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Donnerstag, 3. September 2009

Die Geschichte vom hölzernen Bengele ...


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... kennen bestimmt viele von euch - die meisten aber wohl unter dem Namen, dem ihm sein Erfinder Carlo Collodi im Jahr 1881 gegeben hat: Pinocchio. Doch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, als die ersten Übersetzungen der "Geschichte eines Hampelmannes" erschienen, war offenbar das Bedürfnis noch sehr groß, den Namen des kleinen Holz-Püppchens "einzudeutschen". Die erste deutsche Fassung aus dem Jahr 1905 hieß gar Hippeltitsch's Abenteuer! Auch der Name von Gepetto, dem Ziehvater Pinoccios, wurde verändert: Er heißt in meinem Buch, das sich schon lange im Besitz meiner Familie befindet, Toni. (Josef oder Sepp wäre passender gewesen, denn Gepetto ist ja eine Form von Guiseppe.)

Offenbar hat man es in früheren Zeit auch noch nicht ganz so genau mit dem "Copyright" genommen - jedenfalls gibt es in dem "Bengele-Buch" nur zwei äußerst dezente Hinweise auf Collodi: Der Name steht klein auf dem Buchrücken und (wie ihr auf dem Foto oben sehen könnt) nicht viel größer im Buchinneren - direkt neben dem Namen des Übersetzers (Anton Grumann). Wie es aussieht, haben milde Zephirwinde die Geschichte in Deutsche Lande geweht - dann braucht man den Autor wohl auch nicht groß zu nennen ;-)



Später hat Grumann unter seinem eigenen Namen auch noch ein Sequel herausgebracht - "Die Geschichte von Bengeles Schwester". Da ich als Kind so ziemlich alles gelesen habe, was mir zwischen die Finger kam (auch die Bücher "in der alten Schrift") nehme ich an, dass ich auch diese Geschichte nicht ausgelassen habe. Ich kann mich allerdings an nichts mehr erinnern - möglicherweise war sie nicht besonders spannend? Darauf würde auch folgender Text hinweisen, mit dem der Herder-Verlag am Ende des Buches für das Vorgänger-Werk wirbt:
"Kennst du die Geschichte vom hözernen Bengele? Bengele ist ein wenig jünger als seine Schwester. Darum, und weil er eben ein Bub ist, erlebt er womöglich noch tollere Geschichten. Oder ist das nicht so?"


Ich liebe diese beiden Bücher vor allem wegen der schönen scherenschnittartigen Zeichnungen auf den Umschlägen und wegen der liebenvollen und zahlreichen lllustrationen im älteren "Bengele"-Buch. Sie stammen von Enrico Mazzanti (worauf ich im Inneren des Buches keinen einzigen Hinweis finden konnte). In "Bengeles Schwester" hingegen findet sich im Buchinneren die Bemerkung "Mit 66 Bildern von Johannes Thiel"... (Sie sind nicht schlecht, kommen aber an die Mazzanti-Zeichnungen nicht heran.)



Pinocchio – Darstellung von Enrico Mazzanti



Wer übrigens einmal in die Toscana kommt, sollte sich die Ortschaft Collodi nicht entgehen lassen (zwischen Lucca und Pistoia gelegen), nach der sich der Pinocchio-Autor benannte. (Sein eigentlicher Name lautete Carlo Lorenzini .) Hier kann man sich unter anderem den Pinocchio-Park ansehen (doch Achtung, man sollte sich keinen Vergnügungspark für Kinder erwarten - der Park hat andere, eher künstlerische Qualitäten). Besonders charmant und sehenswert haben wir in Collodi allerdings


gefunden! Unbedingt zu empfehlen!


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Und hier zeige ich euch noch ein paar andere alte Bücher aus meiner Sammlung. Weil mich einige gefragt haben, wie viele alte Bücher ich besitze: Es sind nicht gar so viele, doch sie sind allesamt Erbstücke (bisher habe ich also noch nicht auf Flohmärkten oder in Antiquariaten nach "Zuwachs" gesucht). Und auch wenn sie vermutlich noch keinen besonders großen Sammler-Wert haben, sind sie mir lieb und teuer. Ich liebe es, wie sich diese alten Bücher anfühlen, ihr vergilbtes Papier, die zum Teil sehr aufwendig gestalteten Buchdeckel und Illustrationen im Inneren, ich liebe die Geschichten, die mit ihnen verknüpft sind und ich liebe ihren unvergleichlichen Geruch!



Eines dieser Bücher stammt von Ludwig Ganghofer ("Der Klosterjäger"). Es enthält ein Gedicht, das der Autor seiner verstorbenen kleinen Tochter gewidmet hat. Und weil ich auf den verschiedenen Blogs nicht nur herzerwärmenden und fröhlich machenden Themen begegne, sondern zuweilen auch sehr tragischen und berührenden Familiengeschichten, möchte ich am Ende meines heutigen Posts dieses Gedicht wiedergeben: Erst vor kurzem bin ich durch die Beiträge von Rosa und von Michelle auf einen Blog aufmerksam geworden, bei dem es um die Geschichte der kleinen Cora, um ihre Familie und um bewunderswerte Trauerarbeit geht. Und am selben Tag wurde ich durch Emmelines Blog auf das traurige Schicksal der kleinen Wilma in der norwegischen Mali-Mo-Familie aufmerksam. Für sie und alle, die ähnliches Unvorstellbares erlebt haben, möchte ich Ludwig Ganghofers Zeilen aus dem 19. Jahrhundert hier wiedergeben:

Dem Angedenken meines heimgegangenen Kindes

Sie stieg hernieder auf die Erde,
Wie von der Sonne fällt ein Strahl ...
Und schwand hinweg von dieser Erde,
Wie er verglüht im dunklen Tal.

Der Blume gleich im Frühlingshage,
An Leib und Seele sonder Fehl,
War sie die Freude meiner Tage,
Mein Sorgentrost und mein Juwel.

Kein Wölklein, das sich nicht zerteilte
Vor ihrem sonnigen Gesicht,
Und wo sie ging und wo sie weilte,
Da war die Wärme, war das Licht.

Sie lächelte: man musste lieben.
Ein Blick: und sie gewann ein Herz ...
Und ach, was ist von ihr geblieben?
Ein kleines Grab, ein großer Schmerz.


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(Es tut mir Leid, dass mein heutiges Posting so schwermütig endet, doch diese Schicksale haben mich ziemlich stark erschüttert.
Ich wünsche euch allen natürlich trotz alledem ein wunderschönes, erholsames und KEINESWEGS schwermütiges Wochenende!!!
ALLES LIEBE, Traude)

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