausgrün" im Barockzimmer hätte mich unglücklich gemacht. Der barocke Stil kann ja sehr üppig und bunt (und zuweilen regelrecht "erschlagend") sein - wie z.B. die Räumlichkeiten der Schlossanlage Schleißheim bei München, die ich euch HIER gezeigt habe. Aber in der Schule hat man sich offenbar den "beruhigenden" Raum eines Barock-Palais zum Vorbild genommen, und der hätte mir - angesichts der anderen, viel ansprechenderen Klassenzimmer - Frustration verursacht 😰. (Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht alle meine LeserInnen so darüber denken.)


Sehr lobenswert und interessant finde ich, dass Arthur Krupp nicht nur für die Bildung der Kinder seiner Belegschaft sorgte, sondern auch für deren Gesundheit. In der Schule wurde eine Zentralheizung eingebaut, es gab elektrisches Licht und es gab Duschen für die Kinder – damals ein ungeheurer Luxus, über den die Arbeiterbevölkerung in ihren Häusern nicht verfügte. (Oben seht ihr eine Abschrift der damaligen Badeordnung.) Außerdem bezahlte Krupp einen Schularzt sowie einen Zahnarzt, der regelmäßig die Zähne der SchülerInnen inspizierte und gegebenenfalls auch behandelte.
 
Leider hatten Arthur Krupp und seine Frau Margret selbst keine Kinder, die diese Schule besuchen hätten können. Ihr einziges Kind, eine Tochter, starb im Alter von neun Tagen. Ich kann mir vorstellen, dass die beiden liebevolle und ihre Kinder auf wertschätzende Weise fördernde Eltern gewesen wären.

Auch die Gänge und Treppenhäuser der Schulen sind ansprechend gestaltet.


Nun würde mich natürlich interessieren, welcher Raum euch am besten gefallen hat - und ob ihr selbst ebenfalls gern in solch eine Schule gegangen wärt. Ich freue mich auf eure Antworten! 
 
Ich hoffe, ihr seid alle gesund und munter (im Gegensatz zu Herrn Rostrose und mir: Uns hat ein recht heftiger grippaler Infekt erwischt, vielleicht auch die neue Variante von Covid, das wird heutzutage bei uns ja nicht mehr überprüft. Jedenfalls sind wir beide seit rund einer Woche mehr oder weniger "außer Gefecht gesetzt"...)


Herzliche Rostrosengrüße,
eure   T  r  a  u  d  e

Rostrose auf Facebook


Gerne verlinke ich passende Beiträge bei folgenden Linkparties: 


PS:

Vielen Dank, ihr Lieben, für all eure Kommentare zu meinem Tiergarten-Schönbrunn-Posting. Ich möchte spätestens bei einem weiteren Tiergarten-Bericht auf einige eurer eher kritischen Anmerkungen zur Haltung von Wildtieren in Zoos eingehen - für heute nur so viel: Auch ich würde (wie ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe) Wildtiere viel lieber in Freiheit sehen - mit ausreichend Lebensraum und Nahrung, ohne Wilderei, ohne Artensterben. Die Realität sieht leider anders aus. Umso wichtiger ist es, dass Tiergärten diverse Aufgaben im Zusammenhang mit Artenschutz und Erhaltungszuchtprojekten erfüllen.


Dienstag, 29. August 2023

Die Tiere vom Tiergarten Schönbrunn

Servus Ihr Lieben!

 

In meinem Rückblick auf den Juni und Juli des Sommers 2023 versprach ich euch einige genauere Schilderungen von unseren Sommer-Erlebnissen. 

Heute entführe ich euch in den Tiergarten Schönbrunn, bei dem es sich um den ältesten noch bestehenden Zoo der Welt *) handelt! Unser bisher letzter Besuch dort fand am 20. Juli 2023 statt. Ich werde euch heute allerdings auch noch ein paar Fotos von unserem Besuch am 22. Mai 2023 zeigen (die ihr zum Teil schon von meinem Frühlings-Rückblick kennt).

*) Der Tiergarten wurde 1752 von den Habsburgern gegründet. Glücklicherweise wurde der Zoo im Lauf der Jahrhunderte mehrfach erweitert und die Gehege wurden vergrößert und modernisiert. Von 2006 bis 2019 erhielt der Tiergarten Schönbrunn fünf Auszeichnungen zum Besten Zoo Europas (und es gab fünf Mal Nachwuchs bei den Großen Pandas)! Es finden hier zahlreiche Artenschutzprojekte und Erhaltungszuchtprogramme statt.

🐼🐨🐻‍
 
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Der Weg zum Haupteingang des Tiergartens Schönbrunn führt vorbei am historischen Palmenhaus und an blühenden Seidenbäumen.

Ich habe euch in zwei Blogbeiträgen schon mehr über diesen Zoo erzählt: Meinen Blogbeitrag von 2018 findet ihr HIER. Meinen Blogbeitrag von 2014 findet ihr HIER. Und HIER geht es zur Homepage des Tiergartens Schönbrunn.

Orientierungsplan beim Eingang - und ein paar Schilder mit Erläuterungen zu den Tieren.

In der Nähe des Eingangs kam uns gleich ein witzig ausssehender Vogel entgegen - ein Südlicher Hornrabe. (Ich glaube aufgrund des Flecks am Hals, es ist ein Weibchen.) Wir dachten schon, der Vogel sei aus dem Gehege ausgebrochen, in dem der andere Hornrabe saß, aber eine Tafel wies darauf hin, dass die beiden absichtlich (vorübergehend) getrennt gehalten wurden. Trennung auf Zeit, quasi 😉.

Die Mähnenrobben warteten bereits auf ihren Mittags-Fisch. Eine der Robben-Damen schien jedenfalls das Schild mit der Aufschrift "Fütterung" zu hypnotisieren:

 
Die herzigen Humboldtpinguine schwammen ein paar Runden in der Gegenstromanlage (wovon ich ein kurzes Video gedreht habe):
 
 
 
Die beiden zerzausten Frackträger auf dem Felsen waren allerdings gerade in der Mauser, und da sollen oder können sie nicht schwimmen, weil die schützende Ölschicht ihres Gefieders nicht intakt ist.. (Ich denke allerdings, sie werden bis zum Felsen geschwommen sein... Fliegen können sie ja nicht.) 
 
Nach dem fröhlichen Planschen war auch für die Pinguine Fütterungszeit (siehe Foto rechts mittig):

 
Der Eisbär schien auch etwas zu futtern, ich konnte allerdings nicht erkennen, was es war. Die Eisbärenanlage ist übrigens 1.700 Quadratmeter groß und bietet eine abwechslungsreiche Landschaft mit Fels- und Geröllflächen, Wasserfällen und Bächen sowie einem Schwimmbecken, bei dem man die Bären durch ein großes Sichtfenster auch unter Wasser erleben kann. Mehr über die Eisbärenwelt von Schönbrunn HIER.

 
Der Große Panda - eines der seltensten Säugetiere der Welt - scheint sehr zufrieden mit seinem Bambus-Mahl zu sein. (Ich finde, er sieht aus als würde er ganz nach Asiatischer Art mit Stäbchen essen. Aber wahrscheinlich ist es eher so, dass er die Stäbchen isst 😉🐼🎋). Der Tiergarten Schönbrunn war der erste Zoo Europas, in dem es gelang, Große Pandas auf natürlichem Wege zu züchten. HIER könnt ihr mehr über die Panda-Erfolgsgeschichte und die Ziele der Pandahaltung in Schönbrunn lesen. 

Wie die meisten anderen Tiere im Schönbrunner Zoo stehen auch Flusspferde auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Die behäbig wirkenden Riesen sind hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv - kein Wunder, dass die beiden Flusspferde von Schönbrunn nicht viel Action bieten. Sie können allerdings schneller sein, als man ihnen zutraut.

 
Die Großkatzen von Schönbrunn sind leider nicht sehr gut zu entdecken. Bei unserem Tiergartenbesuch im Mai sahen wir diesen Geparden, aber die anderen Großkatzen versteckten sich. Bei unserem Besuch im Juli sahen wir weder Geparden noch Tiger oder Löwen, immerhin konnten wir aber einen Blick auf einen der Amurleoparden erhaschen (siehe kleines Foto unten Mitte). Er saß allerdings gut getarnt in einiger Entfernung unter einem schattigen Busch, und die Glasscheibe spiegelte noch dazu.

Auch der Eurasische Luchs ist schwer zu entdecken und zu fotografieren, versteckt er sich doch zumeist im Geäst von Bäumen. 

 
Zu Wölfen habe ich spätestens seit unserem Wolfsspaziergang im Jahr 2015 einen besonderen Bezug. In Schönbrunn lebt ein Rudel Arktischer Wölfe, dem wir gerne zusehen. 
 
Das Wolfsgehege liegt ebenso wie das Gehege des Luchses in einem Stück Wienerwald, das erst in den 1990er-Jahren zum Tiergartenareal hinzugekauft werden konnte. Ich erinnere mich noch, wie unfassbar klein das Wolfsgehege in meiner Kindheit war - und wie groß mein Mitleid mit dem Tier.
 
 
🐺🐺🐺
 
Als eine Pflegerin am Wolfsgehege vorüberging, fing das Rudel zu heulen an *) - siehe Video:
 

*) Womöglich verständigten sie sich, wie lange es noch bis zur Fütterungszeit dauern würde? Da wir unsere Fotos um etwa 10.30 herum aufgenommen haben und die Fütterung um 11.30 stattfindet, hatten sie also noch rund eine Stunde zu warten... (Allerdings gibt es pro Woche zwei Diättage, das scheint in Tierparks Standard zu sein. Vielleicht fragten sie heulend: "Hej, ist heute Mittwoch oder Samstag? Nein? Super, dann gibt's bald was Gutes!" 😋) 
 
🐺🐺🐺
 
Ebenfalls im Wienerwald-Bereich des Tiergartens Schönbrunn befindet sich der sogenannte Tirolerhof. Schon im Jahr 1802 ließ Erzherzog Johann (ein Bruder von Kaiser Franz II./I.) hier einen Bauernhof im Tiroler Stil errichten, auf dem Landwirtschaft betrieben wurde. Dieser Hof blieb allerdings nicht bis in die heutige Zeit erhalten.
 
Im Jahr 1994 schließlich wurde hier der seit 1722 bestehende und unter Denkmalschutz gestellte Erb-Bauernhof einer Tiroler Familie gekauft, abgetragen und sämtliche Teile genau nummeriert und im Tiergarten Stück für Stück wiedererrichtet. (Mehr über die Geschichte des Tirolerhofes HIER.) In den Stallungen des Tirolerhofes werden nun vom Aussterben bedrohte Haustierrassen gehalten.

 
Die Fresken an der Vorderseite des alten Tiroler Bauernhauses wurden erneuert bzw. rekonstruiert. Dazu zählt auch die Wandmalerei (unten rechts) sowie der folgende Spruch, der offenbar in einem alten Dialekt geschrieben ist. Ich versuche ihn hier so ins Hochdeutsche zu übertragen, dass ihn auch jene meiner LeserInnen verstehen können, die meine Texte mit Google Translate übersetzen. Allerdings weiß ich nicht so recht, was "Kum" oder "Rum" in diesem Zusammenhang bedeutet - vielleicht soll es "Ruhm" heißen. Für Tipps wäre ich euch dankbar:
 
"Mein Vater ist kein Edelmann
das sieht man mir an den Gebärden an. 
Mein Ruhm (?) ist ein Ackerpflug
die Rösser haben Arbeit genug."

 

 
Vom Tirolerhof kann man über einen Naturerlebnisweg inklusive Baumkronenpfad wieder in den Hauptbereich des Tiergartens wandern. Von den Aussichtsplattformen dort hat man einen schönen Blick auf die Dächer von Wien und auf das Schloss Schönbrunn.

 
Passend zum Schloss war auch mein Rock an diesem Tag in "Schönbrunner-Gelb" gehalten  😉. Der Rest meines luftigen Outfits am (ziemlich heißen) 20. Juli passte eher zum Thema "Safari":
 

 
Apropos Schönbrunner Gelb: Es gibt im Tiergarten natürlich auch einige sehenswerte Gebäude aus der Zeit, als Kaiser "Franzl" und Kaiserin "Sisi" noch in Schönbrunn residierten. Der Kaiserpavillon ist das historische Zentrum des Schönbrunner Tiergartens und beherbergt ein Restaurant:
 
In Schönbrunn gibt es nicht nur große Tiere zu beobachten.
 
 🐝🐝🐝
 
Ob die oben gezeigte Honigbiene aus den Bienenstöcken des Tiergartens stammt oder von anderswo dahergeflogen kam, kann ich leider nicht sagen. Aber ich weiß, dass es seit 2012 im Zoo ein Bienenhaus gibt - hier kann man den fleißigen Tieren beim Arbeiten zuschauen und Wissenswertes rund um ihre Aufgaben und ihren Schutz erfahren. 
 
Und wie ihr unten sehen könnt, gibt es in Schönbrunn auch Schönbrunner-gelbe Bienen, auf denen man reiten kann. (Freihändiges Reiten ist allerdings nur absoluten Könnern zu empfehlen 😎😁!)

Die anderen Tiere, die ihr in der unteren Collage seht, sind Schwarzschwanz Präriehunde. Diesen putzigen Gesellen könne ich stundenlang zusehen.
 
 
 
Wenn wir schon von "putzig" sprechen, kommen wir am besten gleich zu den Queensland Koalas: Egal, ob sie dösen, fressen, kuscheln oder klettern - sie sehen immer zum Knuddeln aus 😍. Kein Wunder, dass Teddybären so große Ähnlichkeit mit ihnen besitzen.

Der schöne bunte Vogel in der Mitte der unteren Reihe ist ein Europäischer Bienenfresser. Einige von euch erinnern sich vielleicht noch, dass wir im Jahr 2020 eine wild lebende Bienenfresser-Kolonie in Bratislava besucht haben - HIER geht es zu meinem damaligen Blogbeitrag. Bienenfresser sind die farbenprächtigsten Vögel, die es in Europa gibt!
 

 
Unten seht ihr ein paar Bewohner des Schönbrunner Affenhauses - hier z.B. einen Bärenstummelaffen.  Wie viele andere Bewohner der westafrikanischen Wälder leiden auch diese Primaten an der fortschreitenden Zerstörung und Verkleinerung ihres Lebensraums.
 
 
Ebenfalls im Affenhaus lebt der Kaiserschnurrbart Tamarin. Der wissenschaftliche Name Saguinus imperator war zunächst als Witz gedacht, wurde aber zum wissenschaftlich anerkannten Namen. Auch diese kleinen Affen sind stark gefährdet aufgrund der Vernichtung ihres Lebensraumes, der Amazonas-Regenwälder

 
Folgende Collage: Oben mittig seht ihr einen Totenkopfaffen. Diese cleveren Äffchen konnten wir während unseres Costa Rica Urlaubes in freier Wildbahn erleben - ich habe euch HIER darüber erzählt. 
 
Die beiden anderen unten gezeigten Affen leben nicht im Affenhaus. Die Berberaffen bilden zusammen mit den Mähnenspringern eine "Wohngemeinschaft" in einer neuen, 2021 eröffneten Anlage, die der Felslandschaft des nordafrikanischen Atlasgebirges nachempfunden ist. 
 
Die Weißhandgibbon-Familie verbringt den Sommer auf einer Insel in einem Teich des Tiergartens. In freier Wildbahn sind sämtliche Gibbon-Arten stark bedroht. Hauptgrund dafür ist die Abholzung der Regenwälder in ihrer Heimat Südostasien; auch Wilderei stellt ein großes Problem dar.
 

 
In der Nähe des Haupt-Ein- und Ausgangs vom Tiergarten Schönbrunn befindet sich das Gehege der Netzgiraffen. Derzeit leben fünf erwachsene Giraffen und zwei Jungtiere in der Anlage - die Zusammenführung der bestehenden Gruppe mit zwei "Neuankömmlingen" im Jahr 2021 hat offensichtlich gut funktioniert. 
 

 
Unten seht ihr noch eine Collage von einigen anderen Tieren, die wir entweder am 22. Mai oder am 20. Juli fotografiert haben:


*) Wenn ihr auf die Links klickt, kommt ihr zur jeweiligen Beschreibung der Tiere in der Homepage des Tiergartens Schönbrunn. Dies gilt auch für die anderen Tier-Links in diesem Post!
 

 
Damit sind wir beim Ende unseres Tiergarten-Besuchs angekommen, aber noch nicht ganz beim Ende dieses Postings. Wir haben im Tiergarten Schönbrunn auch noch längst nicht alle Tiere besucht. Aber da wir in diesem Jahr eine Jahreskarte besitzen, werden wir wohl noch das eine oder andere Mal in diesen Zoo kommen.
🐼🐨🐻‍

Was ich euch heute noch zeigen möchte ist diese alte Verzierung, die sich über dem Tor des Parkhotels Schönbrunn befindet. Ihr seht das palastartige 4-Sterne-Superior-Hotel unten links. Unten rechts seht ihr das Detail eines der schönen historischen Stationsgebäude. Ursprünglich wurden diese Jugendstil-Stationen Ende der 1890er-Jahre vom Architekten Otto Wagner für die Wiener Stadtbahn geschaffen - mittlerweile werden sie für die Wiener U-Bahn genützt.

 

Die Fotos der letzten Collage stammen nicht von einem der Schönbrunn-Besuchstage. Doch um mich bei Elizabeth' T Stands For Tuesday beteiligen zu können, muss ich euch ein Getränke-bezogenes Foto zeigen: 

Am 27. Juli trafen wir uns mit einer lieben Bekannten in Eisenstadt und gingen zum Mittagessen abermals ins Mai Thai Imbiss - ein sehr kleines, aber zugleich sehr authentisch wirkendes Thai-Restaurant, das wir kurz zuvor per Zufall entdeckt hatten. Hier gibt es auch die Biersorten Chang und Singha, die ich beide bei unserem Urlaub in Thailand verkostet und für gut befunden habe 😋 - und das Essen finden wir dort richtig köstlich.

 

In meinem vorigen Post erzählte ich euch von unserem Besuch im Wiener Botanischen Garten, wo wir uns die Foto-Ausstellung "Tropenstation La Gamba" ansahen, dann durch den Belvedere-Schlosspark spazierten, wo die Skulpturen-Ausstellung Public Matters gezeigt wird, und nach dem Mittagessen besuchten wir schließlich die immersive Ausstellung Viva Frida Kahlo.

Ich danke euch sehr für eure Blogbesuche und eure Kommentare dort! 💋💋💋


Aber Achtung - zum Thema Kommentare habe ich noch einen Hinweis:

In letzter Zeit bekam ich häufig mitgeteilt, dass Kommentare "verschwunden" sind. In einigen Fällen waren die Kommentare gar nicht weg, sondern mussten nur noch von mir freigegeben werden, in manchen Fällen fehlten sie aber tatsächlich... *)

Ich stelle die Kommentarfunktion daher wieder (probeweise) um: Eine Kommentarmoderation wird es nur noch für Posts geben, die älter sind als 10 Tage. Alle anderen sollten sofort erscheinen. Bitte gebt mir Feedback, wie gut oder schlecht das zurzeit funktioniert.

Ich glaube, es macht Sinn, längere Kommentare nicht sofort ins Kommenarfeld zu schreiben, sondern zuerst in Word oder den Editor - und dann erst ins Kommentarfeld einzufügen. Sollte der Text verschwinden, könnt ihr ihn wenigstens von dort noch einmal kopieren.

*) Ich habe auch im Spam-Ordner nachgesehen, den ich übrigens regelmäßig kontrolliere und leere. Dort finde ich noch immer teilweise uralte Nachrichten, die mir erst jetzt zugestellt wurden. Manche von ihnen sind tatsächlich Spam, andere nicht.😖😖😖


Liebste Rostrosengrüße 
und einen wunderbaren Start in den September
eure   T  r  a  u  d  e

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