Wusstet ihr, dass sich die kunstvollsten Schulklassen der Welt in Österreich befinden? Genauer gesagt in Niederösterreich, in meinem Heimatbezirk Baden, in der Stadtgemeinde Berndorf.
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In meinem Juli-Rückblick erzählte ich euch, dass wir am 22. Juli die diesjährige Outdoor-Foto-Ausstellung La Gacilly-Baden besuchten und anschließend die Stilklassen in Berndorf. Bei der Gelegenheit kündigte ich euch auch genauere Schilderungen an.
Firmen-, Lokal- und Produktnennungen... - die ohne Sponsoring, ohne Auftrag und ohne Bezahlung erfolgt.]
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| Die Fotos sind mein Beitrag zu: Naturdonnerstag, Gartenglück-Linkparty, Mein Freund, der Baum, Garden Affair, Saturday's Critters. |
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| Mein Natur-Radler (Bier mit natürlicher Zitronenlimonade) ist mein Beitrag zu T Stands For Tuesday 🍺 |
Die Berndorfer Metallwarenfabrik wurde im Jahr 1843 von Alfred Krupp, Spross einer deutschen Familiendynastie von Industriellen, gegründet (zusammen mit dem Bankier Alexander von Schoeller) und machte sich bald auch als k.-k.-Hoflieferant für edle Bestecke einen guten Namen. Auch heute noch ist "Berndorf Besteck" Österreichs bekanntester (und ältester) Anbieter für Bestecke. (Im Jahr 2023 feiert das Unternehmen das Jubiläum "180 Jahre Tischkultur".)
Letztendlich übernahm Alfred Krupps Bruder Hermann die Leitung der Berndorfer Metallwarenfabrik. Hermann Krupp gilt als Begründer des österreichischen Zweiges der Krupp-Dynastie. Mit seiner Frau Marie hatte er sechs Kinder. Marie war übrigens katholisch, Hermann Krupp evangelisch. Aufgrund der konfessionellen Mischehe wurden die Kinder unterschiedlich getauft - die Töchter katholisch, die Söhne protestantisch. Ich denke, das war ein ziemlich origineller Schritt, der für einige Offenheit spricht. Hermann hatte immer ein gutes
Verhältnis zu seinen Mitarbeitern, weshalb auch diese loyal zu ihm standen. Das war wohl einer der Hauptgründe, weshalb es zu keinen Streiks im Revolutionsjahr 1848 kam.
Als Hermann im Jahr 1879 (relativ überraschend) starb, übernahm sein erst 23jähriger Sohn Arthur die Leitung des Unternehmens - und auch den (für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen) Umgang mit seinen Arbeitern und Angestellten. Von eben diesem Arthur Krupp werdet ihr in der Folge noch einiges erfahren.
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| Die Kruppstraße von der Margaretenkirche aus gesehen. Hier befinden sich immer noch die Wohnhäuser der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Arthur Krupp GesmbH. Das Gebäude auf dem kleinen Foto rechts unten trägt die Aufschrift Krupp Casino. Es ist heute eine Frühstückspension. Der Himmelsblick sah nicht mehr so freundlich aus wie am Vormittag. |
Für den Zustrom der Arbeiter und Angestellten ließ Krupp zwei Stadtviertel auf Kosten des Unternehmens errichten. Zwischen 1880 und 1918 entstanden 260 Häuser mit über 1100 Wohnungen. Der Stil der Häuser konnte von den künftigen Bewohnern aus einem Katalog (!) ausgewählt werden. Ein Freibad, das im Winter als Natureisbahn diente, sowie das erste Arbeitertheater*) der österreichisch-ungarischen Monarchie wurden in seinem Auftrag erbaut. Auch im Firmenareal ließ Krupp eine Reihe von Einrichtungen für die Arbeiter installieren, beispielsweise einen großen Speisesaal, einen Fortbildungsverein mit Lesesaal und Spielzimmer, Waschmöglichkeiten, eine Sanitätsstation etc.
Krupp war zwar Protestant, doch da die Bevölkerung mehrheitlich katholisch war, wurde in Krupps Auftrag auch noch die katholische Pfarrkirche hl. Margareta errichtet - benannt nach Margret, Krupps (katholischer) Ehefrau.
*) das heutige Stadttheater Berndorf - seht euch das Foto an, es ist wunderschön!
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| Oben: Die Margaretenkirche, flankiert von den beiden Schulgebäuden (Fotoquelle KLICK); unten: eins der Schulgebäude (KLICK); Arthur-Krupp-Platz (KLICK); Arthur Krupp (KLICK) |
Wer nun denkt, Arthur Krupp sei bei allen Zeitgenossen beliebt gewesen, irrt. Es hieß
z.B., er würde die Arbeiter unterdrücken, indem er sie durch all diese
Wohltaten an sich binde, sie abhängig von sich mache und entsprechend
hohe Tüchtigkeit von ihnen verlange... Außerdem kam von da und dort der
Vorwurf, die Ausgaben für die Arbeiter und ihre Familien wären Verschwendung. Nunja, wie
heißt es schon in dem alten Spruch? "Allen Menschen recht getan, ist
eine Kunst, die niemand kann."
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Das außergewöhnlichste seiner Projekte waren die beiden Volks- und Bürgerschulen, die in den Jahren 1908-1909 in Berndorf errichtet wurden: Arthur Krupps negative Erinnerung an seine eigene Schulzeit, insbesondere an seine Internatsjahre in Dresden, bescherte den Berndorfer Kindern eine weltweit einzigartige Lernumgebung. (Dies wird laut Info-Broschüre der Berndorfer Stilklassen sogar im Guinness-Buch der Rekorde festgehalten.)
Die beiden Schulen flankieren die Margaretenkirche. Obwohl es sich bei den Schulpalästen um kulturhistorische, künstlerische Unikate handelt, werden sie auch heute noch als Schulen genützt!
Man kann die Klassen außerhalb der Unterrichtszeiten besichtigen - mit der NÖ-Card sogar kostenlos! Mehr darüber HIER.
Zu Arthur Krupps Zeiten beherbergte die heutige Neue Mittelschule die Knabenklassen und die jetzige Volksschule die Mädchenklassen. Um den Kindern seiner Belegschaft "die Welt und ihre Geschichte" zu zeigen, ließ Arthur Krupp die Klassenzimmer auf eigene Kosten von namhaften Künstlern im Stil von 12 zeitgeschichtlichen Epochen gestalten.
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| Die neobarocke Margaretenkirche von innen und außen |
Und die einstige Mädchenschule hat einen Raum mehr - nämlich das sogenannte Rokoko-Zimmer, das zu Krupps Zeiten der Mädchen-Handarbeitssaal war. Diesen Raum haben wir nicht gesehen, da unsere Besichtigungstour in der ehemaligen Knabenschule (also in der jetzigen "Neuen Mittelschule") stattfand.*) Ihr könnt euch die Raumdetails aber HIER ansehen.
*) Die Volks- und Mittelschule sind abwechselnd geöffnet. Die Mittelschule
befindet sich am Margaretenplatz 2, die Volksschule am Margaretenplatz 5
in Berndorf.
Ich werde euch die elf Klassenzimmer, die wir gesehen haben, nun anhand einiger weniger Fotos zeigen (in alpabetischer Reihenfolge). Ihr bekommt jedoch mit Hilfe der unterlegten Links weitere Fotos und Informationen zu den einzelnen Räumen - z.B. welcher Vorbilder man sich bei den Gestaltungen bediente. (Um die Texte in eure Wunschsprache zu übersetzen, fügt die Links bitte bei Google translate ein.)
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Ägyptisches Lehrzimmer (2500 v. Chr. - 1260 v. Chr.):
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| Man beachte bitte die Sphinx-Türschnalle! |
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| Ich seh rot |
Ich bin noch nicht ganz fertig mit dem Zeigen aller Räumlichkeiten, aber jetzt ist mal Zeit für ein kleines "Zwischenspiel": Denn in jenem Klassenzimmer, das den Gebäudeausstattungen der römischen Stadt
Pompeji nachempfunden wurde (die der Vulkanausbruch des Vesuv vor rund 2000 Jahren völlig zerstört hat), gab's ein kleines "Outfit-Shooting" 😁. Ich fand, dass die Farbgestaltung dieses Raumes besonders gut zu mir und "meinen Farben" passte. (Vielleicht fühlt ihr euch hier - so wie ich - auch an manche Räumlichkeiten in der Römerstadt Carnuntum erinnert, über die ich euch in DIESEM Posting einiges erzählt habe.)
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| Alle Teile schrank-geshoppt und alt (bis auf die Sandalen) - am ältesten ist der (heiß geliebte) Gürtel aus den 1980ern! |
In meiner Kindheit hätte ich ein Klassenzimmer wie dieses geliebt! Farbe, Buntheit, Inspiration, erlebbar gemachte Geschichte... Und seht euch mal die Möbel, die Deckenmalerei und die sonstigen Details an: Was es da alles zu sehen gibt - ich wäre im Siebenten Himmel gewesen. (Ich war auch bei der Führung auf Wolke sieben 😍.) Übrigens: Zu Krupps Zeiten waren die Tische und Stühle der Kinder ebenso detailreich gestaltet wie die Möbel der Lehrpersonen - doch diese haben wohl das letzte Jahrhundert nicht überdauert.
Romanisches Lehrzimmer (1050 - 1250 n.Chr.):
Das waren also die elf Klassen, die wir besichtigt haben. Und natürlich hatte ich so meine Lieblingszimmer - an erster Stelle definitiv das Pompejanische Lehrzimmer, knapp gefolgt vom Maurischen und vom Ägyptischen Raum. Ihr seht also - möglichst viel Farbe und möglichst viele Details wären für mich sehr anregend gewesen 😊.
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Es gab aber auch Räume, die ich vielleicht heutzutage als "interessant" bewerten würde, die ich als Klassenzimmer für mich aber nie und nimmer gewollt hätte. Wobei es zu Krupps Zeiten noch halbwegs erträglich gewesen wäre:
Seinerzeit wechselten die Kinder nämlich noch alljährlich den Klassenraum. Heutzutage bekommen die Schüler sowohl in der Volksschule als auch in der Mittelschule einen Raum zugewiesen, in dem sie jeweils alle vier Schuljahre verbingen! Das finde ich pädagogisch nicht in Ordnung, schließlich sollen die Kids durch die Atmosphäre der Räume ja auch etwas Neues erlernen. (Bei meinem "schulischen Glück" wären es vermutlich jeweils vier Jahre in den absoluten "No-Go-Räumen" gewesen 😕...)
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| Auch die Gänge und Treppenhäuser der Schulen sind ansprechend gestaltet. |
PS:
Vielen Dank, ihr Lieben, für all eure Kommentare zu meinem Tiergarten-Schönbrunn-Posting.
Ich möchte spätestens bei einem weiteren Tiergarten-Bericht auf einige
eurer eher kritischen Anmerkungen zur Haltung von Wildtieren in Zoos
eingehen - für heute nur so viel: Auch ich würde (wie ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben habe) Wildtiere viel lieber
in Freiheit sehen - mit ausreichend Lebensraum und Nahrung, ohne
Wilderei, ohne Artensterben. Die Realität sieht leider anders aus. Umso
wichtiger ist es, dass Tiergärten diverse Aufgaben im Zusammenhang mit
Artenschutz und Erhaltungszuchtprojekten erfüllen.

































