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Donnerstag, 22. Oktober 2020

Ausflug nach Bad Ischl und Besuch der Kaiservilla - Salzkammergut 2020

Servus ihr Lieben!


Ich danke euch herzlich für eure vielen Kommentare zu meinem ersten Posting nach unserem Wander- und Relax-Urlaub im Salzkammergut. Wie versprochen, will ich euch in den folgenden Wochen mehr über unsere Urlaubs-Erlebnisse erzählen - heute geht's los mit unserem Ausflug nach Bad Ischl.

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2. Tag - 7. Oktober 2020 - Bad Ischl bei Regen

Wenn wir längere Zeit an einem Urlaubsort verbringen, versuchen wir üblicherweise, unsere Pläne dem Wetter anzupassen - in diesem Fall hieß das: Wandern an den sonnigen Tagen, Besichtigungen und Indoor-Aktivitäten an Regentagen. Für Mittwoch - unseren zweiten Urlaubstag - war Regen angekündigt, und das Wetter hielt sich auch von morgens bis abends daran. Natürlich blieben wir trotzdem nicht nur im Innen-Bereich - wir sind ja nicht aus Zucker. 

Auf den Fotos, die an diesem Tag entstanden, sieht man teilweise Regentropfen, obwohl ich die Kamera zwischendurch immer wieder abgewischt habe - aber das gibt ja zuweilen auch ganz gute Effekte 😉 Und falls sie euch nicht gefallen, seht es mir bitte einfach nach 😊😇😘

Wie schon erwähnt, erhielten wir bei unserer Ankunft im Hotel Grimmingblick eine Salzkammergut Erlebnis Card - mit dieser Karte erhält man zahlreiche Eintritte und Aktivitäten in der Region zum ermäßigten Preis. Unter anderem wurde auch ein Besuch der Kaiservilla in Bad Ischl angeboten. Nachdem wir noch nie dort waren, beschlossen wir, uns die (etwa 40 km von Bad Mitterndorf entfernte) "Kaiser- und Kurstadt" und die besagte Villa anzusehen.
 
 
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Blick auf die Kaiservilla. Der Springbrunnen aus weißem Marmor wurde 1884 von Viktor Tilgner geschaffen. Die Skulptur
 links trägt den Namen Der Lauscher; sie ist aus Edelerz gefertigt und war ein Geschenk der Königin von England an Kaiserin
 Elisabeth

Beim Eingang in den Park erfuhren wir, dass die Kaiservilla nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden kann. Wir bekamen die letzten beiden Karten für die nächste Führung, doch bis dahin blieb uns noch einige Zeit. Diese nützten wir, um sowohl durch den Park als auch durch den Kurort zu flanieren. Und auch im Anschluss an die Besichtigung der Kaiservilla sahen wir uns noch einiges in Bad Ischl an. Ich nehme euch jetzt einfach auf einen kleinen Rundgang mit und erzähle euch dazu etwas über den Kurort, die Villa und den Park, einverstanden? (Wer auf historische Info keine Lust hat, lässt die kursiven Teile einfach weg 😉)

Bad Ischl und die Heilkraft von Salz:
Der Kurort Bad Ischl (der bis 1906 nur Ischl hieß) liegt auf 468 m Höhe im oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts. Seit der Frühzeit war die Salzgewinnung der wichtigste Wirtschaftsfaktor des Gebietes. Die wahre Blütezeit von Ischl begann aber im 19. Jahrhundert. Zwar hatte man die Heilkraft der Ischler Salzquellen schon zu Kaiser Maximilians Zeit gekannt, aber erst durch einen "talentvollen und sehr bescheidenen" jungen Arzt namens Josef Götz wurde Ischl zu einem Kurort von europäischer Bedeutung. (Übrigens findet sich im Stammbaum dieses Salinenarztes angeblich der Held von Goethes Drama, Götz von Berlichingen. Ja genau. Der mit dem berühmten Zitat 😎). Der Arzt erprobte die Wirkung von Solebädern an Salinenarbeitern, die an Hauterkrankungen und Rheumatismus litten, und veröffentlichte seine Erkenntnisse... 

Blick auf die Traun, auf buntes Herbstlaub und ein paar Pflanzen im Park rund um die Kaiservilla (Oktoberfreuden / Zitronenfalterin)

 

Bad Ischl und der Kaiser von Österreich:
Im Jahr 1821 kam der Wiener Arzt Franz Wirer (damals Leibarzt von Kaiser Franz I. und Lehrer an der Wiener Medizinischen Schule, später Rektor der Wiener Universität) nach Ischl und sorgte für die Weiterverbreitung der Nachricht von den guten Behandlungserfolgen des Dr. Götz. Seither kamen von Jahr zu Jahr mehr auswärtige Kurgäste, auch aus „höchsten Kreisen“, nach Ischl. 1823 gründete Wirer zusammen mit Götz die erste österreichische Solebadeanstalt; in diesem Jahr sollen bereits 10.000 Gäste zur Sole-Kur gekommen sein!
 
1827 fand sich das erzherzogliche Ehepaar Franz Karl und Sophie hier zum ersten Mal zur Heilbehandlung ein. Denn Sophie hatte mehrere Fehlgeburten erlitten, weshalb Leibarzt Dr. Wirer die Ischler Solebäder empfahl. Diese Kur half offensichtlich, denn in den folgenden Jahren gebar Sophie vier Söhne und eine Tochter. Die ersten drei Söhne kamen jeweils unmittelbar nach den Kuren in Ischl zur Welt, weshalb sie den Spitznamen "die Salzprinzen" erhielten 😊.
 
Der Erstgeborene war der spätere österreichische Kaiser Franz Josef. Dieser verbrachte fast jeden Sommer seines langen Lebens in Ischl und empfand eine tiefe Zuneigung für diesen Ort. Als 15jähriger Kronprinz schrieb er seiner Mutter: „Oh, wie sehne ich mich nach dem lieben, lieben Ischl.” Beinahe jedes Jahr feierte er hier am 18. August seinen Geburtstag. Auch seine Frau, Kaiserin Elisabeth (Sisi), konnte sich hier ungezwungener bewegen als am Wiener Hof und unternahm viele Wanderungen und Ausritte.*)
 
*) Ausführlichere Informationen findet ihr z.B. HIER (Die Habsburger und Bad Ischl) und HIER (Franz Joseph: Ehe, Familie und Nachkommen. Ein bisschen was zu diesem Thema habe ich euch auch schon in meinem Beitrag über Kronprinz Rudolf und Mayerling erzählt - KLICK ... Irgendwie geht's in meinem Blog momentan sehr oft um die Kaisers 😉. Wenn ihr euch für die Welt der Habsburger interssiert, ist diese Seite vielleicht interessant für euch: https://www.habsburger.net/de)
 
🍂🌲🌧️🌳🍂

An die Verbindung mit der Kaiserzeit wird man in Bad Ischl quasi an jeder Ecke erinnert. Es gibt unter anderem eine Kaiser-Franz-Josef-Straße, eine Residenz Elisabeth, eine überlebensgroße Statue vom "Franzl" auf dem Vordach eines Fotogeschäftes... Hier wurden wir im Schaufenster auch mit einer genialen Idee konfrontiert: schischi erinnert zwar an ein genuscheltes "Sisi" und steht vielleicht auch für Chichi, also verspieltes Zubehör, Accessoire - meint aber in diesem Fall: "schicke Schiatzn" (Übersetzung für Nicht-Österreicher: schicke Schürzen). Mit einem Foto aus dem eigenen Fundus oder mit Bildern aus dem Archiv des Ladens kann man sich hier eine individuelle Dirndlschürze herstellen lassen. Und wenn wundert's, dass es bei den ausgestellten Schürzen auch eine mit der Jagdgesellschaft von Kaiser Franz Josef und eine mit der schönen Kaiserin Elisabeth gab?

Noch im Jahr 1821 holte Dr. Wirer den Konditor Zauner aus Wien nach Ischl, da eine gute Konditorei für kaiserliche Gäste nicht fehlen durfte. Diese existiert noch immer - das rosa Haus selbst sieht aus wie von einem Zuckerbäcker gestaltet, und in der Auslage befinden sich Kunstwerke der Konditorkunst - bei unserem Ischl-Besuch waren es originell ausehende Pilze 🍄. 

Einen k.u.k. Hofgarten gibt es auch, aber der war an diesem Regentag - zumindest im Außenbereich - nicht gut besucht 😉. Die bunt bemalten Löwen, denen wir überall im Ort begegneten, haben allerdings nichts mit dem Wappen-Löwen der Habsburger zu tun, auch wenn es gut passen würde: Sie stammen von einer PR-Aktion des Lions-Clubs in Bad Ischl.

Durch die Glücksgasse (li. unten) "mussten" wir natürlich auch gehen. Schließlich wollen wir weiterhin so glücklich bleiben!

Kommt nun mit mir zur

Kaiservilla und in den Kaiserpark:
Die 1834 im Biedermeierstil erbaute Villa am Fuß des Jainzenberges war im Jahr 1853 das Hochzeitsgeschenk von Erzherzogin Sophie für das kaiserliche Paar Franz Josef und Elisabeth. Der Kernbau der Villa wurde durch Seitenflügel ergänzt; der dadurch entstandene Grundriss in Form des Buchstabens „E“ wird gerne als eine Art Geschenk des Kaisers an Elisabeth gedeutet, aber davon ist nichts belegt. Vielleicht war die Form also auch nur Zufall und es wird nachträglich etwas hineininterpretiert (damit das Klischee aus den "Sissi"-Filmen nicht ganz zerstört wird 😉).
 

Im Salzkammergut
Da kammer gut
Lustig sein,
So wie nirgendwo, holdrio.*)
 
Aus dem Singspiel "Im weißen Rößl" 
von Ralph Benatzky (1884-1957)
  

Wie ihr seht, kann man im Salzkammergut wirklich gut lustig sein, holdrio! Jedenfalls ließen sich Edi und ich den Spaß durch das Regenwetter nicht verderben. Schließlich leuchten die Farben von Herbstlaub und schönbrunnergelben Fassaden bei Regen ganz besonders schön! 😉🍁🍂
 

*) Einige von euch haben mich in ihren Kommentaren zum vorigen Post auf dieses alte Lied angesprochen. Alle, die wissen wollen, wie das Lied im 1960er-Film "Im weißen Rößl" klingt, wenn es von Peter Alexander gesungen wird, klicken am besten auf diesen Link. Irgendwie kann ich noch immer über diesen Film und das Lied aus meiner Kinderzeit lachen, auch wenn mein Musikgeschmack mittlerweile ein ganz anderer ist. Für alle Englischsprachigen habe ich hier eine Übersetzung des Lied-Textes gefunden. 

🌧️☔☔🌧️

Weil wir vor der Führung noch Zeit hatten, beschlossen wir trotz des Regens, den ausgedehnten Park zu erkunden, von dem die Villa umgeben ist. 

Dieser Park wurde vom Hofgärtner Franz Rauch im englischen Stil gestaltet, der etwas legerer wirkt als die Gartengestaltung in Schönbrunn und somit wunderbar zur Umgebung passt. Die Bäume wurden hier stets in Gruppen gepflanzt, damit es natürlicher aussieht.

Das Gebäude links unten ist das Küchengebäude - in der Villa selbst gab es nämlich keine Küche. Die Speisen wurden 
in einem Warmhaltegerät von dort in die Kaiservilla transportiert.

Eine Möwe bin ich von keinem Land,
Meine Heimat nenne ich keinen Strand,
Mich bindet nicht Ort und nicht Stelle;
Ich fliege von Welle zu Welle.

Elisabeth, einstige Kaiserin von Österreich
und Königin von Ungarn (1837-1898)

Die Sehnsucht der Möwe:
Der Themengarten „…und doch so fern“ ist inspiriert von den zahlreichen Reisen der Kaiserin Elisabeth, die sie durch ganz Europa und sogar nach Nordafrika führten. Sisi war oft monatelang unterwegs, angetrieben von einer unbestimmten Sehnsucht, die wohl einerseits Fernweh war und andererseits der Wunsch nach Abstand vom strengen Wiener Hofprotokoll. Unterwegs schrieb sie sich ihre Gefühle mit Gedichten von der Seele. Der Themengarten zeigt plätscherndes Wasser, drei bepflanzte Inseln, die sich auf Sisis Lieblingsorte Madeira, Korfu und Gödöllö beziehen, sowie stilisierte Möwen als Symbol für ihr Fernweh.
 

Auch der ganze Jainzenberg gehörte zum kaiserlichen Anwesen, hier fanden sich Spazierwege (was besonders wichtig für Sisi war) und Aussichtspunkte, es wurde aber auch gejagt (was besonders wichtig für Franzl war).

Auf einem der kaiserlichen Spazierwege entdeckten Edi und ich diesen filigranen eisernen Pavillon.

Verlobungspavillon („Gloriette“*)):
Diese zarte, achteckige Eisenkonstruktion war der Verlobungspavillon von Marie Valerie, der jüngsten Tochter des Kaiserpaares. Durch die gemeinsamen Wanderungen mit ihrer Mutter war in Marie Valerie eine tiefe Zuneigung zu Ischl, zur Kaiservilla und zum Kaiserpark entstanden. Im Jahr 1890 heiratete sie Erzherzog Franz Salvator von Österreich-Toskana in der Ischler Pfarrkirche, und schließlich war sie es auch, die das Ischler Erbe antrat und die Kaiservilla an ihre Nachkommen weitergeben konnte. 

*) Eine Gloriette ist (lt. Wikipedia) ein Gebäude in einer Gartenanlage, das sich auf einem erhöhten Standort befindet. Die bauliche Ausführung und Gestalt kann sehr unterschiedlich sein, oft in der Form eines nach den Seiten mehr oder weniger offenen Pavillons oder Tempietto. Die wohl bekannteste und größte ist die Gloriette im Schlossgarten von Schloss Schönbrunn in Wien.
 
Die Torbögen des Pavillons sind mein "T in die neue Woche" bei Nova
 
Durch einen Blick auf den Boden lässt sich zur aktuellen Jahreszeit recht einfach feststellen, welche Baumkrone sich darüber befindet. In der Mitte seht ihr z.B. Eicheln, die dazugehörige Stieleiche seht ihr im Foto darunter. Rechts daneben seht ihr mehrere herbstbraune Blätter sowie die aufgeplatzte Hülle der Samenkapsel und ein paar Bucheckern. Der Baum darüber ist eine Rotbuche, und auch Buchenblätter seht ihr in dieser Collage. Sowohl Eicheln als auch Bucheckern sind wichtige und energiereiche Winternahrung für Waldtiere. Auch für Menschen sind sowohl Eicheln als auch Bucheckern essbar*), wenn man ein paar Dinge beachtet. In den verlinkten Artikeln finden sich auch noch andere interessante Infos - z.B. was das Wort "Buch" mit dem Baum "Buche" zu tun hat. 

*) Wir haben bisher nur Bucheckern probiert - einfach ein, zwei Esslöffel davon schälen, ohne Fett rösten (wie Pinienkerne) und über Salat, Müsli etc. streuen oder (besonders lecker) karamellisieren und zu Desserts reichen.

Verlinkt bei "Mein Freund der Baum" - Bäume geben uns so viel; sie sind Freunde, die von der Menschheit unterschätzt werden.

Von einer Anhöhe des Jainzenberges aus hat man einen guten Blickauf den Siriuskogl mit der Franz-Josefs-Warte (erbaut 1885 und natürlich nach dem Kaiser benannt) sowie auf Bad Ischl. Seht ihr den Kirchturm? Er gehört zur Stadtpfarrkirche St. Nikolaus - merkt ihn euch, wir gehen später noch dorthin.


 
Das Ischler Refugium der Kaiserin:
Auf dem Anwesen befindet sich auch noch das sogenannte Marmorschlössl - ebenfalls gestaltet von Franz Rauch - ein Teehaus und zugleich Rückzugsort für Kaiserin Sisi. Hier schrieb sie Gedichte, plante ihre Reisen und empfing Freunde.
 

Ich finde dieses Wein-umrankte Gebäude einfach entzückend und würde dort am liebsten sofort und auf der Stelle einziehen. Aber ich fürchte, daraus wird nichts. Seit 1978 beherbergt es ein Photomuseum mit Ausstellungen zu den Anfängen der Fotografie. Künftig soll das Marmorschlössl eine neue Aufgabe erhalten - die Oberösterreichische Landeskultur GmbH plant, im Marmorschlössl eine jährlich wechselnde Ausstellung zu zeigen. Im kommenden Jahr ist eine Schau zum Thema "Dirndl" vorgesehen.

🍂🌲🌧️🌳🍂
 
Nun war es an der Zeit, zur Kaiservilla zurückzukehren, um an der Führung teilzunehmen. Im Shop und im Stiegenhaus habe ich noch ein paar Fotos aufgenommen, leider durfte man in den Räumlichkeiten selbst dann nicht mehr fotografieren. An der Dekoration des Stiegenhauses ist eindeutig die große Jagdleidenschaft von Franz Josef zu erkennen. Er hatte aber z.B. auch ein Faible für die damals erst im Entstehen begriffene Elektrizität und sammelte einige Elektrogeräte (die man bei der Führung besichtigen kann).
 
Wenn ihr Interesse habt, zumindest ein paar der Räume zu sehen, klickt bitte HIER. Leider ist da auf keinen der Fotos der wunderbare Intarsiensekretär zu sehen, an dem ein heimischer Tischler über ein Jahrzehnt lang gearbeitet hat, um ihn dann dem Kaiser zu schenken. Ich glaube nicht, dass ich je zuvor eine so schöne, detailgetreue Intarsienarbeit gesehen habe - und die hätte ich euch gerne gezeigt. Aber vielleicht kommt ihr ja selbst einmal nach Bad Ischl, dann kann ich euch einen Besuch der Kaiservilla und des Kaiserparks (bei jedem Wetter 😊) empfehlen.

  

Noch ein kurzer Streifzug durch Bad Ischl:
Nach der Führung bummelten wir noch ein bisschen durch den Kurort und stellten fest: Unsere ehemaligen Kaiserleute sind  nicht die einzigen, an die man in Bad Ischl erinnert wird. Die Johann-Nestroy-Schule (die sich übrigens in der Kaiser-Franz-Josef-Straße befindet 😉) erinnert an den großen österreichischen Bühnenautor und Schauspieler, Stefan Zweig hat sich ebenfalls schon ab dem Teenageralter in Ischl aufgehalten, und auf der übernächsten Collage könnt ihr sehen, dass der "große Meister der Tonkunst, Anton Bruckner" bei festlichen Anlässen des Kaiserhauses in der St.Nikolaus-Kirche die Orgel spielte.  Ischl war aber auch Sommerdomizil vieler anderer populärer Komponisten und bedeutender Literaten, wie Johann Strauß, Franz Lehár und Johannes Brahms, Mark Twain, Theodor Herzl oder Franz Werfel.

Neben vielen schönen alten Häusern fiel mir auch ein Bau aus den 1970ern auf - wegen seines Mosaiks, auf dem die sogenannten Traunreiter dargestellt werden. Auch hier geht es wieder um das allgegenwärtige Thema Salz: Denn die Traunreiter waren vom 16. bis zum 19. Jahrhundert Schiffer, die das in Hallstatt gewonnene Salz auf der Traun in die Saline nach Ebensee transportierten. Zurück wurden die Schiffe (nunmehr beladen mit Wein, Greitreide und anderem Proviant) von Pferden gezogen (daher der Name). Dazu benützten sie den Treppelweg am Flussufer.

 

In den folgenden beiden Collagen seht ihr die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, deren Glockenturm ich wieder für Novas Linkup fotografiert habe. Der Tafel neben dem Eingangsportal kann man entnehmen, dass die Kirche im 13. Jahrhundert  erbaut wurde, dass von 1769 bis 1780 eine spätbarocke Erweiterung stattgefunden hat und dass der Turm mit achteckigem Spitzhelm gotisch ist. Für weitere Infos schaut doch bitte auf diese Seite.

 

Da Ischl ab den 1820er Jahren zum vielbesuchten Kurort der Hocharistokratie wurde, fanden sich zahlreiche Spender und Gönner für neue Altäre und kunstvolle Wandmalereien der St.Nikolaus-Kirche. Kaiser Franz Joseph besuchte hier ab  dem Jahr 1854 während seiner Ischl-Aufenthalte an jedem Sonntag die 7-Uhr-Messe. Zwischen 1874 und 1880 erfolgte eine große Renovierung des Kircheninneren, der Abschluss dieser Umgestaltung wurde zum 50. Geburtstag des Kaisers feierlich begangen. Die 1888 errichtete Orgel wurde zum 80. Kaisergeburtstag im Jahr 1910 erweitert. Sie ist auch heute noch eine der größten Orgeln in Österreich. 

Die Kirche bietet also in ihrem Inneren viele sehenswerte Details, die ich mir gerne näher angesehen hätte, doch es fand gerade ein Gottesdienst statt. Deshalb knipste Edi nur ein schnelles Foto und dann schlichen wir uns wieder leise hinaus.

Ja, ihr Lieben, so anregend und interessant haben wir also diesen Regen-Urlaubstag verbracht. Wie sagte schon unser alter Kaiser? "Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!" Ich hoffe, ihr habt aus der Vielzahl an Informationen und Bildern das eine oder andere herauspicken können, das für euch interessant war. 

Zum heutigen Abschluss kommt noch das obligatorische Outfitfoto von meinem "Abendessen-Styling" 😉 im Hotel Grimmingblick  - wie üblich aus "schrank-geshoppten" Teilen zusammengesetzt, diesmal in rot-grün: mein oft und gern getragener roter Maxirock aus Biobaumwolle zum grün-rosarot gemusterten Kolibri-Palmen-Shirt und zur roten Namibia-Kette sowie einer kurzen rot-schwarzen Kette. Für lange Ärmel war mir - zumindest in der ersten Urlaubshälfte - zu warm.

🍂🌲🌧️🌳🍂

 
Bis zum nächsten Mal:
liebste Rostrosengrüße
von eurer Traude


Gerne verlinke ich passende Beiträge bei: 
Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche,
Artis Schilderwald-Linkup, Heidis Aktion Himmelsblick
My week in colours von Maren - Farbwunder Style, Style Splash von Emma,
Friday Bliss - bei Riitta von Floral Passions,
Garden Affair - bei Jaipur Garden, 

Freitag, 17. Juni 2022

Wildalpen und Mariazell

Servus ihr Lieben,

 

... lasst euch nicht durch das Stopschild irritieren - ihr seid hier nur dann falsch, wenn ihr mit Natur absolut nichts am Hut habt. Denn am 10. und 11. Mai trieb es uns in eine Gegend reinster und schönster Natur. Ihr werdet Wasser sehen, das so klar ist, wie es nur sein kann und Wälder, die sich von einem Fichtenwald wieder in Richtung "Naturwald" entwickeln dürfen. 

Doch auch diejenigen, die lieber schöne alte Häuser oder Kirchen besichtigen, werden auf ihre Rechnung kommen, denn im Anschluss an unseren Wildalpen-Aufenthalt ging es in Österreichs bekanntesten Wallfahrtsort. (Leider kann ich euch von diesen beiden Tagen nur Handyfotos bieten - weder Edi noch ich hatten Lust gehabt, unsere Kameras mitzuschleppen, doch ich denke, wir sind auch so ganz gut klargekommen und haben euch eine relativ große Fotobeute mitgebracht 😊📷.)
 
 
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Ausflug zum Ursprung des Wiener Wassers:
Genau genommen hätte dieser "Bildungsausflug" bereits im Jahr 2020 stattfinden sollen. Aus den bekannten Gründen war er zweimal verschoben worden. Doch nun war es endlich so weit: 
 
Wir fuhren per Bus dorthin, wo das berühmte Wiener Wasser herkommt (oder zumindest ein großer Teil des Wiener Wassers). Angeblich gibt es keine Hauptstadt auf dieser Welt, in der Trinkwasser von vergleichbarer Qualität aus der Leitung kommt. *)

*) Leider bekommen wir im Bezirk Baden nicht dasselbe köstliche Wasser wie die Wiener, sondern nur einen "Verschnitt" aus "Wiener Wasser" und Grundwasser. Doch mein Mann und ich haben Jahrzehntelang in Wien gelebt und gearbeitet und sind dadurch natürlich in den Genuss des puren Wiener Wassers gekommen. Und dessen Geschichte interessierte uns.
 
So freundlich präsentierte sich uns der Himmel während der Busfahrt.

Dazu müsst ihr wissen, dass Wien seit der Regierungszeit von Kaiser Franz Josef I. durch zwei Hochquellenleitungen mit Wasser versorgt wird. (Ja, der "Franzl" mal wieder 😉.)

... führt Trinkwasser aus Quellen im Rax- und Schneeberggebiet in die Österreichische Hauptstadt Der Bau dieser Leitung wurde notwendig, da die bisherige Wasserversorgung für die ständig wachsende Stadt nicht ausreichte. Die Qualität des Wiener Wassers ließ außerdem wegen mangelhafter Kanalisation  zu wünschen übrig - deshalb kam es unter der Wiener Bevölkerung immer wieder zu Krankheiten wie Cholera und Typhus
Nach nur vierjähriger Bauzeit wurde die ursprünglich "Kaiser-Franz-Josef-Hochquellenleitung" genannte Leitung im Jahr 1873  eröffnet.
Lageplan der Wiener Hochquellenleitungen
Lageplan der Wiener Hochquellenleitungen - Quelle: KLICK


Doch die Hauptstadt wuchs weiter - und bald stellte sich heraus, dass auch das Wasser aus dieser Leitung noch nicht genug war. Also wurde fieberhaft nach weiteren Möglichkeiten gesucht, die Wiener mit gutem Wasser zu versorgen. Im äußersten Osten der Steiermark wurde man schließlich fündig.

Die Grundsteinlegung für die  "II. Kaiser-Franz-Josef-Hochquellenleitung" ...
...erfolgte am 11. August 1900, eine Woche vor dem 70. Geburtstag des Kaisers, auf der Poschenhöhe in Wildalpen. Die Errichtung dieser neuen Hochquellenleitung dauerte bis zum Jahr 1910; seither bringt sie Trinkwasser aus dem steirischen Hochschwabgebiet ins westliche Wien.  

Und eben diesem traumhaft schönen Gebiet, in dem sich die II. Wiener Hochquellenleitung befindet, statteten wir Rostrosen am 10. und 11. Mai 2022 einen Besuch ab -
 
 
Fotos aus den Ortschaften Wildalpen und Hinterwildalpen

Wildalpen ist der Name eines Dorfes sowie einer Gemeinde im Bezirk Liezen in der Steiermark. Der Ort Wildalpen selbst liegt am Nordfuß des Hochschwabmassivs im Salzatal, direkt am Fluß Salza. Die Salza ist heute einer der naturbelassensten Wildflüsse der Ostalpen und außerdem ein Paradies für Fliegenfischer und für Abenteuerlustige, die gern Kajak- oder Raftingtouren unternehmen. Ganz allgemein bietet das Naturschutzgebiet Salzatal jede Menge Möglichkeiten zu Unternehmungen in purer Natur.

Die Gemeinde Wildalpen besteht noch aus einigen weiteren kleinen Ortschaften, die so liebenswerte Namen tragen wie z.B. Holzäpfeltal, Drei Keuschen, Schneckengraben, Fachwerk oder Hinterwildalpen. Die Ausdehnung der Gemeinde erreicht eine Fläche von 203,12 km², was ungefähr der halben Stadt Wien entspricht. Insgesamt leben jedoch nur 438 Einwohner in der Gemeinde; die Bevölkerungsdichte ist mit nur 2,3 Einwohner pro km² eine der niedrigsten in ganz Österreich


Unser Programm am ersten Tag:
Wir kamen um 12 Uhr in Hinterwildalpen an und nahmen dort unser Mittagessen im Gasthaus zum Krug ein. (Ich hatte einen meiner drei wöchentlichen Veggie-Tage und nahm daher den Erdäpfelstrudel auf Rahm-Blattspinat - er schmeckte mir ausgezeichnet.) Anschließend ging es weiter in den Hauptort Wildalpen - dort bezogen wir unser Quartier im Hotel Bergkristall. Edi und ich bekamen ein großes Apartment ganz für uns allein.

Um 15 Uhr stand eine Führung im Wasserleitungsmuseum auf dem Programm. Hier zeige ich euch, was wir auf dem kurzen Spaziergang dorthin sahen:


Das Wasserleitungsmuseum ist in einer historischen Hammerschmiede untergebracht - dem Tulleck’schen Hammerwerk. Die einzelnen Gebäude des Hammerwerkes wurden im 16. und 17. Jahrhundert errichtet und sind allein schon sehenswert. Doch auch die Führung durch das Wasserleitungsmuseum HochQuellenWasser Wildalpen *) durch den örtlichen Oberförster, Herrn Arrer (siehe großes Foto in der folgenden Collage), war sehr interessant und lehrreich gestaltet. 

*) Klick zu einem kurzen Video über das Museum und einem Überblick über die einzelnen Räume

Wir erfuhren u.a. jene Dinge, die ich euch oben über das Wiener Wasser erzählt habe. Wir erfuhren auch, dass der Wasserbautechniker Dipl.Ing. Dr.techn. Karl Kinzer (1857-1916) der geniale Kopf beim Bau der Zweiten Hochquellenwasserleitung war. Ihr seht unten mittig ein Portrait von ihm. Er hatte bereits an der Ersten Hochquellenleitung mitgearbeitet bzw. einige Erweiterungsprojekte konzipiert; an Planausarbeitung und Bau der Zweiten Hochquellenwasserleitung war er maßgeblich beteiligt und zuletzt oblag ihm die Gesamtbauleitung. Kinzers hoher Ingenieurskunst ist es unter anderem zu verdanken, dass der Transport des Wassers nach Wien ganz ohne Pumpe und nur mit Hilfe der Gravitation vonstatten geht.

Das Gemälde unten rechts zeigt Erzherzog Johann, den "Steirischen Prinzen", der ein großer Naturliebhaber und Förderer der 
Naturwissenschaften war.

Das Museum zeigt auch Fotos der Arbeiter, die (größtenteils noch von Hand!) Tunnel in die Felsen trieben, akribische Planzeichnungen von Karl Kinzer, Modelle, die demonstrieren, wie der Quellschutzwald funktioniert etc. - leider kann ich hier nicht alles wiedergeben, obwohl es hochinteressant war. Auf manches Thema werde ich allerdings eingehen, sobald ich euch den zweiten Tag in Wildalpen schildere. 

Was ich euch aber noch erzählen möchte: Wisst ihr, wie man früher den Verschmutzungsgrad des Wassers überprüft hat? Man füllte eine Glaskaraffe mit diesem Wasser und stellte sie auf eine Zeitung (siehe obere Collage links). Wenn man die Zeitung durch das gefüllte "Trübungsmessglas" hindurch lesen konnte, galt das Wasser als klar und rein 😊. Mittlerweile sind die Methoden wissenschaftlicher, aber möglicherweise nicht mehr so unterhaltsam.

Leider gibt es auch ausgestopfte Tiere im Museum zu sehen, die zeigen sollen, welchen Reichtum an Wild es in dem Gebiet gibt.

Am zweiten Tag ...
... entführte uns der sympathische Herr Oberförster Arrer nach dem Frühstück auf einen Waldlehrpfad. Und auch dort haben wir sehr viel Wissenswertes von ihm erfahren.

Mehr als die Hälfte des Gemeindegebietes von Wildalpen steht als Quellschutzgebiet unter Naturschutz. Die Wälder hier sind enorm wichtig, denn die Wurzeln der Bäume fungieren als natürliche Filteranlagen. Außerdem sorgen sie dafür, dass der Erdboden nicht weggespült wird und somit weiterhin Wasser speichern kann. Zur Beforstung dieses Gebietes gibt es eigene Magistratsabteilungen der Stadt Wien. (Auch der steirische Förster ist demnach ein Mitarbeiter der Stadt Wien.)


Wenn ihr euch die Fotos von den Wäldern anseht, was fällt euch da besonders auf? Uns stach vor allem das viele helle Grün ins Auge -  all die frischen, frühlingsjungen Blätter der Laubbäume hier, hauptsächlich Buchen, aber nicht nur. 

Das liegt daran, dass beim Quellschutzwald wieder verstärkt auf Mischwälder und Renaturierung gesetzt wird. Die meisten Wälder in Österreich (und vermutlich auch im Großteil unserer Nachbarländer) sind ja keine Urwälder mehr, sondern Nutzwälder, und sie wurden im Lauf der letzten Jahrhunderte aus verschiedenen Gründen hauptsächlich mit Fichten aufgeforstet. Denn Fichten bieten gutes Bau- und Möbelholz, sie wachsen relativ schnell und schön gerade, was praktisch für die Holzfäller bzw. für die Verarbeitung ist, und da die jungen Triebe den Rehen nicht so gut schmecken wie z.B. die Triebe von Tannen, werden sie nicht so leicht abgefressen. 


Lange Zeit schien die Entscheidung für Monokultur-Fichtenwälder viele wirtschaftliche Vorteile zu bringen, doch nun, in Zeiten des Klimawandels, rächt sich das. Denn Fichten sind Flachwurzler und fallen daher Stürmen leichter zum Opfer als z.B. Tannen (die Tief- und Flachwurzler zugleich sind) oder Buchen (Tiefwurzler). Außerdem sind Fichten durch die zunehmende Trockenheit der letzten Jahre zu leichten Opfern des Borkenkäfers geworden - genauer gesagt des Großen Achtzähnigen Fichtenborkenkäfers (Ips typographus - auch "Buchdrucker" genannt, weil die Larvengänge des Käfers Ähnlichkeit mit Schriftzeichen haben) und des Sechszähnigen Fichtenborkenkäfers (Pityogenes chalcographus - auch "Kupferstecher" genannt). Ganze Wälder sind durch diese Forstschädlinge bereits abgestorben. 

(Übrigens: Es heißt ja häufig: "Kein Tier ist so blöd wie der Mensch und zerstört seinen eigenen Lebensraum." Der Borkenkäfer ist ein Beispiel dafür, dass diese Aussage nicht ganz den Tatsachen entspricht: Die Buchdrucker oder Kupferstecher befallen einen Baum nach dem anderen oder mehrere zugleich, bis keine brauchbare Fichte mehr vorhanden ist - sie verhalten sich also ähnlich idiotisch wie Menschen. Glücklicherweise gibt es jedoch auch Menschen, die mit der Natur sorgsamer umgehen. Bei unserem Ausflug nach Wildalpen haben wir einige von ihnen kennengelernt.)


In den Wildalpen-Wäldern hält sich der Befall noch in Grenzen - was den Bemühungen der hiesigen Forstarbeiter zu danken ist. Denn umgestürzte oder abgestorbene Bäume werden zwar - im Sinne der Renaturierung - als Totholz im Wald belassen, allerdings müssen umgestürzte Fichten zunächst abgeschält werden, um den Borkenkäfern keine Brutflächen zu bieten. Und sonst wird bereits seit einiger Zeit darauf gesetzt, dass sich die Laubbäume sowie die Tannen, die man hier gepflanzt hat, selbst vermehren können. 

Das ist nicht ganz einfach, denn dieses Gebiet ist nicht nur reich an Quellen, sondern auch an Wild - es war und ist daher ein begehrtes Jagdgebiet und es wurde in der Vergangenheit durchaus forciert, dass z.B. manch ein "Generaldirektor" hier gegen Bezahlung von Gebühren einen Bock schießen durfte. Große Wildbestände waren demnach von Vorteil. Für das Wachstum von wohlschmeckenden Tannen oder Laubbäumen ist es allerdings von Nachteil. Mittlerweile verzichtet man auf diese Einkünfte lieber und achtet darauf, dass das Wild nicht überhand nimmt. 


Teilweise gelingt das sogar allmählich durch natürliche Auslese, denn auf Wildbeobachtungskameras wurde bereits der eine oder andere Luchs in dem Gebiet gesichtet. Und in den Wildalpen-Wäldern sind diese Besucher durchaus erwünscht. Denn Tiere wie Luchse, Bären, Wölfe sorgen in der Natur dafür, dass in Wäldern ein natürlicher Ausgleich herrscht. 

So lange es noch zu wenige dieser ausgleichenden Fleischfresser gibt, muss nach wie vor der Mensch eingreifen. Jäger, die Wild schießen, bekamen von mir früher nicht sehr viele Sympathiepunkte. Doch nun habe ich gelernt, dass man der Population nichts Gutes tut, wenn man schwache Tiere durchfüttert und dass eine gewisse Auslese sowohl für den Wald als auch für die Herden wichtig ist. 

Ganz allgemein kann man sagen, wenn Raubtiere wiederangesiedelt werden bzw. von selbst in manche Gebiete zurückkehren, werden die Herden von Hirschen, Rehen und anderem Wild kleiner, stärker und gesünder. Und die Wälder können sich ebenfalls auf gesündere Weise entwickeln

Raubtiere sind also keineswegs unsere Feinde. (Ihr könnt hier einen gut zum Thema passenden Artikel über die Wölfe im Yellowstone Nationalpark lesen, die sich dort als stabilisierende Kraft erwiesen haben. Die Verfolgung von Fleischfressern im Namen eines Mensch-Wildtier-Konflikts erfolgt stets ohne Rücksicht auf die Gesundheit des gesamten Ökosystems.)


In der oberen Collage seht ihr, dass sich selbst im felsigen Gelände sowohl Fichten als auch Tannen und die Laubbäume halten können! In Wiesen und im Unterholz entdeckten wir (siehe Fotos rechts) kleine Tiere wie Eidechsen und Weinbergschnecken sowie herrlich blau blühenden Frühlings-Enzian (Gentiana verna). Und der Oberförster zeigte uns erfreut eine Tanne, die am Wegesrand wächst und es bereits zu einer beachtlichen Höhe gebracht hat. Dadurch, dass mittlerweile mehr Tannen im einstigen Fichtenwald wachsen, sind auch ihre Chancen, nicht vom Wild angeknabbert zu werden, gewachsen. (Zum Thema "Neuer Wald: Fichte raus, Tanne rein" habe ich euch auch noch diesen interessanten Artikel anzubieten.)

Unten könnt ihr einen Blick auf einen wunderschön klaren, türkis schillernden See werfen. Das Wasser darin wird regelmäßig kontrolliert und hat Trinkwasserqualität. Auch wenn man vielleicht Lust verspürt, in den See hineinzusteigen, wäre das höchstens für Kältefanatiker ein schönes Erlebnis, denn er ist nur wenige Grade kalt.

Besichtigung der Kläfferquelle:
Nach dem Mittagessen im Hotel besuchten wir die bekannteste und ergiebigste Quelle der II. Wiener Hochquellenleitung: die Kläfferquelle (auch: Kläfferbrünnequelle): Die rund 13 km von Wildalpen entfernte Kläfferquelle im Salzatal ist eine der größten Karstquellen Mitteleuropas und zugleich die ergiebigste Quelle der Wiener Wasserwerke. Aus dieser Quelle fließen mindestens 54.000 m³ Wasser pro Tag - oder anders ausgedrückt: durchschnittlich 4790 Liter pro Sekunde (!), zur Zeit der Schneeschmelze sind es sogar rund 10.000 Liter feinstes Trinkwasser pro Sekunde.

 

Die Kläfferquelle kann nur nach Anmeldung und unter Aufsicht besichtigt werden. Die beste Zeit dafür ist im Spätfrühling. Erfreulicherweise fand unser Besuch genau zur richtigen Zeit statt, uns so konnten wir entlang des Spazierweges, der zur (gefassten) Kläfferquelle führt, auch mehrere traumhaft schöne Wasserfälle bewundern. Neben diesen Gewässern war es gleich um einige Grade kühler als in der restlichen Umgebung.

 

Im Tunnel, der zur Kläfferquelle führt, war es sogar noch um einiges kälter, und so folgten wir der Empfehlung, uns noch etwas Langärmeliges drüberzuziehen. Rund 90 Meter muss man durch diesen engen Stollen ins Innere des Berges vordringen und dabei einem blauen Rohr folgen, bis man schließlich zu einer Glaswand gelangt. In diesem Rohr wird das Wasser transportiert, das 183 Kilometer oder 36 Stunden später in den Wiener Haushalten ankommt. Die Wasserqualität wird dabei permanent kontrolliert. Wasser, das nicht zu 100 % den Vorgaben entspricht, wird in die Salza geleitet. Und auch das überschüssige Wasser sprudelt geräuschvoll neben dem Rohr in Richtung Fluss, wie man durch die Glaswand beobachten kann.

Es war faszinierend, all das zu erleben und somit erstmals hautnah zu begreifen, welch Wunderwerk die Versorgung mit Trinkwasser in unseren Breiten ist. Dabei ist mir - durch das Umweltprojekt, das ich in unserer Gemeinde betreue - durchaus bewusst, dass 2,2 Milliarden Menschen weltweit keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser haben ... während in europäischen Ländern wie Österreich oder Deutschland jeder Mensch durchschnittlich zwischen 120 und 130 Liter Trinkwasser pro Tag verbraucht. Und dieses wertvolle Trinkwasser wird längst nicht nur zum Trinken und Kochen verwendet, sondern z.B. auch zum Duschen und Baden (rund 22%), Geschirrspülen (2%), Wäschewaschen (10%), Putzen, Autowaschen, Bewässern des Gartens … und für die Klospülung (25%)…

Leider konnte (oder wollte?) uns niemand so recht beantworten, was mit der Wiener Wasserversorgung passiert, wenn durch den Klimawandel Schnee und Regen ausbleiben und die Quellen allmählich versiegen. Ich nehme an, niemand beschäftigt sich gerne mit dieser Frage... trotzdem sollte man es tun...

Auf der Heimreise legten wir noch eine Zwischenstation im bekanntesten Wallfahrtsort Österreichs ein (der laut Wikipedia wegen der Basilika Mariä Geburt auch einer der wichtigsten Wallfahrtsorte ganz Europas ist). Um mehr über den Ort oder die (ab dem 14. Jahrhundert erbaute) Kirche zu erfahren, klickt bitte auf die eingefügten Links. Hier könnt ihr jedenfalls einen Blick auf die Basilika, das wunderschöne Hauptportal und ins Kircheninnere werfen:


Für Opferkerzen gibt es etwas abseits der Kirche einen eigenen Raum. Hier entzündeten auch einige Motorradfahrer eine Kerze und in der Kirche konnten wir miterleben, wie sich ein Motorradfahrer-Paar in voller Bikermontur segnen ließ. Hoffen wir, dass es ihnen hilft, unfallfrei zu bleiben.


Die meisten Mitreisenden in unserem Bus hatten Mariazell bereits das eine oder andere Mal besucht, für Edi und mich war dort noch alles neu, und so streunten wir eine Weile durch die Stadtgemeinde, in der es viele wunderschöne, gut erhaltene alte Häuser zu sehen gibt - und gönnten uns zwischendurch außerdem einen Kaffee samt Apfelstrudel. Danach ging es wieder retour nach Wien - und für uns von dort dann wieder ein Stück zurück in den Bezirk Baden.

 


Vor unserer Abfahrt nach Wildalpen waren wir eigentlich gar nicht besonders begeistert gewesen, dass der zweimal verschobene Ausflug zum "Wiener Wasser" nun nur so wenige Tage vor unserer Mallorcareise stattfinden sollte. Doch letztendlich erlebten wir zwei schöne, abwechslungsreiche und hochinteressante Tage, die für uns voll mit Neuen Erfahrungen waren, wir konnten uns zwischendurch mit netten Menschen unterhalten - und wir bereuten keinen Augenblick dieser beiden Tage. 

Ich hoffe, auch ihr habt euch beim virtuellen Mitreisen gut unterhalten!


Auf bald und alles Liebe,

eure   T  r  a  u  d  e




Gerne verlinke ich passende Beiträge: 

beim Mosaic Monday, Artis Schilderwald-Linkup, Wednesday around the World bei Pieni Lintu, bei My Corner of the World, Naturdonnerstag - bei Elke, Friday Bliss - bei Riitta von Floral Passions, Saturday's Critters bei Eileen, bei der Gartenglück-Linkparty, I’d Rather B Birdin’, Garden Affair - bei Jaipur Garden, Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche, Heidis Aktion Himmelsblick, Colour-Energy von Maren - Farbwunder Style, Ich seh rot oder Close to the Ground bei Jutta,  All good things are blue bei Anne, Mein Freund, der Baum - bei Astrid