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Montag, 14. November 2022

Internationale Glastage in der Gläsernen Burg

Servus ihr Lieben!

 

Wie ich schon in meinem vorigen Blogbeitrag Lebenszeichen - Herbstimpressionen  geschrieben habe, herrscht in meinem Blog immer noch "eingeschränkter Betrieb". Doch ich hatte euch versprochen, über eine wunderschöne Glasausstellung zu berichten - und dieses Versprechen möchte ich heute einlösen. (Das Posting wird lang, aber ihr habt viel Zeit, es zu lesen 😉.)

 🏰🏰🏰

Gar nicht weit von unserem Wohnort entfernt - nämlich ebenfalls im Bezirk Baden, in der Ortschaft Weigelsdorf - gibt es ein Gebäude, das einem Märchen zu entstammen scheint: das Kuchlerhaus, auch bekannt als "Empire of Glass" oder Glasmuseum "Die gläserne Burg". (Mit der Niederösterreich-Card ist der Museumsbesuch übrigens gratis.)
 
Das von Zinnen gekrönte Gebäude ist an seiner Fassade mit dem größten Glasmosaik Europas verziert - bestehend aus über 7 Millionen einzelnen Glasteilen! Und da ich selbst schon einige Mosaike geschaffen habe und (z.B.) die Fliesenkunstwerke von Antoni Gaudi, Friedensreich Hundertwasser und Niki de Sait Phalle sehr schätze, zieht mich ein Anblick wie dieser natürlich absolut in den Bann:


Den Familienbetrieb der Kuchlers 
... gibt es bereits seit über 50 Jahren, nunmehr in der dritten Generation - in den Anfängen war es eine "ganz normale Glaserei", hauptsächlich spezialisiert auf Bauverglasungen. 

Mittlerweile hat sich das Kuchlerhaus zu einem wahren Erlebnis-Ort entwickelt. In Österreichs größter Glasgalerie kann man Glaskunst auf höchstem Niveau erleben. Immer wieder gibt es dort Veranstaltungen, in denen die Glasbläserkunst von Meistern ihrer Zunft vorgeführt wird, auch als Laie kann man die Glasbläserei in Intensivkursen erlernen, denn der Familie Kuchler ist es ein Anliegen, "das Wunder des Glasmachens zu bewahren" und an möglichst viele Interessierte weiter zu geben. Auch andere künstlerische Workshops für Groß und Klein werden im Kuchlerhaus angeboten. Und natürlich kann man im Manufakturen-Shop auch wunderschöne Glaswaren erstehen, von kleinen Schmuckstücken über dekorative Vasen bis hin zu großen Lichtobjekten.


Sie ist die "Stamm-Mutter" des Glaskünstler-Clans - und sie war es auch, die das gezeigte Riesenmosaik entworfen und mitgestaltet hat. Bei unserem Besuch im Glasmuseum am 28. Oktober 2022 kamen wir ein bisschen mit Frau Kuchler ins Plaudern. Sie spricht mit einer solchen Leidenschaft vom "Abenteuer Glas", dass man niemals auf den Gedanken käme, dass ihr 79. Geburtstag bereits sehr knapp vor der Tür steht. 
 
Als ich sie fragte, ob ich sie für einen Blogbeitrag über das Kuchlerhaus fotografieren dürfe, meinte sie": "Ja, warten's a bisserl!", flitzte in einen Nebenraum und kehrte mit zwei Accessoires wieder: einer Hortensien-Tunika, die sie sich rasch überwarf und einem selbst gestalteten gläsernen Hut:
 

Frau Kuchler war es auch, die uns einlud, am 12. oder 13. November noch einmal in die gläserne Burg zu kommen, denn zu diesen Terminen fand hier im Rahmen der internationalen Glastage "das heißeste Event des Jahres" statt. Doch bevor ich euch darüber erzähle, möchte ich euch einladen, mit Edi und mir einen Museums-Rundgang zu unternehmen.

Glasmuseum:
Zu Beginn wird man in diesem Museum mit den Anfängen vertraut gemacht: Was ist Glas überhaupt, wie entsteht es, welche Temperaturen sind nötig, um Glas verarbeiten zu können und bei welchen Termperaturen kühlt es ab? Das Glasmuseum erzählt über die Entstehungsgeschichte der Glasverarbeitung, es gibt eine riesige, 110 Kilo schwere Vulkan-Glas-Kugel zu sehen und es werden außerdem Filme über die besondere Handwerkstradition der Glasbläserei gezeigt. Mit etwas Glück kann man zwischen Oktober und März sogar Vorführungen der Glasbläserei erleben.

Kulturerbe: 
Wusstet ihr,  dass die Handwerkskunst des Glasmachens von der UNESCO zum Kulturerbe ernannt wurde? Das Traditionshandwerk ist nämlich mittlerweile so selten geworden, dass es vom Aussterben bedroht ist. Zum Teil hat das wohl auch mit den enormen monatliche Kosten der Glasöfen zu tun - und diese Kosten steigen in Zeiten der Energieknappheit natürlich weiter an. Billigere industriell gefertigte Glaswaren verdrängen außerdem die Glaskunst immer mehr. Die Familie Kuchler jedoch zeigt, dass Glas viel mehr ist als nur ein Material zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen.

ist das Herzstück des Museums. Wenn ihr auf den Link klickt, könnt ihr einen virtuellen Rundgang durch die Galerie machen und die Liste der vertretenen Künstler sehen. Auch Werke von Mitgliedern der Familie Kuchler werden hier ausgestellt, beispielsweise Arbeiten von Frau Kuchler selbst sowie von ihrem Sohn und ihrem Enkelsohn, die allesamt ihren eigenen Stil entwickelt haben.

ist der Künstlername von Peter Nikolaus Kuchler (oder Peter Kuchler II), Hilde Kuchlers Sohn. Er hat sich vor allem auf Glasbilder spezialisiert, die in einer komplizierten Beschichtungstechnik auf Sicherheitsglas aufgetragen werden. Aufgrund des gewählten Materials und der besonderen, selbst entwickelten Technik sind sie sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich geeignet - z.B. als Fassadenelemente oder um Gärten damit zu dekorieren. Aber auch Maßanfertigungen, die anstelle eines Fliesenspiegels in Küche oder Bad zum Einsatz kommen, können in diesem Verfahren hergestellt werden. (Und ich habe mir sagen lassen, dass die Preise solcher Wohnelemente "für Normalsterbliche leistbar" sein sollen.)


Der jüngste Glasmeister im Clan wurde 1991 geboren, und ich schätze mal, in seinen Adern fließt flüssiges Glas - oder ist es nur die brennende Liebe zu diesem Werkstoff? In jedem Fall wurde ihm das Talent bereits in die Wiege gelegt. Doch er ließ es mit der Gabe allein nicht genug sein und feilt seit seinem 14 Lebensjahr an der Entwicklung und Perfektionierung seines eigenen Stils. 

Die drei Bilder in der Mitte stammen von Schautafeln im Museum und zeigen P3 bei der Arbeit.

Seine Spezialität sind einzigartige strahlende Lichtobjekte:

Ich finde sie einfach atemberaubend.

 
Im ganzjährig geöffneten Palmenhaus haben sich zwischen tropischen Dschungelgewächsen auch gläserne Urzeitpflanzen eingeschlichen, die teilweise gut versteckt sind und teilweise aus dem Dschungelgrün hübsch hervorleuchten. Außerdem gibt es auch hier wieder attraktive Mosaike zu bewundern.
 

An das Palmenhaus grenzt ein Skulpturengarten an. Es gibt hier vieles zu entdecken, von gläsernen Tieren und prächtigen Glasblüten über die witterungserprobten Glasbilder von Peter Kuchler II alias Nicco bis hin zu witzigen Schildern und dekorativen Gartentischen.
 
Das originelle Kaffee-Platzerl ist zugleich mein Ticket zum Linkup T Stands For Tuesday 🍷🥤🍻🥂🍹🥛

Sowohl das Palmenhaus als auch der Zaubergarten bieten eine gelungene Mischung von Glaskunst und Natur:

Die Fotos der vorangegangenen Collage entstanden übrigens ein paar Tage nach den zuvor gezeigten - denn am Nachmittag des 13. November schafften wir es (obwohl in der Nacht zuvor Enkelkind Jamie bei uns übernachtet hatte und wir an diesem Tag außerdem noch etwas zu feiern hatten 😉), die internationalen Glastage zu besuchen. Also warf ich mich in ein "mosaikbuntes" Des*gual-Kleid und kombinierte es mit meinem selbstgehäkelten Regenbogenschal - und dann zogen wir los in Richtung Kuchlerhaus!

Ich kann euch leider nur einen kleinen Ausschnitt des Angebotenen zeigen. Aber ich hoffe, es lässt sich auf meinen Fotos erkennen, dass es sich tatsächlich um ein HEISSES 🔥 Event gehandelt hat! Unten seht ihr den Glaskünstler Dan Alexander aus den USA, der in einer speziellen "Sculpturing"-Technik einen gläsernen Totenschädel herstellte. Seine Liebe zur Arbeit mit Glas geht so weit, dass er sich einen glasblasenden Kobold auf den Bizeps tätowieren ließ. 
 
Apropos "Bizeps" - die Glasherstellung ist nicht nur aufgrund der permanenten Hitze schweißtreibend, Glas muss während des Bearbeitungsprozesses ständig wieder in den Ofen geschoben werden - und manche Glasbrocken sind ziemlich schwer. Das ist dann wahres Workout. Teilweise wird zu dritt oder zu viert gearbeitet, um schnell genug zu sein. Kühlt das Glas während der Bearbeitung zu stark aus, bricht es und wird unbrauchbar. Das mussten wir an diesem Tag leider mehrmals erleben - es gehört praktisch zum Glasbläser-Alltag. Dan Alexander jedoch hat es geschafft, seinen gläsernen Totenschädel fertigzustellen.

Die Glaskünstler ließen sich nicht dadurch stören, dass einer der Kuchler'schen Familienhunde zu Besuch kam, um sich am Ofen etwas aufzuwärmen 😀

Als nächstes zeigte die Schweizerin Nathalie Flückiger "Recycling-Art"; gemeinsam mit einem Kollegen stellte sie aus alten Flaschen hübsche Ziergegenstände wie Kerzenständer oder Krüge her.

Auch andere Glasbearbeitungstechniken wurden im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt, z.B. zeigte Frau Hilde Kuchler Kindern die Kunst der Glasmalerei. Es gab einen Stand, an dem man beim Glasgravieren zusehen und Gläser oder Weihnachtsschmuck erstehen konnte, außerdem konnte man zusehen, wie Modeschmuck und anderes Dekoratives aus Glas entsteht.

Hier unten seht ihr mich mit einem anderen Kuchler-Hund - insgesamt gibt es (soweit ich weiß) drei süße Familienhunde 😊. Außerdem könnt ihr einen Blick auf ein paar weitere witzige Gartenschilder werfen. Der freundliche Herr, mit dem ich rechts unten posiere, ist Peter Kuchler II alias Nicco, mit dem ich unter anderem ein bisschen über seine Glasbilder und die künstlerische Tradition in seiner Familie plauderte. Er gab offen zu, dass die gesamte Familie Kuchler "mit dem Glasvirus infiziert" ist - und dass sie auch andere Menschen damit anstecken wollen! 😉. Links seht ihr ihn im Gespräch mit seinem Sohn - P3.

Nicco überredete mich dazu, auch noch die letzte große Glaskunstvorführung dieses Tages anzusehen - die Entstehung eines gläsernen Wikinger-Schwerts! Er erzählte mir, dass der schwedische Glasmeister Dan Clausen einer jener Künstler ist, die seinen Sohn mit ihrer Technik im Lauf der Jahre ganz besonders geprägt  haben. 

Da ich ja immer behaupte, dass in meinen Adern Wikingerblut fließt, hatte ich keine Wahl - ich "musste" mir natürlich ansehen, wie dieses ganz besondere Schwert ... nunja, fast hätte ich gesagt: "geschmiedet wird". Was die Hitze betrifft, ist zwischen einer Schmiedewerkstatt und der eines Glaskünstlers jedenfalls nicht viel Unterschied. Nur wird hier nicht gehämmert, sondern gezogen, gedreht, beinah zärtlich geklopft, mit einer Zange verdreht, mit Hitze zusammengeklebt ... bis nach und nach aus einem Klumpen geschmolzenen Glases die gewünschte Form herauswächst. All diese Bearbeitungsschritte laufen kraftvoll und zugleich behutsam ab. Und bei jedem Schritt besteht die Gefahr, dass etwas schief geht, selbst wenn die erfahrensten Glaskünstler zugange sind.

Dan Clausen wurde beim Erarbeiten des Schwertes von Peter Kuchler III, Dan Alexander und einem weiteren Glasmeister unterstützt - und das Schwert schien ein Prachtstück zu werden. Oben seht ihr es auf der rechten Seite im beinah fertigen Zustand. (Soweit ich weiß, hätte es nur noch in die Länge gezogen werden sollen.) Doch schon zehn Grad zu wenig können alles zunichte machen - und so war es leider auch bei diesem Wikingerschwert: Sekunden nachdem ich das obige Foto geschossen hatte, zersprang das edle Stück in tausend Scherben... Ein lautes bedauerndes "Ooooooooooooooooch!" ging durch die Zuschauerreihen...

Traurig, doch wird durch solche Missgeschicke auch glasklar, weshalb Gegenstände aus handbearbeitetem Glas so wertvoll und so teuer sind. Andererseits ist Glas ein äußerst haltbares Material - wenn man sie nicht zerschlägt oder extremer Hitze aussetzt, können Gegenstände aus Glas viele Jahrtausende überdauern.
 
 🥂

Ich hoffe, mein Bericht über das Kuchlerhaus und die dortige Glasveranstaltung war für euch interessant! Wie schon erwähnt, werde ich weiterhin nur wenig Zeit für die Bloggerwelt haben - aller Voraussicht nach bis etwa Mitte Dezember. Ich möchte euch daher schon jetzt eine wundervolle Vorweihnachtszeit wünschen, die ihr hoffentlich stressfrei genießen könnt. Außerdem danke euch herzlich für die vielen Kommentare zu meinem vorigen Blogbeitrag, und freue mich natürlich auch sehr auf  eure Zeilen zu meinem heutigen gläsernen Posting!  

Ganz herzliche Rostrosengrüße

und alles Liebe

eure   T  r  a  u  d  e




Gerne verlinke ich passende Beiträge: 
beim Mosaic Monday, Monday Mural, Artis Schilderwald-Linkup, Wednesday around the World bei Pieni Lintu, bei My Corner of the World, All Seasons bei Lydia, Naturdonnerstag - bei Elke, Thursday Art Date von Rain, Friday Bliss - bei Riitta von Floral Passions, Saturday's Critters bei Eileen, bei der Gartenglück-Linkparty, I’d Rather B Birdin’, Garden Affair - bei Jaipur Garden, Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche, Heidis Aktion Himmelsblick, Colour-Energy von Maren - Farbwunder Style, Ich seh rot oder Close to the Ground bei Jutta,  All good things are blue bei Anne, Mein Freund, der Baum - bei Astrid


PS: 
Hier habe ich noch einige wichtige Petitionen und Informationen für euch:
 
Tuvalu kämpft um ihre Zukunft

  • Eine dringende Botschaft des Premierministers von Tuvalu:  
"Liebe Freundinnen und Freunde,
Unser Land geht unter! Mein Heimatland könnte eine der ersten Nationen sein, die völlig von der Landkarte verschwindet, aufgrund des Klimawandels. Aber wir geben nicht auf. Wir werden kämpfen! In ein paar Stunden spreche ich auf dem Klimagipfel in Ägypten und fordere ein neues globales Abkommen zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen sowie die Unterstützung gefährdeter Länder bei der Bewältigung der Klimakatastrophe. Schließen Sie sich jetzt meinem weltweiten Aufruf an die Staats- und Regierungschefs an! "
Bitte unterschreibt und teilt diesen Appell: "Lasst die pazifischen Inseln nicht untergehen"

Wächter des Waldes

  • Rund eine Million Tier- und Pflanzenarten könnten aussterben, wenn der Schutz der Biodiversität nicht gelingt. Schutzgebiete können bei der Bewahrung von Artenvielfalt und Klima eine wichtige Rolle spielen, sie sind jedoch kein Allheilmittel. Die Rechte, das Wissen und die Lebensweise indigener Völker und anderer lokaler Gemeinschaften bewirken oftmals mehr. Studien belegen, dass die Natur dort in einem besseren Zustand ist, wo sie die Verantwortung tragen und über Landrechte verfügen. Bitte unterschreibt und teilt diesen Appell: "Artenvielfalt schützen – aber richtig! ­UN muss die Rechte indigener Völker stärken"

Bunte Malerei mit Pflanzen und einer indigenen Frau auf den Mauern eines kleinen Gebäudes mit der Aufschrift: "Lasst uns das Wasser ohne Angst verteidigen"

  • Alba Bermeo Puin war im fünften Monat schwanger, als sie und ihr werdendes Baby am 22. Oktober von bewaffneten Männern erschossen wurden. Sie hinterlässt ihre Familie und Gemeinde in einem Zustand tiefer Trauer und Bestürzung. Es ist der dritte gewaltsame Angriff auf Frauen, die sich in der Provinz Azuay gegen Bergbau in wehren. Die Organisation "Rettet den Regenwald" bittet mit dieser Petition um internationale Solidarität für die von Gewalt bedrohten Umweltschützer:innen. Bitte unterschreibt die Petition und teilt sie: "Ecuador: Stoppt die vom Bergbau ausgehende Gewalt gegen Frauen"

Rettet Amal vor dem Tod durch Steinigung

  • Amal ist erst 20 Jahre alt, und ein Richter hat beschlossen, dass sie den Tod durch Steinigung verdient hat. Nach einem Scheinprozess wurde diese grausame Strafe verhängt. Es ist das erste derartige Urteil im Sudan seit einem Jahrzehnt, und jetzt sitzt sie im Gefängnis fest, bis das Revisionsgericht über ihr Schicksal entscheidet. Doch ein enormer globaler Aufschrei könnte Amals Leben retten. Wir dürfen keine Zeit verlieren - hier geht es zur Petition: "Rettet Amal vor dem Tod durch Steinigung" (bitte unterschreiben und teilen!)